Suche  deutsch english français

Iditarod Rennbericht Teil 2

Es war schon etwas ein Risko, nach immerhin schon 11 Stunden Laufzeit, nur kurz anzuhalten, um noch mal 18 Meilen nach Takotna zu fahren. Fast 3 Stunden sollte auch dieser Lauf dauern, so schnell bin ich auch zu Hause mit einen 6er Gespann am 37 Meile Lake, der auch genau 18 Meilen vom Kennel entfernt ist. Zu meiner Überraschung kam ich als 7. Gespann um 6hr 20 min in Takotna an. Dort hieß es nach 14 Stunden Laufzeit erst mal Bestandsaufnahe machen und Wunden zu lecken. Zu meinen Erstaunen konnte ich weiterhin bei keinem Hund eine Verletzung feststellen, das schien der Vorteil der extrem langsamen Läufe zu sein. Auch schienen sich unsere langen Trainingläufe auszuzahlen, denn 14 Stunden, das gab es auch schon mal im Januar. Es fing stark zu schneien an bzw. es war mehr Schneeregen, und ich war froh, dass wir alle Fleece-Decken mit Ripstop-Nylon genäht hatten, so konnten die Hunde dort trocken drunter liegen. Jeff Kings Team lag neben mir, etwas geschützt unter einem Vordach, den Platz merke ich mir für das kommende Jahr. Jeff hatte sogar Planen für den Schneeregen dabei, der scheint wirklich auf alles vorbereitet zu sein.

Das Essen in Takotna war wie immer super. Plötzlich leerte sich der Checkpunkt, denn auf dem Flugplatz war ein Flieger abgestürzt. Ich muss zugeben, mir was das Ganze ziemlich gleich, weiter gegessen und dann erst mal einige Stunden schlafen gelegt. Die 24 Stunden Pause in Takotna gehen immer viel zu schnell zu Ende, zwischen Fußpflege bei den Hunden, massieren und füttern, immer wieder kurz schlafen und essen. Rudi kam um ca. 19 Uhr an, mit 15 Hunden, von denen nur Angel nicht so gut aussah. Mit dem Startzeitausgleich durfte ich am Donnerstag Morgen um 7 hr 19 min wieder auf den Trail. Nicht ganz ideal, lieber wäre ich um 5 Uhr los, denn so blieb mit nicht lange Zeit, bevor es zu warm werden sollte. Ich glaube, in Takonta den Hunden zu viel Futter gegeben zu haben, zumindest hatten plötzlich einige Hunde Dünnschiess. In Ophir, einem alten Mining-Ort, habe ich bei den Tierärzten einige Medikamente ergattert. Die Sonne kam heraus, und es wurde warm, viel zu warm zum Schlittenfahren. Eine schwierige Entscheidung, wann anzuhalten, so sind wir bis 13 Uhr in der Sonne vor uns hingeschlichen. Gerry saß eine halbe Stunde vor uns auf dem Trail, von William und Hans keine Spur. Nicht ideal nach der 24 Stunden Pause, nur 6 Stunden zu fahren, aber leider nicht zu ändern. Für die nächsten 5 Stunden lag die Bande ausgestreckt in der Sonne, während mich viele Teams überholten. Mir war klar, dass ich bei dieser Pause viel wertvolle Zeit verliere, ich habe aber schwer gehofft, dass ich diese Zeit durch schnellere Laufzeiten in der Nacht und einem besseren Tagesrhythums wieder gutmachen kann. Um 18 Uhr ging es weiter, die Hunde waren gut drauf. Nach einer halben Stunden kamen wir auch bei William an, der auch gerade los fuhr. Hans wäre 1 Stunde vorher auf den Trail gegangen. Gerry konnte ich gelegentlich hinter uns sehen. Na prima, so liegen wir nach 500 Meilen alle sehr eng beieinander. Jeden Lauf fahre ich andere Leithunde, dort gibt es schnellere und langsamere Kombinationen. Meine Bremse war eindeutig Skunk, während die Kombination Finn und Nemo am schnellsten war. Popcorn und Nemo zusammen in Lead ist eine lustige Angelegenheit, die beiden Brüder bekommen es schon einmal in den Sinn, mitten im Lauf irgend eine Spielerei anzufangen.

