Copper Basin 300 (Andy)
Glennallen – Chistochina (Glennallen -25°C, Chistochina -30°C)Am Banquet hatte Sebastian die Nummer 13 und ich die Nummer 24 gezogen und somit darf ich um 10:46 auf den Trail.
Wir müssen schon früh aufstehen, denn um 7:00 Uhr müssen alle Trucks auf dem Startplatz parkiert sein. Glücklicherweise logieren wir im Fireweed B&B von Bill & Dorothee und so komme ich heute sogar zu einem Frühstück.
In der Stadt hat es sehr wenig Schnee, an manchen Stellen wurde extra für das Rennen Schnee hingefahren. Ich machen bei allen Hunden booties an und dann um 10:46 Uhr beginnt auch für mich das grosse Rennen. Mit Spook und Otto im Lead meistern wir auch den durch die vielen Abzweigungen und Ablenkungen schwierigen Weg durch die Stadt problemlos.Etwas später finde ich eine Thermoskanne, Müsliriegel, etc. auf dem Trail – hier hat wohl jemand etwas unvorsichtig seinen Schlittensack geöffnet.
Als wir auf den Gakonariver kommen verliere ich die Kontrolle, kippe den Schlitten und werde etwas hinterher gezogen bevor das Team zum Halten kommt. Nachdem ich den Schlitten wieder unter Kontrolle habe, bemerke ich dass auf der Brücke über den Fluss viele Zuschauer stehen – super toller Zeitpunkt.
Nach einer guten Stunde habe ich einen kleinen Hunger und freue mich schon auf den saftigen grünen Apfel welchen uns Bill eingepackt hatte, doch leider ist dieser inzwischen schon völlig hartgefroren.
Teilweise führt der Trail durch Gestrüpp, welches über den Trail hängt. Am Anfang kann ich den Ästen noch ausweichen, aber dann ist das Gestrüpp für etwa 3 Kilometer so dicht, dass ich mich nur noch hinter die Handelbar knien kann, die Hände vors Gesicht und durch.
Nach der Hälfte des Weges bemerke ich, dass die rechte, hintere Aufhängung des Schlittens gebrochen ist – dies ist besonders ärgerlich, da der Schaden so im Rennen wohl irreparabel ist und ausserdem auch noch die Bremse an dieser Halterung befestigt ist.Etwas vor dem Checkpoint überhole ich Karen Ramstedt mit ihrem Team sibirischer Huskies und schaffe es noch unter 6 Stunden (5:54) um 16:40, also beinahe noch bei Tageslicht, in den Checkpoint. Pierre ist auch gleich zur Stelle und führt mich zu meinem Parkplatz, genau neben Sab.
Sab hatte mit einem Rennverantwortlichen gesprochen und ich darf den Schlitten tauschen und ich habe doppelt Glück, denn Sab hatte gerade einen nagelneuen Rennschlitten gekauft und der befindet sich noch eingepackt auf dem Dach des Hundetrucks.
Chistochina – Paxson
Die Temperatur ist weiter gefallen (-35°C) und mir ist etwas kalt. So dauert es auch fast doppelt so lange bis ich meine Hunde für die Weiterfahrt fertig habe – das schlimmste sind immer die booties, denn erstens geht das ziemlich ins Kreuz und zweitens muss ich dazu immer die Handschuhe ausziehen, was speziell bei diesen Temperaturen etwas unangenehm ist. Auch tausche ich vor der Abfahrt noch meine Schuhe, denn auf dem kommenden Abschnitt ist garantiert mit offenem Wasser zu rechnen und da braucht es einfach wasserdichte Schuhe – Bunny boots.Nach 5:40 Stunden Pause fahren wir um 22:20 in eine klare, kalte Vollmondnacht Richtung Paxson weiter. Normalerweise kreisen meine Gedanken bei solchen Nachtfahrten um Gott und die Welt, aber nun überlege ich dauernd wie ich wohl Hände und Füsse warm halten kann.
Der Trail ist hart und schnell und ich geniesse es ohne Stirnlampe durch die klare Vollmondnacht zu fahren. Nach einiger Zeit kommt ein kleiner Hunger auf und ich erinnere mich, dass Bill, unser Bed & Breakfast-Gastgeber uns noch Cracker und Käse mit auf den Weg gegeben hatte und dies möchte ich nun verspeisen. Die Cracker sind kein Problem, aber der Käse ist steinhart – ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen, dass wir hier, temperaturmässig, in einer riesigen Tiefkühltruhe herumfahren.
