Suche  deutsch english français

Das Kobuk 440,

nördlich des Polarkreises, ein schöner Saisonabschluß

Land der Gegensätze. Seit einigen Wochen bin ich wieder zurück in Whitehorse. Hinter mir liegt ein ereignisreicher aber auch anstrengender Winter mit vielen Trainingsmeilen und vielen Rennen. Die letzte Herausforderung der Saison war das Kobuk 440 in Kotzebue. Während wir gestern Abend am Lagerfeuer vor der Hütte die Saison revue passieren ließen, kamen die ersten blutrünstigen Moskitos aus ihrem langen Winterschlaf. Die Feuerstelle ist direkt neben dem Hundegelände. Die Hunde beobachten jede Bewegung, es könnte doch tatsächlich mal eine Stück Wurst in Ihre Richtung fliegen. Im Dunkeln sieht man nur noch ein Meer von grünen und blauen Augen. Die Moskitos gestern Abend waren wohl etwas voreilig, so haben uns heute Morgen einige Zentimeter Neuschnee begrüßt. Es ist Anfang Mai, der Frühling steht vor der Türe.
 
Kotzebue, das liegt 50 km nördlich des Polarkreises an der Beringstraße. Dort findet jeden April das Kobuk 440 statt. 440 Meilen von Kotzebue nach Kobuk und zurück. Das Rennen wollte ich immer schon einmal fahren. Ich bat Ray, der zuhause auf die Hunde aufpasst, mir die Rennzeiten die ich mir vor ein paar Jahren mal ausgedruckt hatte, zu faxen. Die Zeiten waren von 2003, na da wurde es dringend Zeit diesen Plan auch einmal zu verwirklichen.
 
Nach Kotzebue zu kommen ist wieder mal mit ziemlich Aufwand verbunden. Leider waren meine Doghandler in Whitehorse, denn eigentlich hatte ich nach dem Iditarod vor direkt wieder in den Yukon zu fahren und dort das Percy de Wolfe zu fahren. Aber wer mich ein etwas kennt, der weiß das sich meine Pläne schnell einmal ändern. So stand ich vor der Packerei alleine, hatte zudem noch alle 16 Hunde bei mir auf dem Truck. Der Truck war mal wieder in der Werkstatt, mein Anhänger mit der Ausrüstung noch in Paxson, mein Iditarod Material noch bei den Iditarod Headquarters. Das hat so alles seine Zeit gedauert, bis ich alles an einem Ort hatte. Zwischendurch habe ich noch bei Libby in Homer einen Kurzurlaub gemacht. Auf dem Rückweg nach Anchorage wurde ich von der Polizei angehalten. Ein sehr freundlicher Beamter, der auch sofort wusste dass ich im Iditarod war, hat meine Papiere geprüft und kurz um den Truck geschaut. Dann meinte er, dass er eine Beschwerde bekommen hätte, dass ich zu langsam fahren würde und dass ich unter Umständen betrunken sein könnte. Na das ist das erste Mal, dass ich wegen zu langsam fahren angehalten werde. Alles klar Meister, ich verspreche Besserung, null Problem.
 
Obwohl ich keinen Doghandler hatte, waren wieder einmal viel helfende Hände daran beteiligt, dass ich es überhaupt nach Kotzebue schaffe. Magie hat auf die verbleibenden 3 Hunde aufgepasst. Das Kobuk hat nur 12 Hunde, so mussten Libby, Herring und Wondar zuhause bleiben. Mein Anhänger stand bei Bonnie und Jim, die auch auf Tang aufpassen, bzw. von nun an Tang ganz behalten werden. Vern Halter hat mir die Benutzung seines Gefrierhauses erlaubt, denn es war viel zu warm um die Food Drops im Anhänger aufzubewahren. Richie Beattie hat mir noch ein weiteres Mal Kavik und Keeper überlassen, obwohl er die beiden eigentlich schon viel früher wieder haben wollte.
 
Eine Anmerkung zu Tang. Als ich diesen Text meinem Freund Gerhard zum Korrekturlesen gab, kam erboßt zurück, was mir denn einfallen würde Tang einfach wegzugeben. Das war für mich interessant zu lesen, wie das nach außen hin wirken kann. Bonnie wollte Tang schon seit mehreren Jahren adoptieren. Jedes Jahr vor dem Iditarod wohne ich bei Bonnie und Jim und Tang hatte schon Anrecht auf „Ihre“ Couch. Während sie bei mir jetzt von der Couch aus zuschauen müßte, wie Ihre Kollegen auf weitere Iditarod´s trainieren, so kann sie bei Bonnie noch für einige Jahre aktiv mitlaufen, aber auf Distanzen, die Ihrem Alter etwas angemessener sind. Bonnie fährt nur so zum Spaß 10 bis 20 Meilen. Es war keine einfache Entscheidung, Tang abzugeben, aber letztendlich halte ich für entscheidend, was besser für den Hund ist. Nach 3 Testwohnwochen, bin ich Tang nach dem Kobuk besuchen gegangen. Nach stürmischer Begrüßung, war mir sofort klar, daß sie sich bei Bonnie und Jim extrem wohl fühlt. Sie ist mit den anderen Hunden durch das Haus getobt. Als ich sie zum Hundetruck gerufen habe, blieb sie in der Haustüre sitzen, da gab es nicht mehr viel zu zusagen.
 
