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Wo ist der Sommer geblieben?

Hallo aus Whitehorse.

In meinem letzten Rundbrief im Mai hatte ich gerade meine Returnbags vom Iditarod Rennen geöffnet und einen Stapel Hundedecken und ne Menge anderes Zeugs in meinem Schlittenschuppen aufgehangen. Jetzt ist es der 13. September und die Sachen hängen dort immer noch. Da nun die ganze nasse Ausrüstung vom Gletscher auch noch dazu kam, konnte ich mich nicht mehr darum drücken, die Iditarod Sachen endlich, 6 Monate nach dem Rennen, zu verpacken. Ich war nicht of zuhause diesen Sommer, wobei ich gar nicht genau weiß, wo zuhause überhaupt ist. Heimat ist wo das Herz ist, und im Herzen war ich schon immer ein Reisender. Die letzten 14 Jahre war ich meistens mit den Hunden auf Reisen. Dabei gab es einiges and Auf und Abs. Ich habe unendlich viele schöne Momente erlebt, die ich mit tollen alten und neuen Freunden genießen konnte. Dabei war ich immer in Begleitung von meinen treuen Hunden. Eine Verbindung die über viele Jahre aufs Engste zusammengeschweißt wurde. Ich habe in einem Film mal gesagt: „ Meine Hunde und ich wir sind wie ein altes Ehepaar und kennen jede Laune des anderen“. Unser Zusammenhalt wurde oft getestet, sei es den Eagle Summit zu erklimmen, viele Stunden lang ohne Trail auf dem Yukon River herumzuirren oder uns im Windsturm über den Norton Sound zu kämpfen. Obwohl es auch so einige brenzlige Momente gab, sind wir immer in einem Stück aus diesen Situationen herausgekommen, mit einem umso stärkeren Zusammenhalt. Ich hoffe, dass diese Verbindung stark genug ist, dass es mir meine Hunde verzeihen, dass ich diesen Winter auf andere Wege gehe.

Aber ich konnte den Ruf nach einer Veränderung nicht mehr länger ignorieren. Ich hatte immer weniger Zeit für meine Nicht Mushing Freunde und meine Familie. Entweder war ich am Arbeiten um Geld für die Rennen zu verdienen, oder am Trainieren für die Rennen, oder eben auf diesen selbst. Aber das Ganze wurde immer einseitiger und es ist an der Zeit, auch mal wieder andere Dinge im Leben zu machen. Segeln ist auch eine meiner Leidenschaften, und das habe ich ziemlich vernachlässigt. Einmal ein Wasserratte, immer eine Wasserratte. Diesen Winter tausche ich die Winterstiefel und Schlittenkufen gegen Sandalen und ein Segelboot. Es ist mal ganz schwer an der Zeit, dass ich mal wieder in die Sonne fahre. Im Sommer bekomme ich immer Kommentare, wie toll sonnengebräunt ich bin. Gebräunt von der Gletschersonne, aber nur an den Händen und im Gesicht. So wie die Sonne nur Teile meines Körpers erreicht, so hat das Mushing nur einen Teil meiner Seele erreicht.

Es ist schon ein sonderbares Gefühl diesen Herbst. So hatte ich mich doch sehr an die Routine des Frühaufstehens gewöhnt. Auf dem Gletscher sowieso, da legen die Hunde immer furchtbar früh los. So wache ich noch immer um 5.30 auf. Aber anstatt bei Minusgraden anzuschirren und dafür mit einem herrlichen Sonnenaufgang über den Ibexmountains belohnt zu werden, haben sich Diesel, Gizzy und ich wieder auf die Couch verzogen. Nun sind auch diese beiden Hunde abgeholt worden und es ist tatsächlich so weit. Ich habe keinen Hund mehr zuhause. Alle sind für den Winter an andere Musher VERLIEHEN worden. Einige werden Rennen fahren, andere Touren machen und die Alten wie Jack und Franky nur ihren Ruhestand genießen. Ich vermisse sie schon jetzt, keine Frage. Meine „ Kinder „ sind flügge geworden. Aber ich habe eben auch andere Dinge vermisst, die ich als Hundebauer nicht machen konnte. Ich sage nicht, dass ich nie mehr Hunde fahren werde. In welche Richtung es weiter geht wird sich nach einem Winter mit neuen Eindrücken zeigen. Aber spätestens im Mai werde ich wieder auf dem Gletscher in Juneau mit www.coastalhelicopters.com auf den Schlittenkufen stehen. Denn das ist mit Abstand einer der schönsten Jobs die es gibt. Immer wieder bekommen wir gesagt, dass die Tour der schönste Tag der gesamten Kreuzfahrt ist, oder manche gehen sogar soweit, des ganzen Lebens ist.

In der Zwischenzeit wünsche ich Euch einen schönen Winter. Ich freue mich schon jetzt darauf die Rennen auf mal am Computer, im Warmen, zu verfolgen. Denn klar, ich möchte ja wissen was meine Hunde so gerade machen.


Sebastian

Sab

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