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Niemals aufgeben

Moin aus Anchorage,

der Quest ist vorbei. Wie wahrscheinlich die meisten von Euch schon längst mitbekommen haben, bin ich in neuer Rekordzeit von 9 Tagen, 23 Stunden und 20 Minuten als erster Musher in Fairbanks angekommen. Besonders geil ist es, zum ersten Mal die 10-Tage-Barriere zu unterbieten. Die Rennbedingungen waren dazu ideal.

Ich wusste, dass ich ein sehr gutes Team habe, muss aber zugeben, dass ich nicht damit gerechnet hatte zu gewinnen. Mein Endziel war bzw. ist, nach wie vor sehr gut beim Iditarod abzuschneiden. Ich bin im Quest stur meinen Campingtrip gefahren. Noch nie habe ich so oft draußen unter freiem Himmel geschlafen, wie in diesem Quest. Das Wetter war ideal dafür, nachts ca. minus 20°C, tagsüber oft minus 5 bis minus 10°. Die Hunde und ich fanden gleich von Anfang an unseren Rhythmus, der nur in Pelly unterbrochen wurde. Auf dem Weg dort hin bin ich auf einem vereisten Stück vom Trail abgekommen und hatte einen Riesenknoten im Team. Den auf dem blanken Eis, ohne einen Schneeanker setzen zu können, zu entwirren war schlichtweg unmöglich. Nicht nur, dass ich dabei viel Zeit verlor, ich konnte in Pelly nicht wie geplant durchfahren und musste erst mal alle Hunde auf Verletzungen untersuchen. In Dawson bin ich als 4. Team wieder auf den Trail und dann auf dieser Position bis Central gefahren. Nur einmal habe ich zwischendurch Brent Sass gesehen, ansonsten war ich mutterseelenallein und kam mir gar nicht wie in einem Rennen vor.

Das sollte sich auf der Etappe von Central nach 101 ändern. Alle 3 vor mir gestarteten Teams, Kleedehn, Neff, Little, sollten am Eagle Summit Probleme haben. Wiliam kam mir auf halber Strecke entgegen. Nach kurzer Absprache ist er mir dann wieder gefolgt. Der Anstieg am Summit war relativ unproblematisch, bis wir über die letzte Kuppe kamen und dort auch Hugh Neff und Jon Little sahen. Damit war mir auf einen Schlag klar, dass ich plötzlich doch noch Siegeschancen habe. Wie so oft, war es schwierig vernünftigen Halt am Hang zu finden. Erst nachdem ich mein Hundefutter ausgeladen hatte, konnten die Hunde den Schlitten auf den Summit ziehen. Da habe ich die ganze Bande oben festgebunden und bin wieder runter, um William zu helfen. Das gestaltete sich aber schwieriger als erwartet und nach eine halben Stunde habe ich die Verfolgung von Neff und Little aufgenommen, während William erst halb den Berg hoch war.

In Mile 101 herrschte sichtlich Aufregung, denn wieder einmal hat der Eagle Summit die Karten neu gemischt. Zu diesem Zeitpunkt war ich ca. 1 Stunde hinter Hugh Neff und 30 Minuten hinter Jon Little. John habe ich nach 3 Stunden am Fuß vom Rosebud Summit überholt, von Hugh keine Spur. Insgesamt war das ein langer 16-Stunden-Lauf von Central nach Twin Bears, 109 Meilen, mit Eagle Summit und Rosebud Summit mittendrin. Obendrein war der Lauf noch genau über die Mittagshitze, es waren nur minus 2° und Sonne. Es ist schon erstaunlich, was die Hunde so wegstecken können. Das Team sah extrem gut aus als wir in Twin Bears ankamen. Hugh war 1 Stunde, 25 Minuten vor mir dort, musste aber noch 2 Stunden Strafzeit absitzen, damit war ich plötzlich auf dem ersten Platz.  Auch Hughs Team sah extrem gut aus. 