Franky lief nicht mehr ganz so rund, und auch Inuk nicht, so musste ich häufiger anhalten zum massieren. Bei Inuk eindeutig ein Bizeops-Muskel an der linken Schulter, bei Franky konnte ich nichts so richtig feststellen. William schien ähnliche Probleme zu haben, und bei einem Überholmanöver hat sich meine Gangline erst um seinen Runner verwickelt und danach um Herrings Hinterlauf. Die Leine war zu arg gespannt, als das ich sie alleine lösen konnte, zum Glück kam mir William zur Hilfe. Ich hatte schwer gehofft, Herring deshalb nicht droppen zu müssen. In Cripple angekommen, war das Gelenk zwar geschwollen, aber sonst soweit o.k., Inuk und Franky soweit auch unverändert. Ich konnte in Cripple keinen Schlafplatz im Zelt finden, also hieß es wieder bei den Hunden draußen schlafen, zum Glück war es nicht so richtig kalt. Nach nur kurzer 5-stündiger Pause ging es um kurz vor 6 Uhr wieder auf den Trail., immer noch mit allen 16 Hunden, wenn auch jetzt mit 3en, auf die ich ein besonderes Augenmerk legen musste. Mein Run-Rest-Rhythum gefiel mir nun gut. Morgens fahren bis es zu warm wird, dann tagsüber rasten, am späten Nachmittag wieder bis weit in die Nacht hinein fahren. Auf dem Run via Poorman Richtung Ruby hat mich Rick Swenson erneut überholt, ich musste ihn in irgend einem Checkpunkt beim Campen überholt haben. Sein Team lief an mir vorbei, als wenn ich stillstehen würde. Während meiner Mittagspause war ich überrascht, wer alles vorbei kam, mitten in der ungünstigsten Tageszeit. Ich hoffte schwer, dass sich meine konservative Strategie auszahlen würde.

Es war nicht ganz einfach eine windgeschützte Ecke zu finden. Dort, wo der Schnee nicht so tief war , war es windig, dort, wo der Schnee hüfttief war, war wiederum kein Wind, also blieb mir nix anderes übrig, als mühsam einen Rastplatz im Tiefschnee freizutreten, Skandal, diese kostbare Zeit geht vom meinem Mittagsschlaf ab. Wie üblich, Stroh raus, füttern, massieren und schlafen legen, bei 16 Hunden dauert das alles so seine Zeit, aber meist lag ich nach einer Stunde im Schlafsack. Um 16.30 Uhr ging es weiter Richtung Ruby, unterwegs habe ich 3 Idita-Biker und einen Idita-Runner überholt. Die laufen bzw. radeln den gesamten Trail. Schon früh um kurz nach 21 kam ich in Ruby an. Extrem viel Gespanne waren im Checkpunkt, so wurde ich sehr weit außerhalb geparkt, nicht ideal, viel Lauferei, aber nicht zu ändern. Auch war es nicht einfach hier einen trockenen Schlafplatz zu finden. Die Hunde hingegen sahen gut aus, Herring und Inuk auf dem Weg der Besserung, bei Franky war ich mir nicht mehr so sicher. Um halb 3 Uhr nachts ging es weiter nach Galena, wenn alles glatt gehen sollte, sollte ich dort früh genug ankommen, um dort meine 8- Stunden-Yukon-River-Pflichtpause zu machen. Wir müssen einmal 8 Stunden Pause machen, in Ruby, Galena, Nulato oder Kaltag. Wieder war der Schnee sehr klebrig und beim Bootie wechseln hat mich Martin Buser überholt. Mir wurde langsam klar, dass ich so schlecht gar nicht im Rennen liege. Plangemäß kam ich nach einem 7-Stunden-Lauf in Galena an. Ideales Timing für die 8-Stunden-Rast. Frankys Schulter wollte einfach nicht besser werden, so entschloss ich mich ihn dort zu droppen. Mit 15 Hunden war bei Gott noch kein Hundemangel angesagt. Der Checkpunkt in Galena war super, es gab sogar richtige Betten für uns Musher. Lange habe ich über den Zeitlisten gebrütet.

