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Yukon Quest Recap

Yukon Quest Zusammenfassung/Rückblick

Wie ich schon in meinen früheren Newslettern erwähnt hatte, alleine zur Startlinie zu kommen dieses Jahr, entpuppte sich als Alptraum, da ich die schlechtesten Dog Handler überhaupt hatte.

Auch am Start selber änderte sich an meinem Glück nichts. Just als wir das Team fertig machten, spazierte Rolf durch den Hookupbereich und stolperte, während er am fotografieren war über Finn, meinen HauptLeithund. Zu sagen dass ich wütend war, ist eine Untertreibung. Finn brach sich einen Zeh und musste während des Rennens zurückgelassen werden. Wir waren noch nicht mal 2 Meilen unterwegs als ich bemerkte dass Maggot humpelte. Bei näherer Betrachtung schien es seine rechte Schulter zu sein und ich zog ihm einen Schultermantel mit Hitzepads an. Was für ein Rennbeginn. Da hätte ich gleich mit 12 Hunden anfangen können., hätte keinen Unterschied gemacht.

Auf dem Weg nach Braeburn ging es Maggot allmählich besser. Wie immer, zogen etliche Teams an mir vorbei. Der Trail entpuppte sich als raketenschnelle Autobahn und würde wohl auch bis Dawson nicht langsamer werden. Einerseits ist das schön aber andererseits muss man aufpassen dass man die Hunde bei diesen Bedingungen nicht überfordert. Ich habe nur 2 mal unterwegs angehalten und gab jedem Hund etwas wässrige Suppe und passte auf, sie nicht zu überfüttern. Als ich in Braeburn ankam, waren dort schon viele Teams im Checkpoint, was mich überraschte, da ich ja nur eine kurze Pause eingelegt hatte. Die Hunde frassen gut und ich bettete sie unter ihre Fleece Decken. Grant passte auf so dass ich nach innen konnte um etwas zu essen. Wie üblich konnte ich während der ersten Verschnaufspause nicht schlafen, war einfach nicht müde genug.

In Braeburn lud ich Stroh zum campen auf und war als 2. Gespann wieder auf dem Trail. Wieder holten mich viele Teams ein und überholten mich dann. Am Ende von Mandana Lake bekam ich meinen „üblichen“ Platz zum campen. Der einzige Unterschied war dass ich sehr viel früher dort eintraf als in der Vergangenheit und die Sonne gerade aufging. Das hiess, ich würde am frühen Nachmittag aufbrechen müssen-etwas ausserhalb des Zeitplans...mir schwante da noch nicht dass das der Anfang davon war dass ich richtig aus dem Zeitplan geriet und dehalb hauptsächlich in der „Graveyardshift “ mitten während der Nacht würde fahren müssen.

Als ich mein Team durchcheckte bekam ich einen Schock. Ich bemerkte 6 Schulter Verletzungen und 8 schmerzende Fussgelenke. Ich dachte mir „Das ist jetzt wohl ein Witz“ Ich trainiere ja nie auf harten und schnellen Trails und ich hatte die Hunde bis zu 9mph laufen lassen. Ein dummer Fehler, was jetzt viele Massagen für eine längere Zeit bedeuten würde. Während diesem Stop bekam ich kaum Schlaf. Die restlichen 2.5 Stunden nach Carmacks gingen rum wie im Flug und der sich windende, windige Trail macht immer Spass. Mein Team war nicht unbedingt ein schöner Anblick und ich hatte nicht vor, Zeit in Carmacks zu verbringen. Als ich dort eintraf, verlangte Thomas Tetz, einer der Renn Richter, ich sollte freundlicher zu den Leuten sein. Die Menschenmenge zu unterhalten war für mich nicht Priorität und ich hatte wirklich keine Lust, mich mit irgendjemandem zu unterhalten, geschweige denn ein Interview zu geben. An dem Checkpoint war mein Food Drop auch nicht zum Mitnehmen hergerichtet. Ausserdem waren unsere Säcke von demjenigen, der sie verschickt hatte mit einem Draht fest zugebunden worden. Ich verwende immer einen Knoten, der sich leicht lösen lässt aber nun musste ich zusehen wie ich den Draht an jedem Sack ohne Werkzeug aufbekam. Das daürt ewig lange und kostet tierisch Nerven. Nach ca. 20 Minuten waren wir wieder auf dem Trail. Hans Gatt überholte mich sehr bald auf der Freegold Road und liess mich im Staub zurück. Ca 3 Stunden nach Carmacks zog ich raus um zu campen. Meine Güte war das kalt. Minus 40. Ich bekam ernsthafte Zweifel was manche Hunde betraf. Finn müsste ich auf jeden Fall zurück lassen. Das selbe galt für Nemo, seine linke Schulter wurde einfach nicht besser. Maggot sah auch jedes Mal beim abfahren nicht besser aus, genau wie Toad und Austin. Es sah nicht vielversprechend aus. Die Gelenke von Govenor, Tetsa und Grisman erholten sich schnell. Mit der Zeit habe ich gelernt, Hunde nicht all zu schnell zurück zu lassen, denn wenn sie weg sind, sind sie weg. Ausserdem schafft es ein Hund meistens bis zum Ziel wenn er es bis zum 36 Std Layover schafft. In Pelly entschied ich mich also, nur Nemo zurück zu lassen, rückblickenderweise wäre es besser gewesen, ich hätte auch Finn da gelassen. Bei der nächsten Gelegenheit, in Scroggy Creek machte ich das dann. In Pelly nervte mich Thomas wieder, ich sollte freundlicher sein. Das verschlechterte meine Laune nur, ich bin an erster Stelle Dog Musher und dann erst Entertainer. Mir ist wohl klar dass ich eine „soziale Verantwortung“ habe aber alles zu seiner Zeit und mit Hunden, die ziemlich mitgenommen aussahen war mir weder nach Fröhlichkeit zumute noch danach, Interviews geben zu müssen. Ich konnte 2 Stunden schlafen, das tat richtig gut.

Jedes Mal, wenn ich Pelly verlasse ist mein Schlitten vollgepackt. Jedes Mal meine ich, ich hätte zu viel gepackt um dann rauszufinden, dass alles Hundefutter bis zur Ankunft in Dawson verbraucht wurde. Ich fuhr Mittags los, nicht meine bevorzugte Tageszeit, aber es war neblig, kalt und bedeckt. Dan Kaduce fuhr an mir auf dem Weg nach Stepping Stone vorbei mit sehr frisch aussehenden Hunden. Das ist es was mir an Dan so gefällt, jedes Mal wenn ich ihn in einem Rennen sehe, sehen seine Hunde immer gut aus und er trifft jedes Mal klare Entscheidungen zugunsten seines Teams.

