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Iditarod 2009, Teil 2: Rainy Pass nach Grayling

Weiter geht’s. Beim letzten Mal war ich in Rainy Pass ... obwohl niemand den Trail für die letzten 24 Stunden befahren hatte, war dieser erstaunlich gut. Zwar zugeweht, aber eine harte Kruste oben drauf. Diese Freude sollte nicht lange währen, denn wir wurden alsbald vom Iditarod-Fotografen Jeff Schulz und der Iditarod-Insider-Film-Crew überholt. Danach war der Trail nur noch Tiefschnee, aufgewühlt von den Schneemobilen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch wenig Ahnung, wie viele weitere Probleme ich mit den Motorschlitten haben sollte.

Paul Gebhardt und Rick Swenson haben mich überholt und wir sind dann in Sichtweite von einander über den Rainy Pass und in die Dalzell Gorge gefahren. Wie immer war es windig auf dem Pass, aber völlig im grünen Bereich. In der Gorge schlängelt sich der Trail von einer Seite zur anderen, es ist erstaunlich wie viel Arbeit die Trailcrew in diesen Streckenabschnitt stecken muss. Leider ist es nicht immer ganz übersichtlich in dem engen Tal, und als ich um eine Kurve kam, hatte sich ein Motorschlitten mitten im Trail festgefahren, mein ganze Bande ist dort hineingerasselt. Die Gangline hat sich an einer der Kufen vom Schneemobil verfangen und das Choas war perfekt. Kurze Zeit später steckte die zweite Maschine im Trail fest. Dieses Mal konnte ich zum Glück unbeschadet daran vorbeikommen. Kurz nach der Gorge gelangt man auf den Tatina River, der dann in Rohn in den Kuskokwim River mündet. Der Tatina hatte ausnahmsweise sogar mal etwas Schnee, anstatt sonst nur blankem Eis.
 
Um 20 Uhr sind wir ihn Rohn, noch im Tageslicht, auf Position 3 angekommen. Hier gibt es Lang- und Kurzzeitparkplätze. Rick war auf dem Langzeitparkplatz und hat mir zugerufen: „Sebastian, was soll die Eile, warum parkst Du nicht hier und campst mit mir für 8 Stunden?" "Nächstes Mal“, war meine Antwort und ich habe mich wie auch Paul zum Kurzzeitparken bringen lassen. Meinen Food-Drop hatte ich nicht für diesen Fall gepackt und musste mein ganzen Kram durchwühlen und trennen, in Sachen, die ich nach Hause schicke und Sachen, die mitkommen. Das muss ich im kommenden Jahr auf jeden Fall anders machen und einen „to go"-Sack packen. Kurz vor halb neun ging es wieder los, es ist immer noch etwas hell um diese Jahreszeit. Auch der Kuskokwim River hatte gut Schnee auf dem Trail und sogar der berüchtigte Gletscher war relativ harmlos dieses Jahr, zumindest so lange man auf der linken Seite vom Eis war. Auf einen Schlag wurde es windig und warm, und es gab die üblichen Stellen, die keinen Schnee hatten. Durch den Wind und die Tatsache, dass ich mit beiden Füßen auf der Bremse stand, wurde so viel Dreck aufgewühlt, das ich ständig irgendwas im Auge hatte und halb blind durch die Gegend fuhr. Das Team schien das zu wissen und zog wie wild, so hoch motiviert habe ich die Bande selten gesehen. Anhalten war fast unmöglich, alles hat sofort zu bellen und springen angefangen, und das, obwohl wir schon wieder 8 Stunden unterwegs waren. Der Schlitten war beladen wie schon lange nicht mehr. Sicherheitshalber hatte ich ich genug Futter für 2 Campingstops dabei und fast einen vollen Ballen Stroh sowie einen Cooler voll Wasser, schon seit Finbear Lake. Läufe wie dieser bestätigen immer wieder meine Meinung, dass Gewicht sparen am Schlitten oder bei sonstiger Ausrüstung beim Long-Distance-Fahren völliger Unsinn sind. Schnell hat man mal 60 oder 80 Pfund extra dabei, aber was machen da schon 5 Pfund Gewichtsersparnis beim Schlitten aus?
 
