Laufen wie der Wind
Nur noch 1 Monat und das 1. Rennen steht auf dem Plan! Wie schon seit 3 Jahren, fahren wir auch dieses Jahr Mitte Dezember wieder zum Sheep Mountain 150. Das GreatSlave200 wurde auch wieder ins Leben gerufen; dort war ich im Herbst 2003, leider habe ich davon zu spät erfahren, sonst hätte die Reise auch dort hingehen können, denn gerne würde ich meine Yellowknife-Freunde einmal wieder sehen. Aber die Anmeldungen für das SheepMountain waren schon draußen, als ich davon erfuhr.
Auch diesen Herbst gibt es wieder einmal extrem viel zu planen. Eine interessante Saison liegt vor mir und Ihr könnt Euch auf einige Berichte und Fotos, nicht nur von mir, freuen.
Im Herbst haben wir 66 Hunde in 3 großen Gespannen trainiert. Ich fahre 26 Hunde vor dem ATV, dann noch weitere 2 Gespanne à 20 Hunde. Das kann ich natürlich unmöglich alleine bewerkstelligen. Ich habe eine super Crew hier: Laird ist wie im letzten Jahr wieder dabei. Gaetan ist, wie auch vor 2 Jahren, wieder dabei und neu hinzu gekommen ist Ray Edwards. Aber Ray kam nicht allein, sondern mit seiner ganzen Familie: seiner Frau Gayle und den 4 Mädchen Brody, Kiana, Shy und Chelsey. Damit herrscht hier eine sehr familiäre Atmospäre, während Gayle die Gang mit guten Mahlzeiten versorgt, bekommen die Hunde extrem viel Zuwendung, so sind die "Kids" mehr im Dogyard zu finden, als in der Cabin, wo das Homeschooling wartet. Mittlerweile sind wir von den ATVs auf die Schlitten umgestiegen und haben die Teams in 4 große Schlittengespanne aufgespalten. Mit 20 Hunden ging es mit Volldampf über die Canol Road.
Warum ich 66 Hunde trainiere, werdet Ihr Euch Fragen? Ich werde dieses Jahr nicht allein am Start der Rennen stehen. Ich habe 4 Gastmusher, die sich in verschiedenen Rennen versuchen werden. Im Moment ist Dave Treasure aus England hier, der das Sheep Mountain 150 und Gin Gin 200 fahren wird. Dave hat schon die erste Bewährungsprobe hinter sich, gleich einen Tag nach seiner Ankunft sind wir auf einen 150-Meilen-Trainingslauf gegangen. Es ist mir noch immer unerklärlich, warum Dave heute so müde ist. Andrew Davis aus New Jersey wird auch am GinGin200 teilnehmen. Rudi Niggemeier, mit dem ich letztes Jahr gemeinsam in verschiedenen Mitteldistanz-Rennen gefahren bin, wird sich der Herausforderung des Iditarods stellen. Und nicht zuletzt wird sich Andreas Moser, der Webmaster dieser Seite, seinen Traum des Yukon Quests erfüllen. Wie vielleicht schon einige von Euch gesehen haben, bin ich bereits auch wieder beim Iditarod angemeldet. Damit gilt es drei 1000-Meilen-Rennen vorzubereiten, langweilig wird uns dort nicht. Zugegebenermaßen spukt mir der Yukon Quest auch immer noch im Kopf rum.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen diesen Winter keine Rennen zu fahren. Ich hatte die gute Ausrede nicht genug Hunde zu haben. Diese Ausrede hat bis zum dem Tag funktioniert, wo mich Richie Beattie angerief und fragte, ob ich nicht seine Hunde für den Winter nehmen möchte, da er einen Winter Pause machen möchte. Nach einigem Nachdenken habe ich mich entschlossen das Angebot anzunehmen. Es ist nicht unbedingt einfach neue, fremde Hunde in einen Kennel zu integrieren und schon gar nicht dreimal gleich mit den Hunden Rennen zu fahren. Aber Richies und meine Hunde kennen sich aus 2 Jahren Zusammenarbeit in Skagway. Das ist ein Plus, auch wusste ich von dort, wie Richie mit seinen Hunde umgeht und trainiert. Ich hatte gesehen, dass das Ganze durchaus kompartibel sein wird. Und so ist es auch. 11 von Richies Hunden, alles Quest-Finisher sind hier, und sind seit Ende September ohne Probleme in unsere Teams integriert. Anfänglich war das schon interessant, als ich die Bande gemeinsam im großen Freilaufgehege habe laufen lassen. Besonders Kavik, der hätte meinem guten alten Chevy (der nie einen anderen Hund ausstehen konnte) Konkurrenz machen können. Aber siehe da, sogar Kavik hat sich mit seiner neuen Freiheit angefreundet, wenn er auch immer noch ein Außenseiter ist. Als Laufpartnerin hat er die kleine Skunk, die ich letztes Jahr von Lance Mackey gekauft habe, neben einem anderen Rüden kann ich ihn nach wie vor schlecht fahren.
