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Iditarod 2008 Teil 1

Es ist der 19. März, seit 3 Tagen bin ich wieder aus Nome zurück, derzeit noch in Anchorage. Ich schreibe diese Zeilen, sogar noch bevor mich der Andy nervt, der Iditarod Rennbericht 2008 wird wohl wieder ein Mehrteiler werden.

Die Zeit vor dem Rennen war recht anstrengend, mit der Filmcrew den Yukon Quest zu verfolgen war wahrlich kein Urlaub. Nach der Filmepisode war ich 4 Tage zu Hause in Whitehorse, in denen es extrem viel zu regeln gab, dann waren noch einige Gästen dort, und ich musste noch meine Hunde für die Endauswahl trainieren. Wie das Ganze rückblickend wieder funktioniert hat, ist mir manchmal selbst ein Rätsel.

So war ich auch heilfroh, als Roland und ich am Sonntag Nachmittag, eine Woche vor dem Iditarod, im Truck Richtung Alaska saßen, auf dem Weg nach Paxson, wo allerdings auch wieder einiges an Arbeit gewartet hat. Das Haus musste ausgeräumt und sauber gemacht werden. Roland und Andy waren dabei eine große Hilfe. Ich bin in Paxson noch zu 2 Trainingsläufen gekommen, dabei hätte es mich wieder fast im Sturm auf dem Highway bei Meile 13 erwischt.

Die Endauswahl der Hunde lief immer mehr darauf hinaus, dass ich mein Jungvolk, das allerdings immerhin auch schon 3 Jahre alt ist, zu Hause lasse, und noch einmal auf meine alte Garde zurückgreife. Libby, Herring, Tang, Wondar haben Susie, Emerie, Callie und Jasper ersetzt. So stand das Team dann kurz vor knapp fest: Bei Franky war ich mir bis zur letzten Minute nicht sicher, ich konnte eine leichte Unregelmäßigkeit in seinem Lauf sehen, aber nix konkretes finden. Später in Galena sollte ich ihn als ersten Hunde mit einer Schulterzerrung droppen.

Finn - Skunk
Diesel - Austin
Franky - Tang
Popcorn - Nemo
Inuk - Herring
Wondar - Libby
Saffron - Ricky
Kavik - Keeper (von Richie Beattie)

Nachdem das Aufräumen in Paxson erledigt war, sind Andy und ich nach Anchorage gefahren, Roland mit einem Truck nachgekommen. Meine Trucks hatten mal wieder ihre üblichen Probleme. Es scheint egal zu sein, ob alte oder neue Trucks, die Kälte macht denen zu sehr zu schaffen. Jedoch musste ich diesen Winter leidlich einen Unterschied zwischen alten und neuen Trucks erfahren: Beide gehen kaputt, aber die Neuen kosten viel mehr zum Reparieren und es ist gar nicht so einfach jemanden zu finden, der an denen arbeiten kann. So waren die Trucks wechselweise in der Werkstatt, am Morgen des Musher-Meetings hatte ich dann sogar überhaupt keinen fahrbereiten Truck mehr und musste bei Rudi mitfahren. Das Musher-Meeting ist wie immer eine lästige Angelegenheit, dort erzählen sie uns die gleichen Dinge wie letztes Jahr und die gleichen Dinge, die wir schon ausgedruckt als E-Mails bekommen haben. Ich glaube, ich war nicht der einzige Musher, der das Meeting mit geschlossenen Augen über sich hat ergehen lassen.

Am Abend danach war das Mushing-Banquet und die Startnummern-Ziehung. Bei 97 Mushern sollte auch dieses eine langwierige Angelegenheit werden. Gezogen wurde in 3 Gruppen, alle die sich am ersten Anmeldetag persönlich angemeldet hatten konnten Nummern 1 bis 49 ziehen, alle die sich am ersten Tag per Fax angemeldet hatten die Nummern 50 bis 61 und dann die 3. Gruppe, die sich erst später angemeldet hatten die Nummern 62 bis 97, in dieser Gruppe war ich. Da bin ich mit Nummer 68 gar nicht so schlecht weggekommen. Entscheidend ist bei so vielen Teams, dass der Trial sehr schlecht wird, wenn dort schon 90 Gespanne vor einem drüber gefahren sind.

