Der Trip über Eagle Summit
von Roland WaldispühlRoland fuhr das Quest 300 und belegte den zweiten Platz.
Ich wusste dass es auf dem Summit ziemlich stürmen kann aber im 101 war es um 11 Uhr abends eigentlich nur ein kräftiger Wind mit starkem Schneefall, also hab ich es riskiert.Die Hauptschwierigkeit war eigentlich die Sicht wegen des starken Schneefalls der das Licht der Stirnlampe reflektiert hat. Teilweise konnte man den nächsten Trailmarker nur geradeso sehen und bei etlichen musste man aufs geratewohl weiterfahren bis man wieder einen fand.
Schlimm wurde es erst beim letzten steilen Stück, da war dann richtig Sturm. Der kam von links und so stark dass ich den Kopf abwenden musste, wie ein Musher richtig gesagt hat wie Sandstrahlen.
Sichtweite war 5-10 Meter, keine Chance die nächste Markierung zu sehen. Die Hunde sind dann automatisch nach rechts abgedriftet.
Die Frage wurde gestellt warum denn keiner umgedreht ist. Ganz einfach, dann hätte man mitten in den Wind gemusst was praktisch unmöglich war.
Innert Sekunden hat man seine eigenen Spuren nicht mehr gesehen und ich habe komplett die Orientierung verloren. Da ich nicht so blöd bin blind in einem Sturm auf einem Berg rumzuirren, habe ich mich entschlossen an Ort und Stelle zu bleiben und auf Tageslicht zu warten.
An einer etwas flacheren Stelle habe ich dann meinen Schlitten mit drei Schneehaken quer zum Wind verankert und mein ganzes Team hinter den Schlitten gezogen und alle tuglines abgemacht. Der Sturm war so stark, dass ich nicht aufrecht stehen konnte ohne dass es mich hingehauen hat.
Die nächsten 2 Stunden habe ich mit der Axt Schneeblöcke aus dem hartgepressten Firn gehauen und zusätzlich eine halbkreisförmige Mauer gebaut. Dahinter hab ich mich dann im Schlafsack hingelegt und innert kürzerster Zeit waren mein Team und ich von Schneedrifts zugedeckt.
Nach insgesamt 8 Stunden da oben wurde es etwas heller und die Sichtweite stieg auf etwa 30 Meter. Ich wollte auf dem schnellsten Weg aus diesem Sturm und vom Berg bis unter die Baumgrenze. Da es extrem steil bergab ging habe ich meinen Schlitten auf die Seite gelegt und stückweise mit dem Team daneben nach unten gezogen. Nach viel Schweiss und einem Ritt auf einer kleinen Lawine (kein angenehmes Gefühl...) war ich dann unten in einem Tal. Wo? Keine Ahnung, ich wollte eigentlich nur noch zurück zum 101 um aufzugeben.In zum Teil hüfttiefen Schnee kamen auch zum ersten mal in einem Rennen meine Schneeschuhe zum Einsatz.
Nach etwa einer Stunde traf ich auf ein Skidoo der gerade im Schnee festsass und auf meine Frage ob das der Trail nach 101 ist schaute er mich komisch an und sagte mir, dass er von Central herkommt und auf der Suche nach einem verlorengegangenem Team sei.
Irgendwie bin ich also im dunkeln über den Summit und auf der richtigen Seite, aber bestimmt nicht auf dem richtigen Trail runtergekommen. Aber so war ich zurück im Rennen und konnte etwa eine halbe Stunde auf seiner Spur weiterfahren bis sie dann wieder zugeweht war. Nach extrem viel Overflow auf dem Creek und weiterem Trailbraken durch Schneewehen bin ich um 1 Uhr nachmittags in Central eingetroffen wo ich erst erfuhr dass immer noch 6 Musher vermisst sind, die stundenlang vor mir aus 101 weggefahren sind. Da habe ich dann auch die ganze Rettungsaktion mitgekriegt, zum teil im Fernsehen. Das Wetter besserte schnell an diesem Nachmittag und am Abend gab es sogar erste Sonnenstrahlen.
Von Central nach Circle hatte ich dann einen hervorragenden trail. Da sieht man wie schnell sich die Trailverhältnisse ändern können wenn man die Berichte der Questmusher liest, die sich in der Nacht zuvor da mühsahm durchwühlen mussten.
Abschliessend sage ich nur, wie unglaublich die Leistung dieser Hunde in solchen Situationen ist nach solchen Strapazen das Rennen weiterzulaufen als ob nichts gewesen wäre.
Danke meinen Leithunden Eagle, Circle, Spook und Mickey ohne euch wäre ich da nie durchgekommen...
Roland
Mark