Kurz vor Stepping Stone erschienen die ersten Schilder, die Lasagne und Burritos versprachen. Es fällt sooo schwer dieser Versuchung zu widerstehen und nicht anzuhalten aber ich hatte einen Plan die Strecke nach Dawson dreizuteilen. Mein Team konnte an dieser Stelle keine langen Läufe vertragen. Der längste Lauf nach Pelly war 6 Stunden. Das ist unüblich für mich, denn ich bevorzuge eher lange Läufe. Man kann ein müdes Hundeteam fahren. Man kann Hunde mit geringen Verletzungen laufen lassen. Man kann aber nicht ein verletztes und müdes Hundeteam fahren, und genau das Problem hatte ich. Ich hielt nach 8 Stunden Rennzeit insgesamt, an, 7 Stunden wäre für das Team besser gewesen. Mein „Parkplatz“ war auch nicht ideal, da er abschüssig war aber ich wollte an einer höher gelegenen Stelle bleiben um es ein paar Grade wärmer zu haben. Wieder frassen die Hunde gut. Bis dahin hatte noch keiner der Hunde eine Mahlzeit ausgelassen. Das zeigte mir dass ich die Hunde innerhalb ihrer Fähigkeiten laufen liess. Ich konnte hier 2.5 Stunden durchschlafen und fühlte mich danach wie neugeboren. Was aber war dieses sich auf und ab bewegende Ding auf meinem Schlafsack? Während ich schlief mussten die Hunde unruhig gewesen sein, denn 3 von ihnen hatten ihre Necklines weggefressen. Tetsa entschied sich voll auf mir zu schlafen während Governor es sich auf meinen Hosen bequem machte, die nun an den Schnee gefroren waren und Skunk zog zu Inuk und Grisman auf ihren Strohbetten. Gottseidank kam keiner der Hunde auf den Gedanken einem der vielen Teams, die an unserem Camping Spot vorbei zogen, hinterher zu laufen.

Wir fuhren um 23:30 weiter...grrr, Nachtschicht.. Wo war mein 5 Std Energie Drink? Auf dieser Strecke überholten mich Michelle Philips und Dallas Seavey. Ich überholte dann Michelle schliesslich und konnte Dallas’s Licht für den Grossteil der Strecke vor mir sehen. Diese Strecke ist ein Nacheinander von kleinen Hügeln durch ein grosses Waldbrandgebiet und dauert eeeewig, ich hatte Mühe mich wach zu halten. Bei unserer Ankunft in Scroggy waren schon viele Teams dort. Ich liess Finn zurück, nahm mir etwas Stroh und war innerhalb von 5 Minuten wieder auf dem Trail. Hans Gatt folgte mir, was hiess dass er einen vollen Lauf vor mir war, da er sicher bis nach Dawson durchfahren würde, während ich noch eine 4 stündige Pause auf dem Weg machen müsste. Wieder überholte mich Hans schnell und liess uns zurück. Ich fahre üblicherweise bis zu einem Mining Camp ca 3 Meilen vor den Serpentienen am Eureka Summit. Kurz bevor ich dort ankam mussten die Hunde durch ziemlich fiese Overflows waten. Es war gut dass ich nur 400 Yards danach Halt machen konnte zum campen. Die Hunde verschlangen ihr Futter gierig, ausser Austin. Das ist ungewöhnlich für ihn. Er ist mein bester Fresser.

Nach 4 Stunden zog ich den Haken raus. Bis dahin konnte ich nach jeder Pause pünktlich wegkommen. Das beste Rezept ist eine halbe Gallone Wasser vor dem Hinlegen zu trinken. Dieser Wecker funktioniert jedes Mal.

Austin, Toad und Maggot liefen nicht richtig. Ich war mehr und mehr in Sorge, sie in den Schlitten laden zu müssen. Also beschloss ich, sie bergauf laufen zu lassen und lud mindestens einen von ihnen auf jeder längeren Abfahrtsstrecke auf. Als wir von King Solomons Dome herunter fuhren lud ich Austin und Toad für die restliche 22 Meilen Strecke nach Dawson, auf. Der Trail war schnell und trotz beider Hunde im Schlitten musste ich bremsen. Eine Meile vor Dawson hielt ich an und liess beide Hunde wieder ins Team. Nach ihrer schönen Ruhepause zogen sie wie verrückt. Beiden haben das Rennen mit mir beendet.

Ich war sehr froh, Dawson um 22:49 Uhr zu erreichen, ca 2 Std vor meinem Zeitplan. Der Zeitplan ist nicht in Stein geschrieben, sondern eher eine lose Richtschnur. Nun hatten wir 36 Stunden um die Hunde zu bearbeiten und es ihnen so komfortabel wie möglich zu machen. Die Crew hatte ein schönes Camp vorbereitet . Aber bei der Vorbereitung für den Komfort der Hunde hatten sie nicht ihre 7 Sinne zusammen. Ich hatte 5 Extra Strohballen bestellt. Nach dem Füttern ließ ich alle Hunde frei zum Hundezelt laufen, nur um da festzustellen, dass sie dort mehr oder weniger auf dem blanken Eis und Schnee lagen . Was sollte das denn jetzt? Warum meint Ihr haben wir das ganze Stroh? Wir sind hier 36 Stunden lang also sollten wir das Stroh doch für die Hunde nutzen können und nicht als Verzierung des Camps? Mürrisch gab ich die Anweisung die Hunde wieder aufzuwecken und die Plätze mit Stroh zu füllen. Wie immer war mein Platz total am anderen Ende des Camping Bereichs so dass ich einen langen Weg zur Strasse hatte. Zum Teufel damit, ich schlief im Zelt und verzichtete auf’s Hotel. Die Hälfte meines Tags wäre mit rauf und runter laufen verschwendet gewesen. Schliesslich lebe ich den ganzen Sommer über in einem arktischen Ofenzelt.

