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Schwierige Saison

Diese Zeilen erreichen Euch aus Paxson - das ist nicht ganz Plan A: Ich hatte gehofft, beim Kusko300 in Bethel zu sein, aber auch das CopperBasin lief nicht so wie geplant. Ich habe die Hunde in zwei Teams, ein Kusko- und ein CopperBasin-Team aufgeteilt. Der Start des CopperBasin auf dem Lake Louise bei Wolverine war mit minus 40° noch kalt . Ich hatte mit der 6 eine schöne Startnummer gezogen. Da die Hunde die letzten beiden Wochen vor dem Rennen fast gar nicht trainiert hatten, wusste ich, dass ich das Rennen konservativ angehen musste. Innerhalb weniger Minuten wurde ich von mehreren Teams überholt. Sobald wir den Lake Louise verließen, verloren sich die Spuren und wir hatten knietiefen, körnigen Schnee (sugar snow). Dies war mein erster Fehler des Rennen, denn wenn ich diese Trailverhältnisse erwartet hätte, hätte ich nicht so viele Teams passieren lassen. Es war eine weiche, langsame Fahrt nach Tolsona. Als ich mich dem Checkpunkt Tolsona näherte, holte ein Team ziemlich schnell auf. Bei einem zweiten Blick bemerkte ich, dass da etwas fehlte, oder besser jemand, auf dem Schlitten fehlte: der Musher. Weit weg konnte ich eine Gestalt den Trail entlang laufen sehen.

Der Lauf nach Glennallen war nicht viel spaßiger, denn immer noch hatten wir tiefen Schnee. Wo ich normalerweise so um die 5 Stunden schaffte. brauchte ich nun 6 Stunden 45 Minuten. Der Checkpunkt an der Tankstelle in Glennallen war gut organisiert, aber es war irgendwie lustig, während eines Rennens an einer Tankstelle Halt zu machen. Nach 4 Stunden 30 Minuten verließen wir den Checkpunkt wieder, immer noch im Rennmodus. Zu meiner Überraschung war der Trail nach Chisto hart und schnell, und wir brauchten 5 1/2 Stunden. Die Temperaturen waren ebenfalls auf -32°C (-27°F) gestiegen. In Chisto angekommen, aß das Team gut und legte sich sofort zum Schlafen hin. Um ihnen eine ausgeglichene Lauf-/Ruhezeit zu geben, blieben wir 5 Stunden 30 Minuten. Gleich nachdem ich den Schneehaken gezogen hatte, konnte ich schon sagen, dass das Team nicht sehr viel Energie hatte. Dass ich den Hunden kurz vor dem Start einen Snack gegeben habe, hat die Situation sicher nicht verbessert, aber hauptsächlich fehltem den Hunden 2 Wochen Training. Sie völlig ruhen zu lassen war keine gute Idee. Ich hätte mich mindestens zu ein paar kurzen Läufen von 5 oder 10 Meilen an einigen Tagen aufrappeln sollen. In den vergangenen CopperBasin-Rennen fuhren wir diesen Lauf nach Paxson immer im Dunkeln. Dieses Mal verließen wir Chisto um 9 Uhr und fuhren alles bei Tageslicht. Die Landschaft ist spektakulär, und, obwohl ich diese Strecke schon einige Male gefahren bin, wusste ich nicht, dass wir einen großen Teil der Strecke an den Ufern des Chistochina River entlang fuhren. Normalerweise benötige ich 4 Stunden bis zum Excelsior Creek, dieses Mal 4:45 Std., kein gutes Zeichen. Das Team war müde. Als wir zur Pipeline kamen, musste ich mich selber überzeugen weiterzufahren, da es nur 2 km zu unserer Cabin in Paxson waren. 9 Stunden, nachdem wir Chisto verlassen hatten, kamen wir in Paxson an, eine gute Stunde langsamer, als die führenden.

