Copper Basin 300 Rennbericht
Jetzt, wenn ich diese Zeilen schreibe, liegt der Start vom Copper Basin bereits wieder eine Woche zurück - die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt wieder viel zu berichten:Auf dem Rückweg vom Knik 200, haben wir unsere Einkäufe erledigt und Rudi hat in Anchorage noch seinen Freund Stefan vom Flughafen abgeholt. Der Tag nach einem Rennen ist, mehr oder weniger, immer mit ausladen, reparieren und waschen gefüllt. Auch müssen die Hunde frei laufen gelassen werden und einige Huskies brauchen Massagen. Bei mir stapeln sich während meiner Abwesenheit immer die E-Mails, so dass ich meistens damit noch einen weiteren Tag verbringe, und kaum hatten wir uns versehen, war es schon Donnerstag und nur noch zwei Tage bis zum Copper Basin. Den Donnerstag haben wir mit einem kurzen Trainingslauf verbracht, einem sogenannten Fun Run, wo es nur darum geht, die Hunde kurz zu bewegen und vor allem, dass sie Spaß dabei haben.
Freitag, zwischen 10 und 14 Uhr, stand die Anmeldung für das Copper Basin, sowie das Abgeben der Food Drops auf dem Programm. Demzufolge haben wir wieder, trotz guter Vorsätze, bis spät in die Nacht gepackt: Fleisch für die Hunde klein sägen und portionsweise verpacken, Booties in der richtigen Anzahl und Größe für den jeweiligen Checkpunkt sortieren, Arznei für die Hunde verpacken, Hundedecken, Fleecedecken abzählen und in Kompressionssäcke stopfen. Fütterungsschalen waschen und verschicken. Plastik für die Schlittenkufen auf Länge sägen, entgraten, einrollen.... und so weiter. Es standen nach einem Tag packen 16 Food Drop-Säcke pro Musher bereit. Im letzten Jahr hatte ich für das Copper Basin sechs und immer viel zu viel Zeug im Schlitten. Für dieses Rennen hatte ich mir vorgenommen, nur mit Minimalausrüstung zu fahren und damit einen möglichst leichten Schlitten zu haben. Mein Team war:
Inuk, Popcorn, Maggot, Austin, Franky, Tang, Saffron, Skunk, Libby, Par, Gas, Diesel.
Ja ihr lest richtig, die gute alte Tang war im Team, dieses sollte Ihr Testlauf werden, ob sie es noch in sich hat, ein langes Rennen zu fahren.
Rudi hatte Start Nummer 11 und sein Team war:
Salty, Spike, Batman, Polar, Onyx, Stach, Herring, Sumo, George, Stevie, Abby, Denali.
Mein Team stand bis auf Par als Ausnahme wieder einmal sehr ruhig am Start. Chicken Gerry hatte mit Nummer 13 einen deutlich früheren Start, so kam mir sein Handler beim Anschirren zur Hilfe, denn meine Crew war in Paxson geblieben, um die verbleibenden Rennhunde zu trainieren. Rudis Freund Stephan fuhr den Dogtruck und würde auch meine Hunde mitnehmen, sollte ich welche droppen.
In Chistochina angekommen, sollte ich mit 5h 17 Minuten die drittschnellste Laufzeit haben, damit war ich sehr zufrieden, nur William Kleedehn und Allen Moore waren ca. fünf und zehn Minuten schneller. Alle Hunde hatten gut gefressen. Diesel hatte eine leichte Schwellung am rechten Hinterlauf, durch den wenigen Schnee waren viele Äste auf dem Trail, und ich vermutete, dass er sich ledigleich eine leichte Prellung geholt hatte. Eigentlich wollte ich hier sechs Stunden bleiben, als ich jedoch um 20 Uhr 30 nach meinem Team schauen wollte, traute ich meinen Augen nicht, es waren nur noch wenige Gespanne da, die meisten waren bereits weiter gefahren. Oh Gott, bloß nicht wieder durch den Tiefschnee wühlen, war mein erster Gedanke, denn nur wenige Meilen nördlich von Chistochina wird der Schnee immer schnell mehr. Also schnell anschirren, Booties drauf und weiter.