Jessie war auch in Dawson mit Nathan und Rolf, nachdem sie den Quest 300 beendet hatte. Das ist mal eine harte Frau, sie braucht gar keinen Schlaf. Ausser meinem Team musste sie sich noch um 36 anderen Hunde kümmern. Die Zeit in Dawson verging wie im Flug und so schnell ich mich umschauen konnte musste ich schon wieder los. Das Team sah frisch aus, viele bellten vor Vorfreude. Ich beschloss mit allen 12 Hunden zu fahren. Das war ziemlich riskant, weil sie nicht ganz ohne Probleme waren und es auf den nächsten 150 Meilen keine Gelegenheit gab, einen Hund zurück zu lassen. Als wir den Camping Bereich verliessen bemerkte ich, wie die Bremse an etwas aufschlug, nahm aber nicht weiter davon Notiz. Nach ca einer Meile wollte ich anhalten um Maggot auf die linke Seite der Zugleine zu wechseln, konnte aber meine Bremse nicht mehr finden, sie war in der Mitte auseinandergebrochen und beide Teile hingen nur lose herum. Das Vernünfstigste war wohl, umzukehren, zurück zum Checkpoint. Ich HASSE umkehren. Das bedeutet falsche Richtung. Aber es verwirrt auch die Hunde. Nach wilder Sucher nach einer neuen Bremse, nicht aufzufindenden Werkzeugen und vielem Fluchen, war ich nach 45 Minuten wieder beim Checkpoint durch. Um es positiv zu sehen-das hätte an keiner besseren Stelle als in Dawson passieren können. Als ich zum zweiten Mal Dawson verliess waren die Hunde nicht mehr so lebendig wie beim ersten Mal, Mist. Die Strecke zur 40 Meilen Hütte war ereignislos, es hatte leicht zu schneien begonnen. Die Trail Marker waren in weiter Entfernung zueinander aufgestellt worden, oft war eine Meile oder mehr dazwischen. Es war gut, dass es nicht stürmte oder man hätte den Trail unmöglich gefunden.

In der 40 Meilen Hütte holte ich mir schnellstens heisses Wasser. Sebastion Jones war in seiner Hütte und hatte einen Riesen Pott Wasser über dem Feuer. Diese Plätze auf dem Trail, diese „inoffiziellen Pausenstops“ machen einen Riesenunterschied. Heisses Wasser am Ende der Welt, ein warmer Ort wo man seine Kleidung trocknen kann. Haywire Harry war auch da mit seiner Schneemaschine und Sebastian lud mich ein mit ihnen abendzuessen. Es war schwer, die Einladung abzuschlagen aber ich wollte mein Ziel verfolgen, bis zur Grenze zu kommen, hauptsächlich um meinen Zeitplan zu verbessern und um aus der Nachtschicht raus zu kommen. Grenze bedeutet ein paar Fichtenäste und 2 Flaggen auf dem Trail. Dort campte Allen Moore also fuhr ich noch 30 Minuten lang weiter bis ich einen guten Platz fand, weit weg genug vom Trail.

Die letzten 30 Minuten der Strecke machten Spass, da die Hunde einen Fuchs auf dem Trail verfolgten und dabei vor Vergnügen bellten. Und tatsächlich-der Fuchs trieb sich am Camp herum. Erst hatte ich Bedenken dass die Hunde nicht zur Ruhe kommen würden aber nach dem Fressen rollten sie sich schnell ein und beachteten das kleine Tier nicht mehr. Ich schmiss dem Fuchs ein paar Stücke gefrorenes Fleisch hin, die er gierig aufass. Er näherte sich mir bis auf 3 Meter und war recht entspannt. Es hatte ziemlich zu schneien begonnen. Ich hatte meine bivy bag in Dawson zurück gelassen und freute mich nicht darauf, meinen Schlafsack auszurollen. Die eine Hälfte konnte ich mit einem grossen Müllsack überdecken, und meinen Parka legte ich über den oberen Teil. Trotzdem, als ich 2.5 Stunden später aufwachte, war alles klatschnass. Egal, solange ich es schaffen konnte Eagle in einem Zug, einem 75 meilen langen Zug, zu erreichen, sollte das kein Problem sein. Das sollte mein erstes Mal sein, Dawson nach Eagle in 2 Abschnitten zu fahren. Wenn ich um 3 Uhr Früh losfahre, sollte ich ungefähr um 13 Uhr in Eagle sein, endlich richtig gut im Zeitplan. Wir erreichen die Taylor Highway Brücke viel eher als ich erwartet hatte, das war gut. Ich bemerkte den aufkommenden Wind. Wind auf dieser Strecke ist nicht gut, da der American Summit bevorsteht. Wir erreichen den Highway bei Meile 112 und bei ungefähr Meile 136 beginnt der Aufstieg. Wenn wir Meile 143 erreicht haben, haben wir das Schlimmste hinter uns. Dieses Jahr aber sind das sehr lange 7 Meilen. Bei Meile 139 fegt der Wind mit voller Kraft und hat es darauf abgesehen uns vom Berg zu blasen. Grisman hat das nicht gefallen und er führte uns zweimal in den Tiefschnee im Graben. Ich tauschte ihn mit Skunk aus. Skunk und Inuk führten nun. Der Schneesturm war so stark, es fühlte sich an wie sandgestrahlt zu werden. Ich musste einige male anhalten um die Augen der Hunde vom Eis zu befreien, so dass sie sehen konnten. Die Schneeverwehungen wurden schlimmer. Mein Team kam zu einem plötzlichen Halt und ich konnte vor mir Schatten erkennen. „Oh nein“ dachte ich mir zuerst „ich bin vom Trail abgekommen“ aber als ich nach vorne lief, sah ich 2 Schneemaschinen die im Trail steckengeblieben waren. Einer der Fahrer führte meine Leithunde an den Maschinen vorbei, wofür ich sehr dankbar war. Sie informierten mich dass 3 Teams direkt vor mir seien. 3 Teams? Ich fragte mich, wer sie wohl sind, konnte aber nicht viel Zeit darueber verschwenden und musste aufpassen dass ich selber weiter kam. Irgendwo in diesem Tohuwabohu sind wir wohl am Liquor Store vorbei gekommen, aber es es fehlte davon jede Spur. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, führte die Strasse nach unten und wurde sichtbar besser. Mensch, das war haarig gewesen. Ich hielt an und wechselte die Booties der meisten Hunde, wechselte ein paar der zugefrorenen Fuchsschwänze aus und fuhr weiter fort Richtung Dawson. Das Team war offensichtlich mental ziemlich down, verständlicherweise. Dieser Run war viel länger als vorausgesehen.Auf dem Weg nach Eagle gibt es immer einige hässliche overflows aber die Trailbreaker hatten gute Arbeit geleistet, sie passierbar zu machen, indem sie Fichten ins Eis frierten, die so als Wegweiser dienen konnten. In Eagle fand ich heraus, dass Hans Gatt, Brent Sass und Ken Anderson vor mir waren.Die Wettervorhersage versprach mehr Wind und kältere Temperaturen.Ich entschied mich,Maggot zu droppen. Er hatte es schon viel weiter geschafft als ich gedacht hatte und da er anfällig für Erfrierungen ist schien es mir besser ihn zurück zu lassen. Er ist einer meiner besten Zugtiere und jetzt hatte ich nur noch 11 Hunde, das ist immer noch ok, aber viel mehr Fehler konnte ich mir jetzt nicht mehr leisten.