Erster Platz hin oder her, ich war so todmüde, dass ich trotzdem für gute 4 Stunden schlafen konnte. Die letzten 45 Meilen zum Finish bin ich sehr kalkuliert gefahren. Dieses war der erste Quest, den ich nach GPS gefahren bin, 8.2 Meilen die Stunde. Auf keinen Fall wollte ich mir jetzt noch einen von meinen 10 Hunden verletzen, denn alle 10 brauche ich fürs Iditarod. So hatte ich für die letzten Meilen meist meinen Fuß auf der Bremsmatte, aber dafür einen Knoten im Hals, denn immer wieder habe ich mich umgeschaut, ob Hugh in Sichtweite kommt. Da von ihm nichts zu sehen war, habe ich die letzten Meilen sitzend genossen. Es war schon ein toller Moment als Erster über die Zielline zu fahren. Viele bekannte Gesichter standen dort. Wieder sah das Team sehr gut aus, jeder hat seinen Chicken-Snack verschlungen. Umso überraschter war ich, als nach nur 4 Minuten Hugh auch schon ankam. Das war knapper, als ich gedacht hatte. Hugh und ich kennen uns schon sehr lange, wir haben beide ungefähr zur gleichen Zeit mit dem Mushing angefangen und hatten beide nicht den einfachsten Start. Umso schöner war es, gemeinsam mit ihm hier in Fairbanks im Ziel zu stehen. Mann bin ich froh, nicht in der Vorbereitungsphase aufgegeben zu haben und doch den Quest gefahren zu sein.

Mark ist ein sensationelles Rennen gefahren. Dafür, dass er im November zum ersten Mal auf dem Schlitten stand, ist sein Finish auf dem 11. Platz mit 11 Hunden eine echte Leistung. Geil gemacht!!!

In Fairbanks haben wir bei Gisela und Dieter Dolif gewohnt, die mich wie immer mit vielen Leckereien verwöhnt haben ... mhhh ... richtig Schmalz und Leberwurst ... Umso schwerer viel der Abschied. Ein kurzer Pitstop in Paxson, 2 Trainingsläufe, auspacken, umpacken, einpacken.

Mittlerweile sind wir in Anchorage, die Blutuntersuchungen und EKGs der Hunde sind gemacht, nachher geht es zum Vet-Check. Auch hier werde ich wieder verwöhnt und wohne bei Bonnie und Jim. In der letzten E-Mail hieß es:"Sebastian, der Hot-Tub ist angeheizt und der Braten ist im Ofen." Alles klar, ich koooooommmeeeeee.

Zu den Hunden: In Pelly habe ich Desi gedropped. Der war von Anfang an ein Fragezeichen, da er immer galoppiert und nicht trabt. Das war nun endgültig das letzte Mal, das ich einen "Looper", wie wir sie nennen, bei mir ins Team nehme. Die können unmöglich 1.000 Meilen durchhalten. Herring habe ich in Dawson gelassen, denn so richtig gezogen hat er nicht. Kann ich ihm in seinem Alter auch nicht verübeln. Stevie hatte immer wieder eine Zerrung am rechten Sprunggelenk, in Eagle hatte ich von der Massiererei die Nase voll. Saffron, die von meinem Unfall in Pelly am schlimmsten betroffen war, habe ich dann in Circle gelassen, für den Iditarod ist sie aber wieder fit. Das Finishing-Team war:

Nemo, Popcorn, Inuk, Austin, Skunk, Finn, Grisman, Vasser, Yonder, Scruggs.

Alle 10 werden wieder mit auf den Iditarod gehen, plus Saffron. Aus Marks Team habe ich mir 7 Hunde ausgesucht: Gas, Diesel, Denali, Polar, Battier, Moose, Ricky. Damit habe ich 2 Extra-Hunde, bin mir noch nicht sicher, wen ich zu Hause lasse. Ich freue mich auf den Iditarod. Das wird bestimmt interessant, ein komplettes Team mit Yukon Quest-Finishern zu fahren. Schaun wir mal, was ich dort auf die Reihe bekomme, viel Spaß beim Verfolgen des Rennens.

Mein Dank gilt den vielen Helfern, ohne die ich diese Rennen nie fahren könnte.

Sebastian

Sab

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