Aufzugeben und mich auf das Kusko zu konzentrieren, kam mir in den Sinn, aber dann dachte ich wieder, dass dies für die Hunde auch nicht gut wäre, da sie eh schon zu wenig Trainingskilometer haben und auch nicht für meinen Kopf, wenn ich mir "den einfachen Weg" aus dem Rennen gestattet hätte. So fuhren wir weiter Richtung Sourdough. Es waren jetzt noch 10 Hunde im Team, da ich Yonder und Happy zurückließ. Bei beiden Hunden hatte ich bereits vor dem Rennen meine Bedenken - ich hätte auf meinen Instinkt hören sollen. Der Lauf nach Sourdough war wieder langsam, durch tiefen "sugar snow". Gutes Training für die Hunde, aber es braucht schmerzhaft lange, um dort hin zu kommen, wo man hin will. Es half nicht, dass ich einen Moment einschlief, eine Abzweigung verpasste und im Haggart Creek landete. Glücklicherweise kenne ich das Gebiet. In Sourdough  beschloss ich den Hunden zusätzliche 2,5 Stunden Rast zu gönnen und anstelle der vorgeschriebenen 2 Stunden rasteten wir 4:30 Stunden. Das Rennen war für mich ohnehin gelaufen.

Als wir Sourdough verließen, habe ich noch Wendy gedroppt und war somit bei 9 Hunden, aber das Team wurde zu diesem Zeitpunkt immer stärker. Als wir Crosswind Lake erreichten, wo Kirk wieder auf uns wartete und uns mit Wasser und heißem Eintopf versorgte, bellten und zogen die Hunde. Jetzt wird's langsam, dachte ich. Dies ist das Team, wie es vor dem Jahreswechsel war. Wir fuhren weiter Richtung Ziellinie und nun musste ich die meiste Zeit die Bremsmatte betätigen. Auf der Ziellinie bellten und kläften 8 der 9 Hunde. Zumindest das erfreuliche Ende eines enttäuschenden Rennens. Lektion gelernt. Kälte oder nicht, warm und heiß, ich werde mein Team nicht mehr so lange ruhen lassen. Lance sagte es ganz einfach: "Sebastian, würdest Du während des Quests pausieren, wenn es unter -45° ist? "

Mark hat das Rennen mit einer guten Zeit abgeschlossen und sein Team sah gut aus. Er hat einen eigenen Bericht über seinen Trip verfasst. Die Finishing Banquet des CopperBasin war wie immer sehr unterhaltsam und alleine schon fast das Rennen wert.


Als ich vom CopperBasin zurückkehrte, war ich mehr als enttäuscht, dass meine Mannschaft keinen einzigen meiner Fooddrops ausgepackt hatte, obwohl sie wussten, dass ich die Sachen gereinigt und getrocknet für den Kusko Fooddrop benötige. Mit dem sehr knappen Timing hieß dies, dass ich den Tag damit verbrachte die Sachen zu sortieren, anstatt etwas Schlaf zu bekommen. Endlich um 21 Uhr war alles im Truck - eine lange Nachtfahrt zum Flughafen in Anchorage stand mir noch bevor. Kurz nach Paxson hatten wir Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Regen und die Fahrt war schrecklich. Nach einem kurzen Halt bei Bonnie in Eagle River fuhr ich um 5 Uhr zum NAC-Terminal in Anchorage. Zeit die ganzen Hundeboxen zu entladen und zu montieren, die Hunde darin unterzubringen und alles zu wiegen. Soweit verlief alles wie geplant. Doch das sollte sich ändern, als ich versuchte selber einzuchecken. Alle Flüge des vorangegangenen Tages nach Bethel waren storniert worden, und mir wurde gesagt, dass die Landebahn dort wegen des Wetters geschlossen sei. Während ich wartete, traf ich Mitch Seavy, John Baker, Jeff King, Dave Decaro - alle ebenfalls wie ich in Warteposition nach Bethel. Dann bekam ich einen Anruf von Northern Air Cargo, dass ich die Hunde wieder abholen können, da der Flug für diesen Tag gestrichen wurde. Ich habe versucht auf Alaska Airlines umzubuchen, aber deren Frachtmaschine war bereits überbucht. Nicht gut. Das Kusko gab bekannt, dass der Rennstart auf Samstag verschoben werde, das gab mir einen weiteren Tag, um nach Bethel zu kommen. So fuhren wir zurück zu Bonnie, ein Nickerchen klang wirklich gut in dieser Zeit, und so versuchten wir es am Freitagmorgen wieder.  

