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Herbsttraining, die Suche nach Schnee

Hallo aus dem Yukon,

die E-Mails "lass mal wieder was von Dir hören", oder "schick mal Bilder" werden mehr, und tatsächlich, seit August habe ich den Newsletter wieder vernachlässigt.

In der Zwischenzeit sind alle Hunde aus Juneau wieder in den Kennel in Whitehorse zurück gekehrt.  Zuerst kamen die neuen Hunde von Rick Casillo. Das war auch gut so, denn so hatten wir mehr Zeit  zum Eingewöhnen. Laut war es, für viele Wochen am Stück. Vor allem bei den jungen Hunden waren viele Scheue dabei, die bei allem, was sich draußen so bewegt hat, unaufhörlich gekläfft haben. Bei mir wimmelt es von Coyoten und die Takhini Waipiti-Herde ist wie jeden Herbst zur Brunft in unser Tal gezogen.  Es ist nicht gerade hilfreich, den Hunden das Bellen abzugewöhnen, wenn 100 Meter hinter den Hundehütten, die Waipities um die Wette brüllen. Viele schlaflose Nächte später ist jetzt so langsam Ruhe eingekehrt, auch sorgen die längeren Trainingsläufe für ausgeglichenere Hunde.

Der Spätsommer war kalt, wir hatten oft Ende August und Anfang September bessere Temperaturen zum Trainieren als jetzt im Oktober. Der alte VW-Käfer Trainingswagen wurde wiederbelebt, denn im September kamen so einige Gäste für Trainingsfahrten. Relativ schnell konnten wir die Meilen hochschrauben, denn durch die Gletscherfahrten haben die Hunde eine ausgezeichnete Trainingsbasis. Als dann meine alte Gang auch wieder nach Hause kam, war der Yard erst einmal wieder voll. Die Gespanne wurden aufgeteilt, insgesamt trainieren wir 100 Hunde, aufgeteilt in 5 große Gespanne. 3 Renngespanne und 2 Puppy/Tourengespanne. Das hält uns ganz schön auf Trab, und das, obwohl wir 6 Mann/Frau sind, plus die 4 Kinder von Gayle und Ray.

Für mein Hauptgespann habe ich 24 Hunde zur Auswahl, alle mehr oder weniger zwischen 4 und 5 Jahren alt. Alle Hunde bis auf Anvil haben schon einen oder mehrere 1.000-Meiler gefahren. Seit einigen Wochen ist Mark aus England hier, der dieses Jahr seine Qualifikationsrennen für den Iditarod fahren möchte. Rudi kommt erst im Januar zum Quest 300 und Alison hält seine Bande fit. Kris, ein Australier, kommt Ende November, um seine Qualifikationsrennen für den Quest zu fahren.

Wie jeden Herbst hat die Suche nach Schnee begonnen. Vor einer Woche war ich in Fairbanks und bin auf dem Rückweg kurz in Paxson vorbei. Dort liegen schon wieder 2 Fuß Schnee, während hier in Whitehorse die Wiesen mehr oder weniger braun sind. In Paxson werde ich mir ab Dezember wieder ein Hütte mieten, um dann näher am Renngeschehen zu sein, aber derzeit ist es für einen Umzug noch zu früh. So ungerne ich packen und umziehen auch mag, so langsam hat das Routine. Kurzerhand haben wir vor einigen Tagen 4-Wheeler und Hunde verladen und sind zum Aishihik Lake aufgebrochen. Dort hat ein Freund eine Hütte und wir haben einen Hundeyard für 60 Hunde eingerichtet. Das Ganze ist hier sehr abgelegen, aber Internet gibt es via Satelit. Die Hunde waren begeistert wieder auf neue Trails zu kommen. Warum das Team IM Truck zur Hütte fahren, habe ich mir gedacht und stattdessen die Hunde VOR den Truck gespannt. Musik an, Fenster hoch, Heizung an ... so ließ es ich aushalten.

Die nächsten Tage sehen im Wetterbericht vielversprechend aus. Während für Whitehorse Regen angesagt ist, soll es hier schneien und die Temperatur in den Keller gehen. Somit ist heute Ruhetag angesagt, in der Hoffnung, dass der Schnee morgen auch wirklich kommt. Dieses Jahr trainiere ich noch länger als in der vergangenen Saison. Die ersten 50 Meilen (80 km)-Läufe stehen auf dem Programm. Das Ziel ist wieder ein Gespann zu haben, dass nicht unbedingt schnell ist, das aber wie letztes Jahr lange Strecken mit kurzen Pausen laufen kann. Der erste Test wird das Kusko 300 werden. Rick hat seine Hunde eindeutig schneller trainiert als ich. Sobald Grisman und Vasser, seine beiden Hauptleitunde vorne laufen, sind wir mit 1 Meile pro Stunde schneller unterwegs als bei Popcorn und Nemo. 

Quest oder nicht Quest, das ist hier immer noch die Frage. Zum Einen juckt es mich anzumelden, denn von den Rick-Hunden bin ich begeistert, und ich sollte ein vernünftiges Team haben. Aber zum Anderen gruselt es mir aber vor den Vorbereitungen und Food-Drops für 2 Tausendmeiler. Schaun wir mal wer gewinnt, die Vernunft oder mal wieder die Hunde ...

happy trails

Sebastian

 

Sab

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