Sab am CB300: Um 20 Uhr 50 war ich wieder auf dem Trail, es fing leicht an zu schneien. Das Team hatte richtig Feuer, ich hatte Tang in Lead gemacht, aber die Bande hinten dran war viel zu schnell für sie, also kurz anhalten, Tang wieder zu Franky spannen, Inuk in Lead und ab ging es. Dieser Lauf sollte einer der schönsten werden. Es geht stetig bergauf und alle paar Meilen hatte ich ein neues Gespann überholt, dabei war auch Rudi, der allerdings auch nicht gerade langsam unterwegs war. Das motiviert nicht nur mich ungemein, sondern vor allem auch die Hunde, und wir flogen auf dem Trail nur so dahin. Nach 2,45 Minuten war ich bei "Posty´s" einem verlassenen Postkasten, 27 Meilen nördlich von Chisto. Dort biegt der Trail dann nach links ab und wurde schlagartig langsamer, der Schnee tiefer. Zum Glück hatte ich bis hier hin 12 Teams überholt und es schienen nicht mehr viele Gespanne vor mir zu sein. Nach einigem Auf und Ab kommt man zum immer offenen Excelsior Creek. Tang hätte bei so etwas noch nicht mal mit der Wimper gezuckt und rennt dort durch, ohne auch nur einen Schritt zu verlieren. Inuk und Popcorn sahen das aber anders und haben eine Vollbremsung vor dem Bach eingelegt. Gut, dass ich gute Laune hatte, so bin ich wortlos nach vorne marschiert, bin selbst ins Wasser und hab die Bande durchgezogen. Das war das Ende der trockenen Füße für die nächsten Stunden.
Gleich nach dem Bach habe ich allen Hunde die nassen Booties ausgezogen, den Hunden mit schlechten Füßen neue angezogen und dem ganzen Team einen Snack "Racemix" gegeben. Von hinten konnte ich einige Stirnlampen näher kommen sehen und bin wieder los, bevor die mich einholen konnten. Als nächstes stand der Gakona Mountain auf dem Programm und eine der Stirnlampen von hinten kam immer näher, das war Allen Moore, der mich dann auch am Berg prompt überholt hat. An richtig steilen Aufstiegen hat der Sitzschlitten den Nachteil, dass ich nicht ganz so effizient mithelfen kann wie bei einem normalen Schlitten. Nach dem Berg geht der Trail zum Gakona River, den wir zum Glück dieses Jahr ohne offenes Wasser überqueren konnten. Hier habe ich Allen wieder eingeholt und überholt. Diese Gegend war "Hometurf" für die Hunde, denn wir haben hier viel trainiert. Noch 5,5 Meilen und die Abzweigung auf die Alyeska Pipeline kommt, vor mir konnte ich eine Stirnlampe sehen, die sollte Dave Sawatzki gehören, den ich entlang der Pipeline überholen sollte. Dort ist wieder ein offener Bach, auch seine Hunde hatten eine Vollbremsung eingelegt und er war am entknoten. Ich habe es erst gar nicht versucht, Popcorn und Inuk mit Kommandos an dem Knoten und durch das Wasser zu bekommen. Den Schneeanker nur leicht in den losen Schnee gesetzt, wieder nach vorne gelaufen und die Bande durchs Wasser gezogen, dann mit einem Ruck den Rest der Hunde durchs Wasser und der Schlitten hinterher. Jetzt waren Füße und Hose nass, aber die Temperaturen waren mit ca. minus 10°C angenehm. Von der Pipeline geht der Trail zum Summit Lake. Wir sind oberhalb der Baumgrenze und damit weht der Trail auf dem See immer ein. Der Trail war lediglich eine Motorschlitten-Spur im Tiefschnee und wir kamen nur noch extrem langsam voran. Mit den Skistöcken konnte ich im Sitzen einigermaßen mithelfen, und habe vor mir zwei Stirnlampen gesehen, denen ich langsam näher kam. Am Ende des Summit Lakes kommt ein steiler und kurzer Anstieg, da die Hunde aber genau wussten, dass der Kennel in Paxson in vier Meilen Entfernung um die Ecke liegt, ging es dort zügig hoch.
