Ich bin qualifiziert für's Quest
Das CopperBasin war super schwer, die Hölle. Es waren 300 Meilen Hölle - aber zumindest 200, 100 oder so waren sehr angenehm. Das Rennen begann am Lake Louise in der Nähe von Glenallen bei -43°C. Die Strecke war sehr bescheiden, ich startete ziemlich am Ende und hielt meine Hunde zurück, um Kraft zu sparen. Dadurch wurde ich fast Letzter auf dem Trail und musste mich durch etwa 30 cm tiefen, körnigen Schnee kämpfen. Da ist es wirklich schwer für die Hunde zu ziehen und aus einem üblicherweise 5-6-stündigen Lauf wurden mehr als 8, das war mental sehr schwierig und das langsame Vorwärtskommen war auch sehr frustrierend - zu wissen, dass man nur mit 6 Meilen/Stunde weiterkommt, war am Ende gar nicht mehr cool. Ich denke, die ersten beiden Teams hatten einen guten Lauf auf der harten Kruste, aber die brach bald durch und dann (glaube ich) wurde der Trail immer schlechter, so dass mein Team den schlimmsten erwischte.
Auch andere Teams waren langsam, aber ich wollte mein Team schonen, denn meine Strategie war das Rennen zu beenden und mich somit für den YukonQuest zu qualifizieren, so dachte ich mehr als die anderen an die Pausen. Die Theorie ist gleichlange Lauf- und Rastzeiten zu haben. Stärkere Hunde-Teams können kürzere Pausen einlegen und die erfahrene Musher wissen, wann sie dies tun können und wann nicht. Je länger Sie ohne Rast unterwegs sind, desto langsamer werden die Hunde. Durch meine Laufzeit und die lange Pause, ging ich als Letzter aus dem ersten Checkpoint heraus, was ein wenig entmutigend war - obwohl ich in meinen Rennen nicht wirklich Rennen gefahren bin ist es doch ziemlich beschissen als Allerletzter zu fahren. Ich wusste, dass ich später einige schwächeren Teams überholen würde, aber im Moment war es hart.
Die nächsten Lauf war eigentlich auf einem guten Trail, aber ich hielt mein Team trotzdem zurück und dadurch wurde es ebenfalls ein langer Lauf. Die meiste Zeit fuhren wir neben dem Highway was ebenfalls ziemlich langweilig war und einem mental zusetzte. Im zweiten Checkpunkt habe ich meinen ersten Hund, Hoss, zurückgelassen. Er hatte eine geschwollene Pfote von einen schlimm aussehenden Riss und ich denke, um dies zu kompensieren begann er zu "galoppieren" (eigentlich soll er traben) und so war er dann im Checkpunkt ziemlich müde. Um kein Risiko einzugehen, schließlich wollte ich nicht einen so großen Hund im Schlitten, ließ ich ihn zurück.
Der 3. Lauf war toll, die Strecke war fast so gut wie beim zweiten Lauf, aber in wunderschöner Landschaft. Viele der Musher fuhren dieses Teilstück bei Tageslicht, aber ich hatte Mondschein und sah das zweite Mal den Mond aufgehen (das erste Mal war im SheepMountain), was atemberaubend war. Es war ein langer Lauf von 72 Meilen und gegen Ende holte ich einige Teams ein. Dann kam ein gewaltiger Anstieg, doch oben angekommen konnte ich unten das Licht von Stirnlampen sehen und wusste, dass ich weiter am Aufholen war. Nach dem Berg muss dreimal Wasser überquert werden, doch glücklicherweise war dieses Jahr alles zugefroren! YAY.
Nach der letzten - einem großen Fluss, welcher in der Regel einen kleinen Abschnitt offenes Wasser hat, geht es bis zur Alyeska Pipeline, folgt dieser etwa 10 Meilen, geht dann über den Summit Lake, bevor es einen kurzen, aber super steilen Aufstieg hochgeht. Als ich mich dem Anstieg näherte, konnte ich 3 Stirnlampen sehen. 2 gingen dann wieder nach unten, so wusste ich, dass jemand Hilfe bekam. Leider wurde der Frau, die da am Hang hängengeblieben ist, immer noch geholfen, als ich ankam - sie führte ihre Leithunde während Martin, ein Freund von Sab, den Schlitten stieß. Je früher sie aus dem Weg war, desto früher konnte ich weiterfahren und so half ich Martin mit dem Schlitten.