Bei Northern Air Cargo kennt man mich jetzt schon. Vor allem auch anhand der Tatsache, dass Northern Air Cargo den geilen 4wheeler gesponsert hat, den ich beim Iditarod gewonnen habe.
Das Hunde verladen ging ruckzuck, genauso ruckzuck hat sich auch mein Geldbeutel um über $ 2000 geleert. Ich gewinne besser ein bisschen Kohle da oben war mein erster Gedanke. Während ich auf meinen Flug gewartet habe, waren meine Hunde schon auf den Weg gen Norden. Dann kam die Durchsage, dass es sein kann, dass der Nome – Kotzebue Flug wegen Schlecht Wetter gestrichen wird. Na das könnte ja interessant werden. Meine Hunde sind in Kotzebue und ich noch in Anchorage. Letztendlich hat alles gut geklappt. Ich bin nur wenige Stunden nach meinen Hunden dort eingetroffen. Diese hatten meine Gastfamilie schon vom Flughafen abgeholt. Alles stand samt meiner Ausrüstung bei ihnen im Garten.
 
Vom Garten war bei Kathy und Dean noch nicht viel zu sehen. Während in Anchorage schon der Frühling ausgebrochen war, lag hier noch alles unter einer dicken Schneedecke. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich uns Mushern die Häuser und Herzen von wildfremden Menschen öffnen. Wir saßen oft stundenlang im Wohnzimmer und haben uns gegenseitig über unser doch sehr verschiedenen Lebenstilen erzählt. Neben den Erlebnissen beim Hundeschlittenfahren, ist das Kennenlernen von so vielen verschiedenen Menschen, eines der Dinge, die ich in den Rennen so schätze. Mit jedem Rennen verbinden sich neue Freundschaften, Freundschaften die auch gepflegt werden wollen. Das ist eine super Ausrede um nächstes Jahr wieder das Kusko und Kobuk zu fahren, die beiden neuen Rennen, die dieses Jahr bei mir im Rennkalender standen. Klar kann ich das Quest und Iditarod dann auch nicht auslassen, das Copper Basin und Knik sowieso nicht, ach ja, Zack im Sheep Mountain darf ich auch nicht vergessen. Nee Scherz beiseite, ich muss mir gut überlegen, zu welchen Rennen ich wieder starte. So habe ich doch langsam das Gefühl, dass ich bei einigen von den „alten“ Rennen nicht mehr so viel hinzu lerne.
 
Das Wetter in Kotzebue wurde zusehends schlechter. Der Wind wurde stärker, der Schneefall ging in Regen über. Eigentlich wollte ich noch einen guten Traininglauf machen, aber bei dem Wetter schickt man doch keinen Hund vor die Türe. Meine Bande lag unter einem Vordach, in dem sich im Sommer die Baseball Spieler aufwärmen. Keine Ahnung wieder der Bau auf Deutsch heißt,      „dougout“ in English. Zumindest lagen sie dort trocken und windgeschützt. Ich habe während dessen die Kochkünste meiner Gastgeberin genossen. Energie die mir später sehr zugute kommen sollte. Kathy steht jeden morgen um 4 Uhr auf und backt Donuts für verschiedenen Geschäfte. Davon bleibt immer ein großer Teil übrig, den ich dann immer rasch zum Frühstück dezimieren konnte.
 