Die letzten Meilen bis Paxson auf dem hartgepackten Denali Highway musste ich die Hunde in einen langsamen Trab bremsen, um Verletzungen zu vermeiden. Ca. 200 Meter vor dem Checkpunkt liegt die Einfahrt zu unserem Kennel, diese hatten waren mit Strohballen blockiert und Popcorn und Inuk sind souverän daran vorbeigezogen, nur Maggot wäre fast rückwärts aus dem Geschirr gekrochen, um doch noch nach Hause ins eigene Hundehaus zu kommen. In Paxson haben mich Laird und John, mein Handler vom letzten Jahr in Empfang genommen. Das Gespann sah gut aus nach 8h und 32min Laufzeit, dies war die schnellste gefahrene Zeit, die auch Allen Moore und Zack Steer hatten. Die ganze Bande hat wie immer gut gefressen, eine Suppe aus Rindfleisch, Lamm und zwei verschiedenen Trockenfuttern. Als Nachtisch noch etwas gefrorenen Pansen für jeden. Danach warte ich bis die Hunde sich einrollen und lege noch einen Fleecedecke über sie, damit sie wärmer schlafen. Rudi kam kurz nach mir in den Checkpunkt, und seine Hunde sahen auch gut aus, wir haben direkt nebeneinader geparkt. Chicken Gerry kam vorbei gelaufen mit dem Kommentar "Frühstück fassen", also sind wir zur Lodge gelaufen, haben dort eine extra große Speck-und-Eier-Portion verdrückt, bevor wir uns für einige Stunden schlafen legten. Gerry war nicht so gut drauf und hat was von aufgeben gefaselt, ich habe versucht ihn aufzumuntern. Ich hatte einen guten Lauf. Leider ist es beim Rennen so, dass dann jemand anderes einen eher schlechten Lauf hat, und wenn dieses ausgerechnet ein guter Freund ist, ist das sehr schade und macht nur halb soviel Spaß.
Ich ging um 13 Uhr 26 wieder auf die Piste, endlich mal nicht mehr im "back of the pack" sondern als zweiter ca. 30 Minuten hinter Zack Steer. Das war mir sehr recht, denn es hatte kräftig geschneit und ich musste nicht als erster den Trail brechen. Dieser wurde auch umgelegt, zu viel "overflow" auf dem Paxson Lake, so geht der Weg zurück zur Pipeline, entlang des One Mile Trails und sozusagen "hinten rum" nach Meiers Lake rein. Wieder war dieses unsere Hausstrecke, was dieses Mal nicht unbedingt ein Vorteil war, denn an jeder Kreuzung, wo die Hunde wussten, dass es zurück nach Paxson ging, wurde das Tempo erst einmal mächtig gedrosselt. Ich konnte hinter mir ein Gespann sehen, welches langsam näher kam, mich aber bis Meiers Lake nie eingeholt hatte. Normalerweise haben wir hier in Meiers Lake immer zu einem guten Burger angehalten, dafür war jedoch keine Zeit, nur bei einigen Hunden kurz neue Booties anziehen und weiter ging die Reise nach Sourdough. Die kommenden Meilen haben es in sich, viel Auf und Ab und einige recht kurvige und enge Passagen sind dabei, die wir aber trotz des langen Sitzschlittens, gut überstanden haben. Auf dem Gulkana River angekommen eine kurze Snackpause, in der auch alle bis auf Franky gierig Ihr Fleisch verschlungen haben. Oft gibt es auf diesem Stück viel Eis, aber durch den vielen Neuschnee war davon keine Spur. Ich konnte im Trail die Fußabdrücke vom vor mir fahrenden Zack Steer deutlich sehen und habe auch viel mitgearbeitet, endweder die Berge hochlaufen oder mit den Skistöcken helfen, so dass ich nach einigen Stunde klitschnass geschwitzt war, und das obwohl ich meinen Parka im Schlitten verstaut hatte.
Es dauerte nicht lange und mehrere Stirnlampen waren auf dem Trail zu sehen: da kamen William, Gerry, Matt Hayashida und Allen Moore, wir lagen noch alle recht dicht beieinander. Rudi kam ca. 1 Stunde später und hatte auch immer noch alle 12 Hunde im Gespann. In Sourdough gibt es für uns Musher keine geheizte Unterkunft, ich hatte mir einen extra Ballen Stroh hier hin geschickt und mir damit ein bequemes Bett gemacht. Bedingt bequem allerdings, denn es war immer noch am schneien und es hat mir laufend in den Schlafsack geschneit.