Freitagmorgen. Das gleiche Szenario mit entladen der Ausrüstung um 5 Uhr und dann wieder warten. Am Mittag, gleiches Urteil, meinen Frachtflug für die Hunde wurde annulliert. Mittlerweile hatte ich die Abgabe der Fooddrops verpasst und das Fleisch nach 2 Tagen bei +7°C (45°F) aufgetaut. Ich rief die Kusko Rennleitung am und meldete mich vom Rennen ab. Das hat mich angesch... . Nicht nur hatte ich mich schon darauf gefreut wieder einmal in Bethel zu sein und das Kusko zu fahren, aber ich verpasste auch weitere 300 Trainingsmeilen und wir sind ja bereits hinter unserem Trainingsplan für Januar zurück. Ich frage mich, was die Hunde dachten, nachdem sie mehrmals in das Flugzeug ein- und ausgeladen wurden und jedesmal wieder an der gleichen Stelle "ankamen".

Zu müde, um direkt nach Paxson zurückzufahren, verbrachte ich eine weitere Nacht bei Bonnie und Jim. Ich bin glücklich so großartige Gastgeber zu haben, deren Türen immer für mich offen sind. Bonnie drückte es so aus: "Sebastian, die einzige Konstante bei Dir ist die Änderung." Ich denke, sie hat Recht damit.

An diesem Abend brach ein höllischer Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 80 Meilen/Stunden und strömendem Regen los, die Elektrizität fiel für mehrere Stunden aus. Vielleicht war es gut, dass ich es nicht nach Behtel geschafft habe. Am nächsten Morgen war der Schnee war fast vollständig verschwunden. Vor nicht einmal einer Woche hatten wir dauerhafte -45°C (-50°F) und nun plötzlich +10°C (50°F). Nicht nur die Temperaturen gingen von einem Extrem ins andere, sondern auch meine Stimmung. Es ist schwer motiviert und konzentriert zu bleiben, wenn eine Saison so beschissen ist. Der einzige Weg ist, immer weitermachen, genau wie in einem Rennen. John Baker sagte das sehr schön: "Rennen ist nur eine Verlängerung des Lebens, niemals aufgeben." Als ich zurück in Paxson war, habe ich als erstes meine 14 Hunde angespannt und bin auf ein 25-Meilenlauf gegangen. ES fühlte sich gut an auf den Kufen zu stehen, aber der größte Teil des Weges war verweht. Beim Versuch meinen Weg im Stockdunkeln über den Summit Lake zu finden, bin ich nur knapp einem Bad entgangen, was ich für Overflow hielt, stellte sich als offenes Wasser heraus.

Ich habe gerade eine E-Mail von Ray in Whitehorse erhalten, dass es auch dort die ganze Nacht geregnet hatte, der Schnee aber immer noch gut sei. Wir waren hier in Paxson noch nicht in der Lage Fleisch für unsere Fooddrops zu sägen und während ich diese Zeilen schreibe ist es auch immer noch zu warm dazu. Glücklicherweise gab es heute morgen 5 cm (2 inches) Schnee. Zeit sich aufzurappeln und neue Pläne zu machen. Zeit nicht zu vergessen: Rennen ist eine Verlängerung des Lebens. Niemals aufgeben.

Cheers
Sab

Sab

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