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Iditarod 2006 - Teil 1: Anchorage - Rohn

Nun sind schon wieder 3 Wochen vergangen, seitdem ich in Nome unter dem Burled Arch das Iditarod 2006 beendet habe. Hier im Yukon schmilzt gerade der letzte Schnee und mit dem Mushing ist es jetzt wirklich vorbei, die Schlitten haben wir vorgestern endgültig für den Sommer eingemottet, es ist der 9 April.

Ich weiß, daß Ihr alle auf den Rennbericht gespannt seid, so kamen doch einige e-mails mit der Frage, wann ich denn nun endlich den Bericht schreibe. Die große Neuigkeit ist, daß ich nicht mehr 50 km nach Whitehorse fahren muß, um eine e-mail zu schreiben. Seit einer Woche ist meine kleine Blockhütte mit der Außenwelt verbunden, nicht nur per Telefon sondern sogar auch noch High Speed Internet. Da habe ich Jahre lang drauf gewartet, zwischen drin alle möglichen Varianten ausprobiert, von Satelliten Telefon, über Radiotelefon über Satellitenschüssel, aber alles hat nur unregelmäßig oder schlecht funktioniert, und ich mußte doch immer wieder in mein Büro fahren. Das spart mir nicht nur eine Menge Geld und Benzin, sondern auch viel Zeit, so waren doch täglich 1.5 Stunden weg, mit hin und her Fahren nach Whitehorse. Ich bin noch am überlegen, was ich mit der gewonnen Zeit machen soll. Eine innere Stimme sagt, ich sollte mich damit körperlich fit machen und joggen gehen, diese Stimme habe ich bisher erfolgreich ignoriert. Die andere Stimme sagt ich soll die extra Zeit mit den Hunden verbringen. Genau das mache ich, und lasse die Bande morgens, wenn noch nicht alles matschig ist, frei herum rennen. Jetzt wo ich meinen ganzen Kram vom Büro in die Hütte gezogen habe, sitze ich mit Blick auf die schneebedeckten Arkell Mountains und habe keine Ausrede mehr. Tang und einige andere Monster liegen hinter mir auf der Couch und finden es auch viel besser, daß ich jetzt den ganzen Tag hier bin.

Mit meinen Gedanken hänge ich noch immer oft in Nome und auf dem Trail. Viel zu oft. Ich rufe die Wetterseiten im Internet auf und werde neidisch, wenn ich dort lese, daß in Nome gerade eine Winter Sturm Warnung ist. Da frage ich mich auch immer häufiger, warum ich eigentlich hier so weit im Süden wohne, Süden bei nördlichen Standards. Lance Mackey hat gerade das Kubuk 440 gewonnen und ich wünschte ich hätte auch in Kotzebue sein können. Aber nach dem Iditarod hieß es Hunde einpacken und wieder nach Hause fahren, zurück zum normalen Leben. Genau mit dem normal habe ich ja schon immer so meine Probleme gehabt. Alles in allem kann ich mich aber in keiner Weise beklagen, ich bin ca. 5000 Meilen (8000 km) mit den Hunden diesen Winter gefahren. Die Saison hatte viel Auf und Abs und doch so einige Hürden die es zu überwinden gab, aber genau das ist ja der Reiz bei der Sache.

Die Zeit zwischen dem Yukon Quest und dem Iditarod ist einfach zu knapp mit nur einer Woche. Dieses Jahr wurde das noch verschlimmert mit der Tatsache, daß wir erst noch von Dawson nach Whitehorse fahren mußten. Bis wir wieder hier waren war es spät Freitagnacht. Pierre ist die meiste Zeit gefahren während ich auf dem Beifahrersitz endlich etwas Schlaf nachgeholt habe. Der Samstag ging mit Truck auspacken, sauber machen und Ausrüstung sortieren drauf. Abends war dann das Yukon Quest Banquet. Sonntag hieß es dann wieder den ganzen Truck mit Iditarod Zeugs einzuladen. Auch wollte ich eigentlich die Hunde einmal zu einem kurzen Lauf anspannen, leider habe ich das dann aber doch nicht gemacht, etwas was ich später sehr bereuen sollte.