Skunk war leider läufig. Das gepaart mit der langen Ruhepause hat meine Team ziemlich wild werden lassen. Aus Ermangelung einer Transportmöglichkeit wollte ( musste ) ich meine Hunde vom Haus aus zum Start fahren. Kein dickes Ding, dachte ich mir, habe ja gute Leithunde. Ich hatte mir kurz vorher den Weg angeschaut. Eigentlich ganz einfach: ca. 100 Meter die Lake Street entlang, dann nach links abbiegen, ca. 200 Meter an einer Straßenmeisterei vorbei, dann noch mal 100 Meter weiter und links auf Bucht vor Kotzebue abbiegen. Meinen Schlitten habe ich bei Dean am Truck mit 2 Schneeankern festgebunden. Dean hat vorne Skunk und Finn, die beiden Leithunde gehalten, damit Finn nicht sofort für Nachwuchs sorgt. Leider war ich beim Anschirren etwas unkonzentriert und habe Skunk nach rechts und Finn nach links gemacht. Kaum hatte ich die Schneeharken gelöst und Dean die beiden losgelassen, hatte Finn nur noch eines im Sinn. Rauf auf Skunk, diese hat er dabei leider nach rechts an den Straßenrand gedrückt. Mein energisches „haw“ ist ungehört vom Winde verweht worden. Mit 12 Hunden, beide Füße auf der Bremse ging es im Volldampf die Lake Street hinunter. Na das wird heiter. Zum Glück hatte mir Dean in den vergangenen Tagen mehrfach seinen Truck geliehen, so kannte ich mich etwas im Ort aus. 2 Straßen weiter „gee“ gebrüllt, was Finn auch gern gemacht hat, in Hoffnung dabei etwas näher an Skunk zu kommen. Kurz darauf ein weiters „gee“ in die nächste Straße, dort kamen mir 2 Einheimische mit Ihrem Motorschlitten entgegen. In verschiedenen Hauseinfahrten standen Leute, die alle recht fragend geschaut haben. Einige Straßen weiter habe ich wieder ein „gee“ gerufen, leider etwas zu früh und ich konnte dem Stoppschild nur noch ausweichen, in dem ich meinen Schlitten umwerfe. Bei einem Sitzschlitten ist es dann nicht ganz einfach wieder auf die Beine zu kommen. Schon dreimal nicht bei 12 frischen Hunden die gerade Volldampf laufen. Im Augenwinkel sah ich die Linksabzweigung, die ich schon beim ersten Mal verfehlt hatte, aber mein „haw“, das bestimmt der ganze Ort gehört hat, wurde dieses Mal nicht ignoriert. Mann war ich froh als ich endlich auf der Bucht stand und die beiden Harken in den Schnee rammen konnte. Erst mal ein paar Tuglines losmachen, warum habe ich da nicht schon viel früher dran gedacht.
 
Der Start beim Kobuk 440 ist um 16:40 Uhr am Nachmittag. Es ist ein Massenstart, wo alle Teams nebeneinander aufgereiht stehen. Mit viel Mühe konnte ich mein Team zwischen Mike Jayne und John Baker zum Stillstand bringen. Einige andere Teams sind wie ich, „zu Fuß„ erschienen, andere wurden in Anhängern, die hinter Snowmachines gezogen wurden, zum Start gebracht.
17 Teams à 12 Hunde. 204 kläffende, grölende Monster, die es gar nicht erwarten können, dass es losgeht. Meine Bande hatte wiederum nur einem im Sinn: SKUNK. Heilfroh war ich als es endlich losging. Der Start lief überraschend gut, ich war ca. als 7. Team aus dem Start gekommen. Am Anfang fahre ich immer recht verhalten und wurde wieder schnell von einigen Gespannen überholt.
 
Das Wetter war miserabel. Eine Mischung aus Schnee und Regen wurde uns direkt ins Gesicht gepeitscht, Sichtweite 200 Meter. Die Skibrille ist sofort beschlagen, der Sonnenbrille ging es auch nicht besser. Da blieb nur eines, das Gesicht vom Wind abwenden und nur gelegentlich mal kurz nach den Hunden schauen. Das Kobuk ist 440 Meilen lang und hat 20 Stunden Rastpause vorgeschrieben. Wie und in welchem Checkpunkt wir die nehmen ist uns überlassen. Bedingt durch die Tatsache, dass ich eine recht lange Trainingspause zwischen dem Iditarod und dem Kobuk hatte, hatte ich in meinem Rennplan im ersten Checkpunkt eine kurze Rastpause vorgesehen. Den Lauf nach Noorvik hatte ich mit 5hr 20 Minuten veranschlagt. Um 22.01 war ich dort, na wenn das kein Timing ist. Den Hunden habe ich eine halbe, wässrige Mahlzeit gegeben. Mein Daunen Parka war völlig durchnässt. Eine gute Gelegenheit zum Trocknen gab es hier nicht. Ersatzklamotten hatte ich weder mit, noch in die Checkpunkte geschickt. Zum Glück hat mir der Tierarzt, Phil Meier den ich schon von vielen anderen Rennen her kannte, seine wind und regendichte Jacke geliehen. Mit nur einem Fleece Pullover darunter war es nicht besonders warm, aber trocken.
 
