Rennbericht Copper Basin 300 (Andy)
Glenallen - Chistochina
Zum Start des Rennens hatten wir gute -20°C, doch während des Rennens sollte es noch kälter werden - die Durchschnittstemperatur lag mit -30°C glücklicherweise über der Wettervorhersage von bis zu -40°C.
Mein Team:
Tang - Kritter
Ibex - Onyx
Alligator - Polar
Jack - Franky
Emerie - Eagle
Kiana - Susie
Trotz des wenigen Schnees ist der Trail ziemlich gut zu fahren, da war der Anfang des Knik200 schon schlechter. Der Trail führt oft entlang der Telefonleitung oder im Straßengraben, und ist recht ruppig und stellenweise fahren wir über Weidengestrüpp.
Es ist noch hell, als wir im Checkpoint ankommen und Laird, unser Handler, hilft mir mein Team neben Sabs in den Bäumen zu parken. Nachdem ich die Hunde gefüttert und mit Fleecedecken zugedeckt habe, lege ich mich auch für etwa zwei Stunden in einer Cabin auf den Boden und schlafe etwas. Laird sitzt währendessen bei den Hunden und wacht über sie.
Die Handler bekommen bei solchen Rennen meist genauso wenig Schlaf wie die Musher, denn sie warten im Checkpoint auf die Ankunft des Teams, dann bleiben sie meist bei den Teams während der Musher schläft - damit bei Problemen jemand eingreifen kann (z.B. Beißereien) - wenn das Team dann wieder auf dem Trail ist, kratzen sie das Stroh zusammen, verfrachten die Reste des Fooddrops in den Truck und fahren zum nächsten Checkpoint. Dort angekommen ist die einzige Chance für einen kurzen Schlaf im Truck, doch manchmal brauchen sie für die Fahrt zum nächsten Checkpoint fast so lange wie die Musher, da die Musher einen direkten Weg nehmen und sie eventuell große Umwege fahren müssen.
Chistochna - Paxson
Nun steht eine Nachtfahrt vor uns, denn wir verlassen Chistochina gegen 22 Uhr und sollten noch vor Tagesanbruch in Paxson ankommen - diese Fahrten mag ich nicht so besonders, ich habe es lieber, wenn etwas Tageslicht mit von der Partie ist. Bei Tageslicht ist es auch einfacher den Schlaf zu bekämpfen. Heute war es besonders dunkel, ich konnte zwar die Sterne sehen, aber der Mond schien heute nacht frei zu haben.
Nachdem wir gut aus Chistochina herausgekommen sind, nehme ich Ibex und Onyx in Lead, damit Tang nicht alles alleine machen muss.
Excelsior Creek liegt auf der Hälfte der Strecke und ist eigentlich immer offen - das Wasser ist meist nicht sehr tief und auch nicht sehr breit, aber manchmal wollen die Hunde einfach nicht drüber. Da ich jedoch darauf vorbereitet war, konnte ich, als Onyx nicht drüberspringen wollte, schnell nach vorne rennen und die Hunde über den Creek leiten. Nachdem dies geschafft war, konnte ich auch das Nordlicht genießen das sich am Himmel zeigte.
Beim Fish Creek, kurz vor dem Summit Lake, etwas tiefer, aber nur einen knappen Meter breit, war ich allerdings nicht darauf gefasst, dass es Probleme geben würde und schon waren sie da. Onyx suchte einen anderen Weg und innerhalb kürzester Zeit hatte ich ein Durcheinander von Hunden und es dauerte einige Zeit, bis ich all die Leinen wieder entwirrt hatte.
Auf dem Summit Lake verlieren wir plötzlich den Trail - wahrscheinlich war ich einen Moment unachtsam, ebenso wie mein Leader Onyx - und plötzlich gab es keine Spuren mehr vor uns. Ich nehme nun Tang in Lead und hoffe sie findet wieder auf den richtigen Trail, doch wir brauchen einige Versuche und ich beginne schon langsam die Orientierung zu verlieren. Ich weiß zwar, dass der Aufstieg nach dem See am linken Ufer ist, aber ich kann nicht abschätzen in welcher Distanz. Ich befürchte langsam schon, dass ich bis zum Tagesanbruch warten muss um den Trail wieder zu finden, doch dann plötzlich ist er wieder da und wir können weiterfahren.
Kurz vor dem Checkpoint liegt die Einfahrt zu unserem Kennel und da klappt es diesmal nicht so gut wie beim GinGin200, denn Tang springt einfach über die als Absperrung hingelegten Strohballen. Da ich für den Fall der Fälle in Bereitschaft war, kann ich das Team sofort anhalten und Tang dann doch noch davon überzeugen, dass wir in den Checkpoint fahren.
Paxson - Sourdough
Im letzten Tageslicht fahren wir los, aber ansonsten gibt es wieder eine dieser Nachtfahrten. Ich bin noch nicht weit gefahren, es geht gerade hinunter in den Wald, da kommt mir ein Team entgegen - glücklicherweise sehen wir uns beide rechtzeitig und kommen so ohne Probleme aneinander vorbei.
