Der Sofamusher wünscht Euch frohe Weihnachten und alles Gute für 2012
Hallo vom Sofamusher,
Es ist Mitte Dezember und viele meiner Mushing Freunde fahren auf dem Sheep Mountain 150 Rennen. Dieses Rennen läutet hier im hohen Norden immer die Distanz Mushing Saison ein, mit 3 mal 50 Meilen Läufen, unterbrochen von 5 Stunden Pause. Veranstaltet wird das Event von Anjanette und Zack Steer von der Sheepmountain Lodge. Es ist immer eines der bestorganisiertesten Rennen der Saison. Es ist früh am Morgen und wie viele der Rennfans, bei uns hier auch „ Armchair Mushers „ genannt, verfolge ich online die Updates. Zum einen wäre ich gern dort, zum anderen bin ich aber auch froh, nur noch ein Stück Holz im Ofen nachschieben zu müssen.
Anstatt wie üblich Hunde zu trainieren, habe ich diesen Herbst mehr über Schlittenhunde und den Sport geredet. Daher der Name Sofamusher im Titel. Genau vor einer Woche war ich in der Gaststätte zur Alten Burg in Kerpen, wo Sui einen schönen Abend für echte Yukon Quest Fans organisiert hat. Ah der Döner im Gleis 7 war ausgezeichnet. Kurz zuvor war im BMW Autohaus Freese in Oldenburg, auch eine sehr gelungene Veranstaltung. www.freese-gruppe.de Aber der große Unterschied zu den vergangenen Jahren ist diesen Herbst die Tatsache, dass ich mal nicht nur gearbeitet habe. Neben dem Hundeschlittensport habe ich noch eine andere Passion, das Segeln. Und das kam viel viel zu kurz in den letzten 15 Jahren. So habe ich im Oktober dann tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und mit wieder ein Boot gekauft. Das lag noch im Wasser im Puget Sound Nähe Seattle. Also nix wie hin und dort erst einmal neue Gewässer erkunden.
Das Boot wurde längere Zeit nicht richtig benutzt, so hatte ich doch die ein oder andere Überraschung, wie Riss im Großsegel, gebrochenen Schäkeln oben am Mast (ich habe Höhenangst). Aber das hat mich alles nicht vom Segeln abgehalten. Die erste Nacht habe ich in einem Hafen mitten in Seattle verbracht, na da könnte ich auch gleich neben der Autobahn schlafen, nicht gerade meine Idee vom ruhigen Segeln. Also nix wie weg, weit weg.... und nach schönen Ankerbuchten gesucht. Da stelle ich fest, dass der Anker noch nie gebraucht, und noch nicht mal am Boot festgebunden war. Eine Selbststeueranlage fehlt wirklich. Ich segele gern lange Distanzen. Wie ich auch beim Hundeschlittenfahren eigentlich nur Interesse am Langdistanz Mushing habe. Ich möchte immer etwas Neues sehen, und brauche auch immer so meine Zeit um mit dem Kopf wirklich dabei zu sein. Nur irgendwo für 10 Meilen hinzufahren, ist nicht mein Ding. In meinen Vorträgen bekomme ich immer wieder die Frage: „ Wie sieht das eigentlich aus, wenn Ihr mal zu Toilette müsst? „ Laßt Euch versichern, es ist viel einfacher beim Fahren vom Hundeschlitten zu pinkeln, als bei Schräglage von einem Boot ohne Selbststeueranlage.
In Seattle wohnt auch ein Bernd, ein Freund mit dem ich Ende der 80 iger Jahre in Gaggenau bei Mercedes zur Lehre ging. Jau, nicht nur ich habe graue Haare bekommen. Es ist schon interessant zu sehen, in welch verschiedene Richtungen sich die Leben entwickeln und dann wiederum einige Dinge sich gar nicht verändern. Wir hatten ne Menge Spaß, und ohne Bernd hätte ich mein Boot nie zum Alaska Marine Highway bekommen. Ende Oktober war es zu spät, die Inside Passage nach Juneau zu segeln, so blieb mir nichts anderes übrig als „ Orcaburger „ (so heißt der Pott) im Bauch der Matanuska Fähre in 3 Tagen nach Juneau zu bringen. Aber auch diese Tour stand schon seid vielen Jahren auf meiner Wunschliste. Immer wenn ich die Fähre von Haines nach Juneau nehme um dort zu den Gletschertouren zu kommen, war da dieses Fernweh auch einmal die gesamte Strecke bis nach Bellingham zu sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Der Alaska Marine Highway ist eine gute Alternative zu den sehr teueren Kreuzfahrten. In Juneau angekommen, habe ich das Boot im Winterlager eingemottet. Aber selbst da konnte ich es nicht lassen, noch mal mit einer Bekannten, die sich auch gerade ein neues (BJ 1969) Segelboot gekauft hatte, einen kurzen Törn zu machen. Aber der Schnee lag förmlich in der Luft, so bin ich im Schneefall über den Haines Paß nach Hause gefahren, wo dann auch prompt die weiße Pracht auf dem Boden Lag. Nix wie weg...., nur noch kurz den Trail mit dem Skidoo reinmachen, das kann nie schaden. Meine letzten 3 Hunde, Gas, Diesel und Gizzy wurden auch für den Winter abgeholt und machen in Montana Touren. Damit war ich vogelfrei. Das erste Mal, nach 15 Jahren, ohne Hunde.