Ich hatte die Hunde von Lance Mackey hier im Yard, damit die nicht tagelang in einer engen Hundebox sitzen müssen, denn auch Lance wollte einige von seinen Questhunden wieder zum Iditarod mitnehmen. Nicht nur daß es besser war für die Hunde an einem Stake out zu sitzen, in der Nacht vor dem Banquet hat doch tatsächlich jemand versucht den Hundehänger von Lance´s Truck zu stehlen, ihn dann aber mitten im Parkplatz zurück gelassen, wahrscheinlich weil die Hunde nicht drin waren.

Eigentlich wollten wir auch schon Sonntag starten, aber wie immer hatte ich Autoprobleme, und deshalb haben wir die Abfahrt um einen Tag verschoben. Mit den Werkstätten ist das hier im Yukon eh so eine Sache. Ich hatte gerade meinen einen Truck, der noch nicht mal 50.000 km auf der Uhr hat wieder von der Werkstatt geholt. Kaum zuhause abgestellt, hat der am nächsten Morgen wieder die gleichen Elektrik Probleme gehabt wie vorher. Da ich nun nicht gerade um die Ecke wohne ist das besonders ärgerlich. Mein Dogtruck hat nun schon seit längerem Getriebe Probleme, aber mir bleib nicht viel anderes übrig, als zu hoffen, daß er es noch einmal bis Anchorage durchhält. Truck Probleme sind beim Mushing die Norm. Lance und ich haben uns noch in Haines Junction getroffen. Als wir dann spät abends am Montag in Tok ankamen, war von ihm keine Spur. Wie sich später herausstellte, ist er in Beaver Creek mit einem kaputten Kühler liegen geblieben. Wir haben die Nacht bei Roy und Sandra in Tok verbracht. Meinen Hänger hatte ich hier nach dem Quest Start zurück gelassen und voll mit Hundefutter, denn das kann man im Moment nicht so ohne weiteres über die Grenze bringen. Die Amerikaner haben Angst vor kanadischem Beef, die Kanadier haben Angst vor amerikanischem Chicken und lassen daher aus Panik überhaupt kein Hundefutter über die Grenze.

Am Dienstagmorgen ging es recht früh weiter, denn die Reisegeschwindigkeit lag bei ca. 70 km/h, der Truck hatte nur noch 3 Gänge und nur gelegentlich einen Rückwärtsgang. Als wir Wasilla ankamen, war dort so gut wie kein Schnee und damit auch klar, daß der offizielle Start wieder in Willow sein wird. Der Mittwoch ging mehr oder weniger drauf mit dem Vet Check und dem EKG für die Hunde, aber auch hier hätte ich die Zeit besser nutzen sollten und das Team einmal kurz zu fahren.

Der Donnerstag ist komplett weg mit einem ganztägigen Musher Meeting, auf dem wir auch unseren Iditarider kennen lernen. Bei dem zeremoniellen Start haben wir einen zahlenden Passagier im Schlitten, der diese Tour auf dem Internet ersteigert hat. Alleine damit macht das Iditarod mehr Geld als das Quest insgesamt an Preisgeld hat. Dafür nehme ich gerne jemanden im Schlitten mit. Donnerstagabend war auch das Musher Banquet. Das Banquet ist riesengroß. Neu war dieses Jahr, dass wir unsere Startnummern nicht aus einem Hut ziehen und damit dem Zufall überlassen, sondern daß wir unsere Startnummern wählen konnten. Diese Wahl erfolgte in der Reihenfolge, in der wir uns zum Rennen angemeldet haben. Dabei hatten die Musher Präferenz, die sich persönlich am ersten Anmeldetag, ich glaube dem 26 Juni, in Wasilla angemeldet haben. Ich hatte mich postalisch angemeldet und konnte als 40. meine Nummer auswählen und die Nummer 34 war noch frei. Es ist das 34. Iditarod, letztes Jahr hatte ich die doppelte Nummer, 68.

