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Bilder die eine Geschichte erzählen.

Bilder die eine Geschichte erzählen.

Gestern bin ich endlich zum Auspacken von meinen “ Return bags “ vom Iditarod gekommen. Nach 2 Monaten. Das zeigt wie viel Zeit ich dieses Frühjahr hatte. Wenn wir diese im Rennen mit Material füllen, ist alles schön gefroren. Unter normalen Umständen ist dem dann auch noch so, wenn man die wieder auspackt. Da normale Umstände bei mir eher selten vorkommen, war jetzt, Ende Mai, alle schön aufgetaut. Das nächste Mal, ich hoffe allerdings es gibt in der näheren Zukunft kein nächstes Mal, aber das ist nicht der Punkt; sollte ich lieber keine Hotdogs und andere Ess-Sachen wieder nach Hause schicken.

Jeder Fooddrop Sack erzählt seine eigene Geschichte. Außer meinem Namen steht dort nicht drauf, und beim Öffnen kann ich dann erahnen, aus welchem Checkpunkt er kommt. Klar wenn auf der Packung Bacon „ Unalakleet „ steht ist das einfach. Aus einem anderen Sack kommt eine Sektion Zugleine und ein Geschirr mit dem Namen Diesel darauf. Diesel.... den habe ich in Nikolai gedroppt. Und schon kommen eine ganze Reihe Erinnerungen auf: Auf dem Weg nach Nikolai hatte ich unterwegs, ca 3 Stunden nach Rohn, angehalten und campiert. Relativ schnell musste ich Diesel in den Schlitten laden. Das war, obwohl es noch einige Stunden bis Mc Grath waren nicht ein wirkliches Problem, da der Trail hart und schnell war. Aber mental hat mir das Ganze wohl eher ein Trick gespielt. Wir kamen schon um kurz nach 9Uhr morgens in Nikolai an, etwas früher als geplant. Eigentlich hätte ich dann besser durch den Checkpunkt durchfahren sollen, um später nicht durch die Tageshitze zu müssen. Und Hitze sollte das wirklich werden, als ich um kurz nach 13 Uhr wieder auf den Trail ging, und dann einen eher schlechten Lauf nach Mc Grath hatte. Damit hatte ich eine meiner Grundregeln gebrochen die heißt: „ Niemals durch die Mittagshitze zu fahren „. Jetzt im Nachhinein kann ich natürlich nichts anders, als beim Studieren der Laufzeiten festzustellen dass alle 5 Teams, die wir zur flaschen Zeit losfuhren ( Martin Buser, ich, Lance Mackey, Hugh Neff, Robert Buntzen ) später im Rennen in der Rangliste nach unten gesackt sind. Zufall, oder andere Gründe, oder war es hier echt der Fehler gewesen? Und schon geht der teuflische Kreislauf wieder los, im Rennen über den „ Wenn und Abers „ nachzudenken.

Beim Ausschütten der Fooddropsäcke muss ich auch manchmal mit dem Kopf schütteln, wenn ich den ganzen Krempel darin sehe. Von Fuchsschwänzen die gewissen Körperteile der Rüden gegen Erfrierungen schützen, über zig Salben und Pasten, leuchtenden Halsbändern, Hundemänteln bishin zu Fleecedecken und Schlittenkufen für alle möglichen Temperaturen. Was ein Wahnsinn. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und möglichst viel Details decken wir auch beim Packen der Fooddrops ab. Man kann vorher nie wissen welche Temperaturen herrschen und was man letztendlich von der Ausrüstung braucht. Ein Detail hatte ich allerdings nicht abgedeckt: Ich hatte nur so gepackt, dass mir keine andere Wahl bliebt, als in Takotna für meine 24 Stunden Pflichtpause anzuhalten. Das, und die Tatsache, dass ich mit Diesel im Schlitten nach Nikolai kam, hat mich den Fehler machen lassen, dort zu früh anzuhalten. Beim Ausleern der Säcke kam auch so einiges an Süßigkeiten zum Vorschein. Hätte ich die mal besser den Kindern in den jeweiligen Ortschaften geschenkt, denn wie jedes Frühjahr lege ich mal wieder gewaltig an Gewicht zu; bei mir hießt das Sommerspeck, nicht Winterfett. Und haufenweise leckere Schololade zu finden ist gerade ziemlich tödlich.

