Vorbereitungen für den Winter 2006-07
Nach langer Funkstille kommt mal wieder ein Lebenszeichen aus dem Yukon. Sorry, dass ich nicht eher in die Tasten gehauen habe. Den Sommer über, war ich mit allen Hunden in Skagway/Alaska, die Saison ging bis Ende September, dann kamen alle Hunde wieder zurück in den Kennel in Whitehorse. 120 Hunde umzuziehen, und das mehrmals pro Jahr ist zwar langsam zur Routine geworden, doch braucht es immer einige Tage bis sich im Camp wieder alles eingespielt hat. Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, steht der nächste Umzug bevor.
Wir werden wieder zum Training nach Paxson in Alaska gehen. Die meisten Rennen sind eh dort in der Nähe: Sheep Mountain 150, Knik 200, Copper Basin 300 sind alle in der Gegend. Zu jedem Rennen von Whitehorse aus zu fahren, wäre wahrscheinlich anstrengender und auf jeden Fall teuerer als uns in Paxson eine Hütte zu mieten.
Diesen Winter sind wir nicht wieder bei John und Zoya Schandelmeier, sondern 8 Meilen entfernt bei Audie, www.denalihwy.com. Die Lage bei John am Paxson See ist zwar super, jedoch die Hütte etwas zu klein und ohne Strom, fließend Wasser und vor allem ohne E-Mail doch recht abgelegen. Bei Audie haben wir diesen ganzen "Luxus", aber wie immer im Leben gibt es eine Kehrseite der Medallie, denn bei John war der Hundeyard schon dort, hier müssen wir den erst noch bauen. Ca. 70 blaue Fässer für Hundehäuser sind schon dort, die habe ich dort im September auf einem Kurztrip (2.000 km) hingefahren. Jetzt am kommenden Wochenende ist das Mushing Symposium in Fairbanks, dort werden wir auf dem Hin- und Rückweg in Paxson anhalten und den Yard bauen.
Anfang November zügeln wir dann mit allen Hunden nach Paxson. Stichwort Hunde: Wir trainieren im Moment vier Gespanne mit je 18 Hunden vor den 4-Wheeler. In meinem Haupt-Renngespann sind nur noch drei Hunde aus meinem bisherigen Team. Die gute alte Tang trainiert mir gerade neue Leithunde. Dann sind die 2jährigen Finn und Rat, die beide im Iditarod mit dabei waren, im Gespann und alle anderen sind neue Hunde. Bisher war ich es immer gewohnt, dass mein Team beim Anschieren ruhig steht; dass mir Leinen weg gefressen wurden, kenne ich schon seit Jahren nicht mehr. Mit dieser Bande ist das nicht mehr der Fall, die Leinen werden schneller zerschreddert als ich sie ersetzen kann, es herrscht ohrenbetäubendes Gekläffe beim Anschieren. Von den Touren her, war mein altes Gespann daran gewöhnt oft lange zu warten, diese Hunde hier kennen das nicht und es zählt nur eines: Laufen und das am besten sofort. Das Gespann macht zwar riesen Spaß zu fahren, ist jedoch deutlich anstrengender als zuvor. Zum Anhalten habe ich mir zwei dicke Gummiblöcke gekauft, die man sonst unter LKW-Reifen legt. Wenn ich die nicht vor das ATV lege, laufen die mir mit dem ATV davon, das musste ich letzte Woche schmerzlich erfahren als mein gesamtes Gespann mit dem ATV davon gelaufen ist. Das Ganze hätte sehr schlecht ausgehen können, zum Glück ist das ATV jedoch an einer steilen Stelle umgekippt und ich konnte die Hunde einholen, nichts passiert, aber ein deutliches Warnzeichen.
Wenn wir nicht gerade Hunde trainieren, schneiden wir Feuerholz, sortieren Food-Drop-Material, schon jetzt, vier Monate vor dem Quest dreht sich der tägliche Ablauf eigentlich nur noch um die Rennen. Ich habe diesen Winter wieder ein sehr gutes Dog-Handler-Team: Hauke mit seiner Freundin Martha, Rich (der schon mit den Hunden in Skagway gearbeitet hat) und Laird, der neu im Team ist. Wir trainieren im Moment pro Gespann jeden zweiten Tag, ca. 15 Meilen, manchmal auch nur 10 Meilen, je nach Temperatur. Rich, der die jungen Hunde im Iditarod fahren wird, trainiert die Puppys etwas häufiger. Auf dem Rennplan stehen Mitte Dezember Sheep Mountain 150, danach Anfang Januar Knik 200 und Copper Basin 300. Obwohl ich danach immer gerne noch ein Rennen wie Kuskokwim 300 oder Tustumena 200, or dem Quest einschieben würde, vermute ich, dass die Zeit dazu nicht langt und wir mit den Food-Drops beschäftigt sind. Im Februar dann endlich Yukon Quest und im März der Iditarod... Ihr könnt Euch wieder darauf freuen, gespannt die Rennupdates zu verfolgen.
Sab