Gewohnt haben wir in Anchorage wieder bei Bonnie und Jim Foster, die allerdings nach Eagle River umgezogen waren. Ein eigenes Schlafzimmer und Badezimmer waren der pure Luxus. Den Hunden ging es auch gut, die waren am Stakeout draußen und mussten nicht eng im Truck sitzen. Besser noch, der gesamt Yard ist eingezäunt und ich konnte sie dort frei laufen lassen. Am Freitag haben Jim und Bonnie wieder ihr „ Open House „ organisiert, wo sie Freunde und Helfer der Rennens einladen, um uns Musher kennen zu lernen. Obwohl diese sozialen Veranstaltungen nicht so mein Ding sind, die beiden geben sich unglaubliche Mühe und es wurde ein schöner Nachmittag.

Am Samstag stand der Zeremonie-Start in Anchorage auf dem Programm, dort lernte ich auch meinen Idita Rider Don Boegele kennen. Dons Frau war Rudis Idta Rider. Mit meiner hohen Startnummer, hatte ich viel Zeit anderen Teams beim Start zuzuschauen. 3-2-1 go und los ging es, 11 Meilen in Richtung Campbell Airfield. An der ersten Rechtskurve wurde mein Schlitten deutlich schneller, denn Don hat die Kurve nicht bekommen und lag erst einmal auf dem Trail. Ohne weitere Zwischenfälle sind wir dann am Airfield angekommen, Andy im Schlitten, Don als 2. Musher auf dem Sitzschlitten. Der Parkplatz war derart vereist, dass meine Hunde dort erst einmal am Truck vorbeigeschossen sind. Zurück zu Bonnie und Jim ging es nach einem Mittagsschlaf ans echte Packen. Dieses Jahr wollte ich den Schlitten nicht wieder erst 5 Minuten vor der Abfahrt packen, ich hatte noch dunkle Erinnerungen an die Aktion vom letzten Jahr. Mit der hohen Startnummer hatte ich mich gegen den Sitzschlitten entschieden, und bin wieder mit meinem alten Long Distance Schlitten an den Start. Lieber stehend heile durch die Dalzell Gorge kommen, als mich dort sitzend auf die Nase zu legen.

Sonntagmorgen hieß es dann Abfahrt nach Willow zum richtgen Start. Bis zur letzten Minute war ich mit mir am hadern, Franky oder Callie, Callie oder Franky, bei Franky ist es geblieben. Callie mit ihrer zögerlichen Fresserei geht mir zu sehr auf die Nerven. Da habe ich lieber einen langsameren Hund, der aber vernünftig frisst. Für den Start hatte ich mir alles Doghandler organisiert, die ich kannte, damit ich nicht, wie im Vorjahr, alle auf dem Weg zur Startlinie verliere. Leider sollte es Rudi genau so ergehen, beim Anschirren sah ich im Augenwinkel sein Team ohne Handler vorbei zischen. Mit 16 Uhr 14 Startzeit war es nicht mehr so warm, wie um 14 Uhr am Mittag. Der Trail war weich, aber besser, als ich erwartet hatte. Mit John Baker und Paul Gebhard war ich in guter Gesellschaft. Paul war sofort verschwunden und John und ich sind mehr oder weniger in Sichtweite bis Yentna geblieben. Eines war mir sofort klar. Ein Raketenteam ist dieses nicht und ich musste schon extrem auf der Bremsmatte stehen, damit Libby, Wondar und Tang überhaupt etwas ziehen. Aber es wurden schon viele Rennen am ersten Tag verloren, noch keine gewonnen, so war ich über meine 3 hr 56 Minuten nach Yentna nicht sonderlich entsetzt. Kurz Stroh aufladen und weiter ging es. Nach 6 Stunden habe ich auf dem Fluss angehalten. Stroh auslegen für die Hunde, Futter kochen, Booties ausziehen, füttern, Hunde massieren, das sollten nun wieder meine Tätigkeiten für die nächsten 10 Tage werden. Letztes Jahr hatte Tang im 2. Lauf gleich eine Schulterverletzung bekommen, so habe ich mir dieses Jahr in der Pause mehr Mühe gegeben und wirklich alle Hunde detailgenau untersucht und alle massiert. Schlafen hätte ich eh nicht können. Nach 2,5 Stunden ging es weiter Richtung Skwentna, der Trail weiterhin weich. Auf dem Fluss gibt es auch keinen definierten Trail, mir kam es immer so vor, als ob sich meine Hunde den schlechtesten Trail aussuchen, aber meine "Gee over"- und "Haw over"-Versuche waren auch nicht so der Renner.

