Von Ruby nach Unalakleet
Hallo aus dem Yukon, dieses Mal habe ich wieder Zeit zum Übersetzen, beim letzten Rennbericht waren wir in Ruby angekommen Der Lauf dorthin verlief mit 11hr und 20 Minuten alles andere als planmässig, zwei mal musste ich das Gespann umdrehen., einmal um Kavik zu droppen, das 2. Mal um meine verlorene Axt wieder einzusammeln.Vor dem Rennen hatte ich mir vorgenommen, den Lauf Takotna nach Ruby in 2 Läufen und nicht wie vor 2 Jahren in 4 Läufen, zu machen. Jetzt wo mein Team doch sichtlich müde im Checkpunkt ankam, schien mir die Idee nicht mehr so sonderlich gut gewesen zu sein. Rückblickend war die Idee an sich nicht schlecht, nur die Ausführung. Ich hätte nicht durch die Mittagshitze bis 14.30Uhr nach Cripple fahren sollen, sondern schon vorher in der schönen warmen Mittagssonne besser campiert.
Zum Glück haben alle Hunde , trotz Müdigkeit in Ruby Ihre Mahlzeit gut gefressen. Gerade bei den kalten Temperaturen ist das besonders wichtig. Schon bei der Ankunft hatte ich mich entschieden hier meine 8 Stunden Pflichtpause zu nehmen. Es war windstill, das Team lag etwas abseits des Checkpunkts, was zwar für mich mit viel Lauferei verbunden war, für die Hunde aber eine gute Rastpause bedeutete.
Fast alle Hunde waren verletzungsfrei. Nur Antelope musste ich am rechten Sprunggelenk massieren. Die Schlafplätze für uns Musher in Ruby sind nicht ideal, aber totzdem habe ich einige Stunden einen guten Mittagsschlaf gehalten. Gern hätte ich Maggot als Leithund eingespannt, er ist einer meiner stärksten Hunde. Leider hat er sehr kurzes Fell. Bei den niedrigen Temperaturen hatte ich Bedenken, dass er sich Erfrierungen holen würde. So musste er weiterhin hinten im Team laufen, mit einem Fuchsschwanz um den Bauch gebunden um das wichtigste Körperteil zu schützen und dann noch 2 Hunddecken übereinander, dass er nicht zu viel Körperwärme verliert. Dieses System schien gut zu funktionieren. Das Team lief langsam los, schien dann aber an Geschwindigkeit zu zulegen. Direkt hinter mir fuhren Ken Anderson und Sven Haltmann los, die beide recht schnelle Gespanne fahren, mich aber beide nicht einholten. Scruggs und Finn waren in lead. Mir wäre viel Schnee etwas lieber gewesen als dieser harte und schnelle Trail, allerdings hat das auch seine Vorteile, denn wir waren schon nach 6 Stunden und 18 Minuten in Ruby. Der Sonnenuntergang über dem Yukon Tal war atemberaubend schön. Der Himmel ging von hellblau, über alle möglichen Rottöne in dunkelviolett und dann die Nacht über. Diese Verfärbung kündigt immer eine kalte Nacht an. Normaler Weise hole ich dann meine Skistöcke zum Mithelfen heraus, vor allem damit mir warm bleibt. Da wir aber eh schon schneller als ich normal trainiere unterwegs waren, verkniff ich mit das Mithelfen und saß zitternd auf dem Sitz. Mir war sogar zu kalt um meinen Ipod herauszuholen. Lieber langweile ich mich ohne Musik, als mit die Finger zu erfrieren.
Gedanklich war ich schwer am Grübeln. Wie sollte ich von hier aus weiter fahren? Wenn ich mit den in Führung liegenden Mushern Hans Gatt, Lance Mackey, Jeff King und Hugh Neff fahren wollte, dann müsste ich durch Galena durchfahren. Das schien mir nicht nur wegen der minus 40 Grad unangebracht, mir war auch klar, dass das Team durch die vielen Trainingsausfälle im Januar und Februar nicht „ die Tiefe „ hatten wie in vergangenen Jahren. Unter Umständen würde sich ein solcher Gewaltlauf, von Ruby nach Nulato, sehr schlecht auf die Hunde auswirken, was ich dann vor allem an der Küste zu spüren bekommen würde. Ich entschied mich in Galena anzuhalten, Antelope mit seinem geschwollenem Sprunggelenk zurück zu lassen und mir ein neues Ziel zu suchen. Anstatt auf Gewinn zufahren, war mein neues Ziel mit allen verbleibenden 13 Hunden nach Nome zu kommen und ein wirklich gut aussehendes Team an die Zielline zu bringen.