Vor dem Excelsior Creek, welcher nie zufriert, zeigt mein Thermometer -30°C. Die Hunde wollen nicht alleine durchs Wasser und so muss ich etwas nachhelfen und gehe voraus. Dadurch haben wir danach ein kleines Durcheinander mit den Leinen und während ich alles wieder richte und den Hunden die nassen booties ausziehe, werden wir von zwei Teams überholt.Als wir dann den nachfolgenden Berg bezwungen hatten, sehe ich bereits den Gakona River und es stellt sich mir die bange Frage – hat es offenes Wasser oder nicht? Die offene Stelle kann hier leicht einmal länger als ein Hundeteam und knietief sein. Glücklicherweise haben die Trailbreaker aber eine Umleitung durch einen engen Waldtrail gefunden. Somit bleiben nur noch einige kleine Wasserduchfahrten, welche die Hunde aber locker im Sprung nehmen. Gleich an der ersten hat sich allerdings ein Stau von nun 4 Teams gebildet, da die Hunde des ersten Teams wohl nicht freiwillig über das Wasser springen wollten und somit der Musherin ein Riesentangel bescherten.
Nun sind wir auf bekanntem Gebiet, da wir hier auch während des Trainings vorbeigekommen waren. Kurz vor Paxson geben die Hunde plötzlich richtig Gas und ich befürchte bereits, dass sie die nächste Abkürzung Richtung Cabin nehmen wollen. Doch da sehe ich gerade noch einen Elch im Gebüsch verschwinden und wir kommen ohne Probleme um 7:44 nach 9:24 Stunden im Checkpoint an.
Paxson – Sourdough
Hier melde ich meine Pflichtpause an und muss somit mindestens 8:16 Stunden (8 Stunden + Startdifferenz) bleiben. Kurz nachdem wir im Checkpoint angekommen sind, fängt es an zu schneien, was den Vorteil hat, dass die Temperatur wieder etwas ansteigt.Wir haben in Paxson ein Zimmer gemietet, aber ich kann trotzdem nicht schlafen.
Da Pierre bereits für Sab an den nächsten Checkpoint fahren muss, ist Maren mit dem Skidoo gekommen um meine sieben Sachen einzusammeln, leider war sie aber falsch beraten worden und hatte daher keinen Schlitten angehängt. Somit kommt Plan B zum Einsatz – wir geben meinen Fooddrop Marco, dem Handler von Eric Nicolier mit und Maren räumt das Stroh auf, wenn ich weg bin.
Ich überziehe meine Pause um 4 Minuten und somit sind wir um 16:04 wieder auf dem Trail.
Bei der Abfahrt aus Paxson entschliesse ich mich die Leithunde zu wechseln. Doch mit Circle & Eagle in Lead komme ich einfach nicht vorwärts und so wechsle ich bereits nach 100 Metern auf Mickey & Circle als Leithunde.
Da der Trail auf der anderen Seeseite des Paxson Lake verläuft habe ich keinerlei Probleme an „unserer“ Cabin vorbeizukommen.
Nach 2:12 Stunden, auf altbekannten Trails, kommen wir um 18:16 im Checkpoint Meier's Lake an und ich will natürlich gleich weiterfahren. Leider fährt man genau so in den Checkpoint, wie wir immer gefahren sind, wenn wir die Hunde parkiert und einen Hamburger essen gingen. Und somit habe ich ein kleines Problem, denn die Hunde denken nun sie haben eine kleine Pause und wollen an ihren 'angestammten' Parkplatz, doch nach etwas Mithilfe durch die Checker kommen wir doch schnell wieder auf den Trail.
Entlang der Trapline gleicht der Run manchmal einer Fahrt mit der Achterbahn, nur dass man hier bei einem Fehler am nächsten Baum klebt. Die Fahrt ist ziemlich rasant – auch hatte ich dieses Stück noch nie mit 12 Hunden gefahren, denn beim letzten Copper Basin, ebenso wie bei unserem Trainingslauf hatte ich hier nur 8 Hunde. Auch hat dieses Stück teilweise sehr lange downhill-Passagen, an welche ich mich von unserem Trainingslauf gar nicht mehr erinnern konnte.
Um 23:15 kommen wir nach 7:11 Stunden (ab Paxson) im Checkpoint Sourdough an.
Sourdough – Wolverine
Der Checkpoint ist auf einem Campingplatz und hat somit auch kein Haus oder sonstige Installationen.Als ich ankomme schläft Sab neben seinem Schlitten – eigentlich eine gute Idee, aber das Aufstehen in dieser Kälte schreckt mich zu sehr ab und so verbringe ich die Pause grösstenteils am Lagerfeuer.
