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Knik 200 Rennbericht

Wir sind wieder wohlbehalten in Paxson angekommen, das Knik 200 war ein schönes Wochenende. Wir sind am Donnerstag vor dem Rennen zum Knik gefahren; obwohl wir schon relativ nah dran wohnen sind es immer noch 5 Stunden Fahrzeit. Zuallererst mussten wir in Wasilla den Food Drop abgeben, damit das Futter nach Skwentna geflogen werden kann, je ein Sack pro Team.

Vor der Abfahrt lief es jedoch nicht so planmäßig. Zum Einen haben wir noch einen last-minute Camping Run eingeschoben, der von Dienstag auf Mittwochnacht dauerte. Laird und Manja wollten unbedingt noch einmal mit den Hunden draußen campen üben, Lust hatte ich selbst keine, aber Rudi war auch nicht abgeneigt, also sind wir abends um 20 Uhr mit vier Gespannen à 12 Hunden los gezogen. Der Lauf selbst im Vollmond war wunderschön, auf einem kleinen namenlosen See haben wir dann gecampt. Aber nicht campen wie die meisten von Euch sich das vorstellen. Kein Zelt, kein Feuer.... sondern es geht nur darum, dass "draußen" schlafen mit den Hunden zu üben und das Versorgen der Hunde so effizient wie möglich zu machen, um wenigstens etwas Schlaf zu bekommen. Im Rennen ist das ganz entscheidend, denn wenn man nur sechs Stunden Pause hat, bleibt neben dem Versorgen der Hunde nicht unbedingt viel Zeit zum Schlafen. Je mehr man als Musher einen routinierten Ablauf hat, desto schneller geht das Ganze. Geschlafen wird auf einer Isomatte bei minus 40° im Schlafsack unter freiem Sternenhimmel. Morgens gegen 10 Uhr waren wir dann wieder zurück am Haus.

Rich hätte uns allerdings mit dem Motorschlitten entgegen kommen sollen, um den Trail auf dem Paxson Lake vor zu spuren. Von ihm war allerdings keine Spur, dafür stand mein Motorschlitten mitten auf dem See, kein gutes Zeichen. Nicht nur wir hatten uns die Nacht um die Ohren geschlagen, sondern auch Rich, der wieder nach Hause laufen musste. Wahrscheinlich hat er anstatt Mischbenzin nur Normalbenzin in den Motorschlitten gefüllt, denn die nachträgliche Diagnose war ein Kolbenfresser. Damit habe ich meinen Morgen, anstatt mit Rennvorbereitungen, damit verbracht das Skidoo wieder vom See nach Hause zu bekommen. Als nächstes musste die Einfahrt freigeschoben werden, denn es hatte in den letzten Tagen viel geschneit und geweht. Der Schneepflug ist allerdings ein unzuverlässiger Uralt-Truck, der mich den ganzen Nachmittag hat fluchen lassen. Mit Ach und Krach habe ich eine Spur zum Highway und zurück geschafft, und war froh, dass mir die Kiste nicht mitten auf der Einfahrt stehen geblieben ist.

Das Problem war nur, dass wir nicht nur den Hundetransporter zum Highway bekommen mussten, sondern auch meinen riesigen Hänger, um den Motorschlitten zur Werkstatt zu bringen und auch das Team zum Knik zu transportieren. Da mir schon klar war, dass das nicht ohne Probleme ablaufen würde, ist Rudi mit seinem Truck und den Fooddrops vor gefahren, damit die es wenigstens rechtzeitig zum Abflug schaffen. Die freigepflügte Schneise war einfach nicht breit genug für meinen Truck und Hänger und nach wieder viel fluchen und buddeln, waren wir dann doch endlich auf dem Richardson Highway. Der Hänger bleibt ab jetzt vor der Einfahrt.

In Knik haben wir bei Gene und Lynn Smith gewohnt. Gene leiht sich im Winter immer Hunde von Ryan Redington und fährt selbst Rennen. Er macht allerdings diesen Winter eine ungewollte Pause und damit ist sein gesamter Dogyard frei. So können die Hunde vor dem Rennen schön in Hundehütten, anstatt im Truck, sitzen. Bei zwei Fuß Neuschnee, hieß dieses allerdings erst Hundehäuser auszugraben, was Rudi und Gene jedoch schon vor unserer Ankunft gemacht hatten, so kamen wir doch alle fleißig zum Schnee schaufeln an diesem Tag, Hänger und Hundehütten. Der Iditarod- ,und damit auch Knik 200-Trail, geht ca. 500 Meter am Haus vorbei. Den Freitag haben wir mit Einkäufen und Packen verbracht, am Abend war dann das Musher Meeting, zu dem sich 36 Musher versammelt hatten. Bei der Startnummerverlosung, hatte ich tatsächlich einmal Glück und die Nummer 8 erwischt, Rudi Nummer 33 und Laird in seinem ersten Rennen die Nummer 5. Die Hütte von Gene hat einen Ölofen, der leider jedoch nicht funktioniert hat, so haben wir schon in dieser Nacht das Camping geübt. Gerry und sein Handler kamen auch noch.