Nach nur 1hr 30 Minuten Rast ging es weiter. Durch den Gegenwind und Schneeregen war das Fahren alles andere als angenehm. Ohne Stirnlampe sind die Hund immer wieder vom Trail gelaufen. Mit Stirnlampe konnte ich außer Schneetreiben auch nicht viel sehen. Zum Glück wurde das Wetter nach einigen Stunden besser. Unmerklich muss der Trail immer leicht angestiegen sein, denn plötzlich konnte ich die Lichter von Selawik weiter unten in einem Flusstal sehen. Es hatte aber noch so seine Zeit gedauert, bis wir dort ankamen. Unterwegs haben wir, außer einem Musher den ich überholt habe, nicht viel gesehen. Die Laufzeit hatte ich mit 4 Stunden im Plan veranschlagt. Eigentlich mag ich keine Rennpläne, aber bei einem neuen Rennen ist es gut eine Richtlinie zu haben. Auf die Minute genau nach 4 Stunden wurden wir freundlichst in Selawik empfangen. Durch die vorhergehende Rastpause, die nur von den wenigsten Mushern gemacht wurde, kamen wir als eines der letzten Gespanne an. Dadurch war es schwierig einen guten Platz zum Klamotten trocken zu finden. Die Hunde sahen allesamt gut aus und alle haben gut gefressen.
 
So ein Rennen ist keine Campingtour. Es ging nach nur 3 Stunden und 40 Minuten weiter. Ich schien wieder auf dem gleichen Rhythmus zu sein, wie viele andere Teams. Vor mir konnte ich 4 Gespanne sehen und hinter mir 2. Die hinter mir wurden schnell kleiner, die vor mir wurden immer größer. Das ist ein gutes Zeichen. Nachdem ich Josh Kadzow, Hugh Neff und Michelle Philipps überholt hatte, bin ich lange in Sichtweite hinter Ken Anderson her gefahren. Das Wetter wurde wieder schlechter und ein leichter Dauerregen hatte eingesetzt. Zum Glück hat es nur für einige Stunden geregnet. Danach kam sogar etwas die Sonne durch und zum ersten Mal konnte ich etwas von der umliegenden Landschaft erkennen. Berge in Richtung Norden, ein breites Tal voraus und weit entfernt im Süden wieder eine Bergkette. Der Trail war manchmal in bewaldeten Stücken, dann ging es aber auch wieder über lange Hochebenen. Die Hunde liefen gut und stetig, mehr oder weniger auf Autopilot. Plötzlich stand Ken Anderson vor mir auf dem Trail. Er schien eindeutig auf mich zu warten. Ich war gespannt warum. Ob ich einen seiner Hunde gesehen hätte. Nee habe ich nicht, aber wie hast Du denn hier einen Hund verloren kam meine Frage zurück. Ken hat ein neues Leinensystem ohne Necklinen ausprobiert, irgendwie muss sich die Tugline gelöst haben und der Hund war frei und ist in die Büsche verschwunden. Viel Rat konnte ich auch nicht geben. Ich habe kurz mein Team gesnackt und bin dann weiter gefahren.
 
Für eine Weile wurde der Trail etwas langweilig. Kaum hatte ich das auch nur gedacht, standen wir vor einem Bach mit Overflow. Der war tiefer als er aussah. Die Hunde sind dort schwimmend hindurch, ich konnte mich nicht schnell genug auf den Sitz retten, wäre dabei fast umgekippt. Der Enderfolg war, dass ich nass bis auf die Unterhose war. Na prima erst klatschnass vom Regen, dann die wenigen trockenen Körperteile nass vom Overflow. Das Wasser aus den Bunny Boots gekippt ging es weiter. Die Bäume wurden zusehends mehr, sogar die ersten Birken waren zu sehen. Wir kamen den Bergen immer näher und nach etwas mehr als 10 Stunden Laufzeit kamen wir in Ambler an. Die letzten 10 Meilen standen immer kleine Schilder. 8 mile, 6 miles etc.
 
In Ambler angekommen habe ich wie immer erst mal die Hunde versorgt. Alle haben gut gefressen und waren auch ansonsten wohlauf. Nur Austin hatte eine leichte Schwellung am linken Vorderlauf. Ein Problem, dass ihm schon im Januar im Kusko 300 etwas zu schaffen gemacht hat. Durch eine gute Massage ist so etwas einfach zu beheben. Unweit vom Checkpunkt stand eine kleine Kirche, geheizt mit einem Holzofen. Ideal, dort habe ich erst einmal alle Klamotten getrocknet. Meine Daunenjacke schien mir ein hoffnungsloser Fall zu sein. Der nächste Lauf via Shungnak und Kobuk kommt wieder hier her zurück, so habe ich die Jacke gleich zum Trocknen dort gelassen.
 