Als ich die Bilder machen wollte, habe ich gemerkt, dass ich meine richtige Kamera in Juneau habe liegen lassen. Also schnell die alte Pocket Kamera ausgepackt. Beim Herunterladen der Bilder, hat auch diese eine Geschichte erzählt. Die letzten gespeicherten Bilder sind vom Iditarod 2010, auf dem Yukon River entstanden. Schon wieder einige Zeit her. Es war bisher ein Frühjahr, in dem mir viele Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf gehen. Ganz so leicht fällt mir er Abschied von den Rennen doch nicht. Oft komme ich schwer ins Grübeln, anstatt mich sinnvoll der jeweiligen Aufgabe zu widmen. Aber auch habe ich keinen Doghandler, denn nach meinen eher traumatischen Erfahrung im letzten Winter, mache ich erst mal lieber alles alleine, als mich immer zu ärgern. Daher dauert natürlich auch alles viel länger. Schnülletime....

Auch habe ich wieder einige Hunde als Haushunde weggegeben. Diesel und Gas gehen im Herbst. Austin und Moose sind gerade nach Montana umgezogen. Mit Austin, das war ein schwieriger Abschied. Es war einer meiner ersten Hunde, der Hund, der ALLE 1000 Meiler beendet hat. Ich werde diesen Müllfressenen, Hörnchenjagenden Straßenköter ( er kam vom Tierheim ) vermissen.

Ich habe gerade meine beiden Grundstücke, sowohl in Alaska als auch hier in Whitehrose, für kommenden Winter zum Vermieten ausgeschrieben. Denn ohne Hunde im Winter im Yukon, nee, das ist nix. Ich muss mal ins Warme. Beide Buden eignen sich sehr gut zum Long Distance training für einen Musher der Quest oder Iditarod fahren will. Und für die richtige Person, jemand der Achtsam mit Dingen umgeht, habe ich auch einiges an 4 wheelern, Trucks, Schlitten und Rennausrüstung zu vermieten. Mann, wenn ich mir diese Fooddropsäcke anschaue, dann ist da schon alleine genug Ausrüstung drin um noch mal ein Rennen zu fahren.... ohne neues Zeugs kaufen zu müssen. Schlechter Gedanke..... schnell vergessen.

Der Plan ist nach dem Ende der Sommersaison auf dem Gletscher für September und bis Mitte Oktober erst mal hier im Yukon zu bleiben. Da gibt es eh wieder genug zum Auf- und Umräumen wenn der ganze Kram vom Gletscher wieder kommt. Dann kommen im September einige Freunde aus der alten Heimat und ich hoffe sogar echt mal wieder auf eine Kanutour zu gehen. Das wollte ich schon seit vielen Jahren mal wieder machen. Außer hier und da mal einen Tag auf dem Takhini River bin ich in 14 Jahren da nicht zu gekommen. Dieses wird der erste Herbst, seit langer Zeit, wo ich nicht tage- und nächtelang auf dem ATV sitze und mir: „ if you are not the lead dog, the view never changes „ anschaue. Außerdem sollten die Temperaturen im Herbst in Richtung meiner für gewöhnlichen Campingtemperaturen liegen, wo ich immer neben dem Schlitten liege. Mit Zelt, das wird was ganz luxuriöses. Die Mücken sollten im September auch langsam mal weg sein. Dann Mitte Oktober plane ich noch mal über den Teich zu fliegen und einige Vorträge über Quest, Iditarod und Training machen, dabei durch die Gegend tingeln und einige Freund besuchen, was auch schön längst überfällig ist.

Morgen bringe ich die letzten meiner Hunde nach Juneau auf den Gletscher. Vorbei ist die Zeit für Inuk, Saffron, Skunk und Co, faul auf der Couch zu liegen. Ich hatte meiner Bande so viel Zeit „ off „ gegeben wie möglich, sie haben es verdient. Die Hunde waren in den letzten Tagen sehr laut, vor allem nachts. Dunkel wird es hier ja nicht mehr und die Waipitihirsche kommen jede Nacht zum Grasen, direkt in den Dogyard. Während sich meine Band da schon lange dran gewöhnt hat, und wenn überhaupt nur müde ein Augenlied aufmacht, dann habe ich 15 Hunde von Jessie Royer hier, die das Ganze noch sehr spannend finden und kräftig kläffen.

Also, genug der Geschichten, habt alle einen schönen Sommer, bis die Tage.

Sebastian

Sab

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