In Willow haben wir bei Candy übernachtet, einer Bekannten vom letzten Jahr. In Anchorage hatten wir eine neue Gastfamilie, die Fosters, die auch selbst Schlittenhunde haben. Es ist gut in beiden Orten, die doch 160 km auseinander liegen, jeweils eine Unterkunft zu haben, denn sonst ist das ganze eine recht lange Fahrerei. Während des Iditarods sind meine Reserve Hunde und alle gedroppten Hunde im Hundeyard von Rick Casillo untergebracht und mein Handler holt seine und meine Hunde vom Gefängnis ab. Warum Gefängnis? Alle Hunde, die während des Rennens gedropped werden, werden per Flugzeug nach Anchorage transportiert und von dort nach Eagle River ins Gefängnis gebracht, wo sie von den Insassen versorgt werden. Das Ganze ist super durch organisiert. Volker und Pierre sind auch mit Volkers Auto nachgekommen und beim Banquet und Start mit dabei zu sein.

Alles Organisatorische war damit abgehakt, nur konnte ich mich nicht entscheiden welche Hunde ich zum Rennen mitnehmen sollte. Letztendlich habe ich mir für 12 von meinen Quest Hunden entschieden. Tang, Marmot, Gas, Diesel, Libby, Jack, Suhmo, Wondar, Franky, Herring, Rat und Coon. Von diesen 12 haben 10 das Quest gefinished, nur Chevy den 11. Finisher habe ich zuhause gelassen. Das war eine etwas schwierige Entscheidung, so ist er doch einer meiner Hauptleithunde, doch leider auch sehr alt.

Zu den 12 kamen dann noch Spook hinzu, Spook ist Tangs Bruder. Neuro, der letztes Jahr mit mir Iditarod gefahren war. Finn ein recht scheuer Yearling. Polar eine kleine weiße Hündin die ursprünglich einmal von Catherine Pinard war. Damit war die 16'er Bande komplett.

Der zeremonielle Start am Samstag ist ein riesiges Erlebnis. Klar in gewisser Weise schon etwas wie Disney Land. Manche meiner Quest Kollegen sagen, daß sie wegen diesem Zirkus nie das Iditarod fahren werden. Die haben keine Ahnung was sie hier verpassen. Ich finde es super, daß dort so viel Tausende Menschen kommen, die sich nicht nur für unseren Sport interessieren, sondern ihn oft auch finanziell unterstützen. Ganz klar, ohne Menschenmengen und Publizität gibt es auch keine Sponsoren. Viele dieser Zuschauer zeigen aber ganz einfach nur Interesse und auch das ist schon schön. Der Schaustart in Anchorage ist 11 Meilen lang und mehr oder weniger die gesamte Strecke ist gesäumt von Zuschauern, die uns mit Keksen, Cola, Hot Dogs und sogar Bier versorgen. Wäre nicht schlecht wenn das für das gesamte Rennen so bliebe. Für die Kinder, die immer nach Booties schreien, hatte ich mir eine Tüte alte Booties aufgehoben, nur um die dann doch am Start zu vergessen. Auf dem Lauf habe ich mehrfach angehalten um Fotos zu machen. Leider habe ich auch feststellen müssen, daß meine Hunde nicht gut laufen und sehr steif wirkten, daß hat mich doch etwas beunruhigt.

Die letzte Nacht vor dem echten Start haben wir wieder bei Candy verbracht. Ich bin in der Vorbereitungsphase noch eigenbrödlicher als sonst eh schon und habe die meiste Zeit mit Packen verbracht, sowie bei den Hunden. Candy hat last minute meinen Schlafsack genäht, den ich in Scoggy Creek während des Quest angekokelt hatte.

Am nächsten Morgen war es endlich soweit, auf zum Start nach Willow, von Candy aus ist das nur eine kurze Fahrt, und das war auch gut so, denn das Getriebe am Truck war so gut wie hin. Ich war froh als wir an unserem Startplatz ankamen, von nun an war es Pierre`s Problem wie er mit dem Truck noch in die Werkstatt nach Anchorage kommt, was aber alles reibungslos klappen sollte, nach meiner Rückkehr war ich um einige Dollar ärmer aber das Getriebe im Truck von Grund auf erneuert. Der Start fand auf dem Willow Lake statt und war viel besser organisiert als letztes Jahr.

