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Aromatherapie und Elchkotsaft

Nun während ich diese Zeilen schreibe sitze ich wieder in Dawson, am selben Computer von welchem ich vor 5 Tagen verjagt wurde. Es waren wieder 5 abenteuerliche Tage. Es war hart für mich den Komfort eines beheizten Zeltes zu verlassen und wieder zurück auf den Trail zu gehen. Der Anstieg zum King Solomon Dome war schön, gutes Wetter und die Hunde liefen stetig. Es hat dort ein garstiges Stück Schräghang und eine Horde Photographe, welche nur auf einen Überschlag warteten, aber ich schaffte es in einem Stück. Der Schlitten war zu diesem Zeitpunkt schwer, voller Material für 340 Kilometer, 4 vollständigen Fütterungen und Snacks. Eine Menge Material.

Gerry schlug sein Camp genau auf dem Gipfel auf, ich fuhr noch eine weitere Stunde zum Mark Pearsons Mining Camp, doch leider war er nicht da und so wurde nichts aus dem erhofften warmen Wasser und dem Bett. Ein weiterer 5 Stundenlauf brachte mich um 2 Uhr wieder auf einen guten Renn-/Rastzeitplan. Dieser Lauf ist immer ziemlich hart mit Eureka Dome und einem anderen namlosen Berg hat es viele Steigungen. Der Gedanke, dass ich diese Berge auf dem Rückweg nochmals überqueren muss frustrierte mich etwas. Die Hunde schnappte meine Gefühle auf; man kann die Gefühle vor den Hunden nicht verbergen.

So funktioniert ein Camp mit den Hunden:
Zuerst versuche ich eine Stelle bergabwärts zu finden. Das macht es für passierende Teams einfacher vorbeizufahren und ausserdem ist es einfacher wenn ich wieder starte. Idealerweise hat es einige Bäume und Feuerholz um schnell ein Feuer zu machen. Es ist nicht immer ganz einfach die Hunde vom Trail in den tiefen Schnee zu bringen. Ich gehe voraus und trete einen Pfad in den Schnee. Je weiter die Hunde vom Trail weg sind um so einfacher ist es wieder für die vorbeifahrenden Teams. Wenn das Team an der richtigen Stelle ist fixiere ich den Beginn der Gangline mit einem Schneeanker, löse alle Tuglines und nehme ihnen die Booties ab. Dann kommt der Hundekocher aus dem Schlitten um den Schnee zu schmelzen. Während der Schnee schmilzt kontrolliere ich nochmals alle Hunde auf Zerrungen, etc. und massiere Zinksalbe in ihre Pfoten. Dann laden ich den gesamten Schlitten aus, um an die Schaumstoffmatten unten im Schlitten zu kommen. Dies scheint unlogisch, aber es zwingt mich den Schlitten zu reinigen und ausserdem schützt sie so bei Overflow den Schlitteninhalt vor Wasser. Der Schlafsack ist oben drauf. Wenn dies getan ist, dann ist normalerweise das Hundefutter fertig und ich füttere die Gang. Ich heize den Kocher nochmals ein um Schnee für mein Trinkwasser zu schmelzen. Während die Hunde essen legen ich schon einmal die Booties in ihrer Nähe, für die Weiterfahrt, bereit. Nachdem sie gefressen haben, biete ich ihnen noch einen Snack. Bei warmem Wetter Fisch, viel Wasser, bei kaltem Wetter fette Snacks. Bevor ich in den Schlafsack krieche verbrenne ich noch den Abfall, esse selber etwas und richte Futter und Snacks für den nächsten Lauf. Die Snacks bewahre ich in meinem Cooler auf (welcher als Sitz dient). Das Hundefutter verstaue ich in Plastiksäcken im Schlitten. All dies sollte nicht länger als eine Stunde dauern. Dann schlafe ich für gewöhnlich für 2 bis 3 Stunden und berechne 45 Minuten als Aufwachzeit. Dies ist der schlimmste Teil, aus dem Schlafsack zu kriechen bei -30°C und in kalte, gefrorene Klamotten und Schuhe zu steigen, arghhhh. Ich offeriere nochmals allen Hunden einen Snack, bringe sie dann in ihre Position an der Gangline und ziehe ihnen die Booties an. Es sind da viele Kleinigkeiten, wie die Zinkcreme in die Tasche zu stecken bevor man ins Bett geht, so dass sie nicht hart gefroren ist. Ich wickle meine Thermoskannen in meine Fleecepullover um sie länger warm zu halten und ich packe einige warme Saftdrinks (Capri suns) ans Ende des Schlafsacks bevor ich hineinklettere. Ich schlafe mit meine Stirnlampe auf dem Kopf, so kann ich sie auch finden wenn ich aufstehe. Ich habe 2 Alarme gestellt, aber dies muss noch verbessert werden. Ich denke daran einen in meine Mütze einzunähen damit ich ihn auch sicher höre. Oder einen zweiten Wecker zum Aufziehen zu nehmen, anstatt mit Batterien. O.K. soviel zum Camping.