In Eagle war ich noch ziemlich aufgewühlt von der grauenvollen Zeit auf dem American Summit. Egal was ich machte, ich konnte einfach nicht einschlafen. Richtig blöd wenn man bedenkt, dass ich dort mindestens 7 Std Aufenthalt hatte. Wenigstens konnte ich mein Zeug richtig trocken kriegen. Die Eagle Crew verköstigte uns richtig gut und es war schön meine Freunde, Scarlet und Wayne Hall wiederzusehen. Hans, Ken und Brent fuhren alle 1.5 Std vor mir los. Die Spuren im Schnee verrieten mir einiges. Sie mussten es richtig schwer gehabt haben, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Auch hier gab es verschwindend wenige Trailmarker ( Wegweiser ) und ihr Weg wand sich hier und da verteilt über die Weite des Yukon Flusses. Je näher wir an die Trout Creek Hütte kamen, desto mehr legte sich der Wind.. Dieser Run dauert normalerweise ca 5 Stunden, ich brauchte 7.5 Stunden und jegliche Hoffnung gut im Zeitplan zu liegen, konnte ich vergessen. Ich konnte es mir nicht leisten nicht in Trout Creek anzuhalten und ich war froh mich in Mike Sagers behaglicher kleiner Hütte zurück zu ziehen. Dort warteten ein Moose Eintopf und hausgemachte Kekse auf mich und ich konnte noch mal 2 Stunden schlafen. Mike stellt sein Zuhause schon seit den letzten 28 Jahren während des Yukon Quests zur Verfügung, Respekt an ihn. Als ich aufstand waren schon alle Musher, wir waren insgesamt 7, draussen mit ihren Teams. Irgendwie herrschte eine seltsame Atmosphäre und wir hingen alle irgendwie nutzlos herum. Naja, wenn wir nicht alle hier überwintern wollen, müsste einer von uns los und den Trail breaken. Allen Anscheins nach war das wohl ich. Ok, dachte ich mir, wenn man bedenkt dass wir zu siebt sind, werden wir uns sicher damit abwechseln. Es stellte sich aber heraus, dass ich damit falsch lag. Es sollte ein sehr laaaaanger Tag werden. Manchmal war der Weg deutlich sichtbar, der Schnee sogar völlig weggeblasen, an anderen Stellen war der Weg wie vom Erdboden verschluckt .Es gab schon immer Probleme beim Quest was die Wegweisung betrifft und auch dieses Jahr war keine Ausnahme. Später beim Post Musher Meeting ,als wir uns über die Wegweisung beschwerten, würde Thomas Tetz laut verlauten lassen dass es diese Probleme schon vor 10 Jahren gab, als er rannte. Wo er Recht hat, hat er Recht. Ich denke, wenn man es in den letzten 10 Jahren nicht geschafft hat, etwas zu verbessern, wird es kaum in Zukunft passieren und alles Jammern kann man sich sparen Der schlimmste Teil war am Kandik River und Hütte vorbei zu fahren. Die Hunde mussten durch tiefe Schneeverwehungen springen und ich musste oft über lange Strecken vor dem Team herlaufen. Ich konnte die ursprüngliche Trail Base nicht finden und es blieb uns nichts als durch bodenlosen Zuckerschnee zu waten. Keine der Teams hinter mir holte uns ein. Obwohl ich sie jedes Mal, als ich anhielt, sehen konnte, taten sie es auch und ich sagte mir „Tu einfach so, als ob sie nicht da sind und Du alleine wärst, dann müsstest Du auch vorwärts gehen“ Als wir nach Biedermans Hütte um die Ecke bogen, an einer der iyllischsten Stelle des ganzen Quests, konnten wir etwas aufatmen, da der Wind hier nicht so gewütet hatte und man den Trail sehen konnte. Ein paar Meilen ging es gut, bevor es wieder hässlich wurde. Ich hatte alle 2.5 Stunden angehalten um den Hunden ein paar Fat Snacks, Lamm und Puterhaut, zu füttern aber nach 8 Stunden hatten sowohl Hunde als auch ich keine Energie mehr. Hans schloss auf und übernahm. Wenn man bedenkt, dass er schon den Trail nach Trout Creek gebrochen hatte und einen Hund im Schlitten trug, war ich sehr überrascht dass keines der anderen Teams das Trailbreaking übernahm . Respekt Hans !! Wir kamen endlich, nach fast 10.5 Stunden Laufzeit, in Slavens an.. Gottseidank schien dem Team solche langen Runs inzwischen nichts mehr auszumachen. Ein kleiner Hund namens Moss (die hier auf der Couch neben Inuk und Skunk liegt, während ich schreibe) hat mich sehr positiv überrascht. Sie ist einer von Aaron Burmeisters Hunden. Sie ist ein winzig kleines Ding, ein Fellhaufen voll positiver Energie.Ich hatte nie Hoffnung dass sie es eines Tages ins Team schaffen würde, geschweige denn das Rennen mit zu beenden aber sie entpuppte sich als ein solider Allrounder Hund.