Um 22:30 ging es aus Ambler weiter. Es war noch hell und fing wieder mit Schneeregen an. Hört das denn gar nicht auf, ich hatte langsam die Nase voll vom Nasswerden. Es sollte noch schlimmer kommen. Ich hatte Finn und Skunk durch Nemo und Popcorn ersetzt. Nemo und Popcorn einzeln sind gute Leithunde, zusammen aber eher verspielt. Durch Skunks Läufigkeit waren meine Tauschmöglichkeiten im Team aber sehr begrenzt. Bis nach Shungnuk lief es nahezu problemlos. Auch hier schien nachts um 2 Uhr wieder der ganze Ort auf den Beinen zu sein. Weiter ging es in Richtung Kobuk. Hier kamen mir die ersten 3 Gespanne wieder entgegen. Erst Martin Buser, mit etwas Abstand gefolgt von Mike Jayne und John Baker. Die Tatsache, dass man sieht wo seine Konkurrenz ist, macht diesen Lauf sehr interessant. Am Kobuk River angekommen, war außer Overflow nicht mehr viel zusehen. Popcorn und Nemo gefiel das gar nicht und wir sind im Zickzack über den Fluss. Die beiden konnten sich nicht einigen, ich wusste aber, dass jegliche Kommandoeingriffe meinerseits auch vergebliche Liebesmühe wären. Das Ganze ist immerhin eine gut Lernerfahrung für die beiden, zumindest habe ich mir das eingeredet, um nicht die Geduld zu verlieren. Ich hatte mir vorgenommen, einen der beiden Rüpel in Kobuk auszuwechseln. Mein Empfang dort war sehr herzlich, wenn auch unschwer zu erkennen war, dass hier schon seit einer guten Weile ausgiebig gefeiert wurde: „Watssschhh youour naaaaaammmmmeeeee?“ Mit einer Flasche Wasser und einigen frisch gebackenen Keksen ging es wieder weiter. Wir mussten das Team umdrehen, dabei war Skunk wieder von großem Interesse. Außer der unauffälligen Saffron hatte ich nur Rüden im Gespann.
 
Leider hatte ich im Checkpunkt vergessen die Leithunde auszuwechseln. Direkt als es die Uferböschung hinunter ging, verschwand mein halbes Team im overflow. Beim Versuch die Hunde hinaus zuziehen ist mein Schlitten dann auch ins Wasser gekippt und das Chaos war perfekt. Nach einiger Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, waren die Hunde und ich auf der anderen Seite. Nun war ich völlig klatschnass. Schlimmer aber war, dass die Temperatur deutlich unter Null Grad war und alle Zugleinen und Schnapper komplett vereist waren. Ich konnte den Hundeknoten nur mühsam entwirren, musste einige Leinen durchschneiden, was mit dem dicken Eismantel gar nicht so einfach war. Die Tuglines waren fest den Geschirren vereist. Also blieb mir wenig anderes übrig, als Nemo und Popcorn weiter in lead zu lassen, denn neue Neck oder Tuglines hatte ich mittlerweile keine mehr. Im Zickzack ging es zurück Richtung Shungnak, heilfroh war ich als wir endlich vom Fluss, und damit aus dem Overflow kamen. Die Gangline war mittlerweile so mit Eis bedeckt, dass sie vor Gewicht nahezu auf dem Boden geschleift ist. Die Temperatur war auch so weit gesunken, dass meine Klamotten stocksteif gefroren waren. Zum Glück hatte ich ein neues paar Handschuhe mit, die chemischen Handwärmer haben wieder mal nicht funktioniert.
 
Mir kamen nun die Gespanne die hinter mir fuhren, entgegen. Ich konnte die Zeit, die ich im Wasser verbracht habe, nicht genau einschätzen. Aber mir war schnell klar, dass mir die anderen Musher ganz schön auf die Pelle gerückt waren. In Shungnak habe ich nochmals erfolglos versucht meine Leader zu wechseln. Da alle Booties steif gefroren war, habe ich diese den Hunden ausgezogen. Weiter ging es in Richtung Ambler. Der Trail wurde zusehends härter und besser. Leider wurde er aber auch viel scharfkantiger, vor allem an den Stellen wo wir auf dem Hinweg durch den Overflow marschiert sind. Da blieb mir nicht viel anderes übrig, als den meisten Hunden wieder neue Booties anzuziehen.
 