Ken Anderson kam kurz nach mir in Galena an, hatte sein Team aber wieder einmal deutlich schneller als ich versogt. Er ist einer der organisiertesten Musher was die Checkpunkt Routine anbelangt. Was Organisation anbelangt, ist Galena einer der besten Checkpunkte. Nicht nur dass es dort gutes Essen für uns Musher gibt, wir haben sogar richtige Betten zum Schlafen. Bevor ich mich allerdings hinlegen konnte, galt es wieder alle Hunde mit den Fleece Decken zuzudecken. Die meisten Hunden rollen sich schnell ein, wenn sie mich mit den Decken kommen sehen, nur einer nicht: Austin. Der freut sich immer so, wenn er mich kommen sieht, das er gleich schwanzwedelnd aufspringt. Das macht es nicht unbedingt leichter ihn mit mit dem Fleece zuzudecken. Mittlerweile hatte ich auch mehrere Decken für jeden Hund. Ich starte mit 16 Decken und schicke dann immer 4 Decken in jeden zweiten Checkpunkt und dann noch einmal einen ganzen Satz nach Takotna. Fast alle dieser Decken hatte ich gehortet, denn die wiegen nicht viel. So konnte ich das gesamte Team „ verschwinden „ lassen und alle, bis auf Austin, konnten einige Stunden im Warmen schlafen.
Nach immerhin 2.5 Stunden Schlaf ging es wieder los. Ken der ein Bett weiter lag, hat seinen Wecker in Mütze genäht und ist wie von einer Tarantel gestochen aufgesprungen. Noch schnell etwas essen, frisch gebackenes Brot. Heißes Wasser auf das Lammfleisch für die Hundesuppe gießen und ab nach draußen. Leider war es draußen saukalt, minus 40 Grad. 2.30 Uhr Nachts. Nicht nett. Um kurz vor 3 verließen Ken und ich den Checkpunkt zusammen und schon nach wenigen Minuten hatten wir uns saftig verfahren. Ken der vor mir war, stand plötzlich in einer Sackgasse. Ich habe versucht anzuhalten, konnte aber nicht, da nur ca 5 cm Schnee lagen. Wir schienen irgendwo auf dem Rollfeld vom Flughafen zu sein. Nach links konnten wir einen Deich sein, da musste also der Yukon River sein. Über den Deich rüber und auf den Fluss, aber vom Trail noch immer keine Spur. Nach einer ca halben Meile kamen dann weit nach Links einige Trailmarker zum Vorschein. Für diesen Lauf war ich etwas besser auf die Kälte vorbereitet, nicht nur hatte ich chemische Handwärmer in den Handschuhen, in den Schuhen sondern auch als sogenannte Bodywarmer am Körper kleben. Trotzdem wurde mir kalt. Das Thermometer schwankte zwischen minus 35 und minus 50 Grad auf dem Fluß, je nach dem wo man gerade war. Der gesamte 2009-10 Winter war eigentlich recht warm, nie hatten wir weniger als minus 35 Grad, und jetzt leider ausgerechnet mitten im Rennen die Kältewelle. Aber nicht jammern, den anderen geht es auch nicht besser. Gegen 6 Uhr morgens wird es hell, und dann sieht es auch gleich nicht mehr so kalt aus. Ca 1 Stunde vor Nulato habe ich Ken dann überholt, wir sind aber in Sichtweite von einander in den Checkpunkt gefahren. Hans Gatt war gerade am losfahren, von Hugh, Lance, Mitch und Jeff keine Spur mehr. Für diese Gruppe fing sich das Rennen erst richtig an. Hier in Nulato war die Stimmung gut. Einige der lokalen Musher, mit Namen hatte ich schon so immer mein Problem, haben mich beim Versorgen der Hunde beobachtet und wir haben lustige Witze gerissen. Schade, dass für solche Momente im Rennen nicht mehr Zeit ist. Auch in Nulato hatte man sich sehr Mühe für die Musher gegeben. Das heiße Wasser war unmittelbar neben dem Hunderastplatz, es gab eine Möglichkeit zum Klamotten Trocknen und gute Schlafplätze. Als ich nach einigen Stunden Tiefschlaf wieder zu mir kam, war Ken schon seit 1.5 Stunden auf dem Trail und auch John Baker bereits durch den Checkpunkt gefahren. Damit hatte ich nicht gerechnet und noch weiter in der Rangliste nach hinten zu rutschen war mir gar nicht recht. Auch schienen Sven Haltmann und Gerry Willomitzer mir von hinten näher zu rücken, denn beiden waren am schlafen als ich losfuhr.