Zwischen dem Yukon Quest und dem Iditarod hatte ich echte Schlafprobleme. Jede Nacht bin ich nach einigen Stunden aufgewacht, meist hochgeschreckt, weil ich glaubte verschlafen zu haben und konnte dann nicht mehr einschlafen. Während der Rennen schlafen wir 2-mal pro Tag, jeweils nur kurz und diesen Rhythmus hatte ich auch zwischen den Rennen beibehalten, einen Mittagsschlaf und nachts von ca. 2 bis 6 Uhr. So hatte ich mich auch hier kurz vor dem Start zu einem kurzen "Power Nap" vorne in den Truck gelegt. Leider wurde dieser von Hugh Neff unterbrochen, der mußte sich noch last minute einen Hundefutterkocher leihen. Danach konnte ich dann doch vor Aufregung nicht mehr einschlafen. Es waren über 80 Teams auf dem Startgelände, da habe ich die Zeit genutzt mir die Schlitten und Ausrüstung von anderen Mushern anzusehen. Das ganze ist schon recht imposant hier: 84 Teams, die jeweils in 2 Minute Abstand starten. Das ist eine fast 3 Stunden lange Schlange von Teams, bestimmt sehr interessant das von der Luft aus zu sehen.

Es war Zeit die Hunde anzuschirren, meine offizielle Start Zeit war 15.04 hr. Die Hunde waren sehr aufgeregt und haben wie wild in Ihren Zugleinen gezerrt, etwas was für mein Team recht ungewöhnlich ist. Die sitzen sonst eher ruhig da. Im Yukon Quest werden die Gespanne mit einer Snowmachine, die hinter dem Schlitten an das Gespann gehängt wird, an den Start gefahren, das bevorzuge ich der hiesigen Methode. Hier stellt das Iditarod die Doghandler, leider haben viele von denen weder die Erfahrung noch die Kraft ein Gespann zu halten. Nur wenige Sekunden nachdem ich den Panikhaken vom Truck gelöst hatte, viel ein Handler nach dem anderen vom Gespann, inklusive meiner eigenen Handler. Nur Roland hing noch an einem Schneeanker und wir sind in vollem Galopp Richtung Startlinie geflogen. Unterwegs hatte ich Andy Hutten aus Nenana meinen 2ten Anker zugeworfen, den er dann auch geistesgegenwärtig gefangen hatte und so hatte ich wenigstens 2 Bremsen. 3,2,1, go endlich war es soweit. Wir waren wieder unterwegs. Richtung Westen ging es über den Willow Lake unter dem Beifall von hunderten (Tausenden ?) von Zuschauern. Für mich ist ein Rennstart immer ein besonderer Moment. Auch 1000 Meilen beginnen mit einem einzigen Schritt, dieser Schritt war nun getan. Auch lagen die langen Stunden der Vorbereitung nun hinter uns, selbst die Vorbereitung ist schon ein Wettlauf gegen die Zeit, manchmal schwieriger als das eigentliche Rennen.

Ich bin es gewohnt in den Rennen immer recht schnell überholt zu werden. Zum einen habe ich wirklich nicht die schnellsten Hunde, zum anderen starte ich immer recht konservativ. 1000 Meilen ist ein langer Weg. Dieses Mal wurde ich aber noch schneller als sonst überholt, besonders bemerkenswert war für mich die Nummer 39, die schon nach wenigen Minuten an uns vorbei schoß, das Team in vollem Galopp. Es sah aus wie ein super Sprint Team. Ich war mir nicht ganz sicher im richtigen Rennen zu sein. Die Nummer 39 sollte später in Takotna scratchen.

Aber auch meine Befürchtungen des Vortages sollten sich bestätigen. Das Team war steiff, die Hunde liefen nicht sauber, zu lange waren sie in der Hundebox im Truck gesessen und zu lange die Pause zwischen dem Quest und Iditarod. Schon gleich im ersten Checkpunkt, Yentna, nach nur 40 Meilen hatten die ersten Hunde leicht geschwollene Fußgelenke. Schlimmer noch, Suhmo und Diesel hatten sich den Trizeps Muskel in der Schulter gezerrt.