Der Lauf nach Nulato sollte einer der besonderen den Rennens werden. Die Temperaturen gingen innerhalb von wenigen Stunden von plus 2 auf minus 25 Grad runter, dadurch hatte sich auf dem Fluss dichter Eisnebel gebildet. Man konnte oft kaum die Hunde sehen, über uns tanzten dafür die schönsten Nordlichter, die ich seit langem gesehen hatte, so hell, dass man ohne Stirnlampe fahren konnte. In Momenten wie diesen, wird mir klar, warum ich das Ganze hier mache. Es gibt kaum etwas schöneres, als mit 15 Hunden, die in absoluter Harmonie ziehen, unter Nordlichtern auf dem Yukon zu laufen. Mann, was war das für ein tolles Team, das ich dort vor mir hatte. Wie viele endlose Meilen bin ich schon mit Tang, Herring, Libby oder Wondar in ihren 10 Lebensjahren gefahren? Wie viele Meilen werde ich mit dem Jungvolk wie Inuk, Finn oder Ricky noch vor mir haben und wo werden die uns überall hinführen? Es sind Nächte wie diese, wo mir klar ist, dass ich mir ein anderes Leben ohne Hunde überhaupt nicht vorstellen kann.

Der Nulato Checkpunkt war in einem anderen Gebäude als vor 2 Jahren und auch ansonsten deutlich besser geführt. Am Ende des Rennens wählen wir Musher immer den „Golden Clipboard Award„, einen Preis für den besten Checkpunkt. Dieser sollte dieses Jahr an Nulato gehen. Hier war es mehr oder weniger menschenleer, so dass ich wieder einmal in aller Ruhe über den Laufzeiten brüten konnte. Es ist schon erstaunlich, nach einer Woche im Rennen, mitten in der Nacht und von Müdigkeit keine Spur. Es fiel mir nicht nur auf, dass ich weiterhin in einem idealen Tageszeit-Rhythmus lief, sondern auch, dass ich deutlich mehr Hunde und deutlich schneller Laufzeiten, als viele der Gespanne vor und nach mir hatte. Die vor mir einholen konnte ich nur, wenn ich hier in Nulato die Rast kürze; die nach mir abhängen konnte ich nur, wenn ich in Kaltag nicht anhalte, sondern einen langen Lauf einlege, so lange, bis es zu warm wird. Solange die Bande so gut frisst konnte ich es mir gut erlauben die Rast zu kürzen, so ging es nach 4 Stunden wieder auf den Trail, wo ich trotzdem unterwegs einige andere Musher überholen konnte. Der Trail war hart gefroren, der Yukon zeigte sich von seiner friedlichen Seite, es war windstill.

Statt mit 6 Stunden Laufzeit, mit der ich gerechnet hatte, kamen wir nach weniger als 5 Stunden in Kaltag an. In Kaltag hatte ich in Vorjahren oft schwere Fehler gemacht, zu lange angehalten, so war ich froh dieses Mal hier durchzufahren. Während ich den Schlitten mit Stroh, Heet und Futter belud, fing das Team wie wild zu bellen an. 2 Leute mussten auf den Ankern stehen, damit sie mir nicht wegfuhren. Und das nach 650 Meilen, ein wahrer Mushertraum. Die Hunde schienen zu wissen, was ich vorhabe. Der Checkpunkt war voll von Mushern, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, und Musher, die wohl auch gehofft hatten von mir nichts mehr zu sehen. Es war schon ein schöner Moment mit beiden Füßen auf der Bremse aus dem Checkpunkt zu rauschen, genau als 2 andere Teams aus dem Checkpunkt gingen. Eines war Hans Gatt, der mich zwar nach einer Stunde überholen konnte, aber auch nicht deutlich schneller war. Das andere Gespann war Kjetil Backen vom Team Norway, der wiederum deutlich langsamer als ich unterwegs war. Immerhin brauchte er mehr als 30 Minuten, um mich bei meinem Campingplatz einzuholen. Wieder konnte ich in der wärmsten Zeit des Tages anhalten, ein schöner Platz etwas abgelegen vom Trail, wo die Hunde eine super Ruhepause bekamen. Wieder konnte auch ich für 3 Stunden ne Mütze voll Schlaf bekommen. So viel draußen geschlafen, wie in diesem Rennen hatte ich noch nie, aber das Wetter war auch ideal dafür. Während meiner Rast sollten mich viele Gespanne überholen, die aber auch wie ich alle in Unalakleet Pause machen mussten. Auch der Lauf nach Unalakleet verlief reibungslos, ich war begeistert mit 15 Hunden die Küste zu erreichen. Besser noch, es war windstill in Unalakleet, das kommt höchst selten vor. Ich konnte hier erneut nur eine kurze Pause einlegen, um den Zeitvorteil, den ich im letzten Lauf gemacht hatte, auch wirklich ausnutzen zu können. Ricky sah vor der Pause etwas müde aus, nach der Pause aber wieder fit. Dieses Verhalten ist für einen jungen Hund eher typisch, beim 1. Tausend-Meiler müssen die erst noch lernen, sich Ihre Kraft gut einzuteilen.