Ich fuhr um 7.30 Uhr weiter. Eigentlich wollte ich um 6 Uhr starten aber ich hatte meinen Alarm überhört und verschlafen, so wachte ich gerade auf als Gerry und Dave Dalton an mir vorbeifuhren. Schlimmer, diese 1,5 verschlafenen Stunden brachten mich wieder in die Hitze des Tages und so war der Lauf aus Scroggy Creek unausstehlich warm bis ich mit Gerry zur Rast anhielt. Das Camp war gut und die Hunde genossen die Rast in der Wärme. Unser nächster Lauf brachte uns nach Stepping Stone, einem der Highlights des Rennens. Sie geben sich grosse Mühe für uns und locken uns mit Hinweisschildern welche Burritos und Lasagne versprechen. Gerry, Dave und ich fahren im Moment zusammen. Dave hat viel Zeit auf uns gut gemacht, etwa 3 Stunden seit Dawson und sein Team sieht wirklich stark aus. Beide, Gerry und Dave, hatten zu diesem Zeitpunkt schnellere Laufzeiten als ich und ich wusste, dass meine Chancen einen von ihnen zu schlagen immer geringer wurden, und dass ich sogar hart arbeiten müsste nur um mit ihnen mitzuhalten.

Ich fuhr am Morgen um 7 Uhr weiter, Gerry und Dave waren bereits eine Stunde früher gefahren, entlang des Pelly Rivers. Zur Abwechslung war der Trail flach, eine wilkommene Abwechslung. Die Hunde hatten einen einfachen Lauf nach Pelly, wo wir kurz vor Mittag ankamen, immer noch in einem perfekten Renn-/Rastrhythmus. In der Hitze des Tages oder Nachts rasten und morgens und abends fahren.

Pelly war ein guter Checkpoint, gutes Essen und einen ruhigen Platz zum Schlafen. Das ist normalerweise alles was wir uns wünschen. Im Wissen, dass der nächste Lauf länger wird startete ich bereits früh um 4 Uhr hinter Gerry und vor Dave. Dave überholte mich nach 2 Stunden und manifestierte damit klar, dass er das schnellere Team hatte. Dies festigte mich auf dem 6ten Platz, womit ich mein Ziel, den 5ten Platz um einen Platz verfehlen würde. Wir fuhren entlang der Mining Road und ich campte um 22.30, einwenig zu früh wie ich nachträglich feststellen musste, aber ich wollte in den Bäumen bleiben und nicht auf die offenen Fläche hinauskommen (ein grosser Brand verbrannte dieses Gebiet), da ich befürchtete, dass es richtig kalt würde. Der Campingplatz war schön und ich liess einige Hunde frei laufen, sie legten sich unter einige grossen Fichten, auch ich rollte meinen Schlafsack unter einer aus und legte meinen Parka auf den Boden, damit Tang und Chevy darauf schlafen konnten. Wir nehmen auf diesen langen Läufen immer etwas Stroh mit, aber Tang und Chevy bevorzugen meinen Parka. Ich wollte um 2.30 Uhr weiterfahren, hatte aber wieder meinen Alarm verschlafen und fand heraus, dass die Batterien mit der Kälte zu schwach werden um noch laut genug zu piepsen. Diesmal wachte ich auf als Michelle Philips mich überholte, die sich definitiv an meine Fersen heftete und ich wollte meinen 6ten Platz nicht verlieren. Wieder einmal waren wir in bergigem Gebiet mit wenigen flachen Stücken. Sehr frustrierend. Auf dem Trail überholte ich Michelle und wusste nun dass mein Team schneller sein würde und ich so den 6ten Platz halten konnte, wenn ich damit aufhöre zu verschlafen. Für die Hunde schmelzen wir Schnee, ebenso wie für unser Trinkwasser. So ist es normal dass sich im Trinkwasser immer Tannennadeln und andere Pflanzenteile befinden, doch dann sah ich ein Stück Elchkot in meinem Wasser und entschied mich eher an Durst zu sterben und schüttete es weg. Es war ein langer Lauf nach Scroggy Creek, wo wir unsere 8stündige Pflichtpause nehmen müssen. Gerry und Dave waren ein paar Stunden vor mir aber immer noch im Checkpoint als ich ankam.