Da alle vorherigen Runs viel länger dauerten als ich gedacht hatte, verfütterte ich die letzten Rationen von Trocken- und Fettfutter. Sobald ich Slavens verlassen würde, würde ich nur noch einen Futtersack mit Pansen im Schlitten haben, nicht gerade ideal bei diesen kalten Temperaturen. Hans hatte scheinbar das gleiche Problem, da er mich fragte ob ich extra Futter dabei hätte. Slavens ist ein sehr willkommener Stop, gutes Essen warmes Wasser für die Hunde und für uns ein richtiges Bett zum Schlafen. Ich hatte vor um 1 Uhr Früh loszufahren, aber als ich um 22Uhr aufwachte und sah dass Hans am Packen war um loszufahren, tat ich es ihm nach. War besser so, denn um so früher wir es nach Circle schafften, desto früher konnten wir uns wieder aus den Food Drop Säcken bedienen. Hans fuhr 10 Minuten vor mir los und die ganze Nacht hindurch konnte ich seine Stirnlampe immer mal wieder vor mir sehen.. Es war eine kalte Nacht, mein Thermometer schwankte zwischen 40 und 45 Minus. Als wir an der 40 Mile Hütte vorbei zogen, konnte ich ein Team , was dort parkte, ausmachen, ich nahm an es war Dallas Seavey. Auf diesem Lauf gab es ein paar interessante Stellen mit hoch aufgeworfenem Eis. Wenigstens trug das dazu bei, die Monotony der Flusstrecke zu unterbrechen und tat auch einiges dazu uns aufzuwärmen.. Nix da mit Hinsetzen wenn man auf gewürfeltem Eis unterwegs ist. Die Trail Wegweisung war inzwischen etwas besser geworden und Pappteller wiesen auf kommende Hütten hin, auf dieser stand „noch 1 Meile bis zur 21 Mile Hütte“, was bedeutete noch ungefähr 3 Stunden und wir wären in Circle. Der Mond war aufgegangen und wunderschöne Polarlichter tanzten am Himmel.. Als wir in Circle ankamen, witzelte ich dass ich auf diesem Run fast „Mondbräune“ angenommen hatte.

Betty hat uns in Circle fabelhaft verköstigt und der Checkpoint war gut durchorganisiert. Ich musste unbedingt meine Plastikkufen auswechseln, was sehr zeitraubend war, da ich hier nur 8 Foot Plastic hatte (meine Kufen sind 9 fuss lang), die Spacer Teile passten nicht und ich musste sie zuschneiden und hatte dazu nur ein Messer. Ich benutze ein neues Lupine LED Licht. Das Licht ist Klasse aber die Batterien dafür aufzuladen hoffnungslos. Man kann sie in kalten Temperaturen weder aufladen, noch bleiben sie aufgeladen. Gottseidank hatte ich daran gedacht das 9V System mit den alten nicht aufladbaren Zellen anzubringen, da es so schien als wäre ich auf diesen einen Satz Batterien angewiesen. In Circle gelang es mir gar nicht die anderen aufzuladen. Wahrscheinlich ist nicht alles auf dieser Welt geschaffen bei Minus 50 Temperaturen zu funktionieren.