Diese verdammten Blue Berry Hills habe ich noch nie gemocht, ein ewiges Auf und Ab, zum Teil recht steil. Zum Glück lag hier dieses Jahr wenigstens gut Schnee. Trotz der kurzen Pause hatte das Team eine vernünftige Geschwindigkeit und ich konnte zu meiner Überraschung einige weitere Teams einholen. Kurz nach Mittag in Shaktoolik angekommen, war es auch hier fast windstill. Für eine kurze Zeit war ich versucht, diesen Checkpunkt auszulassen und noch einen weiteren Schachzug zu machen. Aber nach der Devise, lieber Spatz in der Hand als Taube auf dem Dach, bin ich lieber im Checkpunkt geblieben. Die Rast war nicht lang, nur viereinhalb Stunden, aber genug, damit alle Hunde eine vernünftige Mahlzeit bekommen und weiterhin viel Energie haben. Es war nun etwas windig, aber warm, so entschloss ich mich nach kurzer Diskussion mit Ed Iten ohne Hundedecken den Checkpunkt zu verlassen. Ed konnte ich schnell hinter mir lassen und Norton Sound hat sich von seiner friedlichen Seite gezeigt. Das Wetter war schon erstaunlich auf diesem Rennen, viel angenehmer geht es nicht. So einfach wird uns das bestimmt nicht jedes Jahr gemacht. Die Strecke über den Sund ist eintönig, keine große Abwechslung für die Hunde, so war meine Laufzeit mit 7 Stunden auch nicht sonderlich berauschend. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte mich die Müdigkeit eingeholt und ich musste mich anstrengen nicht fortwährend auf dem Schlitten einzuschlafen. Die Lichter von Koyuk sahen aus, als wären sie um die Ecke, es dauerte aber noch Stunden bis wir endlich dort waren.

So langsam war mir klar, dass ich mit diesem Team nicht mehr viel falsch machen kann: 15 Hunde, die alle super fressen. Wir hatten eine derartige Routine, seit Tagen immer zur gleichen Zeit laufen und immer zur gleichen Zeit rasten, dass die Hunde schon eine kurze Pause erwarteten. Die Tierärzte waren von meinem Team begeistert: Alle Hunde waren verletzungsfrei, alle Hunde hatten gutes Gewicht. Um wieder möglichst viel von der kühlen Nacht mitzubekommen, ging es nach 5 Stunden weiter, morgens um 5 Uhr. Hier hätte ich vielleicht noch eine Stunde Rast wegschnippeln können.

Der Lauf nach Elim war zäh, sehr zäh, wohl zumeist dadurch, dass ich mich einfach nicht wach halten konnte, mehrfach bin ich eingeschlafen, nur um dann ruckartig und panisch aufzuwachen, in der Angst mein Gespann zu verlieren. An Moses Point, der Flugstation vorbei, kam dann endlich die Straße nach Elim, ein letzter kurzer Hügel und Elim kam in den Blick. Jedes Jahr auf Neue finde ich diesen Ort wunderschön gelegen. Zu meiner Überraschung war Rick Swenson noch hier. Mit 7 hr 21 min war meine Laufzeit ziemlich langsam. Ich hatte mir vorgenommen, einen weiteren Schachzug zu machen und hier nur sehr kurz zu rasten, gerade lange genug um einmal zu füttern. Das hat mit 47 Minuten etwas länger gedauert als geplant, im Copper Basin habe ich das in 30 Minuten hinbekommen. Das Wetter war gnädig, obwohl ich um 13.25 h aus dem Checkpunkt fuhr, war es dank einer Wolkendecke kühl. Zu meiner Überraschung kam Zack Steer gleich hinter mir aus dem Checkpunkt, auch er ist seit Nulato den gleichen strammen Rythmus gefahren wie ich, konnte mir aber auf dem Lauf nach Elim eine Stunde abnehmen. Tang hatte ich vorsichtshalber in Elim gelassen. Sie schien die Welt nicht mehr so recht zu verstehen, als ich sie aus dem Gespann nahm, aber den langen 15-Stunden-Lauf wollte ich ihr mit ihren 11 Jahren nicht mehr antun, 14 Hunde waren mehr als genug.