Da hieß es für mich gleich von Anfang an wieder fleißig zu massieren, mit Algycal und einem neuen Zeugs, Zalox genannt. Das Zalox hatte ich erst im Quest kennen gelernt und leider nicht allzu viel dabei. Vor allem aber in den falschen Behältern, es war in der Kälte nicht aus der Original Flasche zu bekommen. Sowohl im letzten Iditarod als auch im Knik 200 bin ich immer in Yentna durchgefahren und habe so dieses Mal die Chance genutzt, mir das berühmte Yentna Roadhouse anzusehen. Viele Bilder erinnern an vergangene Rennen. Besser noch, die Wirtin hatte ein leckeres Spaghetti Dinner für uns parat, für Essen bin ich ja immer zu haben.

Ich hatte mich entschlossen mit allen 16 Hunden weiter nach Skwentna zu fahren, nur ca. 32 Meilen entfernt. Leider war das keine gute Entscheidung, denn weder Suhmo noch Diesel haben sich eingelaufen. Nach nur wenigen Meilen hatte ich beide im Schlitten sitzen, nicht gerade Plan A. In Skwentna habe ich die beiden dann auch gleich gedropped, schlimmer aber noch, bei einigen anderen Hunden auch wieder Muskelzerrungen entdeckt. Das hätte ich mir nie träumen lassen, nach nur 75 Meilen solche Probleme zu haben, schon gar nicht bei meinen Quest Hunden, die letztes Jahr meine besten Hunde im Iditarod waren. Es war ein Riesenfehler die Hunde für 10 Tage nicht zu fahren. Wieder mal eine Lektion gelernt, the hard way, wie immer. Auch der Skwentna Checkpunkt war neu für mich, sowie die Tatsache dass mir vor lauter Frust sogar der Appetit vergangen war. Nach einigen Stunden Schlaf sah die Welt wieder anders aus, die ganzen Gelenkwärmer an den Hunden haben mich aber schnell in die Gegenwart zurück gerufen. Das positive war, daß ich jetzt auf meinem bevorzugten Laufrhythmus war. Hunde fahren zwischen 6 Uhr Morgens und Mittag. Rasten zwischen Mittag und 18Uhr, Hunde fahren zwischen 18 Uhr und Mitternacht, dann wieder Rasten bis 6 Uhr morgens.

Aber auch meine Befürchtungen des Vortages sollten sich bestätigen. Das Team war steiff, die Hunde liefen nicht sauber, zu lange waren sie in der Hundebox im Truck gesessen und zu lange die Pause zwischen dem Quest und Iditarod. Schon gleich im ersten Checkpunkt, Yentna, nach nur 40 Meilen hatten die ersten Hunde leicht geschwollene Fußgelenke. Schlimmer noch, Suhmo und Diesel hatten sich den Trizeps Muskel in der Schulter gezerrt.

Da hieß es für mich gleich von Anfang an wieder fleißig zu massieren, mit Algycal und einem neuen Zeugs, Zalox genannt. Das Zalox hatte ich erst im Quest kennen gelernt und leider nicht allzu viel dabei. Vor allem aber in den falschen Behältern, es war in der Kälte nicht aus der Original Flasche zu bekommen. Sowohl im letzten Iditarod als auch im Knik 200 bin ich immer in Yentna durchgefahren und habe so dieses Mal die Chance genutzt, mir das berühmte Yentna Roadhouse anzusehen. Viele Bilder erinnern an vergangene Rennen. Besser noch, die Wirtin hatte ein leckeres Spaghetti Dinner für uns parat, für Essen bin ich ja immer zu haben.

