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Auf dem Weg nach Deutschland

Wie Ihr sicher bemerkt habt, habe ich meine Webseiten-Updates in den letzten Wochen, bzw. es sind mittlerweile Monate, sehr vernachlässigt. Ich verspreche Besserung. Nach dem Iditarod war ich nicht nur körperlich ziemlich kaputt, sondern auch zugegebenermaßen mental ziemlich platt. Ich war darauf vorbereitet, dass ich wieder in ein Loch falle und erst mal etwas Pause brauche, aber die hat dieses Jahr etwas länger gedauert als sonst. I m Frühjahr ging es dann allerdings Schlag auf Schlag. Nach langem Aufräumen zu Hause musste ich noch einmal nach Anchorage fahren, um meinen Iditarod Food-Drop abzuholen, kurz darauf auf eine Messe nach Quebec fliegen und gleich danach wieder mehrfach nach Alaska fahren, um die Hunde in ihre Sommercamps auf den Gletschern zu bringen, und siehe da, es ist Anfang Juni.
 
Ich habe die letzten Wochen viel über die vergangenen Jahre nachgedacht. Anscheinend durchlebe ich gerade eine verfrühte Midlife Crisis bzw. das verfrüht kann auch Wunschdenken sein. Als ich mich für den Yukon Quest 2004 angemeldet hatte, wollte ich nur “unfinished business finishen“, d.h. nach meiner Rennaufgabe in 1999 das Rennen zu Ende bringen. Das war mir mit einem 10. Platz auch gelungen und kurz nach dem Rennen habe ich gesagt: Nie wieder Quest. Der gute alte Satz: Sag niemals nie, sollte sich bewahrheiten. Hätte mir dort jemand gesagt, dass ich vom Februar 2005 bis zum März 2007, also in nur 25 Monaten, noch 6 weitere 1.000-Meiler fahren sollte, hätte ich schallend gelacht. Es galt für lange Zeit als nahezu unmöglich, sowohl den Yukon Quest als auch den Iditarod in einem Jahr zu fahren. Mittlerweile haben 12 Musher bewiesen, dass dem nicht so ist, aber an der Zahl 12 lässt sich ablesen, dass es sich nicht um einen Sonntagnachmittag- Ausflug handelt. Nur 2 von uns 12 Mushern haben den Quest und Iditarod 3 Jahre in Folge beendet, mit Lance Mackey befinde ich mich in guter Gesellschaft. Es galt als schlechthin unmöglich, beide Rennen in einem Jahr zu gewinnen. Auch dieses Prinzip wurde auf den Kopf gestellt, so hat Lance dieses Jahr sowohl den Yukon Quest, als auch den Iditarod gewonnen. Er hat meinen größten Respekt für diese Leistung. Ich weiß, wie schwierig es ist, es überhaupt bis an die Startline beider Rennen zu schaffen, sie dann auch noch heile zu überstehen, und beide zu gewinnen ist wahrlich eine unglaubliche Leistung.  
Mit den Rennen habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt, der allerdings auch seinen Preis hat. Während der letzten Jahre hatte ich nur wenig Zeit für irgendetwas anderes, und dass, was zumeist darunter gelitten hat, waren meine sozialen Kontakte. Zeit für Freunde oder Familie war kaum. Den Sommer über musste ich zusehen, so viel zu arbeiten wie mögich, um die ganze Aktion auch zu finanzieren, sobald im Herbst das Training wieder begann, kam ich auch nicht weg. Im Winter war es dann immer der Seiltanz zwischen den Touren, und trotzdem die Rennvorbereitungen im Auge zu behalten. In Deutschland war ich seit mehreren Jahren nicht mehr. Freunde müssen sich oft mit kurzen Antwort-E-Mails begnügen, von Besuchen mal ganz zu schweigen. Eigenlich wollte ich schon Mitte Mai nach Deutschland, mein Vater wurde 70, aber wieder einmal musste ich meinen Plan verschieben und kurzfristig (am Abend vor der Abreise) umdisponieren. So bin ich erst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe auf dem Weg nach Deutschland.
 
Aber zurück zu den Rennen. Über den Yukon Quest habe ich ja schon einen kurzen Bericht geschrieben, über den Iditarod ist der noch ausstehend. Die Zeit zwischen den beiden Rennen war wieder einmal viel zu kurz. Nach einem guten Start in Anchorage wurde schnell klar, dass auch dieses Rennen nicht einfach werden würde. Während der Yukon Quest von extremer Kälte bestimmt war, hat sich der Iditarod mit wenig Schnee und sehr viel Wind präsentiert. Mein Gespann war nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber getreu meiner Devise, "geht nicht, gibt es nicht", haben wir uns durchgekämft und siehe da - im letzten Drittel des Rennen haben sich meine verbleibenden 11 Hunde zu einem super Team zusammen gerauft. Nachdem wir den Yukon verlassen hatten und von Kaltag aus Richtung Küste unterwegs waren, wurden sie plötzlich zu einer Einheit, fraßen alles, was ihnen in den Weg kam und legten täglich etwas an Tempo zu. Damit konnte ich dann auf dem Weg nach Nome noch einige Gespanne einholen und habe mit dem 22. Platz meinen Vorsatz mich zu verbessern gut erreicht. Ich bin mit der vergangenen Saison sehr zufrieden. 4. Platz im Sheep Mountain, 3. Platz im Knik, 2. Platz im Copper Basin, 7. Platz im Quest, sowie den Vet Choice und Sportsmanship Award und der Abschluss mit einem 22. Platz im Iditarod. Alle Rennen habe ich mit 19 Hunden gefahren und wir haben mit dem Training mehr als 5.000 Meilen (8.000 km) zurückgelegt. Kein Wunder, dass ich nach der Saison etwas platt war. Einen ausführlichen Bericht über das Iditarod werde ich noch schreiben.
 
Wer live die Geschichten über das Yukon Quest hören möchte:
 
Ich bin am Abend des 6. Juni in Wien und mache dort im Vienna Beach Club einen Vortag über den Yukon Quest. Wer davon noch nicht gehört hat und kurzfristig kommen möchte, findet Information auf der Webseite von Paul Cech: http://dogcompany.blogzzz.net/2007/05/13/27/#more-27
 
Am 15. Juni bin ich in Kassel, zusammen mit dem Quest-Fotografen Casten Thies, mehr Infos dazu hier http://www.yukonquestphoto.com/
 
Ich möchte dann noch einen Vortrag im Süden machen, wahrscheinlich am Wochenende des 30. Juni, sobald das Wann und Wo fest stehen, lasse ich es Euch wissen. Ich kann es nur noch nicht genau festlegen. Ich freue mich auf ein Treffen mit Euch. Und wenn es bei diesem Besuch nicht klappt, ich plane noch einmal nach Deutschland zu kommen, Ende September/Anfang Oktober.
 
Viele Grüße aus Vancouver, wo ich gerade auf den nächsten Flieger warte....

Sab

Sab

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