Ich kam im Checkpunkt Paxson mit 3 oder 4 Teams hinter mir an. In Paxson habe ich Roscoe gedroppt. Er began etwa 15 Kilometer vor dem Checkpoint zu hinken. Ich habe ihn noch auf dem Trail untersucht, aber nichts gefunden und so ließ ich ihn bis zu Checkpunkt weiterlaufen. Am Checkpoint habe ich ihn nochmals untersucht und festgestellt, dass sein Gelenk leicht geschwollen war. (An jedem Checkpoint untersuchen wir immer zuerst alle Hundepfoten und Gelenke auf Anzeichen von Schmerzen und behandeln sie dann entsprechend - Massage.) Ich massierte und verpackte sein Gelenk - das hilft die Schwellung zu mindern und hält das Gelenk warm - und ließ ihn ruhen. Gelenkbeschwerden treten immer wieder auf und sind nichts Beunruhigendes. Ich hatte 2 andere Hunde, die sich am Beginn des Rennens eine leichte Schwellung zugezogen hatten und mit Massagen und warmen Bandagen in jedem Checkpunkt, war nach dem Rennen alles wieder bestens.Nachdem die Hunde ausgeruht waren und ich bereit zum Weiterfahren war, bin ich mit ihm noch etwas herumgelaufen und da er immer noch leicht hinkte, ließ ich ihn zurück.
Der Lauf von Paxson nach Sourdough war wieder beschissen! Der Trail war so schlecht, wie auf dem ersten Teilstück, aber um es noch etwas schwieriger zu machen, schneite es auch noch und so kamen noch 5 cm Neuschnee zu dem bereits tiefen "suger snow" dazu. Die Landschaft war dafür wirklich cool. In Sourdough hatte ich keine Probleme und setzte das Rennen mit allen Hunden fort. Ich habe den Checkpunkt allerdings beinahe verpasst. Ich zum Checkpunkt, wo ich dachte, er müsste da sein, ich konnte Rauch riechen, hörte aber keine Geräusche und sah keine Menschen. Ich sah einige auf eine Schneewehe gemalte Pfeile, welche nach rechts zeigten, konnte aber kein Schlittenspuren sehen. Ich konnte aber geradeaus eine Markierung und Schlittenspuren sehen. So setzte ich meine Fahrt geradeaus fort, aber nach 5 Minuten entschied ich mich umzudrehen und dann konnte ich ganz leichte Spuren sehen und stellte fest, dass die Spuren, welchen ich nachgefahren war, wohl von weiterfahrenden Teams stammen müssen und nicht von Teams welche zum Chckpunkt wollten. Glückliche Entscheidung.
Der letzte Lauf war super, herrliche Landschaft und eine schöne Strecke, keine Probleme mit den Hunden, nur auf dem Lake Louise began Ed von Zeit zu Zeit etwas müde zu sein, aber nun war das Ende schon in Sicht und so blieben wir dran. Am Truck hatten dann noch ein paar andere Hunde leichte Probleme, aber bereits nach einer langen Rast in ihrer Hundebox sprangen sie wieder fröhlich umher. Nur Buckley hätte ich hier aus derm Rennen nehmen müssen, denn er brauchte eine etwas längere Pause, um sich zu erholen. Als ich zu Hause nach Roscoe schaute, war alles schon wieder in Ordnung und er hat seitdem kein Training verpasst und auch bei Hoss ist alles wieder bestens. Nur Buckley und Ed können noch nicht wieder trainieren. Die Strecke von Sourdough zur Wolverine Lodge (Lake Louise) in ca. 8 Stunden, nach 5 Stunden und 45 Minuten so gegen 6.45, überholte ich ein Team, dessen Hunde den Schlitten nicht mehr ziehen wollten, da wusste ich es noch nicht, aber Sab hatte ich bereits in der Nacht davor gegen 23 Uhr überholt und bereits da wollte sein Team nicht mehr. Er musste vor seinem Team herlaufen und kam so gegen 16 oder 17 Uhr im Checkpunkt an - ich beendete das Rennen gegen 9 Uhr.
Ich glaube nicht, dass Ihr sehen könnt, wie hart dieses Rennen tatsächlich war. Nicht zu schlafen, war nicht so schwer wie ich dachte, aber positiv zu bleiben, wenn die Strecke beschissen war und wir nur langsam vorwärts kamen, und das mit zwei so beschissenen Läufen hintereinander. Ich hatte Glück, dass ich Ed hatte, in der Regel nicht meine erste Wahl bei meinem Rennteam, aber in Chisto (2. Checkpunkt) war meine Stimmung aus irgendeinem Grund ziemlich am Boden aber dann begann Ed begeistert zu hüpfen und zu bellen und bis wir wieder auf dem Trail waren, war ich super glücklich und eine Stunde davor noch tief betrübt.
Nun kommt die 3fache Hölle im Quest auf mich zu! Rock on.
Take it easy
Mark
Mark