Sie hatten für uns einige Walltents zum Schlafen aufgebaut, ein eher simples Setup. Ich hängte die Hundejacken zum Trocknen auf. Während sie trockneten tropfte Flüssigkeit auf den Ofen, aber nicht Wasser, sondern Hundepisse und schnell war das Zelt von Dampf erfüllt. Gerry wachte auf und fragte was denn los sei. Als ich ihm sagte was los war, scherzte er nur: Hundepisse tropft auf den Ofen, das ist eine Aromatherapie für Musher; sehr gut gesagt. Die Hunde assen gut und Nene de Wolfe, die Veterenärin, und ich sannen darüber nach wie sich meine Fähigkeiten der Hundepflege seit meinem ersten Questversuch 1999 verbessert hatten. Nun notierte sie in meinem Vetbook, dass meine Hunde gut genährt sind, immer ein schönes Kompliment für einen Musher nach 1440 Km auf dem Trail. Tatsächlich waren da einige Hunde, bei welchen ich das Futter etwas rationieren musste, Jack, Libby und Diesel waren etwas zu fett. Meine Zeit um weiterzufahren war 20 Uhr und ich plante den 15stündigen Lauf nach Dawson nicht am Stück zu fahren, sondern auf halbem Weg ein Camp einzulegen.

Es war ein kalter Lauf mit -30°C, aber gleichzeitig windig, speziell über den Eureka summit. Der Trail war völlig zugeweht und ich hatte teilweise Schwierigkeiten den Trail wieder zu finden und fiel auch ein paar Mal im tiefen Schnee um. Einmal hinterliess ich einen perfekten Schlittenabdruck im tiefen Schnee, nach welchem mich später an der Zielline Kelly Griffin fragte, ob ich ihn auch gesehen hätte. Sicher, antwortete ich, ich sah ihn von sehr nahe, ich habe ihn hinterlassen. Den Campingplatz welchen ich in Gedanken hatte, konnte ich nicht benutzen da er zu windig war. Ich wollte auch nicht den ganzen Weg hinunter ins Indian River Valley fahren, da ich befürchtete, dass es dort noch kälter sein würde. Schlussendlich fand ich in einem langen Trailstück bergab einen guten, fast windstillen Platz und schlug mein Camp um 2.30 Uhr auf, exact nach 7.5 Stunden. Gutes Timing. Die Nordlichter tanzten und dies würde das letzte Camp in diesem Rennen sein. Das Gefühl, dass das Quest nun bald vorbei sein würde war geteilt, zum einen fühlte ich mich gut dabei, doch zum anderen war es auch ein etwas trauriges Gefühl. Mein Team war nun schlussendlich eine gute Einheit geworden. Sie waren nicht das Team, welches ich mir vor dem Rennen gedacht hatte, aber mit den schlechten Schneeverhältnissen in Whitehorse verletzten sich viele meiner Schlüsselhunde. Dann waren die Hunde, welche ich in den Checkpoints zurück lassen musste - Gas, Coon und Popcorn - ebenfalls einige meiner Haupthunde. Die Hunde welche mir verblieben waren schwer zu einer Einheit zu bringen. Es war schwer die richtigen Paarungen und einen gleichmässigen Laufrhythmus zu finden. Nun zum Ende des Rennens hatte ich die richtigen Kombinationen gefunden. Tang und Marmot im Lead, Wondar und Suhmo dahinter (perfektes Paar), Chevy und Rat der Puppy als nächstes (keine gute Kombination, aber als ich versuchte Rat alleine laufen zu lassen und Chevy mit Herring, Rat der Puppy began herumzuspielen, Chevy würde dies nicht zu lassen, der mürrische alte Man), Herring lief alleine, dann Libby und Jack (das schönste Paar im Team, passen perfekt zusammen und essen wie Alligatoren) und Franky und Diesel for dem Schlitten. Sie waren die perfekten Wheeldogs und wechselten in engen Kurven problemlos die Seiten ohne die Leinen durcheinander zu bringen.