Kurz darauf geht es auf den Paxson Lake - neuer See, gleiches Problem. Der Wind hat den Schnee stellenweise völlig weggeweht, so dass man das blanke Eis sehen kann, dadurch ist natürlich auch nicht viel vom Trail zu sehen. Eigentlich sollte der Trail auf der linken Seeseite beginnen, dann auf die rechte Seite wechseln und am Schluss wieder zur linken Seite zurückkehren, doch der Rennverantwortliche sagte mir, dass ich auf der linken Seite bleiben solle, da ich rechts auf offenes Wasser stoßen würde. Als uns dann zwei Skidoos überholen, legen diese eine neue Spur, welcher die Hunde auch sofort folgen - ich weiß, dass dies nicht der richtige Trail ist, aber ich weiß auch, dass wir, solange wir am linken Ufer bleiben, irgendwann wieder auf den Trail stoßen werden. Leider fuhren die beiden Skidoos sehr nahe an John Schandelmeiers Kennel vorbei, so dass ich Probleme bekomme mit meinen Hunde daran vorbei zu fahren. Glücklicherweise kommt mir John zu Hilfe und so finden wir schon nach kurzer Zeit den Trail.
Bei Meier's verlassen wir den Paxson Lake und es beginnen die, meiner Meinung nach, anstrengensten und schwierigsten 2 Stunden des ganzen Rennens. Erst geht es richtig steil bergauf, um anschließend in rasanten Talabfahrten wieder hinunterzugehen. Außerdem fahren wir hier auf einem recht engen und kurvigen Waldtrail, in manchen Passagen kann ich meine Leader nicht sehen, da die bereits um die nächste Kurven sind, während ich den Schlitten noch um den vorherigen Baum lenke.
In Sourdough angekommen hilft mir Laird wieder beim Parken, doch nachdem ich alle Hunde bereits auf Stroh gebettet habe, kommt ein Rennverantwortlicher und bittet mich das Team umzuparken, da wir die Ausfahrt aus dem Checkpoint blockieren. Da Sab den Checkpoint gerade verlässt, parken wir mein Team dann auf Sabs Parkplatz. Das Füttern dauert etwas länger, da der Propankocher im Checkpoint ausgestiegen war und ich somit Schnee schmelzen musste.
Sourdough - Wolverine
Aus Sourdough heraus möchte ich Tang etwas entlasten und aus dem Lead nehmen, aber irgendwie finden ich nicht die richtige Kombination und muss mehrmals anhalten und tauschen - schlussendlich bin ich wieder bei Tang, diesmal mit Onyx, aber dadurch hatten wir fast doppelt so lange wie veranschlagt benötigt.
Die Strecke nach Crosswind führt fast schnurgerade, in einen nimmer enden wollenden Auf und Ab durch die Wälder. Immer wenn man glaubt, nun müsste Lake Louise doch endlich auftauchen, erscheinen nur neue Steigungen. Doch irgendwann ist es dann doch endlich geschafft und der See taucht vor uns auf und ich weiß, es ist noch etwa eine halbe Stunde auf dem See bis zum Checkpoint.
Wolverine - Tolsona
Da die Hunde die Strecke zwischen Crosswind und Wolverine in normalen Tempo zurückgelegt hatten, beschließe ich gleich weiter zu fahren.
In den letzten Rennen bin ich in Tolsona nie auf dem richtigen Trail angekommen, sondern einmal von der Seite und das letzte Mal sogar aus der falschen Richtung. Daher wollte ich dieses Mal sicherstellen, dass ich den richtigen Trail erwische und hielt intensiv nach den Markern Ausschau. Trotzdem habe ich einen wichtigen Marker fast übersehen und wir waren schon ein wenig zu weit gefahren, aber das sollte hier auf dem See kein Problem sein - kurz anhalten, Lage peilen und dann auf den richtigen Trail schwenken - doch es blieb bei der Theorie. Als ich anhielt, sah ich meine beiden Leader im Dunkeln verschwinden, die Gangline vorne war gerissen und so entschloss ich mich, meinen Leader nachzufahren, anstatt dem richtigen Trail. Zum Glück war es nicht mehr weit zum Checkpoint und dort wurden die beiden auch gleich in Empfang genommen. Im Schlitten habe ich noch ein Ersatzstück der Gangline dabei, welches ich gegen das kaputte Stück austauschte und schon konnte es weitergehen.
Tolsona - Glenallen
Der Weg ins Ziel scheint sich unendlich zu ziehen und ich musste auch ziemlich mit der Müdigkeit kämpfen, doch irgendwann erreichen wir dann doch den Highway und fahren die letzten Meilen wieder im Straßengraben Richtung Ziel, wo wir gegen 1 Uhr endlich ankommen.
Laird steht mit dem Truck bereit, wir füttern die Hunde, verladen den Schlitten und fahren dann heimwärts nach Paxson - obwohl ich mich anstrenge wach zu bleiben, schlafe ich auf den letzten Kilometern doch noch ein und habe anschließend ziemliche Probleme meine Augen zum Ausladen der Hunde offen zu halten.
Am folgenden Tag wechselte das Wetter auf Schneefall bei warmen -10°C.
Andreas