Circle bedeutete dass noch eine Strecke von 250 Meilen zu bewältigen waren. Zeit um sich in die Platzierung einzureihen. Hans machte wirklich Druck. Ich hätte hier gerne mindestens 6 Stunden gerastet aber Hans fuhr nach 4 Stunden ab. Viele sehr gut aussehende Teams waren kurz nach uns angekommen insbesondere Dan Kaduce, der den Run nach Circle 2 Stunden schneller als wir schaffte. Ich wusste wenn wir zu lange hier bleiben würden, würden wir es langfristig bezahlen. Also packte ich zusammen und fuhr kurz nach 5 Std Aufenthalt los. Bei der Abfahrt sah das Team...hmmm.... naja, schrecklich aus. Mehrere Hunde humpelten. Ich hielt einige Male an, wechselte die Seiten, Partner,Leithunde und ungefähr nach einer Stunde fahrt begannen sie, gut auszusehen. Richtig gut sogar und sie wurden schneller. Ich war schon die ganze Zeit mit einem GPS unterwegs. Wir hatten wir die 7mph erreicht und jetzt rannten sie mit konstanten 8.2 bis 8.4mph dahin. Schön, dachte ich mir, besonders da dieser Run mindestens 10 Stunden dauern würde. Ich hielt bei Carl Cochrines Hütte an und wir unterhielten uns kurz.. Carl informierte mich dass Hans vor ca 10 Minuten vorbei gekommen wäre und Hugh vor ungefähr 3.5 Stunden.. Echt Mann, dachte ich...wir haben ein Rennen. Hugh hatte ich während des ganzen Rennens bisher noch nicht einmal gesehen, er war meistens mit einem halben Tag Vorsprung unterwegs. Wieder auf dem Fluss, setzte ich mich hin, nahm beide Ski Stöcke (na ja ich sollte besser sagen Trail Markers , da die Skistöcke schon seit langer Zeit kaputt gegangen waren) und verfiel in eine gleichmässige poling RoutineAls wir an der Highway Brücke ankamen, sah ich Hans wieder vor mir und wir konnten konstant aufholen. Ich hielt an um den Hunden Snacks zu geben, sie frassen alle gut, führte dann meine Ski Poling Routine weiter bis wir Hans wieder eingeholt hatten. Da ich Hans (noch) nicht einholen wollte, packte ich die Stöcke weg und folgte ihm nur.Es war kalt. Hans’s Team hinterliess eine Eisnebelspur auf dem Fluss. Nach weiteren 2 Stunden hielt ich nochmal für Snacks an. Mittlerweile war es schon lange dunkel. Als ich um eine Flussbiegung kam, konnte ich Hans’s Licht sehen, aber es schien in alle möglichen Richtungen. Als ich in Hörweite kam konnte ich Hans rufen hören „Sebastian komm her, ich hab’ grosse Schwierigkeiten“. Es dauerte ein bisschen bis ich die Situation verstand. Ich ankerte mein Team und als ich nach vorne lief, begann ich ins Overflow zu versinken.Kein gutes Zeichen. Hans war bis zur von unten bis zur Taille nass. Er hatte seine Hunde vom Schlitten losgebunden und sie kamen in einem Ball auf mich zu. Ich lief schnell zu meinem Schlitten zurück, holte beide Haken (meine Hunde hatten keine Lust ins Overflow zu geraten) und befestigte Hans’s hunde dazwischen. Sie waren ganz schön vereist und auch nass. Nächstes Problem-was tun mit Hans? Er musste so schnell wie möglich raus aus den Stiefeln und ich gab ihm meine extra Socken. Hans war ganz schön durchgefroren und konnte sich kaum bücken.Nach einer kurzen Beratung was nun am Besten zu tun wäre, meinte ich wir kehren besser zurück, da ich mir sicher war dass wir die Abzweigung am Trail verpasst hatten. Keiner mit Verstand hätte die Trail Markers hier gesetzt und wir hatten wohl einen Marker übersehen. Ich hakte Hans’s Hunde wieder ein , drehte meine um und wir kehrten 400 Yards zurück und fanden prompt den ersten Marker Wir waren auf dem Trail. Nicht gut. Wir drehten das ganze Schlamassel noch mal um und kehrten fast an die Stelle zurück, an der wir steckengeblieben waren. Ich ging zu Fuss nach links weiter, nur um bis über die Knie im Overflow zu versinken. Ich versuchte es zu meiner Rechten mit dem gleichen Ergebnis.Das Overflow spreizte sich von einer Flusseite zur anderen. Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war noch weiter zurück zu gehen, wo ich einen neuen Weg bis zum Ufer machte und dann durch den Tiefschnee über Land watete. Nach ca 400 Yards sah es so aus als hätte ich den schlimmsten Teil der Overflows umgangen und war wieder am Haupt Trail angekommen. Ich brauchte einige Zeit um wieder zu unsren Schlitten zurück zu kommen und ich war schweissgebadet. Hans brauchte noch mehr Handwärmer und ich hatte welche in meinem Tierarzt Kit. Als ich das aufmachte, sah ich das kleinen Thermometer, der Minus 47 Celsius, ungefähr Minus 55 Fahrenheit anzeigte. Nass wie wir waren, waren nun auch meine Stiefel voller Wasser –eine gefährliche Situation. Ich machte mir Sorgen um Hans aber entschied mich dagegen, hier ein Feuer auf dem Fluss zu machen sondern zu schauen dass wir davon runterkamen, so dass wir es hoffentlich vermeiden würden , noch mal nass zu werden. Mein Team fuhr nur widerstrebend durch den Umweg, der Schnee war tief und sie taten sich schwer meinen schweren durchnässten Schlitten da durchzuziehen. Ich hatte alle ihre Hundemäntel und Fuchsschwänze abgenommen, so dass sie nicht im Overflow durchnässt würden. Wir brauchten fast eine Stunde um komplett vom Fluss runter zu kommen und einen Platz mit Bäumen zu finden, die genug Holz trugen um damit ein Feuer zu machen. Entgegen besserem Wissens campierten wir mitten auf dem Trail, da ich mir sicher war, dass wer auch als nächstes kommen würde, über ein Feuer auch froh wäre. Um das Feuer zum Brennen zu kriegen hatte ich 5 Trail Markers gesammelt (meine Entschuldigung an die Musher, die noch kommen sollten). Ich nahm mein übriges Methyl Hydrat dafür her um in meinem Kocher, den ich mit Holz füllte, ein loderndes Feuer anzuwerfen. Hans setzte sich neben mich hin und wir schälten ihn aus seinen Stiefeln, die wie Eisblöcke waren. Ich hatte noch ein paar übrige Socken und Vapobarier Socken in meinem Parka und Hans hatte ein paar Cabin Stiefel. Die, zusammen mit einer Menge Hundemänteln, Handwärmern und ein paar alten Futtersäcken machten wir zu provisorischen Stiefeln. Nun begann ich mir grosse Sorgen um meine eigenen Füsse zu machen, obwohl ich mich viel bewegte wurden nun auch sie kalt. Ich hatte nichts mehr um mich umzuziehen also war die einzige Lösung, schnell nach Central zu gelangen.Ich zog meinem Team die Booties an, was bei diesen Temperaturen richtig weh tat und ich musste ihnen noch die Mäntel und Fuchsschwänze anziehen. Hans tat das Selbe mit seinen Hunden. Zum Schluss zog ich vor ihm los und hatte ein schlechtes Gefühl ohne ihn wegzufahren. Ich war sehr erleichtert als ich mich später umdrehte und seine Stirnlampe auf dem Trail auf und ab hüpfen sah, und so wusste dass auch er unterwegs war Ich rannte so oft ich konnte mit den Hunden um meine Füsse vor dem Erfrieren zu hindern. Nachdem wir den Medicine Lake überquert hatten führte der Trail auf die Strasse, nur um einige hundert Yards weiter wieder in den Graben zu führen.Ich war sehr versucht auf der Strasse zu bleiben anstatt in dem verdammten Graben zu laufen aber das hätte eine saftige Strafe nach sich gezogen. Der Graben Trail war langsam, schrecklich langsam aber so musste ich wenigstens hart arbeiten und konnte so meine Füsse warm halten. Ich konnte sehen wie Hans an mir vorbei rasselte um so schnell wie möglich in die Wärme von Central zu kommen. Als ich dort eintraf, war er schon drinnen während ein paar Freiwillige sich um seine Hunde kümmerten.