Das Team lief gut nach Kaltag, obwohl wir um 14.30 Uhr losfuhren und die Sonne hoch am Himmel stand. Damit war die Entscheidung für mich schnell klar, nicht in Kaltag anzuhalten. Aus Nulato heraus hatte ich Cougar und Inuk als Leithunde. Cougar hat jedoch die schlechte Angewohnheit beim beim Kacken komplett anzuhalten. Wenn ich das nicht rechtzeitig sehe, rennen ihn die Hunde von hinten über den Haufen und ich stehe erst mal wieder mit einem gewaltigem Wirrwarr da. Inuk schien sich dieses abzuschauen, also habe ich beide wieder hinten im Team platziert und meine altbewährte Scruggs, Finn Kombination nach vorne gemacht.
In Kaltag blieb ich nur lange genug, ca 15 Minuten, um Wasser zu bunkern, Futter einzuladen, einen halben Ballen Stroh festzuspannen und mir neue Rennupdates zu holen. Während John Baker hier rastete, war auch Ken durchgefahren. Mein Ziel war wie im vergangenen Jahr die Tripod Cabin, 28 Meilen in Richtung Unalakleet. Der Trail aus Kaltag heraus hat immer viele „ mogouls „ ist aber landschaftlich eine der schönsten Strecken des gesamten Rennens. Der Sonnenuntergang war wieder dunkelviolett und es wurde rasch minus 40 Grad. Wir haben 4 Stunden nach Tripod gebraucht, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7 Meilen die Stunde bedeutet. In Tripod war ein Team, aber nicht wie erwartet Ken, sondern Mitch Seavey. Vermutlich war Ken bis nach Old Woman Cabin gefahren, denn bei den miesen Temperaturen hat er wohl kaum draußen geschlafen. In Tripod Cabin hatten auch 3 Radfahrer , ja richtig, Radfahrer, Schutz vor der Kälte gesucht. Diese hatten den Ofen so aufgeheizt, dass sie nackig auf Ihren Schlafsäcken lagen. Alle Betten waren belegt so habe ich mich auf den Boden gelegt und selbst dort war es noch zu warm um im Schlafsack zu liegen. Ich wurde wach, als Aliy Zirkle in die Hütte kam, meinen Wecker hatte ich verschlafen. Draußen erwarteten mich minus 40 Grad und 52 Hundefüsse die alle Booties angezogen haben wollten. Mehrfach bin ich in die Hütte zurück, um meine Finger wieder aufzuwärmen. Auf dem Ofen hatte ich noch meinen Kochtopf stehen, mit heißem Wasser für die Fleischsuppe, wieder Lammfleisch, das hat am meisten Kalorien für die Kälte. Mit hinzu kommt dann noch Canola Öl und Fish Öl. Als ich an der Old Woman Cabin vorbei kam, war Ken gerade dabei sein Team anzuschirren. 20 Meilen vor Unalakleet ( Land des Ostwinds ) wurde der Wind stärker. Ich habe hinter einer Reihe Büschen in einer halbwegs windgeshützten Ecke angehalten und einigen Hunden neue Hundedecken und Fuchsschwänze angezogen, denn die alten waren bei der Kälte sehr vereist. Durch den Wind war der Trail mehr oder weniger verweht und in diesen Bedingungen muß man aufpassen wie ein Luchs nicht wieder „ Chickenfeet“ ( abgeschürftes Fell an der Hinterseite der Vorderbeine ) zu bekommen. Dank Dan Kaduce hatte ich viele Chickenleggins dabei. Anfangs im Rennen habe ich die in jeder Pause abgemacht. Das ist eine ziemlich zeitraubende Geschichte. Jetzt liefen die Hunde schon seit Ruby in den Leggins nonstop, so habe ich kontrolliert ob alle richtig sitzen und ordentlich Zink Creme auf die gefährdeten Stellen geschmiert.
In Unalakleet wurde mir ein guter Rastplast, windgeschützt hinter einer Reihe Strohballen zugewiesen. Mit 13 Uhr war es auch eine perfekte Zeit um Pause zu machen. Leider wollte mein Team nicht richtig fressen. Das war das erste Mal im Rennen. Das lag wohl zum einen daran, dass ich erst 4 Stunden vorher ihnen eine Mahlzeit auf dem Trail gegeben hatte, aber es hat mir auch gezeigt, dass meine Einschätzung in Galena wohl richtig war. Das Team konnte lange Läufe nicht so gut vertragen wie letzten Winter. Dort wurden die Hunde stärker je länger ich gefahren war. Mir blieb nichts anderes übrig als mir den Wecker zu stellen und nach 2 Stunden noch einmal zum Füttern rauszugehen. Es war immer noch windig, schnell noch mal ne Stunde Schlaf holen.
Sab