Nach knappen 10 zumeist sehr frustrierenden Stunden sind wir wieder in Ambler angekommen. Hugh Neff kam nur 20 Minuten nach mir, da wurde mir klar dass ich viel Zeit verloren hatte. Bis die Hunde sich ausruhen konnten, sollte es eine Weile dauern. Mit meinem Deckel von Hundefutter Cooler als Unterlage und der Axt habe ich mühsam die Leinen von Ihre schweren Eislast befreit. Die Geschirre waren auch stocksteif gefroren, was Diesel und Austin so sehr gestört hat, dass sie Ihre angefressen haben. Leider hatte ich das zu spät gemerkt, beide waren dadurch unbrauchbar geworden. Ein Ersatzgeschirr für Diesel hatte ich in passender Größe mit, das für Austin konnte mir glücklicher Weise Mike Jayne leihen. Nach dem üblichen Füttern und Massieren, habe ich meinen Schlitten so gut es ging vom Eis befreit. Dann alle Klamotten ausgeladen und in zur Kirche geschleppt. Den Ofen ordentlich eingeheizt hat sich schnell ein merkwürdiger Geruch breit gemacht. Von meiner schönen 5-stündingen Pause waren nur noch Minuten übrig, an Schlafen war kaum zu denken. Ich musste mich mit einen Catnap zufrieden geben. Aber immerhin war mein dicker Parka, den ich hier gelassen hatte, nun richtig trocken.
 
Keeper sah beim Losfahren nicht so aktiv aus, wie er sonst ist. Ich hatte kurz Zweifel, ob ich ihn mitnehmen sollte. Ich hatte noch alle 12 Hunde und der nächste Lauf sollte der längste des Rennens werden. Welcher Teufel mich geritten hat, nicht meinem Gefühl zu folgen weiß ich nicht. Das Endergebnis war, dass ich Keeper nach 3 Stunden im Schlitten sitzen hatte. Nicht so schlimm, dachte ich mir zu dem Zeitpunkt, der Trail ist ja auf dem Fluss und nun durch die gefallenen Temperaturen hart und schnell. Hinter mir konnte ich einiger Distanz ein Team erkennen. Wahrscheinlich Hugh Neff, der mir aber trotz meinem Passagier nicht deutlich näher kam. Vor der Abfahrt hatte ich mir eine Trailbeschreibung geholt. Dort hieß es, dass am Halbwegespunkt eine Hütte steht. Es war 17 Uhr und oben am Ufer stand eine Hütte. Na prima dachte ich mir, dann werden wir ja nur 7 Stunden bis Kiana unterwegs sein. Kurz darauf verließ der Trail den Fluss und es ging in die Hügel. Nemo´s Zugleine war auch schlaff, so entschloss ich mich zu einer Futterpause anzuhalten. Nach dem Losfahren wollte Nemo dann gar nicht mehr, und mir blieb nicht viel anderes übrig, als auch ihn einzuladen. Das war nun gar nicht Plan A, mit 2 Hunden mich hier durch die Hügel zu schinden. Meine dicke Jacke verschwand trotz der gesunkenen Temperaturen auch im Schlitten und ich bin mehr oder weniger Konstant mitgelaufen. Die Aussicht wiederum war besser als sie gar nicht sein konnte. In der warmen Abendsonne konnte man Berge in alle Richtungen erkennen. Meine Stimmung war bis zu dem Zeitpunkt gut, als wir an einer weiteren Hütte ankamen. Dieses Mal ging der Trail direkt an der Bude vorbei, und dann konnte ich mich auch plötzlich genau an die Beschreibung erinnern, dass der Trail danach wieder auf den Fluss geht. Und so war es dann auch. Zu meinem Entsetzen war es 19:30hr. Das waren gar keine guten Nachrichten, damit standen mir mindestens 6 Stunden Laufzeit mit 2 Hunden im Schlittensack bevor. Das Team hinter mir kam langsam näher, je näher es kam, desto entschlossener habe ich mit den Skistöcken geholfen oder bin meilenweit mitgelaufen. Während Keeper und Nemo die Fahrt in der Abendsonne sichtlich genossen haben, ging mir um ca. 23 Uhr langsam die Luft aus. In der Tat war es Hugh Neff, der dort von hinten kam. Ob alles o.k. sei, hat er beim Überholen gefragt. Naja so halbwegs war meine Antwort.
 
Hinter jeder Kurve hatte ich gehofft, endlich die Lichter von Kiana zu Gesicht zu bekommen. Zu allem Überfluss kam jetzt noch Wind auf und es fing an zu schneien. Von Hugh´s Spuren war nichts mehr zu sehen. Zum Glück war das Ganze nur ein kurzes und heftiges Schneeschauer. Danach wurde es merklich kühler. Als ich um 1 Uhr nachts noch immer nichts von Kiana sah, wurde ich langsam ungeduldig. 1 Uhr 30, nach wie vor kein Lichtschein am Horizont. Die Zeit schien zum Stillstand zu kommen, minutenweise habe ich auf die Uhr geschaut. Kaum eine Flussbiegung weiter, lag der Ort plötzlich hell erleuchtet vor uns, welch eine Erleichterung. Eine Snowmachine hat und durch den Ort zum Checkpunkt eskortiert. Mein Team wurde neben Hugh´s Team geparkt. Da von ihm schon keine Spur mehr zu sehen war, gab mir das ein gutes Anzeichen, dass er schon lange hier war. Nach der Fütterung übergab ich Nemo und Keeper dem Tierarzt, der beiläufig bemerkte, dass ich eine schöne Jacke anhätte. Erst später beim Ausziehen im Checkpunkt viel mir die Bemerkung wieder ein. Stimmt ich habe ja immer noch seine Jacke an.
 
