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Herbsttraining Oktober 2009

Hallo aus dem Yukon!

Es ist schon wieder einige Monate her, seit ich den letzten Rundbrief geschrieben habe. Damals lag ich mit meinem Vater im Baltrum-Priel vor Anker, während unseres sommerlichen Segeltörns. Ich habe einen Großteil meines Urlaubes bei meinen Eltern in Ostfriesland verbracht. Wir hatten eine tolle Zeit, ich habe das gute deutsche Essen genossen und mal wieder einige Pfunde zugelegt.. Anfang August bin ich dann wieder in den Yukon zurückgekehrt.

Erst dachte ich, es würde eine ruhige Zeit kommen, aber dem war nicht so. Ich hatte nur meine Gang von 10 Oldies hier, alle anderen Hunde waren, wie jeden Sommer, auf dem Gletscher. Dafür kam ein täglicher Strom an Besuchern, die Feuerstelle und das BBQ hatten Hochbetrieb und die Oldie-Gang wurde regelmäßig am ATV spazieren geführt. Als dann Ende August die Rennhunde wiederkamen, habe ich das alte VW Käfer-Chassis wieder flott gemacht. Erst gestern wurde der Trainingswagen nach einer letzten Tour für den Winter eingemottet, denn so langsam sollte doch mal der Schnee kommen. Einige Film- und Foto-Crews waren zu Besuch (z.B. pfaffcanada, Familie Fleck , ich freue mich schon darauf, die Ergebnisse diesen Winter zu sehen.

Während meiner Auszeit im Sommer habe ich die Gelegenheit genutzt, mir etwas Gedanken über die Zukunft zu machen. Mein 2004-Quest sollte nur eine einmalige Affäre werden. Dabei blieb es dann aber nicht. Als ich 2005 ernsthaft mit der Rennfahrerei begonnen hatte, war mein Ziel, einmal eines der beiden großen Tausendmeiler zu gewinnen. Dieses ist mir letzten Winter gelungen, und zugegebenermaßen hat das Erreichen des Zieles eine gewisse Leere erzeugt: Was kommt als nächstes?

Herring in DeutschlandDer erste Schritt war eine Reduzierung der Hundeanzahl. Saßen im April noch 123 Hunde hier, sind es jetzt noch 51. Allerdings gehören davon nicht alle mir und einige von meinen eigenen sind schon „ vorbestellt",  wie z. B. Saffron, die mit mir noch einmal nach Nome laufen soll, um danach auf Kodiak Island in Rente zu gehen. In Rente sind auch einige andere Hunde gegangen, wie z. B. Herring. der jetzt in Lübeck an der Ostsee wohnt. Buckley ist in England bei Mark. Wie Ihr seht, gehen die Hunde in ganz verschiedene Ecken der Welt. Ich wusste erst nicht, auf welchen Papierkrieg ich mich einlasse. Hunde nach England oder Norwegen zu exportieren ist ein wahrer Alptraum. Die meisten von meinen aktiven Hunden sind hier in Nordamerika geblieben, allerdings war auch das nicht immer einfach. Einen Hund nach Churchill Manitoba zu fliegen, ist aufwendiger und teurer als nach Deutschland. Ich hoffe, die neuen Besitzer haben viel Spaß mit den Hunden. Momentan werde ich auch gut mit „Update-Bildern" versorgt.

TakeoffDas bringt mich zu meinen Rennplänen. Beim Iditarod bin ich seit einigen Monaten angemeldet. Beim Yukon Quest sucht man vergebens nach meinem Namen, ich werde das Rennen nicht mitfahren. Der Hauptgrund liegt in der Tatsache, das in den geraden Jahren das Rennen in Fairbanks startet und Whitehorse endet. 50 km vor dem Ziel, müssen wir dann an meinem Haupttrainingstrail vorbei. Das ist mental für die Hunde extrem schwierig und kann schnell einmal zu einem Sitzstreik führen. Diese Erfahrung möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Ich habe einige Sponsoren, wie den Spezialmaschinenbau Reichenbach, First Mate Petfood und Tensquaredracing, die meine Saison dieses Jahr unterstützen.

