Suche  deutsch english français

In Nome

Hallo aus Nome, Alaska!

Dieses wird nur ein kurzer Eintrag, mit dem ich mich in die "Zivilisation " zurück melden möchte. Seit einigen Tagen bin ich in Nome. Ich bin mit dem 7. Platz sehr zufrieden, vor allem mit den 13 Hunden, die mich über die Zielline gebracht haben. Alle sahen top aus und kamen erst gegen Rennende so richtig in Form.

In Lead waren Finn und Scruggs, dann Inuk, Solomon, Cougar, Maggot, Austin, Diesel, Saffron, Skunk, Coyote, Solo und Grisman. Gedropped habe ich Bananas in McGrath, das hätte ich mal lieber schon in Nikolai gemacht, denn ich hatte ihn für 40 Meilen im Schlitten sitzen, dann Kavik in Cripple und Antelope in Galena. Das Rennen lief am Anfang wie geplant, es hat leicht geschneit auf dem Weg nach Finger Lake, ich war wieder als erstes Team aus dem Checkpoint und habe bei Finnbear Lake angehalten.

Der Run nach Rohn durch die Dalzell Gorge war wunderschön, ich hatte einen guten Trail, da ich immer noch als erstes Team unterwegs war. Nachts aus Rohn herauszufahren war eine echte Herausforderung, ich konnte im Schneegestöber den Trail nicht finden, musste mein Gespann an Treibholz festbinden und zufuß nach Trail-Markern suchen. Beim Losfahren hat sich mein Schlitten so im Treibholz verfangen, dass ich alle Tuglines losmachen musste und selbst dann nur mit Schwierigkeit den Schlitten befreien konnte. Klitschnass geschwitzt wurde es dann eine kalte Nacht auf dem Weg nach Nikolai. Der Trail hatte so gut wie keinen Schnee und war mehr als holperig. In Nikolai war es recht windig zum Rasten und wieder einmal habe ich eine Stunde verschlafen.

Ab Nikolai sollten sich die Bedingungen ändern, es wurde kalt, und der Trail hart und schnell. Prompt wurde ich auch von zahlreichen Teams überholt, John Baker und Mitch Seavey haben mich geradezu stehenlassen. In McGrath habe ich dann Bananas gedroppt und wie immer meinen 24 Stunden-Layover in Taktna gemacht. Dort hat mich leider eine Migräne erwischt und ich konnte das gute Essen in Takotna nicht genießen. Zum Glück war ich so halbwegs fit, als ich wieder losfahren durfte.

Der Lauf via Ophir nach Cripple war kalt und lang. Ich glaube, es wäre besser gewesen, mittags um 12 Uhr vor Cripple anzuhalten. Die letzten 2,5 Stunden wurden die Hunde sehr langsam. Als ich aus Cripple herausfahren wollte, musste ich wieder umdrehen und Kavik droppen. Er hatte eine leichte Schulterzerrung. Zu groß war mir das Risiko, ihn in den Schlitten setzen zu müssen, auf dem langen Weg nach Ruby. Der Lauf nach Ruby war die Hölle. Nicht nur hatte ich das falsche Plastik auf den Kufen und war extrem langsam unterwegs, sondern beim Wechseln der Kufen musste ich feststellen, dass das Plastik, das mit Hans (beim Überholen) gegeben hatte, nicht richtig passte und ich es erst zurechtschneiden mußte. Dort habe ich dann meine Axt verloren, das zum Glück aber nach 10 Minuten gemerkt, musste mein Team wieder umdrehen und zurückfahren.

Trotz vieler 5 hr-Energy-Drinks konnte ich mich während der Nacht kaum wachhalten. In Ruby habe ich dann meine 8 Stunden Pause gemacht und weiter ging es dann auf dem Yukon nach Galena. Ein traumhaft schöner Sonnenuntergang war gefolgt von saukalten Temperaturen. Heilfroh in Galena zu sein, habe ich dort wieder 5 Stunden Pause gemacht. Beim Bootiesanziehen habe ich bei Antelope ein steifes Sprunggelenk festgestellt und ihn dann gleich dort gelassen. Der Lauf nach Nulato war furchtbar kalt. Trotz Hand- und Body-Warmer habe ich oft minutenlang unkontrolliert gezittert. Während es den ganzen Winter warm gewesen war, mussten wir nun bei minus 45 Grad nachts über den Yukon River stiefeln.