Der Checkpunkt in Kiana war gut organisiert und es gab viel zu essen, das ist immer gut. Die Krönung war ein frisch gebackener Kuchen, mit dem Namen aller Musher drauf. Gern hätte ich ein Foto davon gemacht, aber meine Kamera lag draußen im Schlitten. Ich war viel zu müde, um mich noch einmal aufzuraffen. Es war mal wieder 3 Uhr nachts. Mir war sofort klar, dass ich meinen Armbanduhr nicht hören würde. Kurzum 2 Liter Wasser getrunken, damit mein innerer Wecker auch garantiert gut funktioniert. Trotzdem hatte ich etwas verschlafen, dieses war der erste richtige Schlaf, den ich im ganzen Rennen hatte. Nix wie raus. Ich musste noch die Gangline um eine Sektion kürzen. Dort bekam ich prompt noch mal eine Erinnerung and unsere Schwimmstunden, denn wieder einmal war alles komplett vereist.
 
Die Hunde haben mich etwas unglaubwürdig angeschaut, als ich nach 5 Stunden wieder den Anker aus dem Schnee gehoben habe. Mir ging es nicht viel besser. Ich wäre auch gern noch etwas liegen geblieben, aber das hier ist ein Rennen und kein Campingtrip: Nicht jammern, Abfahrt, wir haben eh schon 45 Minuten verschlafen. Die ersten paar Meilen haben wir wahrlich keine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, vor mir sah ich Ken Anderson, der langsam am Horizont verschwand. Trotzdem wurde dieses ein herrlicher Lauf bei einem wunderschönen Sonnenaufgang. Der Trail war bisher immer gut markiert, zwar nicht mit den üblichen Holzlatten als Trailmarkierungen, sondern mit Weidenzweigen. Nun standen wir aber an einer Stelle, wo wir entweder links oder rechts fahren konnten. Beide Wege hatten Schlittenspuren. Der linke Weg war breiter, der rechte schmaler. Ich überließ den Hunden die Wahl und wir fuhren nach Links. Rechts ist bestimmt der kürzere Weg, dachte ich mir die ganze Zeit, bis nach 20 Minuten beide Wege wieder zusammen führten. Noorvik kam schneller in Sicht als ich erwartet hatte. Kurz vor dem Erreichen des Ortes, sind und noch 2 Elche über den Trail gelaufen. Die Hunde haben wie wild angezogen, da war mir klar, dass die nur so tun, als wenn sie müde sind.
 
In Noorvik habe ich dann noch Diesel gedropped. Zu frisch war mir noch die Erinnerung vom Vortag. Ich wollte bloß wieder keinen Hund im Schlitten haben. Als wir vor 2 Tagen im Dauerregen spät am Abend hier ankamen, schien der ganze Ort auf den Beinen gewesen zu sein. Nun um 10 Uhr morgens, im schönsten Sonnenschein, war nahezu keine Menschenseele zu sehen.
Mit 9 Hunden ging es wieder auf die Piste, noch 47 Meilen bis Kotzebue. Ein angenehmer Rückenwind hat uns beim Vorwärtskommen geholfen. Sie Sonne hat so geblendet, dass ich selbst mit Sonnenbrille die Augen zusammen kneifen musste. Der heutige Lauf sollte mir auch einen schönen Sonnenbrand im Gesicht einbringen, welch ein Gegensatz zum Dauerregen vor 2 Tagen.
Die kleinen Weidenmarkierungen schienen in die Unendlichkeit zu führen. Meine Gedanken fingen an abzuschweifen, zu den letzten 2 Tagen, dann dem letzten Winter und schließlich zu Orten, die ich schon längst vergessen geglaubt habe. Ich ließ ihnen freien Lauf. So wie auch die letzten 2 Tage einiges and Auf und Ab´s mit sich gebracht haben, so waren auch die letzten Jahre nicht immer unbedingt einfach. Am Ende der Gedanken kam ich immer wieder zum gleichen Entschluss: Es war die Mühe wert, dass ich Dinge wie dieses Kobuk 440 erleben darf. Die verschiedenen Menschen, die ich dabei kennen lerne, sind eine wahre Bereicherung.
 