Nix wie weg hieß nach einem Kurzabstecher nach Deutschland, ab in die Karibik zum, wohin sonst? , Segeln. Endlich mal wieder Sonne auf dem Bauch. Wobei ich so käsebleich war, dass ich die ersten Tage eigentlich nur mit langärmligen T shirt herumlaufen konnte. Gleich am 2. Tag überhitzter Motor am Segelboot, nicht funktionierender Motor am Beiboot. Um den Mechaniker von Land zu holen kam Jim´s Kommentar: Und wie sollen wir das jetzt machen? Schwimmen??? Aber nach etwas Startschwierigkeiten, hatten wir dann 2 wunderschöne Wochen im warmen Paradies. Wir das waren mein Vater und ich, sowie meine Freunde Bonnie und Jim aus Anchorage, bei denen ich ja immer vor und nach dem Iditarod wohne. Leben könnte ich in der Karibik nicht. Der Gegensatz von Arm und Reich ist dort noch erschreckender als in den nördlichen Gefilden. Man kann sich kaum frei bewegen, ohne irgendjemanden ein Trinkgeld geben zu müssen, damit nicht sonst das Beiboot weg ist. Dann gibt es die Bootsverkäufer, die alles anbieten vom frischen Baguette, über Tshirts bishin zu wunderbaren Lobsteressen abends am Strand. Diese Verkäufer fahren mit farbenfrohen, hoch motorisierten offenen Nußschalen von Segelboot zu Segelboot und bieten Ihre Waren an. Ihre Boote tragen vertrauensvolle Namen von „ Romeo „ bis „ Fake Friend „.
In Deutschland habe ich dann so viele Freundesbesuche wie möglich gemacht, was mich sogar bis zur Zugspitze nach Bayern gebracht hat. Tortzdem war, wie immer, die Zeit viel zu kurz. Zwischendrin waren dann noch einige Vorträge. Das Spektrum ging vom Management Seminar mit dem Titel „ Erfolgreich am Limit „ bis hin zum „ Mein Leben im Yukon“ Abenteuerbericht. Für das Frühjahr Ende März, Anfang April plane ich noch einmal zu kommen, dieses Mal wohl eher etwas mehr in den Süden. Wenn ich die verschiedenen Termine weiß, werde ich die auf Facebook bekannt geben. Aprospos Berichte. Hier im Yukon habe ich Dirk Rohrbach kennen gelernt, der mit einem selbstgenauten Birkenrindenkanu den Yukon River herunter gepaddelt ist. Klein wie die Welt ist, sollten wir uns in Murnau wieder treffen, wo ich mir mit ein paar Freunden spontan einen seiner Vorträge angeschaut habe. Die sind ein MUSS für jeden Yukon und Alaska Fan, eine Reise entlang des „ Great River „ wo Land und Leute mit stimmungsvollen Bildern dokumentiert ist : www.weltgeschichten.com
Dann hieß es , leider, Abschied nehmen von Deutschland, meiner Familie, den Freunden und auch dem guten Essen, dem Döner (ja nicht wirklich Deutsch), Aal, Krabben, Geschnetzeltes, Schnitzel, guten Frühstücken mit Brötchen und lokalen Leckerein. Wie es ja so ist, das beste Essen ist immer noch bei Mama.
Bis hier hin verlief mein Herbst und Winter eigentlich planmäßig. Und kaum bin ich wieder im Yukon angekommen, steht mein Name auf der Startliste für das Copper Basin 300 im Januar. Das war nicht geplant. Was ich anfänglich für nicht einen so ernstgemeinten Vorschlag von Gerry gehalten hatte wurde dann ganz schnell real. Also ich fahre nicht meine eigenen Hunde, habe ja außer Nemo der bei Diana und Olaf wohnt, keine hier, sondern das 2. Gespann von Gerry Willomitzer. Das war aber ein Angebot, was ich mir so ganz auch nicht entgehen lassen konnte, denn der hat super Hunde. Aber bevor das mit den Rennen jetzt wieder ausartet, mache ich während Gerry am Wochenende auf dem Sheep Mountain ist (derzeit nach dem 2. Lauf auf dem 5. Platz), fixe Reisepläne für den Rest vom Winter. Einen Trip ins Warme, dass muss noch mal sein, dann Deutschland und Österreich im März. Und ehe wir uns versehen, ist dann auch schon wieder Mitte April und die alljährliche Reise nach Juneau beginnt, dort die Hundeschlitten Touren vorzubereiten für den Sommer mit www.coastalhelicopters.com. Darauf freue ich mich schon wieder richtig.... o.k. zugegeben, ich freue mich auch Orcaburger wieder ins Wasser zu bringen und zwischendurch auch mal Glacier Bay, Lynn Canal und andere Ecken unsicher zu machen.
Wie mein Freund „ Burning „ , der ohne Vorkenntnisse „ mal eben „ zur Antarktis gesegelt ist : Ich hoffe es wird nie langweilig. Gott Schütze uns vor Flauten, für Stürmen schützen wir uns selbst.Euch ein schönes Weihnachtsfest und auf dass all Eure Wünsche und Träume für 2012 in Erfüllung gehen.
Sebastian
Sab