Es gibt 2 Rennrouten aus Elim heraus. Wir sollten Glück haben und diese Jahr wurde die kurze Strecke über das Eis gefahren. Damit würde der Lauf eine Stunde kürzer als geplant, eine willkommene Überraschung. Trotzdem ist dieser Lauf eine Herausforderung. Der Little McKinley hat einige lange, steile Anstiege und dann ist es nie einfach für ein Gespann durch den Ort Golvoin zu fahren. Die Hunde erwarten einen Checkpunkt, dort ist aber keiner, und es sind noch einmal 18 Meilen bis White Mountain. Es sind schon einige Gespanne hier gescheitert und sollten auch dieses Jahr hier scheitern. Zack und ich waren immer in Sichtweite von einander, das half den Hunden zur Motivation, aber aus Golovin heraus war das GTanze schon sehr zäh. Vor allem waren Nemo und Popcorn sich nicht einig, welcher Skidoospur sie folgen sollten und haben das Team erst einmal um einen Laternenpfahl gewickelt. Uns gegenseitig überholend ging es die letzten Meilen bis White Mountain und ich war sehr froh dort heile und ohne Hund im Schlitten anzukommen

Zugegebenermaßen war ich mit meiner Geduld nach diesen Lauf etwas am Ende, einige Hunde gingen mir wirklich auf die Nerven, wie Inuk, der alle 2 Minuten pinkeln musste, das Ganze nur ein Versuch das Team anzuhalten. Übel nehmen konnte ich es ihnen nicht, nach dem langen Lauf. Das Team bekamen eine wohlverdiente 8-Stunden-Pause und ich war gespannt, welche Musher in welchem Abstand hinter mir in den Checkpunkt kommen sollten. Immerhin ging es jetzt hier wirklich um die letztendliche Platzvergabe. Wir lagen auf dem 11. Platz, nur wenige Minuten hinter Zack Steer, und wenige Minuten vor Rick Swenson, gefolgt von Cim Smyth in nur 1 Stunde und 15 Minuten Abstand. Bei jedem anderen Musher wäre das genug, aber Cim finished immer extrem schnell und mir war klar das sollte eng werden. Aber selbst mit dem 13. Platz wäre ich sehr zufrieden gewesen, Top 20 war mein Ziel für das Rennen. Andersherum war der 10. Platz aber auch in greifbarer Nähe. Alle 14 Hunde waren fit, sehr geil, mit 14 Hunden nach Nome zu fahren. Zack hatte nur noch 10, das gab mir Hoffung auch ihn auf den letzten Meilen überholen zu können.

Die 8 Stunden Pause waren viel zu kurz für mich, nach ca. 4 Stunden Schlaf fühlte ich mich wie gerädert und bin sehr missmutig zu den Hunden gegangen. Die wiederum waren fit, schon sehr erstaunlich und haben mich fragend angeschaut, ob ich nun langsam mal in die Pötte komme, um Ihnen die 2. Mahlzeit vor der Abfahrt zu servieren. White Mountain ist zwar ein schöner Checkpunkt, aber die Laufwege sind furchtbar weit. Müll wegbringen, Return-Bags wegbringen, Wasser holen - alles dauert hier ewig. Um 4 Uhr morgens ging es wieder los, innerhalb weniger Minuten hatten wir Zack eingeholt, das Spiel des Vortages sollte sich wiederholen, die gegenseitigen Überholmanöver. Wieder ist der Trail durch die Topkok Hills ein einziges Auf und Ab. Bergauf sollte ich Zack etwas davon fahren, dafür war er im Flachen schneller als ich, dort waren Libby und Wondar meine Bremsklötze. Durch das Rennen fahren verging die Zeit aber wie im Flug, schon waren wir an der Topkok Schutzhütte. Von dort geht es entlang der Küste nach Safety, durch das berüchtigte Blowhole, das heute aber wohl Ruhetag hatte.