In Skwentna war wieder die Hölle los. Ca. 40 Teams am Rasten, und minutenweise kamen neue Gespanne an. Meinen Food-Drop hatte ich so gepackt, dass ich den nur schnell aufladen konnte, und weiter ging es mit dem Ziel Finger Lake. Wie immer wurde ich unterwegs von einigen Gespannen überholt. Bei manchen war ich mir sicher sie wieder zusehen, bei anderen nicht so sehr. Mit 5hr und 27 Minuten war meine Laufzeit nicht katastrophal, aber auch nicht gerade gut, dazu kamen noch 1,5 Stunden vor Skwentna, also 7 Stunden Gesamtlaufzeit. So viel Pause wollte und konnte ich den Hunden nicht gönnen, nach 5hr 43 Minuten ging es wieder los. Es war warm, wolkig und es fing leicht zu schneien an. Wieder alle Hunde massieren und genauestens anschauen, aber alle sahen gut aus. Das war das erste Mal in 4 Jahren, dass ich in Finger Lake nicht 2 Hunde droppen musste, so war es ein schönes Gefühl mit allen 16 aus dem Checkpunkt zu fahren. Nicht nur war die Tagszeit mit 13 Uhr denkbar ungünstig, auch hat sich das zweifache Rastkürzen bemerkbar gemacht, die ersten Meilen sind wir nur so dahin geschlufft. Das hat allerdings den großen Vorteil, dass die Happy River Steps dann gut zu überstehen sind. Aber nach guter friesischer Manier "wat mutt dat mutt" sind die dann langsam in die Pötte gekommen und 3hr 47 Minuten nach Rainy Pass war der Lauf ganz passabel. Hier trennt sich oft schon erstmals die Spreu vom Weizen, denn viele Musher legen hier bereits die nächste Pause ein. Mein Plan sah die Weiterfahrt nach Rohn vor, alle Hunde sahen weiterhin gut aus, also nur ein paar Snacks aufladen und weiter ging es. Für diese frühen langen Läufe habe ich mein Training ausgerichtet, trotzdem ist es immer ein spannender Moment durch einen Checkpunkt zu fahren, denn die Hunde erwarten eine Rastpause. Mittlerweile war ich auch in guter Gesellschaft, vor mir Mitch Seavy, hinter mir Jeff King und Ed Iden. Keiner von den dreien konnte mir wegfahren, das war ein gutes Zeichen, und wie so oft im Training wurden meine Hunde mit zunehmender Laufzeit immer besser. Von der anfänglichen Schwäche in Finger Lake keine Spur mehr. Kurz vor der Dunkelheit sind wir oben in die Dalzell Gorge eingefahren, auch das lief nach Plan, denn ich wollte die Abzweigung im Dunkeln nicht verpassen. Die Gorge war harmlos dieses Jahr, denn es lag extrem viel Schnee. Allerdings war das Ganze ein ewiges Stop and Go, denn 2 Teams vor uns hatten erhebliche Probleme und nach einigem Fluchen konnten Jeff, Mitch und ich die beiden endlich überholen. Leider hat die ganze Aktion aber bestimmt eine halbe Stunde gekostet und bestimmt 10 Neckleinen, denn meine Bande wurde bei der Warterei extrem ungeduldig. Um 21 Uhr 42 kam ich in Rohn an, nach achteinhalbe Stunden Laufzeit, vergleichbar mit dem Vorjahr, bedingt durch meine Startnummer aber ca. 2 Stunden später.