Der Trail wurde immer schlechter. Es muss in dieser Gegend in den Wochen zuvor einmal kräftig geregnet haben, denn auf dem Schnee war eine dicke Eisschicht. Diese war jetzt aber aufgebrochen und der Trail bestand nur aus dicken, scharfkantigen Eisstücken. Leider war ich in Rohn ohne Booties an den Hunden losgefahren, damit sie besseren Halt auf den üblichen eisigen Stücken, wie dem Gletscher, haben. Ohne Booties hier durch zu fahren, war unmöglich. Paul musste das gleiche Problem gehabt haben, denn ich habe ihn neben dem Trail campend überholt.
 
Auch ich bin in Sichtweite von ihm „links" rangefahren. Der Platz war alles andere als ideal, denn er war nicht windgeschützt. Aber lieber im Wind sitzen, als kaputte Füße bei den Hunden haben, denn wer weiß, wie weit ich zu einem geeigneten, windgeschütztem Platz fahren muss. Aus dicken Eisbrocken konnte ich einen guten Windschutz für die Hunde bauen. Etwas schwieriger war es heißes Wasser zu machen, denn im Wind ist der Kocher nicht gerade effizient. Vor allem hatte ich Angst, dass er umgeweht wurde und ich mein weitgereistes Wasser verliere. Nach dem Füttern habe ich - wie immer - das gesamte Team mit Fleecedecken zugedeckt, die ich dieses Mal mit Eisbrocken beschweren musste, damit sie nicht fortwehen. Den Schlafsack neben dem Schlitten ausgerollt bekam ich knappe 3 Stunden Schlaf, allerdings eher etwas unruhig, immer wieder wurde mir Schnee in den Schlafsack geweht und es kamen viele Teams vorbei. Lance habe ich noch gesehen, alle anderen nur gehört. Genau als ich wieder aufgestand, kam Gerry Willomitzer vorbei und kurz nach ihm die Film-Crew. Zum Glück hatten die mit Paul, der hinter mir geparkt hatte, ein erstes Opfer. Erst kurz bevor ich eh losfahren wollte, kam Greg Heister vorbei. Das zeigt, wie ernst die Crew Ihren Job nimmt. Es ist 3 Uhr morgens, in der Mitte von Nirgendwo, es weht wie verrückt und die machen Interviews.
 
Mit Booties an allen Hunden, einige Hunde in Doppelbooties ( zwei übereinander ), was mehr Schutz gegen das scharfkantige Eis bot, ging es wieder los. Immer wieder haben wir rastende Team überholt, ich hatte gar nicht mitbekommen, wer uns alles überholt hatte. Nicht nur ich hatte einen ungünstigen Rastplatz. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass keine Schlittenspuren vor mir waren und ich wieder an 1. Stelle lag. Battier zog nicht richtig. Er und Ricky hatten beim Campen eine kurze Auseinandersetzung. Vielleicht lag es daran, aber finden konnte ich nichts an ihm. Lieber auf Nummer Sicher gehen und ihn in den Schlitten laden war meine Devise. Allerdings waren es noch 40 Meilen bis Nikolai, wir waren kurz vor dem Buffalo Camp, und wieder mal 65 Pfund Extragewicht dabei. Einmal unterwegs habe ich ihn wieder eingespannt, nach 5 Minuten war die Leine wieder schlaff. Bei solchen Situationen habe ich immer Angst mit „Sled Dog Myopathy" zu dealen. Wenn ein Hund nicht zieht, man nix Konkretes findet und der Gang aber irgendwie komisch aussieht, dann hat der Hund wahrscheinlich irgendwo im Rücken einen gezerrten Muskel. Wenn man den überstrapaziert und einfach weiterfährt, stellt sich Muskelzersetzung ein, der Hund bekommt eine Blutvergiftung und fällt um. Also lieber im Schlitten mitnehmen, Gewicht hin oder her.
 