Ich trainiere 24 Hunde, wie in den vergangenen Saisons. Allerdings gibt es dieses Mal kein B-Team, auf das ich zurückgreifen kann. Damit werde ich auch meine Vorbereitungsrennen anders aussuchen müssen und die schnellen kurzen Rennen, wie das Sheep Mountain 150, nicht fahren. Ich trainiere wieder mit der Strategie langsam, aber stetig. Damit werde ich wahrscheinlich keine Rennen die kürzer als 300 Meilen sind fahren. Zur Auswahl stehen das Copper Basin 300, Kusko 300, Denali Doubles (ein neues Rennen von Jeff King, wo 2 Musher 1 Team fahren ), Quest 300. Danach geht es zum Iditarod und zum Saisonabschluss dann hoffentlich auf das Kobuk 440 in Kotzebue.

Ready to goDas Team stellt sich im Großen und Ganzen aus den Hunden vom letzten Jahr zusammen. Nicht mehr dabei sind Herring und Ricky. Moose und Dozer sind auf der Reservebank. Ersetzt habe ich diese durch erfahrene Hunde, die ich von Jon Little geleast habe. Solo, Solomon, Coyote und Antelope. Alle waren in Jons Quest Team, und bei Mitch Seavey oder Jeff King im Iditarod-Team. Kavik habe ich wieder von Richie Beattie geleast, der ist mit mir schon mal in 2008 gelaufen. Damit habe ich erneut eine sehr erfahrene Crew. Die meisten Hunde haben 4 oder mehr Tausendmeiler beendet, einige wie Austin oder Diesel auch 8.

An Erfahrung sollte es also nicht mangeln. Das Training läuft gut, wir haben die ersten 80 km-Läufe auf dem ATV gemacht. Letztes Jahr um diese Jahreszeit war ich bereits bei 120 km, doch da lag auch schon Schnee. Auf den warten wir hier derzeit. Sobald er kommt, angeblich Ende dieser Woche, werde ich die Meilen weiter hochschrauben. Momentan muss ich bei den Hunden aufpassen, die Füße nicht überzustrapazieren. Das Team gefällt mir gut, die neuen Hunde haben sich gut eingefügt, sie sind aber auch schon seit April dabei. Allerdings habe ich dieses Jahr auch einen vollen Monat mehr Zeit zum Training, denn das Iditarod startet einen Monat später als der Yukon Quest. Alle 24 Hunde sind nach einigen Anfangsschwierigkeiten harmonisch im Freilaufgehege.

Sab mit PaulaIn den vergangenen Wochen hatte ich das Vergnügen auf einigen Hundeschlitten-Veranstaltungen als Gastredner aufzutreten. Über Hunde zu sabbeln, fällt mir nie schwer. (Hier ein über 1stündiger Vortrag in englisch). Besonders schön war der Trip nach Manchester in New Hampshire. Hätte ich vorher gewusst, wie schön es dort ist, wäre ich einige Tage länger geblieben und hätte mir die Ostküste angeschaut. Danach fuhr ich nach Fairbanks auf ein Mushing Symposium. Das hat schon langjährige Tradition und ist immer wie eine Art von Saisonauftakt. Auf der Fahrt dort hin hätte ich nachts fast einen Bären überfahren. Natürlich war ich wieder mit kurz unter Schallgeschwindigkeit unterwegs und konnte ihm noch gerade in letzter Sekunde ausweichen. Auf dem Rückweg gab es noch einen kurzen Abstecher nach Paxson, wo ich den Hundeyard für den Winter vorbereitet habe. Ende dieser Woche steht dann bereits der nächste Roadtrip an, dieses Mal nach Dawson City, um etwas für die 2010 Winter-Olympiade zu filmen. Da werde ich das gesamte Team mitnehmen und auf neuen Trails trainieren gehen, ich wollte immer schon King Solomon´s Dome im Herbst sehen.

So genug gesabbelt, Euch einen schönen Herbst
Sebastian

Sab

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