Mit drei Teams zu einem Rennen zu fahren, ist ein recht großer Aufwand, so mussten wir früh am Samstag morgen aufstehen, um alles fertig zu bekommen. Der Start war nur ca. zwei Kilometer entfernt auf dem Knik Lake. Leider war der freigepflügte Startplatz viel zu klein für meine Truck-Hänger-Kombination, wir kamen zwar rein, aber nicht an unseren Startplatz, von Umdrehen ganz zu schweigen. Egal, Auto aus, Hunde raus, und nach dem Rennen mit dem Problem befassen. Das Anschirren verlief problemlos, Laird fuhr 6 Minuten vor mir los, so konnte ich dort noch nach dem Rechten schauen. Rudi war mit seiner Nummer 33 weit von uns weg und wir haben uns nicht mehr vor dem Start gesehen. Der Start eines Rennens ist immer spannend und sehr Adrenaling eladen. Meine Hunde waren nicht so ruhig wie sonst und voller Energie. Kurz nach dem Knik Lake führt der Trail einen Hügel hinauf und da ich selbst dort noch auf der Bremse stehen musste, wurde mir schnell bewusst, dass ich ein "heißes" Team fahre. Das ist zwar ein tolles Gefühl, aber auch gefährlich, dass die Bande nicht zu schnell läuft und ihr dann hinterher im Rennen die Luft ausgeht. Innerhalb von kurzer Zeit hatte ich alle 7 Teams vor mir überholt und war damit in Führung. Ryan Redington hatte sich an meine Fersen gesetzt und wir sind mehrere Stunden gemeinsam gelaufen. Der Iditarod-Trail geht vom Knik Richtung Nordwesten über den Flat Horn Lake zum Susitna River, dann weiter auf den Yentna River und schlussendlich auf den Skwentna River, der Checkpunkt ist ca. 88 Meilen entfernt. Auf einem Sumpf wollte ein Flugzeug vor uns laden, wahrscheinlich mit einem Fotografen an Board, aber die Landung verlief nicht planmäßig und die Maschine fuhr fast in Ryan und mich hinein. Nicht nur ich hatte einen Schreck bekommen, sondern auch meine Hunde, und die liefen erst einmal gar nicht mehr und ich musste einige Male Leithunde wechseln. Losgefahren war ich mit Skunk und Austin, dann Skunk mit Inuk getauscht, und einige Minuten später dann Austin durch Popcorn ersetzt und ab ging die Post. Popcorn schien unbeeindruckt von der Tatsache, dass vor uns niemand war und von Ryan war hinter mir nichts mehr zu sehen. Ich war mir allerdings sicher, dass Jeff King mit seiner Startnummer 32 mich irgendwann überholen würde. Dazu kam es jedoch nie und nach einem wunderschönen Lauf bin ich um 19:48h in Yentna angekommen, nach 8 Stunden und 32 Minuten Laufzeit für 88 Meilen, ziemlich genau ein Schnitt von 10 Meilen die Stunde. Es hat nicht lange gedauert und schon kamen Jeff King, Melanie Gould, John Little und Ryan und Ray Redigton. Wir lagen auf dem 3. Platz und ich war sehr zufrieden damit. Alle Hunde haben gut gefressen. Finn lief jedoch "nicht rund" auf dem Hinweg, ich konnte aber nichts finden und habe ihn vorsichtshalber doch am Checkpunkt gelassen, um mit 11 Hunden wieder die Rückfahrt an zu treten.

In Skwentna gab es einen guten Schweinebraten für uns, sogar mit Nachtisch und richtige Betten zum Schlafen, ein echter Luxus im Rennen. Um 2 Uhr 44 bin ich wieder auf den Trail, obwohl ich mir sicher war, dass der Checker sich in der Zeit verrechnet hatte und ich eigentlich um 2:38 hätte losfahren dürfen, was sich hinterher auch als richtig herausgestellt hat. Nur, um 2 Uhr morgens war mit dem darüber nicht zu diskutieren. Jeff King ging 32 Minuten vor uns auf den Trail, und John Little mit 8 Minuten Vorsprung. Mir dicht auf den Fersen war jedoch Melanie Gould, die nur 10 Minuten Rückstand hatte, so sollte es nicht langweilig werden. Es hatte leicht geschneit und der Trail wurde hart von den vielen Teams, die nach Yentna kamen. Rudi hatte auch ein gutes Rennen und war nur ca. 30 Minuten hinter mir, Laird war am Checkpunkt, ich konnte ihn aber nicht finden.