Langsam, aber sicher kam von hinten ein Team, mein Quest-Kollege Hugh Neff, der mich dann überholte. Wir kamen mehr oder weniger gemeinsam in Nikolai an, ich war zu dem Zeitpunkt vorne. Die Tatsache, dass die beiden Erstplatzierten des Quest die Erstplazierten in Nikolai waren, wurde auch von den Medien nicht übersehen. Ich wurde gefragt, ob wir wieder versuchen würden wie im Quest zu finishen. "Klar, wäre doch gut", war meine Antwort. Aber ich war mir sicher, dass sich das mit den Platzierungen ganz schnell ändern würde. Auch die Tierärtze konnten nix bei Battier finden, und wollten mich überreden ihm in Team zu halten. Kein Risko, ich blieb bei der Entscheidung ihn zu droppen. 15 fitte Hunde sind mehr als genug, 4 Booties weniger. Die anderen Hunde hatten keinerlei Verletzungen. Aaron Burmeister kam als 3. an.
 
Nikolai ist immer ein guter Checkpunkt. Die Leute hier wissen, was für uns Musher wichtig ist. Heißes Wasser für die Hunde, ein dunkler guter Schlafplatz und was zu essen oder zumindest ne Mikrowelle, um unser Essen warm zu machen. Ich konnte einige Stunden vernünftigen Schlaf bekommen, und als ich wieder zu den Hunden kam war der Rastplatz wieder mit Teams übersät. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Musher mitten durch die Tageshitze fahren. Hätte ich es nicht vor Mittag nach Nikolai geschafft, hätte ich wie im letzten Jahr auf dem Trail gerastet. Stetig kamen neue Musher an, es herrschte reges Treiben. Hier holt jemand Wasser, dort dropt jemand einen Hund, Voluntäre bringen einem Neuankömmling das Hundefutter, Tierärzte arbeiten sich auf den Knien rutschend durch ein Dogteam und Filmcrews halten den Mushern die Kamera vor die Nase. Diese Rennatmosphäre hat schon etwas besonderes.
 
Beim Booties anziehen hatte ich mir Zeit gelassen, ich wollte nicht als erster aus dem Checkpunkt fahren. Im Nachhinein ärgere ich mich über die sinnlose Zeitverschwendung, denn die $ 3.000, die es für das erste Team in McGrath gibt, hätte ich gut gebrauchen können. Mein Team lief etwas langsam los. Der Lauf nach McGrath war bisher in jedem Rennen etwas zäh für mich, und das sollte sich auch dieses Jahr nicht änderen. Nur einmal konnte ich Hugh Neff und Aaron Burmeister vor mir auf dem Kuskokwim sehen. Wir schienen ziemlich den gleichen Rhythmus zu haben, wir haben an den gleichen Stellen die Hunde gefüttert. Mein Team hat wie immer gierig den Snack verschlungen.
 
Kurz vor dem Rennen hatte mir Mark seine Hörspiele auf meinen Ipod geladen. "Kinderkram", dachte ich mir erst. Okay, ich höre da mal kurz rein, dieser Lauf ist eh so langweilig, ich brauche Abwechslung. „We need to talk about Kevin", hieß die Story, in der eine Frau über ihre Beziehung und ihren Sohn zu erzählen begann. Es ging etwas langweilig los, fast hätte ich den Ipod wieder abgestellt. Plötzlich war ich in McGrath, völlig in die Story versunken und hatte ich gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verging. Perfekt so ein Hörspiel, astrein. Die Story wurde mehr als interessant, Kevin war eines der Kinder, die in einer US-Schule einen Massenmord begangen hatten. Die Mutter von Kevin hat ihr Leben, davor, währendessen und danach erzählt. Hochinteressant.
 
