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Nun fahre ich doch Yukon Quest

Hallo aus dem Yukon. Es ist nur einen knappen Monat her, dass ich darüber schrieb wie sehr ich das Sofamushing genieße. Das Sofa wurde wieder durch den Schlitten ersetzt und ich bin für das Yukon Quest Rennen angemeldet. Da kam dann doch so einiges an emails mit Fragen, klugen Sprüchen bishin zu Angeboten auch noch ein Team im Iditarod zu fahren. Den Vogel hat mein Vater abgeschossen mit der Bemerkung: „Ich nenn Dich ab jetzt Konrad - Nach Konrad Adenauer, was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern.„

Wie konnte das mit dem Quest passieren? Hundeschlittenfahren ist wahrlich eine Sucht. Und diese Sucht wurde bei mir sofort wieder geweckt wo ich Gerry Willomitzer´s 2. Gespann gefahren habe. Und da seine Hunde obendrein auch noch gut trainiert sind, macht das Ganze gleich doppelt Spaß. Und der Rest passiert dann, wenn man zu viel Zeit hinten auf dem Schlitten verbringt und einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf gehen. Norten Sound 450 Rennen, Quest, ein Team, 2 Teams und so weiter. Ende vom Lied ist, dass Gerry sich für das Norton Sound 450 von Unalakleet nach Nome als Finish Line run angemeldet hat, und ich mich zum Quest. Damit war es vorbei mir meinem ruhigen Winterplänen und plötzlich hieß es mal ganz schnell auf Hochtouren kommen. Körperlich merke ich, dass ich einiges aufzuholen habe. Das gute Deutsche Essen im Herbst, weniger Bewegung und schwupps waren da gleich mal wieder in paar Kilo mehr drauf. Das habe ich auch prompt zu spüren bekommen auf den ersten Trainingsläufen und war heilfroh als mir Gerry endlich einen seiner Gatt Sitzschlitten gab. Mental hingegen, bin ich besser drauf denn je, vorallem um diese Jahreszeit. Das liegt ganz klar zum einen daran, dass ich endlich mal eine Pause hatte. 3 Monate auf ganz andere Gedanken kommen, Szenenwechsel, Urlaub. Aber vor allem mich auch nicht mit den alljährlichen Doghander Problemen rumärgern musste.

Gerry hingegen konnte davon wieder ein Lied singen, so hatte er doch einen von diesen „Jack London Träumern„ da. Doghandler gibt es in 2 Varianten.
1.) den Träumern. Ich bekomme schon eine Kriese wenn die Bewerbungsemail beginnt: „ Es war schon immer mal mein Traum .... und ich habe auch einen Hund zuhause „Die Motivation dieser Leute mag ja recht sein, aber die leben so weit von unserer Musher Realität entfernt, dass es nach kurzer Zeit immer zum gleichen Ergebnis kommt. Der Traum wird zum Albtraum, die Arbeit ist zu hart, die Tage zu lang, der Musher zu böse, weil er für nix anderes als Hunde ein Verständnis hat.
Dann gibt es aber die 2 Handler Version: Weitaus seltener verbreiet aber es gibt sie doch. Jemanden der echt zum Arbeiten und lernen kommt und sich auch tatsächlich bereit ist, seine Wünsche denen des Mushers und vor allem der Hunde hinten anzustellen, um möglichst viel für die Zukunft zu lernen. Die Qualität der Doghandler spiegelt sich dann auch deutlich in der Laune des Mushers wieder. Und das ist wichtig, denn die Hunde spüren das viel zu schnell, wenn man schlecht gelaunt ist.

Gerry und ich haben das Glück das uns einige gute Freunde sofort zu Hilfe kamen. Kaum 3 Tage nach der Entscheidung das Rennen zu fahren, war bereits das gesamte Hundefutter für den Quest Fooddrop klein gesägt und verpackt. Danke an Karine und Kelsey.

Viel Zeit bleibt zur Planung und Vorbereitung auch nicht mehr. In 2 Wochen muß das Futter schon abgeben sein, in 4 Wochen bin ich schon längst auf dem Trail unterwegs. Mit Didier und Markus habe ich auch eine sehr erfahrene Dawson City Crew. In Fairbanks wohne ich wieder bei Gisela und Dieter Dolif, da freue ich mich schon sehr drauf. Alles wie in alten Zeiten. Dürfte eigentlich nichts schiefgehen

Gerry´s Hunde zu fahren macht mir verdammt viel Spaß. Die meisten Rüden kenne ich vom Gletscher, wie Drum, Wrangell, Sanford, Houdini, Stevie, Carl, Crusader. Die Hündinnen sind mir noch neu, vor allem da alle schwarz sind ( Blackjack Racing ) bringe ich die zum Teil immer noch durcheinander. Egal. Die laufen alle wie die Hölle. Paula, Scary, Sporty, Storm, Hurricane, Hocus, Highlander.... so viele females bin ich sonst nie gefahren. Alle Hunde sind bei Gerry im Kennel, das ist auch besser so, denn hier zuhause erst alles einzurichten wäre nicht sinnvoll. So pendele ich täglich mit dem Auto hin und her. Kommt mir fast so vor wie auf die Arbeit nach Whitehorse zu fahren, nur oft zu sehr sonderbaren Tageszeiten. Das Training ist komplett anders, als ich es bisher gemacht habe. Völlig auf Geschwindigkeit getrimmt, deutlich weniger Läufe und kürzere Läufe. Ich bin mal sehr gespannt, wie sich das in den Rennen auswirkt. Ich wünsche Euch viel Spaß beim virtuellen Mushing. Ich plane sowohl meine gute Kamera, eine kleine Gopro Videokamera und noch ein Diktiergerät mitzunehmen. So denn die Dinger auch unter den Extrembedingungen, die wir ohne Frage haben werden ,auch funktionieren, sollte es dann nach dem Rennen einiges an schönem Bild und Textmaterial geben.

Happy Trails....und die Sucht geht weiter......

Sebastian

Sab

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