Das Training diesen Herbst ist bisher ziemlich ideal nach Plan gelaufen. Ich bin wieder auf mein "altes" System der langen Läufe übergeangen. Obwohl meine Rennergebnisse im letzten Jahr nicht schlecht waren, fielen mir vor allem die vielen kleinen Verletzungen bei den Hunden auf, die in meinen Augen einfach nicht genug "Trainingstiefe" hatten. Schon früh im November haben wir die ersten 50-Meilen-, 80-Km-Läufe gemacht und das habe ich mittlerweile auf 150-Meilen-Läufe (mit 2 Pausen) ausgedehnt und bin sehr sehr zufrieden mit dem, was ich bei den Hunden sehe. Es spricht für sich, dass von 68 Hunden, mit denen wir Ende September angefangen haben, noch 66 im Training voll mit dabei sind. Darla und Batman sind zu den Tourenhundem gewechselt, die ein Freund am Aishihik Lake trainiert, so dass wir uns hier voll auf die Rennhunde konzentrieren können. Meist stehen wir bei den Läufen lange, lange Zeit auf der Bremse, es ist immer eine Gratwanderung, wie viel Geschwindigkeit läßt man zu, oder wie langsam fährt man ohne die Geschwindigkeit langfristig aus dem Team zu nehmen. Der letzte Lauf an der Canol Road (eine Straße, die im Winter nicht geräumt wird) sollte der Test werden, denn nach 100 Meilen habe ich die Hunde einmal laufen gelassen und wir sind die letzten 50 Meilen in 4hr30 Minuten dahin geflogen. Das schien nicht nur mir gewaltig Spaß gemacht zu haben, sondern auch dem Team, das selbst am Truck wieder angekommen, noch völlig aus dem Häuschen war. Kurzum, ich bin mit dem Team sehr zufrieden, die Richie-Hunde haben sich gut integriert und auch habe ich, dank des Gletschertrainings, eine sehr große Anzahl an guten Leithunden. Rudi´s und Andi´s Teams sind auch beide sehr solide, Rudi fährt mehr oder weniger seine eigenen Hunde, die ich über das Jahr für ihn trainiere und Andi hat meine „alte“ Quest-Gang. Ihr könnt Euch also auf einen erlebnisreichen Winter freuen, drückt uns die Daumen, dass alles nach Plan (oder zumindest in die richtige Richtung) läuft.
Wenn von Euch noch jemand Lust auf eine lange Mushing-Tour verspürt, Trevor bietet im März 2 Spezialtouren an, in denen er die Hälfte des Yukon Quest Trails fährt. Der erste Termin 1 bis 14 März ist ausgebucht, in dem 2. Termin vom 15. bis 30. März von Whitehorse nach Dawson ist noch 1 Platz frei.
Für die ganz Mutigen unter Euch: Wir könnten von Weihnachten bis Mitte Januar noch Hilfe gebrauchen, dann ist die Hauptphase der Vorbereitungsrennen, Gin Gin 200, Knik 200, Copper Basin 300 und das Kusko 300. Wenn von Euch jemand einmal den Job eines Doghandlers kennen lernen möchte, meldet Euch bei mir.
Happy trails
Sebastian
Sab