Durch einen kleinen, sich bewegenden Punkt am Horizont, wurde ich schnell wieder in die Gegenwart gerufen. Da kommt ein Team von hinten, und das Team kommt verdammt schnell. Wieder an der Kotzebue Halbinsel angekommen, waren es noch 15 Meilen bis zum Ziel. Das Gespann entpuppte sich als Eric Sieh, ein lokaler Pilot, der das 2. Gespann von John Baker fuhr. John sollte das diesjährige Kobuk 440 gewinnen und auch Eric hatte einen guten Lauf. Seine Hunde wussten eindeutig, dass sie bald zuhause in Ihrer Hütte liegen dürfen. Zum einen war ich froh bald im Ziel zu sein, zum anderen fand ich es schade, dass auch dieses Abenteuer nun bald wieder zu Ende gehen würde. Jedes endende Abenteuer, ist der Beginn eines Neuen, alles nur eine Frage der Sichtweise. An der Ziellinie standen einige Menschen. Darunter fiel mir sofort ein wunderschöner Robbenpelz auf, getragen von einer wunderschönen Frau. Welch eine Überraschung, Libby war nach Kotzebue zum Zieleinlauf geflogen. Ein herzliches Willkommen und kurz darauf waren wir auch schon unterwegs zum Haus unserer Gastgeber. Dort haben nicht nur frische Donuts, sondern auch der dicke fetter Haushund Sunny Boy auf mich gewartet. Wir haben noch einige schöne Tage nördlich des Polarkreises verbracht, gern wäre ich noch einige Wochen geblieben. Selbst jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, sagt der Wetterbericht für Kotzebue minus 10° und Sonnenschein. Das Kobuk 440 hat meine Erwartungen erfüllt, wieder habe ich einiges dazugelernt und als krönenden Abschluss neben dem 7 Platz auch noch den Tierarztpreis erhalten.
 
Zurück in Anchorage hat mich die gleiche Aktion wie vor dem Rennen erwartet. Es war an der Zeit mein Zeug zusammen zu suchen. Den Truck wieder mal aus der Werkstatt abholen, meinen Anhänger von Bonnie und Jim, meine Hunde von Northern Air Cargo und dann den Rest der Gang bei Margie einladen. Es ist schon immer wieder erstaunlich, dass das Ganze am Ende immer irgendwie funktioniert. Nach einigen Tagen unterwegs, via Fairbanks und Paxson bin ich dann wieder in Whitehorse eingetrudelt. Zu meiner Überraschung lag sogar noch Schnee. Laird und die Edwards Familie haben während meiner Abwesenheit den Kennel hier gut in Schuss gehalten. Seit meiner Rückkehr sind die damit beschäftigt unzählige Food Drop Säcke zu sortieren, von mir und Rudi. Dann muss die Werkstatt aufgeräumt werden, Trucks und 4wheeler müssen wieder für den nächsten Einsatz vorbereitet werden. Ach ja die Radlager am Hänger sind auch fällig, so gibt es untenwegs etwas zutun. Ich musste erst mal dringend im Büro einiges nachholen. Die Hunde waren froh mal wieder in ihrem alten zuhause zu sein, mit von der Partie sind auch einige Neulinge, die sich jetzt langsam in die Gruppe integrieren.
 
Ich hoffe Ihr habt viel Spaß dabei gehabt, die vergangene Saison mitzuverfolgen. Es war eine schöne und ereignisreiche Zeit. Die Zeit verflog viel zu schnell. Ich möchte mich noch mal bei allen Helfern herzlich Bedanken, ohne Eure Unterstützung hätte ich es nie zu den ganzen Rennen schaffen können. Es geht kein Tag vorbei, an dem ich nicht mehrfach über den Rennzeiten der letzten Saison brüte. Es gibt noch einiges was ich verbessern und ändern kann. Ich befürchte der Rennvirus hat mit fest im Griff. Während ich mich jetzt etwas vom „bloggen“ abmelde, hoffe ich doch schwer, dass Ihr die nächste Saison wieder mitverfolgt.
 
Ich wünsche Euch einen schönen Sommer, bis die Tage auf dieser Welle,
Sebastian

Sab

4. Mai 2008
Das Kobuk 440,
4. April 2008
Iditarod Rennbericht Teil 2
27. März 2008
Iditarod 2008 Teil 1
24. Februar 2008
Rennbericht Yukon Quest (Andy)
3. Februar 2008
Rennbericht KuskoSwim 300
26. Januar 2008
Rennbericht Copper Basin 300 (Andy)
8. Januar 2008
Rennbericht Knik 200 (Andy)
1. Januar 2008
Rennbericht GinGin 200
27. Dezember 2007
Sturm auf dem Denali Highway
14. Dezember 2007
Der Denali ruft
23. November 2007
Laufen wie der Wind
20. Oktober 2007
Neues Fotoalbum

DVD Tipp


Snow Dogs

- - - - -
Mehr DVDs, etc. >>>

Impressum ¦ Kontakt ¦ Sponsoren