Sourdough: Gedanklich war ich auf "Racemode". Ich wollte nach 4,5 Stunden weiter fahren, aber nicht als erstes den Checkpunkt verlassen. Als Manja mich um 1 Uhr geweckt hatte, war meine erste Frage: "Zieht Allen Booties an?". Nein, war ihre Antwort, gut dann weck mich in einer Stunde wieder. 2 Uhr: Zieht jemand Booties an. Wieder nein. O.k., weck mich in einer Stunde. 3 Uhr: Zieht jetzt jemand Booties an. Gleiche Antwort, nein, plötzlich werde ich um 3:45 wieder wach und sehe, wie Zack neben mir seine Hunde wieder füttert. Nix wie aufstehen und los. Es ist immer unangenehm nach dem warmen Schlafsack in die kalten und verschwitzten, steifgefrorenen Klamotten zu kriechen, aber egal: Abfahrt. Vor dem schlafen gehen hatte ich den Hunden noch eine zweite Suppe gekocht, die sie auch alle wieder gut gefressen haben. Maggot`s Urin war beim Pinkeln dunkelgelb, ein Zeichen von Wassermangel, also habe ich mich entschieden ihn im Checkpunkt zu lassen. Mit fast 70 Pfund ist er ein großer Rüde, den ich unter keinen Umständen in den Schlitten laden wollte. Gerry kam kurz zum Gespräch rüber und hatte wieder von aufgeben geredet und dieses Mal schien seine Entscheidung endgültiger, sehr schade. Ich hatte noch versucht ihn aufzumuntern, denn ich nahm an, dass der Trail nun endlich mal besser werden würde, denn bisher war es einfach nur langsam und anstrengend. Kaum hatte ich alle Booties auf den Hunden, sah ich wie Allen Moore den Ckeckpunkt verließ, nix wie hinterher. Nach über 6h 30min-Pause kam die Bande nur langsam in Schwung. Wir waren kaum fünf Minuten unterwegs und meine Stirnlampe ging aus. Verflucht, ich hatte vergessen die Batterien zu wechseln. Es war 4.30h morgens und noch einige Stunden bis zum hell werden. Eine Ersatzlampe hatte ich nicht mit, sie wiegt 500 Gramm, zu schwer...- welch blödsinnige Entscheidung! Umdrehen und Batterien holen, neee, kam nicht in Frage. Also im Dunkeln weiterfahren und hoffen, dass die Lampe noch genug Saft hatte, um wenigstens an den Abzweigungen nach Trailmarkern zu suchen, was auch ganz gut ging.
Allerdings habe ich auch sofort gemerkt, dass ich mit Allen Moore nicht mithalten konnte, denn sein Licht verschwand schnell vor mir in den Bäumen. Der Trail war wieder voll mit Neuschnee und extrem langsam. Normalerweise brauche ich bis zum Ewan Lake ca. 2,5 Stunden, dieses Mal eine geschlagene Stunde mehr, das Ganze im Kopf hochgerechnet kam ich auf 8, statt 5h30min Laufzeit nach Wolverine - na, denn mal Prost! Kurz vor dem Crosswind Lake stand wieder Snacks verteilen auf dem Programm, das Racemix konnte die Huskies aber nicht so recht begeistern. Die schlechten und langsamen Bedingungen hatten aber auch ihr gutes, vor allem für Kirk vom Crosswind Lake, der immer auf uns Musher wartet, um uns eine warme Suppe und Wasser zu geben. Normalerweise kommen wir hier nachts durch, jetzt aber erst um 9 Uhr morgens, eine etwas angenehmere Zeit für ihn. Allen sei 30 Minuten vor mir gewesen. Das waren keine schönen Nachrichten, Suppe essen und dann ran an die Arbeit. Der hat mir 30 Minuten abgenommen, oh Gott, dann muss ich aufpassen, nicht von hinten aufgerollt zu werden. Für die nächsten 4 Stunden bis nach Wolverine bin ich konstant mitgelaufen oder habe im sitzen mit den Stöcken gestochert.