In Rohn war es windig und warm, so entschloss ich mich direkt bei den Hunden im Stroh zu schlafen, in der kleinen Checker-Cabin ist eh nicht genug Platz. Die Hunde waren sichtlich müde, haben aber alle gut gefressen. Zu meinem Erstaunen konnte ich weiterhin keinerlei Verletzungen finden, habe aber vorsichtshalber wieder alle Schultern und Gelenke mit Zalox massiert. 2 Mahlzeiten gab es in 6 hr und 40 Minuten, also wieder fast 2 Stunden Rast gekürzt. Risiko, aber ich wollte auf einen vernünftigen Tageszeit-Rhythmus kommen, so ging es um 4 hr 20 wieder los, mit allen 16 Hunden. Vom Trail war nicht viel zu sehen, überall blankes Eis, ich hatte mich entschlossen ohne Booties loszufahren, eine gute Entscheidung. Es war ein Wirrwarr von alten und neuen Trailmarkern, aber irgendwie bin ich dann doch auf dem richtigen Trail gelandet. Rick Swenson und Ken Anderson sollten mich bald beide überholen. Beide Teams sahen extrem gut aus und ich war mir nicht mehr so sicher, ob meine kurzen Pausen eine gute Entscheidung waren. Ken sollte ich am „Gletscher „ wieder überholen, von Rick sah ich keine Spur mehr, bis später im Rennen. Der Burn hatte wie immer kein Schnee und es gab einige recht interessante Passagen, wo ich ordentlich wach gerüttelt wurde. Am Buffalo Camp vorbei ging es über die letzten Hügel in Richtung Nikolai. Meine gute alte Tang hatte eine lose Zugline und sah auch sonst nicht so frisch aus, also habe ich sie unter ihrem schweren Protest in den Schlitten geladen. Mein eigentliches Ziel war das Salmon River Camp 15 Meilen vor Nikolai, aber dazu wurde es ab 11 Uhr zu warm und ich bin ca 7 Meilen vorher zum Campen angehalten.

Glück gehabt, denn nach dem langen Lauf ohne Booties wurde es dringend Zeit anzuhalten und sich um die Füße zu kümmern. Ken Andernon, Aily Zirkle und William Kleedehn haben sich dazu gesellt. Es war interessant zu sehen, welche Musher in der Hitze des Tages vorbei kamen, und die Rennstrategien fingen an Ihren Lauf zu nehmen. Nach 5hr 30 min Pause, von denen ich über 3 Stunden fest geschlafen habe, ging es um 16:30 Uhr weiter, es wurde wieder kühler. Ich war mir nicht so ganz sicher wie ich nun von hier aus fahren sollte. Logisch wäre gewesen durch Nikolai durch zu fahren, dann in McGrath meine 24 hr Pause einzulegen, nur leider hatte ich mir dort nicht genug Hundefutter hingeschickt und mich in der 24 hr Pause auf Takotna, dort gibt es das beste Essen, festgelegt. Nach 3 Stunden, um kurz nach 19 Uhr sind wir dann durch Nikolai gekommen, nur kurz Futter aufgeladen und weiter ging es. Der Schnee war sehr nass, so dass sich große Eisklumpen an den Booties gebildet hatte, so musste ich auf dem Lauf nach McGrath zweimal die kompletten Booties wechseln. Dabei haben mich immer wieder viele Teams überholt, etwas demoralisierend und mit 8 Stunden Laufzeit war das die langsamste Zeit, die ich auf dieser Strecke je hatte. Das sollte normalerweise nicht mehr als 6 Stunden dauern. Die Lichter von McGrath wollten einfach nicht näher kommen, das war eine lange Nacht. In McGrath habe ich mir dann die Laufzeiten der anderen angeschaut, und gesehen, dass Gerry, Hans, William einige Stunden vor mir waren. Das konnte ich nur wettmachen, in dem ich hier durchfahre, also hieß es Risiko.

Wie es weiter geht im nächsten Rennbericht....
Sebastian

Sab

4. Mai 2008
Das Kobuk 440,
4. April 2008
Iditarod Rennbericht Teil 2
27. März 2008
Iditarod 2008 Teil 1
24. Februar 2008
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26. Januar 2008
Rennbericht Copper Basin 300 (Andy)
8. Januar 2008
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1. Januar 2008
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27. Dezember 2007
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14. Dezember 2007
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Laufen wie der Wind
20. Oktober 2007
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