Beim Blick auf die Uhr wurde mir ganz anders. Wieder 7 Stunden und 15 Minuten gebraucht, verdammt langsam. Zumindest hat mich kein Team überholt, d.h. wir sind alle langsam unterwegs. Erst später sah ich, dass es eine Ausnahme dabei gab, Lance Mackey. In McGrath ist immer viel los, aber dieses Mal übertraf alles bisher dort erlebte. Ich hatte kaum Platz neben meinen Team nach vorne zu laufen zum Snacken. Der halbe Ort musste sich auf dem engen Raum gedrängt haben, Kinder wollten Unterschriften, Kameraleute Interviews, die Hunde verstanden die Welt nicht mehr und sahen mich mit großen Augen an. Schnell wieder Snacks verteilt, trotz der Aufregung fraßen alle. Nach meinem Futtersack zu fragen, habe ich mir hier verkniffen, das hätte eindeutig zu lange gedauert. Die Offiziellen haben einen kurzen Schlittencheck gemacht und nichts wie wieder los, denn Hugh und Arron waren auch erst vor eine halben Stunde hier durchgekommen. Grrrrrr, halbe Stunde, 3. 000 Dollar.
 
Es began mal wieder zu schneien. Der Trail war eh schon langsam und tief, da war Neuschnee nicht gerade hilfreich. Kaum aus dem Checkpunkt heraus wurden wir von 6 Schneemobilen überholt, von denen die Hälfte beim Überholen steckenblieb und ich immer wieder warten musste. Später konnte ich sehen, wo Hugh und Aaron die gleichen Probleme gehabt haben mussten. Der Trail war ein einziges aufgewühltes Schlachtfeld. Kurz vor Takotna dachte ich dann mich trifft der Schlag, alle 6 Maschinen kommen mir nun wieder entgegen. Mir gingen Gedanken durch den Kopf wie: "Hat die jemand bezahlt, um uns diesen Lauf zur Hölle zu machen?"
 
In Takotna angekommen wurde ich vom Checker mit folgender Aussage begrüßt: „Sebastian, ich hoffe, Du willst nicht weiterfahren, nach Ophir gibt es keinen Trail mehr“. Mein Team stand wie immer kläffend vor mir. Mein Food-Drop war so gepackt, dass ich mir nur den Sack 3 mit den Hundedecken draufschnallen musste und dann in Ophir meine 24 Stunden Pflichtpause nehmen kann, das Timing wäre ideal gewesen, ich wäre ca. 6 Uhr morgens in Ophir angekommen. Unter diesen Bedingungen allerdings hätte das wenig Sinn gemacht.
 
Also habe ich mich parken lassen. Takotna ist eh ein guter Rastplatz. Hier gibt es da beste Essen entlang des gesamten Trails. Da bin ich immer für zu haben. Ich hatte den gleichen guten Parkplatz wie im letzten Jahr, neben der Community Hall. Statt Jeff King war nun mein Freund Hugh Neff nebendran geparkt. Der Platz bietet einen kurzen Laufweg zum heißen Wasser, kurzen Laufweg zum Essen und super Platz zum Schlafen in der Bücherei, wieder unter dem gleichen Computer Tisch. Ich bin ein Gewohnheitstier ... deshalb verstehe ich die Hunde wohl so gut. Apropos gut, alle Hunde haben gut gefressen. Bei Gas, Diesel und Nemo musste ich langsam aufpassen, dass die nicht zu dick werden. Sogars Ricks Feinschmecker, wie Grisman und Vasser schienen sich endlich an die Einerleimahlzeit gewöhnt zu haben. Rindfleisch, Trockenfutter, Rapsöl, Fischöl, Psylium. Alle Hunde waren 100 % verletzungsfrei. Das hatte ich noch nie während der 24 Stunden Pause. Bevor ich einen von vielen Hamburgen verdrücken ging, habe ich trotzdem einmal alle Hunde mit Zalox durchmassiert. Das sollte jedoch das einzige Mal während der langen Pause bleiben und dadurch hatte ich deutlich mehr Zeit zum Schlafen. Nicht nur ich, sondern auch die Hunde hatten zu viel gefressen in Takotna. Ich weiß nicht welcher Teufel mich geritten hatte, dem Team noch eine vierte Mahlzeit nur 2 Stunden vor der Abfahrt zu geben. Ich hatte noch Zweifel ob das richtig war, wie immer sollte man auf Zweifel hören.
 