Da Sab einiges vor mir schon wieder auf dem Trail ist und man mit dem Auto einen grossen Umweg bis zum nächsten Checkpoint fahren muss, bricht Pierre bereits vor mir auf. So packe ich meinen Schlitten sofort und gebe Pierre meinen Fooddrop gleich mit. Eric Nicolier fährt vor mir weg und als sein Handler, Marco, mit aufräumen fertig ist, muss ich mich ebenfalls schon langsam auf meine Abfahrt vorbereiten und gebe ihm, noch die Fleecedecken der Hunde mit, sonst hätte ich sie eben im Schlitten mitnehmen müssen. Anschliessend sammle ich das Stroh ein – die Hunde schauen etwas verwundert, dass ich ihnen das Stroh unter dem Hintern wegräume – mache booties an und ab geht es nach guten 7 Stunden Pause um 6:18 auf den Trail.
Bei der Fahrt vorbei an dick mit Schnee bedeckten Bäumen macht sich mein Schlafmangel langsam bemerkbar und ich habe leichte Halluzinationen und sehe Häuser neben dem Trail – doch durch das Einschalten meiner Stirnlampe kann ich meine Konzentration wieder auf den Trail richten.
Im Safety Point auf dem Crosswind Lake gibt es traditionsgemäss eine warme Suppe von Kirk. Kurz darauf bemerke ich, dass ich meine Armbinde mit der Startnummer verloren habe – wahrscheinlich bei meinen Gymnastikübungen um wieder warme Finger zu bekommen (sie wird aber gefunden und schafft es ebenfalls ins Ziel).
Die Sonne geht hinter mir auf und vor mir sehe ich noch den Mond am Himmel stehen während wir uns auf einem breiten Trail mit vielen auf und abs langsam dem nächsten Checkpoint nähern. Auf dem gesamten Stück hatte ich keinen einzigen Musher gesehen und so kommen wir nach 07:12 Stunden um 13:30, nach einem langen Stück über den Lake Louise, im Checkpoint Wolverine an.Wolverine – Tolsona - Ziel
In Wolverine droppe ich Uno (sore wrist) und K2 (Durchfall und zieht nicht mehr), gebe meinen Hunden einen Snack und fahre direkt weiter. Damit rutschten wir in der Rangliste vom 21ten auf den 16ten Rang vor. Ohne die Erfahrung vom Knik 200 hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut ohne Pause weiterzufahren, schliesslich haben wir nun nochmals 80 Kilometer vor uns.
Für das letzte Stück mache ich Spook & Mickey, meine beiden besten Leithunde, in Lead – aber irgendwie klappt das mit den beiden nicht so richtig, denn wir fahren wie besoffen in Schlangenlinien über den See. Also wechsele ich zurück auf Mickey & Circle und siehe da es klappt wieder bestens. Nachdem wir den Lake Louise verlassen haben wird der Trail ziemlich bumpy. Nach einiger Zeit verschwindet die Sonne schon wieder hinter dem Horizont und es kommt mir so vor, als ob sie eben erst aufgegangen wäre.Um 17:47 komme ich in Tolsona auf dem Outgoing Trail in den Checkpoint, drehe mein Team um und fahre nach dem obligatorischen Check gleich weiter. Der Trail folgt nun die meiste Zeit dem Strassengraben - die entgegenkommenden Autos blenden mich recht stark und mir ist kalt.
Nicht allzu weit vor dem Ziel überholen wir noch Richie Beattie (stand am Start neben mir) und kommen um 20:16, nach 13:48 Stunden ohne Pause, als 15ter mit 10 Hunden ins Ziel. Damit war ich etwa 4 Stunden schneller als geplant und fast genau 17 Stunden schneller als bei meinem ersten Copper Basin im 2002. Pierre ist auch sofort zur Stelle und geleitet uns zu unserem Truck, gibt den Hunden etwas zu fressen und hilft den Schlitten, etc. in den Truck zu verladen.
Ich sehne mich nun eigentlich nur noch nach Wärme, Essen, Schlafen und einer Dusche in genau dieser Reihenfolge. Zurück in unserem B&B bekomme ich von Bill eine gute, warme Suppe und anschliessend gehts ins Bett, womit meine ersten drei Bedürfnisse bereits erfüllt wären – die Dusche musste dann allerdings noch bis kurz vor meiner Abreise warten.
Rennresultat
Andreas