Wie schon bei meiner Ankunft in Eagle war ich auch jetzt ziemlich aufgewühlt als ich in Central ankam. Meine Hände funktionierten kaum noch und die Hunde zu versorgen dauerte ewig. Ich konnte es nicht erwarten ins Warme zu kommen. Sie hatten draussen ein grosses warmes Zelt aufgestellt mit einer Diesel Heizung und ich stellte meinen ganzen Schlitten hinein. Kurz nach uns kamen weitere Teams an. Manche sehr nass, manche, die offensichtlich die Umleitung gefunden hatten, fast trocken. An diesem Zeitpunkt war mir meine Platzierung im Rennen egal. Ich war einfach froh ganz und in einem Stück in Central zu sein.Ich fiel ins Bett ohne mir einen Wecker zu stellen und wachte 3 Stunden danach wieder auf und fühlte mich viel besser. Am Checkpoint gab es grosse Verwirrung darüber ob Hugh Neff es nach 101 geschafft hatte oder nicht. Offiziell hatte er dort noch nicht eingecheckt. Es gab unterschiedliche Wetterberichte, von es sei dort windstill bis es hätte 50 bis 70 mph Winde war alles vertreten. Ich wusste nicht, wem ich glauben sollte. Mein Plan war, Central spätestens bis 13 Uhr zu verlassen, was bedeuten würde dass ich Meile 101 5 Std später erreichen würde, ungefähr um 18 Uhr, gerade noch bei Tageslicht. Aber die Tatsache dass Hugh Neff, der um 4:30 Uhr früh losgefahren war, immer noch nicht in Meile 101 eingecheckt hatte, liess mich zweifeln, ob das so eine gute Idee ist. Dan Kaduce, der neben mir geparkt hatte, hatte zusammen gepackt und war schon losgefahren. Ken Anderson machte das Gleiche. Wenn ich jetzt nicht die Gefahr laufen will auf dem Summit im Dunkeln festzustecken, müsste ich entweder jetzt losfahren (ich hatte 8 Std pausiert) oder bis morgen warten. Also packte ich zusammen und fuhr los. Ich entschied mich, leicht zu reisen. 28 Meilen bis nach Meile 101. Ich nahm nur Snacks mit, kein Futter. Entweder würde ich es über den Summit schaffen und es wäre gut oder ich müsste umkehren und scratchen. Ja, das „S“ Wort ging mir tatsächlich durch den Kopf. Ich machte meinen I Pod an, etwas was ich auf diesem Trip noch nicht oft getan hatte und hörte mir ein Hörbuch an um mich von meinen Sorgen über den Eagle Summit abzulenken. Sofort nach der Strassenkreuzung hielt ich an verfütterte die Snacks und fuhr weiter. Mein Schlitten war, ausser den zwingend erforderlichen Dingen, fast leer . Je näher wir uns der Baumlinie näherten, desto mehr Wind kam auf.. Den Summit in Sicht konnte ich den Schnee sehen, wie er vom Berg wehte, ein totaler Sturm toste am Boden. Oh nein, nicht gut. Ich kam an einem Platz vorbei an dem ein Team pausiert hatte, ich nahm an, Hugh. Als ich die Baumlinie verliess, schlug der Wind zu und Skunk und Inuk, die anführten liefen im Zickzack den Anhang hinauf, nur um nach links zu schwingen weg vom Wind und dann komplett umzudrehen. Ich konnte nichts tun um das zu verhindern und wir fanden uns dort wieder wo der Trail die Baumlinie verlässt.. Ich drehte das Team herum und versuchte es ein zweites Mal. Dieses Mal kam ich vielleicht 100 Yards weiter als vorher als das Gleiche passierte. Grrrr...ich wurde sauer. Ich hatte Tetsa in swing und sie schien die Anstifterin zu sein. Als ich also die Hunde zum zweiten Mal gedreht hatte, änderte ich die Reihenfolge, liess Inuk und Skunk als Leithunde, spannte aber Grisman und Saffron in swing ( was nur Hoffnung meinerseits war, denn Saffron hatte gestreikt als es 2007 darum ging auf den Eagle Summit zu kommen, aber sie schien jetzt motivierter).Ich spannte Tetsa und Toad in wheel, da die beiden mir am störrischsten schienen. Der dritte Versuch schien viel besser zu funktionieren und wir konnten stetig aufwärts klettern. Der Wind blies heftig von links und ich machte mir wegen Erfrierungen an meinem Gesicht Sorgen .Normalerweise trage ich meinen grossen roten Parka bei diesem Anstieg nicht, aber da ich keine Gesichtsmaske trug, musste ich die grosse Kapuze tragen um zu verhindern dass meine Haut gefror. Sogar meine Hände musste ich in den grossen Pelzhandschuhen lassen. Ich begann sehr zu schwitzen. Plötzlich sah ich ein rotes Licht vor mir. Erst nichtwissend was es war, stellte es sich als Bremslicht einer Schneemaschine heraus. Und neben der Schneemaschine befanden sich zwei Hundeteams. 2 Teams bedeutete Hugh Neff und Dan Kaduce , denn ich hatte Ken Anderson vorher schon überholt. Ca 300 Yards bevor ich sie erreichte, konnte ich ein team beobachten wie es umdrehte und den Berg hinunter, in meine Richtung fuhr. Neeeeeiiiiin, bitte niiiiiicht. Bitte lass meine Hunde nicht auf die blöde Idee kommen, ihnen nachzurennen. Dan raste den Berg hinunter zu meiner linken, er hatte den Schneehaken in der Hand und versuchte vergeblich sein Team zu stoppen. Mein Team schien sie nicht zu beachten und setzten ihren Marsch fort.. Als ich bei Hughs Team ankam fuhr die Schneemaschine weiter Richtung bergauf. Hugh sagte irgendwas zu mir, aber ich konnte es nicht verstehen wegen dem Wind. Da ich Angst hatte meine Gang würde neben seiner stehen bleiben, fuhr ich weiter. Die Hunde zögerten nicht mehr wie vorher und machten guten Fortschritt. Ich war es, der sie immer wieder zum Anhalten auffordern musste um verschnaufen zu können. Endlich kamen wir am ersten Sattel an und fuhren auf der anderen Seite bergabwärts. Der Wind wurde hier ein bisschen schwächer war aber bei weitem nicht vorbei, sondern wütete nur nicht mehr so stark.Der steilste Anstieg lag noch vor uns und ich machte mir Gedanken, wie das wohl werden würde. Der Trail war hier sehr,sehr gut markiert, hier würde man sich nicht verlaufen können. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns nach oben Der Trail war griffiger als in den vergangenen Jahren und wir rutschten nicht zurück, wenn wir anhielten. Ich weiss nicht, wie oft wir auf dem Weg nach oben anhielten aber ich spürte dass der Trail langsam ebenerdiger wurde und wusste dass wir das Schlimmste hinter uns hatten. Die ersten grossen Tripods kamen in Sicht und ich konnte auf der anderen Seite ins Tal schauen. Wir hatten es GESCHAFFT. Mein Gott, wir hatten es geschafft. Viel Zeit um die Aussicht zu geniessen hatte ich nicht, da mir kalt war und ich am Erfrieren war.Ich konnte Erfrierungen auf der linken Gesichtshälfte spüren. Schnellstens runter von diesem verdammten Berg. Bergab gab es eine gute Schneedecke und ich liess die Hunde den Berg herunter traben. Es dämmerte mir langsam, dass ich das erste Team war, was über den Eagle Summit gekommen war. Ich hätte mir, auch in meinen wildesten Träumen nie gedacht lassen, dass ich jemals der Erste in diesem Rennen sein würde. Seltsamerweise lies mich das aber kalt. Als ich bei Meile 101 ankam fragte mich der Checker ob ich bleiben oder weiterfahren würde. Was für eine Frage? Natürlich bleiben. Weiterfahren kam mir gar nicht in den Sinn. Ich brauchte eine Pause und die Hunde auch. Ja, wir waren nur 5.5 Stunden gefahren aber das waren sehr intensive Stunden. Es war das dritte mal innerhalb dieses Rennes dass ich die Grenze meiner Fähigkeiten gelang. Erst American Summit, dann der Overflow bei Birch Creek und jetzt Eagle Summit. Ich bettete die Hunde. Anette Kriller, eine der Tierärzte untersuchte sie gründlich. Sie frassen gut und ich begab mich zur Musher Hütte um mein Zeug zu trocknen. Ich war klatschnass bis auf die Knochen. Natürlich wurde ich von den Journalisten umzingelt, die mir alle möglichen Fragen stellten. Es war eine Wiederholung vom 2009 Rennen als ich beim Eagle Summit viele Plätze gutmachen konnte. Aber 2009 war lang nicht so dramatisch wie dieses Jahr. Der erste Platz war mir immer noch egal, ich war bloss froh, dort angelangt zu sein. Bald darauf erschien Ken Anderson am Checkpoint. Anstatt sofort zusammen zu packen entschied ich mich dafür mich eine Stunde hinzulegen und witzelte mit dem Checker „Das wird das teuerste Nickerchen meines Lebens“. Als ich wieder aufstand, war Dallas Seavey auch durch den Checkpoint durch und ich verliess Meile 101 als drittes Team. Die Hunde schliefen unter grossen Strohbergen und ich versprach ihnen dass sie bald lange ausschlafen dürften. Die 4 stündige Pause hatte ihnen richtig gut getan und sie und sie verliessen den Checkpoint frisch und konzentriert. Wieder entschied ich mich dafür leicht zu reisen, wohlwissend dass uns der Rosebud Summit bevorstand. Dieser Run nach Two Rivers war der erste, völlig ereignislose Run seit langer Zeit, so ziemlich seit wir den 40 Mile Fluss vor so langer Zeit gelaufen hatten Vollmond, tanzende Polarlichter und ein gut rennendes Hundeteam. Schön. Auf Rosebud Summit blies zwar der Wind ein bisschen aber Nichts im Vergleich zu dem wie es vorher war. Für den Abstieg nahm ich die Zugleinen von den Hunden um einen kontrollierten Run abwärts zu gewährleisten. Auf diesem Run sah ich weder Dallas noch Ken konnte aber einiges an Zeit ihnen gegenüber aufholen. Wir brauchten fast 7 Stunden nach TwoRivers. Hier warteten Jessie, Klaus und Ollie auf mich, es war 5:30 Uhr Früh als wir ankamen. Brent Sass kam ein paar Stunden später an. Er blieb und blieb auf und redete, der Typ braucht irgendwie keinen Schlaf. Sie hatten dort eine kleine, aber warme Hütte für uns.1 Bett, 2 Feldbetten. Wir 4, Ken, Dallas, Brent und ich witzelten ziemlich herum.Ken hatte eine 30 Minuten Strafe aufgedrückt bekommen, weil er bei Meile 101 nicht ausgecheckt hatte.Das hätte 2 Stunden sein können aber Hans Oettli reduzierte die Strafe auf 30 Minuten. Wir waren uns alle einig, dass das eine gute Entscheidung war, denn eine Strafe wegen einem Checkoout sollte das Rennergebnis nicht beeinflussen können. Eine Geldstrafe wäre angebrachter gewesen,aber wegen der bestehenden Regeln nicht möglich.