In Nulato habe ich wieder 5 Stunden Pause gemacht bevor es weiterging nach Kaltag. Das Team fing gut zu laufen an und ich bin durch Kaltag durchgefahren mit dem Ziel Tripod Cabin. Kalt kalt kalt ... viel zu kalt war es. Heilfroh in Tripod um kurz vor Mitternacht anzukommen, musste ich feststellen, dass die Hütte leider mit Iditabikern voll belegt war. Zumindest konnte ich auf dem Boden einige Stunden schlafen. MItch Seavey und Aily Zirkle waren auch dort.

Die letzten Stunden auf dem Lauf nach Unalakleet waren nicht nur kalt, sondern auch mega windig - ein unschöne Kombination. Zum Glück konnte ich die Hunde geschützt hinter einigen Strohballen rasten lassen. Die Locals hatten sich hier im Checkpunkt viel Mühe gegeben: Gutes Essen und auch ruhige Schlafplätze für uns Musher. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Beim Losfahren in Unalakleet war es so windig, dass es mir nicht möglich war, den Hunden Booties anzuziehen ohne mir die Finger zu erfrieren. Da die ersten Meilen oft viel Eis haben, sind wir ohne Booties losgefahren und dann in einer windgeschützten Ecke in den Blueberry Hills, habe ich der Bande die Booties angezogen. Die Blueberry Hills sind oft eine echte Schufterei, aber es hat nur so von Kaninchen in den Büschen gewimmelt, die die Hunde ordentlich angesport haben.

Eigentlich wollte ich in Shaktoolik durchfahren, doch mir war einfach zu kalt, so dass ich mich zum Rasten enstschlossen hatte. Nach 5 Stunden ging es wieder los, kurz vor dem Losfahren kam Gerry Willomitzer in den Checkpunkt, zufuß, er hatte sein Gespann verloren, konnte das Team aber per GPS und Snowmachine finden und sicher in den Checkpunkt bringen. Der Weg nach Koyuk war ein Zickzack über das Eis und deutlich länger als in den Vorjahren, die Hunde liefen aber sehr gut.

In Koyuk habe ich wieder 5 Stunden Pause gemacht und bin dann am späten Nachmittag zum langen Lauf via Elim nach White Mountain aufgebrochen. Da das Eis zu aufgetürmt war, ging der Trail über Land, wo aber nicht viel Schnee lag. Kurz in Elim anhalten, Wasser und Futter bunkern und weiter über Little McKinley nach White Mountain. Diese Etappe war mal wieder eine "Nachtschicht" in der ich mich trotz Musik im Ohr nur schwer wachhalten konnte.

Morgens um 6 Uhr kamen wir dann in White Mountain an. Dort konnte ich noch kurz einmal die Race Leader sehen. Lance war schon weg, aber Hans und Jeff gingen kurz nach meiner Ankunft auf den Trail. Obwohl ich gern weiter vorne platziert gewesen wäre, war ich mit meinem derzeitigen 8. Platz sehr zufrieden. Auf der letzten Etappe konnte ich noch Hugh Neff überholen, der sein Team wieder einmal verheizt hatte, nicht nur, dass er es kaum aus White Mountain herausbekommen konnte, er war jetzt im Schritttempo unterwegs. Der Lauf nach Nome war wunderschön. Zum ersten Mal seit Tagen wurde es warm, ich konnte alle Hundedecken abnehmen, und es war windstill. Das Gespann lief super, ich musste so gut wie nie mithelfen, selbst berghoch nicht.

In Safety haben wir für einige Minuten angehalten, alle Hunde gefüttert und durchgescheckt, und uns dann auf die letzten 22 Meilen nach Nome gemacht. Trotz Ankunft um kurz vor Mitternacht, waren wieder viele Zuschauer dort. Mit 9 Tagen 8 Stunden und 39 MInuten war dieses meine schnellste Zeit nach Nome. In einer knappen Stunden gehen wir auf das Finishing Banquet, wo der Iditarod 2010 dann seinen offiziellen Abschluss findet. Schon seit gestern Abend sind alle Teams in Nome, was nur sehr selten vorkommt.

Happy trails!!!! Sebastian

Sab

20. Juni 2010
Unalakleet nach Nome
5. Juni 2010
Von Ruby nach Unalakleet
6. Mai 2010
Nikolai to Ruby
18. April 2010
Start to Nikolai
21. März 2010
In Nome
24. Februar 2010
Iditarod Countdown
13. Februar 2010
Februar training update
27. Dezember 2009
Weichei und Weihnachten
7. November 2009
Herbsttraining Oktober 2009


Impressum ¦ Kontakt ¦ Sponsoren