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Der Denali ruft

Vor mittlerweile 3 Wochen fand unser großer Umzug nach Paxson statt. Laird und Dave fuhren als erste los, mit 20 Hunden. Danach kamen 2 Tage später ich und Gaetan mit 26 und weitere 2 Tage später Rudi mit seinem Sohn Sven und 20 Hunden. Dadurch war der Einzug in Paxson halbwegs problemlos. Im Herbst hatte ich mich noch oft gefragt, ob dieser riesige Aufwand wieder notwendig ist und wir nicht doch besser in Whitehorse beleiben sollten, aber ich kann nur sagen, der Akt hat sich gelohnt. Die Bedingungen sind ideal und nun sind wir auch sehr nah an den Rennen.

Leider gab es kurz nach unserer Ankunft einen unschönen Zwischenfall. Gelegentlich hört man immer wieder einmal, dass ein Hundeschlitten-Team von einem Motorschlitten angefahren wird. Leider ist genau dieses bei einem unserer ersten Läufe Dave passiert und Marmot ist dabei gestorben, zum Glück wurde aber kein weiterer Hund ernsthaft verletzt. Anstatt ein großes Theater mit „Anzeige“ zu machen, wie es mir hier von einigen Nachbarn geraten wurde, habe ich das ganze unter dem Motto: „Am falschen Ort zur falschen Zeit“ verarbeitet, wie bei jedem Verkehrsunfall. Eine böse Absicht war dem Motorschlittenfahrer ganz klar nicht nachzuweisen.

Außer diesem Ereignis läuft es hier in Paxson sehr gut. Die benachbarte Paxson Lodge hat neue Eigentümer. Der Service ist deutlich freundlicher und besser geworden, so lockt es uns ab und zu zum Abendessen dorthin. Als wir gestern Abend dort sichtlich kaputt und müde am Tisch hingen, kam Wiley, der Wirt, zu uns um uns einen guten Tipp zu geben. Damit wir nicht mehr so müde werden, sollten wir 2 Stunden weniger auf dem Hundeschlitten stehen und 2 Stunden länger in die Bar kommen. Auch keine schlechte Idee.

Die Schneebedingungen sind nahezu ideal, wenn auch nicht so viel Schnee wie in den vergangenen Jahren liegt. Das ist aber kein Problem, eher im Gegenteil. Audie der Besitzer dieses Anwesens, hatte uns wie letztes Jahr einen funktionierenden Schneepflug versprochen. Wie letztes Jahr gibt es zwar Schneepflüge, die aber nicht funktionieren. Beim einen Truck musste ein neuer Vergaser auf den Motor, gesagt und getan und die Kiste läuft immer noch nicht. Beim anderen muss die komplette Aufhängung des Pfluges erneuert werden, die neue passt allerdings nicht. Rudi und Sven haben daran heute den ganzen Tag gefummelt. Eventuell sollte ich mir doch einen eigenen Pflug kaufen, nur werde ich damit in Whitehorse ausgelacht, ich habe noch nicht einmal eine Schneeschüppe für mein Grundstück.

Die Läufe mit den Hunden auf dem Highway waren bisher ideal. Wir liegen genau im Trainingsplan, etwas, was in den vergangenen Saisons nicht immer der Fall war. Mein zusammengewürfeltes Team rauft sich langsam zusammen, ganz interessant, mit Callie habe ich nur noch ein Weibchen, der Rest der Bande sind alles große Rüden. Wir können direkt vor dem Haus auf den Denali Highway starten, der dieses Jahr besseren Schnee hat. Yamaha hat den Highway vor einigen Wochen als Teststrecke benutzt und dadurch den Schnee gut gepackt. In 42 Meilen Entfernung liegt die MacLaren Lodge, www.maclarenlodge.com , die von Susie und Alan betrieben wird. In der Mitte von Nirgendwo liegt dort eine Oase mit allem Komfort und zu jeder Tages- und Nachtzeit , wir Musher trainieren ja oft zu unmöglichen Zeiten, sind wir dort willkommen. Es ist schon angenehm, wenn man um 1 Uhr nachts von einem 8-Stunden-Lauf wieder kommt und auf dem Tisch steht ein Steak mit Kartoffeln mit einer Notiz das Ganze nur in der Mikrowelle warm zu machen. Das hat aber auch seine Nachteile, schon zweimal bin ich nachts nicht aufgestanden und habe noch lieber bis zur Frühstückzeit gewartet. Von der MacLaren Lodge aus starten wir dann zu weiteren Trainingsruns entlang des Denali Highways. Dabei habe ich vor einigen Tagen eine neue Lektion gelernt, nicht jedem vorgeschlagenen Trail zu folgen. Den Trip zum MacLaren-Gletscher hätte ich mir schenken können, obwohl landschaftlich traumhaft schön, hatte ich kaum Zeit den Ausblick zu genießen. Nicht nur haben sich die Hunde unzählige Male in den Weidebüschen verheddert, nachdem ich zum 3. Mal in den Fluss eingebrochen war, hatte ich die Nase gestrichen voll. Das ganze Erlebnis habe ich unter Survial Training und „Team bonding“ abgehakt, 13 Stunden später war ich um Mitternacht im Schneegestöber wieder zu Hause.

Leider sieht es mit dem Schnee nicht überall so gut aus wie hier. Selbst der sonst so schneesichere Sheep Mountain, hatte nicht genug Schnee, um das erste Rennen, das Sheep Mountain 150, stattfinden zu lassen. Das Rennen wurde am Dienstag abgesagt, zu dem Zeitpunkt war ich unterwegs und saß in der MacLaren Lodge. Jeff King war auch dort mit 2 Teams und hat spontan gesagt: „Warum machen wir dann nicht unser eigenes Rennen“. Gesagt getan. Als ich vom Hundefüttern wieder kam, hatten er und Allen schon den Plan fertig. Das Rennen beginnt und endet an der Lodge, geht über 50 Meilen und startet am Samstag, Jeff macht den Racemarshal. Das Interessante an der Sache ist, dass die Lodge nur per Skidoo oder Hundeschlitten zu erreichen ist, und jeder Musher dort erst einmal mit den Hunden hinfahren muß. 42 Meilen von Paxson, 76 von Cantwell. Ein paar Dinks später hatten wir dann auch den Namen: MushIn MushOut 50. Alan hat extra einen Trip nach Fairbanks gemacht, um noch mehr Essen und Feuerwerk für die Lodge zu kaufen. Das klingt nach einem guten Wochenende. Jeff wird wieder von der Cantwell-Seite mit seinen Gespannen kommen, während wir hier wieder von Paxson starten und noch hoffen, dass sich einige andere Teams anschließen werden. Ein anderer Musher, Rich Cocoran, der auch für das Iditarod trainiert und sich hier eine Hütte mietet,  hat uns seinen Motorschlitten geliehen, so dass wir nicht die ganze Ausrüstung für 3 Tage im Schlitten haben müssen. Während ich diese Zeilen hier schreibe und mich damit um die Packerei drücke,  ist die Gang dabei die Ausrüstung zusammenzustellen und Hundefutter packen. Morgen geht es dann für 3 Tage wieder los, der Denali ruft,

Happy trails
Sebastian

Sab

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