Dadurch war es kaum verwunderlich, dass das Team extrem langsam loslief. Der Trail aus Takotna heraus steigt stetig an. Nach ca. 20 Minuten konnte ich lautes Kläffen aus dem Tal vernehmen, das war Lance beim Anschirren.  Er sollte mich noch vor Ophir einholen, sehr frustrierend.  So war das eigentlich nicht geplant. In Ophir angekommen habe ich kurz Stroh aufgeladen und weiter ging es. Im Ohr war wieder die Kevin-Story. Auf diesem Lauf habe ich den Hunden keinen Snack gegeben, damit sie bei der nächsten Rast auch garantiert fressen. Kurz vor Don´s Cabin, einem alten Bretterverschlag, lag dann ein Ballen Stroh neben dem Trail. Ich vermutete, dass Lance diesen zurückließ, denn eine Meile vorher konnte ich sehen wie er ein 2. Gespann, wahrscheinlich Hugh Neff, überholt hatte. Beide Vermutungen sollten sich als richtig herausstellen. Kurz vor Mittag kam ich bei Don´s Cabin an, keine Spur von Lance, aber Aarons und Hughs Team waren am Rasten. Ich habe kurzzeitig ans Weiterfahren gedacht, aber das Team lief dazu nicht schnell genug und auch wäre ich damit auf einen ungünstigen Tagesrhythmus gekommen. Kurz nachdem ich mit dem Füttern fertig war, dieses Mal gab es nur eine halbe Mahlzeit, kam Jeff King vorbei. Vom Schlafsack aus konnte ich noch weitere vorbeifahrende Teams ausmachen, wie Hans Gatt und Cim Smyth.
 
Nach 2 Stunden Schlaf ging es gegen 17 Uhr wieder auf den Trail. Nach einer Stunde kamen wir am Deshna River an. Cim und Hans waren mit Hundeversogen beschäftigt, während Jeff gerade losfuhr. Da ich annahm, dass er schneller als ich sein würde, blieb ich hinter ihm. Wir sollten den ganzen Lauf bis Iditarod mehr oder weniger in Sichtweite voneinander fahren. Die Landschaft hier begeistert mich immer wieder. Man kann förmlich spüren wie abgelegen man hier ist. Nach nur 6 Stunden erreichten wir um 23 Uhr die Geisterstadt Iditarod. Vor 100 Jahren lebten hier 10.000 Menschen, herbeigelockt aus aller Welt in der Suche nach Gold. Nun beginnt das Schachspielen. Wenn ich vor Mittag in Shageluk ankommen möchte, mit 9 Stunden Laufzeit rechne, dann muss ich spätestens um 3 Uhr nachts los. Die Pause sollte also kurz werden. Zu allem Überfluss hatte ich hier auch genug Ausrüstung für eine 24-stündige Pause hingeschickt, die ich nun sortieren musste, um das ungebrauchte Zeug wieder in den „Return Sack" zu stecken und nach Hause zu schicken. Lance fuhr ca. 45 Minuten nachdem ich ankam los. Daran sollte ich mich für die nächsten Läufe gewöhnen müssen. Mir wurde alsbald klar, dass es nicht einfach, wenn gar unmöglich werden sollte, ihn wieder einzuholen. Lance hatte allerdings mit dem Lauf von Takotna nach Iditarod nonstop einen entscheidenden Schachzug gemacht. Zum Glück musste ich keine Hunde massieren, die waren immer noch alle topfit, so konnte ich wenigstens 2 Stunden schlafen, während der 4 Stunden Pause.
 