8h 29min hatten wir bis Wolverin gebraucht. Das war eine Rekordzeit, mein neuer langsamster Rekord. Immer wieder hat es zu schneien angefangen, der Trail auf dem Lake Louise war komplett eingeweht. Ich konnte Allen zwar auf den letzten 4 Stunden wieder 10 Minuten abnehmen, aber als ich über den Lake Louise in den Checkpunkt kam, sah ich wie er bereits wieder hinausfuhr. Da ich noch einmal 36 Minuten Zwangspause machen musste, um auf meine 12 Stunden Gesamtpause zu kommen, war mir klar, daß ich ihn nicht mehr einholen kann. Oder vielleicht doch? Ohne Stroh für die Hunde auszulegen, habe ich eine Mahlzeit für das Team vorbereitet. Gerry stand am Checkpunkt und hatte den Weg hier hin mit dem Truck gefunden, dort erfuhr ich, dass William auch aufgegeben hatte. Es war ein komisches Gefühl ihn nun als Zuschauer neben mir stehen zu haben statt als Mitbewerber. Alle Hunde hatten gut gefressen, damit stand meine Entscheidung fest, ohne große Pause weiterzufahren. Solange die Hunde gut fressen, ist alles in Ordnung. Im Nachhinein hätte ich Par hier droppen sollen, denn der hat auf den nächsten Stunden bis Tolsona nicht mehr viel gearbeitet. Das Team verließ den Checkpunkt etwas unwillig, ich musste die gute alte Tang in Lead machen, gemeinsam mit Skunk.
John Schandlemeier kam genau an, als ich losfuhr und nach meiner Kalkulation musste er noch mindestens eine Stunde vorgeschriebene Pause machen und damit hatte ich genug Abstand zu ihm, sicher war ich mir jedoch nicht, so habe ich mich bis zum Ziel auch immer wieder umgedreht.
Kaum waren wir aus dem Checkpunkt heraus, fing es wieder richtig zu schneinen an. Gerry hatte noch was von 6 bis 8 Inch Neuschnee gesagt, was ich einfach geflissentlich überhören wollte. Allens Spuren waren nur noch undeutlich zu erkennen, Trailmarker gab es auch nicht viele, die gibt es aus irgendwelchen Gründen auf diesem Stück nie. So habe ich Tang und Skunk in Lead gelassen, obwohl ich wusste, dass diese Kombination langsamer war als Inuk und Popcorn. Lieber langsam und stetig voran kommen, als mich jetzt noch richtig zu verfahren. Immer wieder habe ich Tang gesagt: Dieses wird Dein letztes CB300, und hey, Skunk, Du passt besser gut auf, damit Du Dich an diesen Trail nächstes Jahr erinnerst. Nene deWolfe, die Tierärztin, hatte nicht schlecht gestaunt, als ich Ihr in Wolverine gesagt hatte, daß Tang auf 10 Jahre zugeht. Ein außergewöhnlicher Hund. In diesem Rennen hat sie ganz klar bewiesen, dass sie das Zeug für Langdistanz Rennen noch hat und ich plane sie wieder im Quest einzusetzen. Einen guten Leithund zuviel kann man nie haben. Ich bin aber sehr zufrieden mit der Entwicklung von Inuk, Popcorn, Austin, Skunk, Finn und einigen anderen.