Ich hatte mich entschlossen mit allen 16 Hunden weiter nach Skwentna zu fahren, nur ca. 32 Meilen entfernt. Leider war das keine gute Entscheidung, denn weder Suhmo noch Diesel haben sich eingelaufen. Nach nur wenigen Meilen hatte ich beide im Schlitten sitzen, nicht gerade Plan A. In Skwentna habe ich die beiden dann auch gleich gedropped, schlimmer aber noch, bei einigen anderen Hunden auch wieder Muskelzerrungen entdeckt. Das hätte ich mir nie träumen lassen, nach nur 75 Meilen solche Probleme zu haben, schon gar nicht bei meinen Quest Hunden, die letztes Jahr meine besten Hunde im Iditarod waren. Es war ein Riesenfehler die Hunde für 10 Tage nicht zu fahren. Wieder mal eine Lektion gelernt, the hard way, wie immer. Auch der Skwentna Checkpunkt war neu für mich, sowie die Tatsache dass mir vor lauter Frust sogar der Appetit vergangen war. Nach einigen Stunden Schlaf sah die Welt wieder anders aus, die ganzen Gelenkwärmer an den Hunden haben mich aber schnell in die Gegenwart zurück gerufen. Das positive war, daß ich jetzt auf meinem bevorzugten Laufrhythmus war. Hunde fahren zwischen 6 Uhr Morgens und Mittag. Rasten zwischen Mittag und 18Uhr, Hunde fahren zwischen 18 Uhr und Mitternacht, dann wieder Rasten bis 6 Uhr morgens.

Nach einer langen 7 Stunden Pause bin ich morgens um 5 Uhr weiter gefahren. Damit sollte ich die befürchtete Dalzell Gorge, eine recht enge Schlucht, im Tageslicht befahren. Es lag extrem viel Schnee hier und die Gorge war viel einfacher als im Vorjahr. Nicht einmal bin ich mit dem Schlitten umgekippt. Leider gab es in der Schlucht einen tragischen Unfall. Einer der Trailbreaker aus Mc Grath, George Strick, die den Iditarod Trail präparieren, wurde vor einigen Wochen hier von einer Lawine begraben. Die Stelle war mit einem Kreuz markiert und es war schon ein komisches Gefühl dort vorbei zu fahren. Der Lauf nach Rohn war mit etwas über 4 Stunden sehr schnell, das lag aber vor allem an den guten Bedingungen, nicht einen anderen Musher sollte ich auf dieser Strecke sehen. Leider sollte ich den schnellen Lauf auch schnell bereuen, denn wieder hatten einige Hunde geschwollene Fußgelenke. Viele der anderen Gespanne hatten Durchfall, zum Glück blieben meine von diesem Problem verschont.

Ich muß zugeben, daß ich zu diesem Zeitpunkt, und auch schon vorher einige Male, sehr ernsthaft über Aufgabe im Rennen nachgedacht habe. Mit jedem Checkpunkt bin ich weiter in der Rangliste nach unten gefallen. Es war nicht einfach mental zu verarbeiten, daß mein Rennen ganz und gar nicht verlief, wie ich das erwartet hatte. Es war eigentlich kein Rennen mehr. Innerlich habe ich mich aber zum Weiterfahren gezwungen, denn 2 Grundgedanken standen dem Scratchen gegenüber. Der erste war rein praktischer Natur. Zu jedem Checkpunkt haben wir viel Material heraus geschickt. Das Hundefutter ist eh weg und das was übrig bleibt, geht an die lokalen Musher. Andere Ausrüstungsgegenstände wie Plastik für die Schlittenkufen, Batterien, Booties, Ersatz Schuhe, Wärmedecken für die Hunde etc , können wir in den so genannten "Return-bags" wieder nach Hause schicken, einen Sack pro Checkpunkt. In jedem Checkpunkt hatte ich im Durchschnitt mindestens $ 400 Wert an Material, welches ich beim Aufgeben komplett verlieren würde. Also, Zähne zusammen und weiter, jeder erreichte Checkpunkt sind $ 400 verdient. Augenwischerei, Gedankenspiele, klart, aber es hat funktioniert. Der zweite Gedanke war, daß nach einem Jahr Vorbereitung, so viel Zeit und Energie in das Training gesteckt wurde, daß ich es den Hunden und allen Leuten die mir geholfen hatten, schuldig war, nicht aufzugeben und weiter zu fahren. Also habe ich in Rohn nach 4.5 Stunden wieder den Anker gezogen und bin weitergefahren, um 13.30 Uhr mit einem recht ungewöhnlichen Plan.

Sab

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