Es war Zeit zum letzten mal anzusschirren. Ich entschied mich, mit allen 11 Hunden weiter zu fahren, wohlwissend dass Austin und Toad meine Geschwindigkeitsbremsen waren. Aber sie hatten so hart gearbeitet und ich wollte ihnen das Privileg nicht nehmen die Ziel Linie zu durch fahren. Ich entschied mich, ein bisschen mehr als sonst zu helfen und nachdem ich die Hunde 30 minuten lang aufwärmen liess. Erst reagierten sie gut, wir überholten Ken viel eher als ich vorausgesehen hatte aber es hat nicht lange gedauert, und Austin hat zu Ziehen aufgehört. Bei der 27 Mile Strassenkreuzung wurde mir gesagt dass wir 33 Minuten hinter Dallas liegen. Wir konnten 11 Minuten aufholen und die Kreuzung lag ca ein Drittel des Wegs. Genau da entschloss ich mich, nicht weiter mitzuhelfen. Ich liege lieber an zweiter Stelle anstatt auf Biegen und Brechen zu versuchen zu gewinnen und dabei zu riskieren Austin und Toad in den Schlitten nehmen zu müssen. Ich denke mein Team hat einen Grund, warum sie ein gewisses Tempo wählen, ein Tempo was sie einhalten können. Zweiter zu sein war mehr als ich mir am Beginn des Rennens erhofft hatte und ganz bestimmt mehr als mir wahrend des Rennens realistisch schien. In Dawson hatte ich gewitzelt dass die einzige Möglichkeit für mich den Quest gut zu rennen, nur darin besteht dass das Wetter schlecht wird. Tja, der Wunsch wurde mir erfüllt. Und mehr.

Es gibt gewisse Rennen, die eine lange Zeit im Gedächtnis eines Mushers bleiben. Zusammen mit dem 2009 Iditarod, ist der 2011 Yukon Quest so ein Rennen. Fehlschläge und Triumphe liegen sehr dicht beieinander. In der einen Minute bestreiten wir ein Rennen, in der nächsten kämpfen wir ums Überleben.. In solchen Rennen werden Freundschaften fürs Leben geschlossen und in solchen Rennen können auch Freundschaften zerbrechen, es ist eine Gratwanderung. Rückblickend würde ich alles wieder so tun. Ich denke ich wurde meinen Hunden gerecht, denn sie waren wunderbar anzusehen als sie durch die Ziellinie liefen. Zwischen Skunk, die ich von Lance bekam und Tetsa, die von Jessie kam hatten Lance und Jessie einen Wettbewerb laufen, wer von den beiden am lautesten bellte. Letzten Endes sind wir erst auf halber Stecke, das Iditarod und weitere 1000 Meilen stehen noch bevor. Ich bedanke mich bei allen, die diese Reise ermöglicht haben, Ihr wisst alle wer Ihr seid. Ich bin Euch für Eure Hilfe sehr dankbar. An meine furchtbaren Dog Handler auch Ihr wisst wer damit gemeint ist. Ihr habt mein Leben so vermiest, dass es mich motiviert das Beste zu geben was ich kann. Jessie, der Burger von Mc Donalds war DER Hit! Danke für alles, was Du tust und mit dem Du Dich rumschlagen musst.

ICH GRATULIERE DALLAS SEAVEY ZU SEINEM HERVORRAGENDEN RENNEN.

Das Team: Dropped: Nemo, Finn, Maggot Ziel erreicht: Skunk, Inuk, Saffron, Austin, Diesel, Grisman, Govenor, Moss, Toad, Muncho, Tetsa . Das war mein zwölfter Tausendmeiler seit 2004. Das war Austin’s zwölfter Tausend Meiler mit Ziellauf seit 2004, Danke Trevor!

Sab

Sab

2. März 2012
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26. Mai 2011
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26. März 2011
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