Die Hunde hatten wieder "viel Feuer" und wir sind förmlich aus dem Checkpoint geflogen und ich musste wieder auf der Bremse stehen, um nicht zu schnell zu laufen. Auf dem Fluß kamen mir mehrere Gespanne entgegen, die noch auf dem Hinweg nach Yentna waren und damit schon 6 bis 8 Stunden zurück lagen. Der neue Sitzschlitten ist ideal für Rennetappen auf dem Fluss. Gute Musik im MP3 Player, ohne Stirnlampe sind wir unter Mondschein wieder gen Knik gefahren. Nachdem sich die Hunde dann etwas beruhigt hatten, habe ich die Skistöcke heraus geholt und mit geholfen, was im Sitzen besonders gut geht. Ich hatte keine große Hoffnung weder Jeff noch Jon einzuholen, was sich nachträglich allerdings als sehr falsch heraus gestellt hat. Nach dem Zieleinlauf kam Jon Little zu mir und hat gemeint: "Hast Du gewusst, dass Du bei Yentna Station nur ca. eineinhalb Minuten hinter mir warst?". Leider nicht... war meine Antwort, denn dann hätte ich mich mehr angestrengt. Wir fahren zumeist alle ohne Stirnlampe, um unsere Position den anderen Mushern gegenüber nicht preiszugeben. Da ich mich letztes Jahr jedoch mehrfach auf diesem Rennen verfahren hatte, habe ich ab und zu immer wieder die Lampe angemacht, um zu schauen, ob ich noch den richtigen Trailmarkierungen nachfahre, dadurch konnte Jon jedoch genau sehen, wo ich war. Die Hunde liefen gut und stetig, in einer kurzen Futterpause nach 4 Stunden haben auch alle gefressen. Über den Flathorn Lake bin ich auch ohne Stirnlampe gefahren, nur als ich das Licht kurz zur Kontrolle angeschaltet hatte, konnte ich meinen Augen nicht trauen, vor mir waren keine Schlittenspuren, lediglich eine Motorschlittenspur. Schneeanker rein, nach vorne gelaufen und Bestandsaufnahme. Tatsächlich, ich war vom Trail weg. Außer umzudrehen gibt es keine andere Möglichkeit und nach ca. 5 Minuten kam ich zu einer Stelle, wo vor mir auch 2 Gespanne gewendet hatten, Jon und Jeff. Der Flathorn Lake hat einige Seitenarme und wir waren in eine falsche Bucht gefahren. Zum Glück hatte mich Melanie nicht gleich bei dieser Aktion eingeholt. Die verbleibenden 3 Stunden gehen wieder stetig auf und ab. Ich habe mich immer wieder umgedreht, um zu sehen, ob Melanie mir auf der Spur war, aber kein Gespann in Sicht. Plötzlich bei Meile 3 drehen sich meine Hunde um, ich dann auch, nur um ca. 300 Meter hinter mir ein Gespann zu sehen. "Net möglich", dachte ich mir, aber egal, Jacke ausziehen, Skistöcke raus und noch mal an die Arbeit. Eingeholt hat Melanie mich dann doch nicht mehr, aber mir einen guten Schrecken eingejagt und so blieb es beim Finish als 3ter. Mehr Pech hatte Jon Little, dem es gelungen war Jeff King einzuholen, sogar zu überholen, nur um sich dann 3 Meilen vor dem Finish zu verfahren, so dass Jeff dann doch Erster wurde. Recht kurz nach mir kam Rudi als 6ter ins Ziel: eine super Leistung. Laird kam dann einige Stunden später und hat sein erstes Rennen als 18ter beendet.
Hier die gesamten Ergebnisse vom Knik 200:

Hier die 3 Teams:

Sebastian: Inuk, Popcorn, Austin, Skunk, Maggot, Nemo, Ibex, Diesel, Finn, Roadstreak, Saffron, Callie.

Laird: Marmot, Spook, Herring, Battier, Bananas, Orion, Buckley, Susie, Emerie, Ricky, Bertha, Free

Rudi: Salty, Spike, Stach, GeorgeDenali, Storm, Chester, Polar, Onyx, Stevie, Abby, Molly

Während ich diese Zeilen schreibe, sind wir schon wieder beim packen, denn am Wochenende starten wir am Copper Basin 300.
Auf unserer Homepage werdet Ihr immer topaktuell über den Stand der Bluekennels-Teams informiert.

Cheers

Sab

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