In Safety war ich nur eine Minute vor Zack, kaum nach Safety war er mir wieder auf den Fersen. „ Hey Sebastian, let´s make a deal „ kam der Ruf von hinten. Zack schlug vor die Hunde nicht mehr ganz so hart anzutreiben und gemeinsam nach Nome zu fahren. Dort dann auf der Front Street nebeneinander anzuhalten und die letzten Meter ins Ziel zu sprinten. Da ich 4 Hunde mehr als er hatte, gefiel mir der Plan gut, vor allem muss ich zugeben, körperlich ziemlich am Ende gewesen zu sein, so war ich doch die letzten 6 Stunden mehr oder weniger konstant mitgelaufen oder mit den Skistöcken mitgestochert. So auch Zack, aber dem schien das weniger auszumachen. "A deal is a deal" und so fuhren wir, ohne unseren Konkurrenten Cim Smyth aus den Gedanken zu lassen, relativ entspannt von Safety nach Nome. Ah das tat gut die letzten Meilen zu genießen. Langsam wurde mir bewusst, dass wir es wirklich als 10. oder 11 ins Ziel schaffen sollten. Noch einen letzten Hügel, das Cape Nome und dann die letzten 8 Meilen zum Finish.

Wie verabredet habe ich auf der Frontstreet angehalten, Zack war nur wenige Meter hinter mir. Die Teams nebeneinander geparkt, 3,2,1 lets go sind wir parallel in Richtung Ziel gefahren, sehr zu der Begeisterung der Zuschauer. Wie gehofft kamen mein Team schneller aus den Startlöchern, und wir konnten wenige Sekunden vor Zack als 10. Musher mit 14 Hunden die Ziellinie überqueren. Außer sehr geil, habe ich dort nicht viel zu sagen. Ein schönes Rennen mit einem tollen Abschluss, vorallem für meine alte Gang.

Die Tage in Nome habe ich bei Chris und Jim Rowe verbracht. Die Verlockung mich wieder zu den All Alaska Sweepstakes anzumelden war groß, aber ich konnte mich zurück halten. Auf dem Mushing-Banquet habe ich dann noch ein nagelneues ATV (Fourwheeler) gewonnen, jeder Musher bekam einen Schlüssel und konnte auf dem Weg zur Preisvergabe probieren, ob das ATV anspringt. Ich konnte es kaum glauben, als mein Schlüssel gepasst hat.

Jetzt, wo dieser Newsletter rauskommt, bin ich in Kotzebue. Dort started am 3. April das Kobuk 440. Mal wieder kann ich die Nase nicht vom Winter vollbekommen, aber auch hier ist es warm. Obwohl wir über dem Polarkreis sind, hat es gestern bei meiner Ankunft geregnet. Zum Glück sollen die Temperaturen aber wieder sinken.

Mit mir sind meine eisernen 11 plus ein Neuling.
Nemo - Popcorn
Inuk - Bananas (Bananas aus Rudis Team)
Austin - Diesel
Finn - Saffron
Skunk - Ricky
Keeper - Kavik

Mein Dank gilt allen, die diese Saison zu dem Erfolg gemacht haben, der sie geworden ist. Ohne die Vielzahl an Helfern wäre das unmöglich.

Sebastian

Sab

4. Mai 2008
Das Kobuk 440,
4. April 2008
Iditarod Rennbericht Teil 2
27. März 2008
Iditarod 2008 Teil 1
24. Februar 2008
Rennbericht Yukon Quest (Andy)
3. Februar 2008
Rennbericht KuskoSwim 300
26. Januar 2008
Rennbericht Copper Basin 300 (Andy)
8. Januar 2008
Rennbericht Knik 200 (Andy)
1. Januar 2008
Rennbericht GinGin 200
27. Dezember 2007
Sturm auf dem Denali Highway
14. Dezember 2007
Der Denali ruft
23. November 2007
Laufen wie der Wind
20. Oktober 2007
Neues Fotoalbum

Impressum ¦ Kontakt ¦ Sponsoren