Der Lauf nach Tolsona sollte ewig dauern, statt der normalen 3,5 Stunden waren wir fast 5 Stunden unterwegs, der Schnee wurde immer tiefer. Es war 18.26h als wir in Tolsona im Schneetreiben durchfuhren, damit lief das Gespann seit 14 Stunden mit einer kurzen Pause in Wolverine. In Tolsona habe ich dann doch noch Par gedroppt und hatte jetzt 10 Hunde. Die letzten 20 Meilen zum Finish in Glenallen sollten zur echten Geduldsprobe werden. Jetzt war wirklich klar, dass ich Allen nicht mehr einhole. Trotz Musik im Ohr wollte die Zeit einfach nicht vorbeigehen. Bei einer kurzen Snackpause kurz nach Tolsona hatten alle Hunde gut gefressen, das Team wusste auch eindeutig, dass das Rennen jetzt auf das Ende zuging und hatte erstaunlich viel Elan. Aber der Neuschnee war so hoch, dass wir nur mit ca. 5 Meilen die Stunde unterwegs waren. Mitlaufen konnte man nicht, dazu war der Schnee zu tief, also half es alles nichts, sondern es ging nur im Sitzen mit den Skistöcken zu helfen. Zum Teil musste ich die Stirnlampe ausmachen, weil ich vor lauter Schneetreiben sonst gar nichts gesehen habe. Nach 3h15min kam ein kleines Schild am Baum, Brown Bear Lodge 2 Meilen, jipieh, dann sind es ins Ziel noch 5 Meilen. Bei der Brownbear Lodge angekommen, kamen die Hunde auf eine Skidoo-Spur und sind vor voller Begeisterung in den vollen Galopp gegangen. Unglaublich nach fast 18 Stunden Laufzeit. So waren wir um 22.23h mit 10 Hunden als zweite im Ziel und wirklich froh, endlich dort zu sein. Normalerweise bin ich im Copper Basin immer mittags angekommen.
Ich hatte eine schöne Begrüßung im Finish, viele der Rennorganisatoren waren da, wir haben Fotos gemacht, die haben mir beim Hunde ausschirren geholfen und vor allem beim Truck ausgraben, denn Stefan hatte den genau neben das Dach der Bücherei gestellt und er war dort vom vielen Neuschnee und einer Dachlawine erst mal halb verschüttet. Eigentlich wollte ich nach Paxson zurückfahren, aber dazu war ich zu müde und auch wollte ich sehen, wenn Rudi ins Ziel kommt. Das sollte ich jedoch verschlafen, ich hatte mir im Caribou Hotel ein Zimmer genommen, aber den Wecker nicht gehört und bin erst wieder aufgewacht als Rudi und Manja Morgens um 6 Uhr im Zimmer standen. Rudi hatte um 4.50h die Ziellinie als achter mit 10 Hunden überquert, eine beachtliche Leistung. Nur 11 von 26 Gespannen sollten dieses Rennen beenden. Das letzte Team, Terry Williams kam noch genau rechtzeitig an, um an einem wirklich schönen Abschlußbanquet, in der Brown Bear Lodge, teilzunehmen. Dort habe ich dann sogar noch den "Sportsmanship"-Award bekommen.
=> Endresultate Copper Basin 300, 2007
Es ging zurück nach Paxson und die Auspackerei ging wieder los. Es hat so viel geschneit, dass wir nicht bis zum Haus fahren konnten und da der Schneepflug nicht funktionierte, konnten wir auch kein Abhilfe schaffen. Nach viel Schlepperei waren alle Hunde wiede in Ihren Hütten, Tang auf dem Ehrenplatz auf der Couch. Rudi ist mittlerweile wieder nach Whitehorse zurück gefahren, allerdings mit dem kleinen Zwischenfall, dass sein Freund noch den vollbeladenen Hundetruck 10 Meilen nördlich von Paxson in den Graben gesetzt hatte.
Kein richtiger Schaden, keine Verletzungen und nach einem Nachmittag Schnee schaufeln, fluchen und mehr schaufeln, mussten wir letztendlich doch den Abschleppdienst holen, denn selbst mit meiner Winde am anderen Dogtruck bekamen wir Rudi´s Truck nicht mehr heraus. Manja meinte nur zur mir: "Wenn man mit Dir unterwegs ist, wird es nie langweilig". Ich hatte insgeheim gehofft, noch an das Klondike 300 zu fahren, welches dieses Wochenende stattfindet, aber mit dem bevorstehenden Questfood Drop um die Ecke, wurde die Zeit zu knapp. Rudi hat alle Extra-Hunde wieder mit nach Whitehorse genommen und ich habe jetzt noch genau meine beiden Renngespanne hier, die neben der Packerei auch immer noch im Training gehalten werden müssen. Schon mal als Vorwarnung: Meine Berichterstattung wird jetzt etwas spärlicher werden, denn jetzt geht es in die Hochphase der Vorbereitungen. Ich hoffe Ihr werdet das Quest und Iditarod im Internet verfolgen, Andi macht bestimmt wieder tolle Updates auf dieser Seite... Happy Trails. Sebastian und Team
Sab