Wir verliessen unser Camp nach einer 5 1/2 stündigen Pause um 8 Uhr. Weder Michelle noch Kelly hatte mich in meiner Pause eingeholt und so wurde ich zuversichtlich, dass ich meinen 6ten Platz halten könnte. Ein letztes Mal über den King Solomons Dome. Die Hunde liefen sehr gut, normalerweise benötigen sie für diesen Lauf 8 Stunden aber diesmal schafften wir es 45 Minuten schneller und beendeten das Rennen um 15.16 Uhr. die Hunde loppten über den Klondike und dann über den Yukon, es war ein schönes Gefühl für mich, wie sie nun nach allem zu einem guten Team wurden. Lance hat das Rennen, wie ich vermutete gewonnen und war mit vielen anderen Leuten an der Zielline um mir zu gratulieren, eine schöne Geste. Lance ist wirklich ein netter Mann und Musher.

In Dawson das Rennen zu beenden war schön für mich, da ich nicht nach "Hause" in Whitehorse gehen musste. Ausserdem mag ich Dawson im Winter und freute mich darauf noch etwas mehr von der Rennatmosphäre in mich aufzusaugen. Nachdem ich die "Monster" gelobt hatte fuhren wir zurück zu unserem Camp. Die Hunde bezogen schnell ihr Lager, die meisten von ihnen in meinem Zelt anstatt in ihrem Unterschlupf. Dies liess mir nur sehr wenig Platz, aber schlussendlich fand ich einen schönen Platz und hatte einen guten Schlaf. Ich fühlte mich gut, 1520 Kilometer (950 Meilen) lagen hinter uns, definitiv die bis dahin härtesten die ich je in einem 1000 Meilenrennen gefahren war. Von keinem Schnee, zu tobenden Winden, Schneestürmen, einem wilden freien Fall am Eagle Summit und kalten, einsamen Nächten auf dem Yukon River und all dies gekrönt von den endlosen Black Hills im Doppelpack sorgten für eine gute Herausforderung.

11 Hunde haben es bis zur Ziellinie geschafft und obwohl es nicht meine Favoriten waren überlege ich ob ich alle 11 zum Iditarod mitnehmen soll. Aber ich muss auch noch auf Rolands Team schauen, welcher den 2ten Platz im Quest300 belegte, um dann eine gutes 16er Team fürs Iditarod zu haben.

Während ich diese Zeilen schreibe bauen Pierre und John das Camp ab und wir werden heute abend nach Whitehorse fahren. Freitag ist dann ein Bürotag, Samstag wird wieder geschäftig mit den letzten Packereien und dem Quest Banquet am abend. Sonntag geht es dann auf die Strasse nach Anchorage; vielleicht warte ich auch bis Montag, aber dann wird es eventuell etwas knapp mit den Vetcheck.

Ich habe wirklich Glück diesen Winter diesen Traum leben zu dürfen und möchte allen Menschen danken, die dies in dieser oder jener Weise möglich gemacht hatten und mir in so verschiedenen Weisen geholfen hatten. Happy trails Euch allen.

Rennresultat

Sab

27. Mai 2006
Der Trip über Eagle Summit
27. April 2006
Teil 3: Kaltag - Nome
20. April 2006
Teil 2: Rohn - Kaltag
12. April 2006
Iditarod 2006 - Teil 1: Anchorage - Rohn
4. März 2006
Aromatherapie und Elchkotsaft
18. Februar 2006
In Dawson
11. Februar 2006
Renntag
7. Februar 2006
Zeit zur Abreise
29. Januar 2006
Copper Basin 300 (Sab)
29. Januar 2006
Copper Basin 300 (Andy)
11. Januar 2006
Knik 200 (Andy)
11. Januar 2006
Der falsche Trail (Sab)
29. Dezember 2005
Ein wirklich toller Trainingslauf
20. Dezember 2005
Sheep Mountain 150 (Sab)
20. Dezember 2005
Sheep Mountain 150 (Andy)
13. Dezember 2005
Gin Gin 120
7. Dezember 2005
Die ersten Trainingsläufe in Alaska
3. Dezember 2005
Auf dem Weg nach Alaska
25. September 2005
Realisierung eines Traumes (Teil 1)


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