Wie geplant ging es um kurz nach 3 Uhr los. Die Hunde waren motiviert. Sie waren die kurzen Rastpausen vom Quest gewohnt. Ich habe Nemo und Vasser in Lead gespannt. Damit war ich sicher eine vernünftige Geschwindigkeit in diesem Lauf zu haben, denn ich wollte auf jeden Fall vor der Mittagswärme in Shageluk ankommen. Im Wissen, dass der Trail erst gerade gespurt worden war, hatte ich tiefen Schnee erwartet. Dem war aber überraschenderweise nicht so. Der Trail hatte sich gerade gut genug gesetzt, so dass oben drauf eine relativ harte Kruste war. Das war der erste schnelle Trail seit Tagen. Nicht nur ich, sondern auch die Hunde waren begeistert. Im Englischen sagt man: „The team was on fire". Anhalten war fast unmöglich, wie die Irren haben alle 15 Hunde an den Leinen gezerrt. Zum Snacken hatte ich einen Schneeanker in einen Baum geharkt. Die Aktion hätte ich mir auch sparen können, am Snacken hatte kein Hund Interesse, sondern nur am Laufen, und zwar sofort. Ich bekam den Anker nicht vom Baum los, zu sehr war die Leine gespannt und musste ihn Abschneiden. Der Trail war eng, Bäume an beiden Seiten, das spornt die Hunde noch mehr an, so war es auch kaum verwunderlich, dass ich in einen richtig guten Crash hatte. Groß Zeit zum Schnee ausschütteln hatte ich nicht, denn wieder ging es mit Volldampf weiter. So ein Lauf mitten im Rennen ist traumhaft. Keine Menschenseele sollte ich auf diesem Run sehen und wir waren schon um kurz nach 11 Uhr in Shageluk auf Position 2 angekommen. Von Lance keine Spur, der war auf dem Weg nach Anvik.
 
Das Tageszeit-Timing gefiel mir allerdings gut, wieder konnten die Hunde durch die Mittagshitze rasten, in der Tat sollte es hier knapp null Grad werden.
Aaron Burmeister, Mitch Seavey und Jeff King kamen im Halbstunden-Takt nach mir an. Ich überlegte hier meinen 8-Stunden-Zwangsaufenthalt zu nehmen, hatte mich dann aber doch entschieden nach nur 5 Stunden loszufahren, so auch Jeff King und Aaron Burmeister, denn wir verließen alle 3 in Sichtweite voneinander den Checkpunkt.
The show was on ... wieder überholten uns ständig Kamerateams auf Schneemobilen, der Helikopter kreiste über den Teams. Ich hatte mich noch immer nicht ganz an diese Medienaufmerksamkeit gewöhnt.
 
In Anvik angekommen wurden wir nur kurz ein- und ausgecheckt. Lance, der dort ein 7-Gängemünue genießen konnte, war noch da. Das Essen wird vom Millenium Hotel gesponsort für den Musher, der als erstes den Yukon River erricht. Nebenbei gibt es noch $ 3000 in cash. Anvik ist ein sehr beschaulicher Ort, viele alte Blockhäuser, es sieht relativ gepflegt aus. Noch in keinem Iditarod habe ich hier angehalten. Jeff war vor mir in zweiter Position und Aaron und ich haben Katz und Maus gespielt und uns einige Male gegenseitig überholt. Es wurde deutlich kühler und wieder mal lief das Gespann problemlos. Im Kopf die üblichen Rechenspiele. Wenn ich in Grayling um 3 Uhr losfahre, sollten wir um Mittag in Eagle Island sein. Aber was, wenn ich durch Grayling durchfahre, dann komme ich um ca. 8 Uhr morgens in Eagle Island an. Wir waren erst 6,5 Stunden unterwegs und um 22.38 Uhr in Grayling. Durchfahren oder nicht? Schachspielen, welcher Zug ist richtig? ... wie ich gezogen habe im nächsten Newsletter.

Die meisten Bilder aus dem Album von Jeff Schulz oder Anchorage Daily News können als Print oder auf Tassen, etc. bestellt werden.

Sab

21. Juli 2009
Iditarod 2009, Teil 4: Zieleinlauf ...
11. Juli 2009
Iditarod Teil 3: Der Sturm
14. Juni 2009
Iditarod 2009, Teil 2: Rainy Pass nach Grayling
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5. März 2009
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6. Februar 2009
Yukon-Quest-Vorbereitungen
22. Januar 2009
Schwierige Saison
22. Januar 2009
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10. Januar 2009
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10. Januar 2009
Die ersten drei Rennen
23. Dezember 2008
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