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Copper Basin 300 (2)

Am nächsten Morgen ging es früh los, wir mussten um 7.30 im Staging lot sein, zum Parken. Wir haben noch kurz im Caribou Hotel angehalten zum Frühstück und da tippt mir der John Welsch auf die Schulter. John hat meine Hunde im Sommer auf dem Gletscher gefahren. John war einfach nur so zum Rennen gekommen zum zuzuschauen, und genau das sollte sich in den nächsten Minuten ändern, er hat sich zum Handeln angeboten. Na viel idealer konnte es nicht sein, 5 Minuten vor knapp einen Handler zu finden, und dann noch jemanden der die Hunde kennt. John und sein Leithund "Jimmy Bea" sind zu uns in den Truck gezogen  und los ging es. 
Gedanklich war ich immer noch nicht vom Kennel und den Guideproblemen weg und konnte mich am Start auch überhaupt nicht konzentrieren, das hat dazu geführt, dass ich und auch der Roland fast unsere Startzeiten verpasst hätten. In der Starting Chute musste ich noch den letzten Hunden booties und blankets anziehen, und los ging es. Normalerweise ist das ein tolles Gefühl wenn das Rennen los geht, dieses Mal hab ich mir gedacht: Oh Gott was machst Du hier überhaupt, so unvorbereitet war ich noch nie und mit einem Team was ich in der Kombination noch nie gefahren bin, schlimmer noch, ich war seit Mitte Dezember, dem letzten Rennen nicht einmal mehr auf dem Schlitten gestanden. Tang und Chevy haben das Gespann souverän durch den Ort geleitet, gleich die ersten Kilometer gehen mitten durch den Ort, auf dem vereisten Trail wäre ein Anhalten nicht möglich gewesen. Recht schnell haben mich wie immer einige Teams überholt, darunter auch Martin Buser mit seinem "Old Man Sled" auf dem hinten ein fester Sitz montiert ist und der Musher zwischen dem Sitz und der Sledbag steht. Sein Team war unglaublich harmonisch und mir wurde wieder bewusst was für einen zusammen gewürfelten Haufen ich hier fahre. Das Team hatte absolute keinen "Mumpf" ich musste noch nicht mal auf der Bremse stehen, kein gutes Zeichen auf den ersten Meilen. Der Trail wurde besser als erwartet auch die vereisen Flussüberquerungen waren kein Problem und plötzlich hatte ich Roland vor mir, hatte ich in meinem Gedankenwust völlig vergessen, dass er auch im Rennen war. Ich hab ihn dann zwar überholt, aber er blieb dann mehr oder weniger hinter mir, auch Martin haben wir dann eingeholt und sind dann nach Chistochina gefahren. Dort waren schon viele Teams in Checkpoint und John unser Handler hat uns 2 gute Parkspots zugewiesen, zwar mitten zwischen vielen Bäumen, aber sehr nah am Wasserhaus und sehr ruhig. Es war wirklich beruhigend einen guten Handler zu haben. Die Hunde haben gut gefressen, auf dem 5.5 Stunden Run hatte ich nicht gesnackt, dann fressen die besser im Checkpunkt. Nach 4 Jahren habe ich endlich geschnallt, dass man in Chistochina nicht dumm rumsitzen muss, sondern dass es ein Haus zum Schlafen gibt, es wäre gut, wenn man solche Dinge im Mushermeeting erfahren könnte.

Nach 4.5 Stunden Rast ging es um 20.30 weiter nach Paxson. Dieser Abschnitt ist mit 112 Kilometer der längste und auch schwierigste Teil des Rennens. Die Ausfahrt zwischen den Bäumen war rasant, mit dem Ergebnis, dass mir ein Anker abgerissen war, aber ich hatte 3 dabei, also mit 2 verbleibenden noch immer genug. Sofort habe ich bemerkt, dass Austin humpelt. Was tun? Umdrehen? Nee habe ich noch nie gemacht. Anhalten, massieren, Schulterblanket drauf mit Heatpacks und wieder jede 30 min anhalten und massieren. Wenn das nicht funktioniert und ich für über 100 Kilometer nen Hund im Schlitten habe, könnte das echt ungünstig werden.  Nach und nach wurde Austin dann wieder geschmeidiger im Lauf und ich war etwas beruhigt. Es ist schon erstaunlich was man mit Algyval, Massage und Wärme alles wieder hinbekommen kann. Im Kopf war ich noch immer am grübeln über das Guideproblem und die Zeit verging wie im Flug und schon war ich am Exclesior Creek, der immer offen ist, aber so schmal, dass die Hunde durchspringen. An meiner Laufzeit, fast 4.45 habe ich gemerkt, dass ich auf dieser Etappe sehr langsam sein werde, normal hätte ich hier nach 4 Stunden sein sollen. Ein kurzer Snack und weiter ging es, aber der Trail wurde wirklich schlecht. Extrem weich, zum Teil sind die Hunde ganz im Schnee verschwunden. Es war eine rechte Schinderei über diesen dusseligen Berg, aber bergrunter sollte es noch schlimmer werden, der Schnee war so weich, dass ich selbst oft runter musste und mithelfen. Am Gulkana River angekommen, hat sich der wunderschön offen präsentiert. Tang und Chevy sind auch brav reingesprungen, aber bei Popcorn und Nemo war Schluss, die sind da nicht rein. Dann ist mir die ganze Bande mitten drin umgedreht, da hinter mir noch ein Musher war, blieb mir nichts anderes übrig als in den Fluss zu springen, die Meute zu entwirren und durchzuziehen. Mann war das Wasser kalt. In den Bunny Boots war das o.k. aber nicht an meinen Beinen und ich hatte keine Ersatzhose mit. Auf der anderen Seite den Hunden erst mal alle Booties aus, mich dann gefragt was ich mit meinen nassen Klamotten machen sollte, aber ohne Ersatz ist die Antwort einfach, Abfahrt! Über eine Hochebene geht es dann zur Alyeska Pipelinie und dann zum Highway über den wir drüber müssen. Unterwegs hatte ich Chicken Gerry eingeholt, der am snacken war, das hab ich dann auch gleich noch mal gemacht. Hinter mir war die ganze Zeit ein Gespann und ich musste viel mitarbeiten, damit es mich nicht einholt. Wie sich später rausstellen sollte, war das Roland, dessen Hunde natürlich genau gerochen haben, dass ich das war und mir wie wild hinterher sind. Roland hatte den Traumrun, während ich echt arbeiten durfte, aber das war gut so, sonst wäre ich in meiner Hose erfroren.

Der Trail war immer noch recht langsam und nach dem Highway kommt man auf den Summit Lake. Auf dem waren für mich absolut keine Markierungen zu finden und an manchen Stellen auf dem See waren Schlittenspuren in 3 verschiedenen Richtungen. Tang hat die Angewohnheit, einen Trail, den sie einmal gelaufen ist, noch nach Jahren wieder zu erkennen. Also habe ich sie auf dem See (der x Inseln hat und Hufeinsenförmig ist) laufen lassen, ohne Kommandos einfach dorthin wo sie wollte. Oft hatte ich weit neben mir andere Musher, Headlights die mir entgegenkamen, einmal hat mich ein Musher, der mir entgegen kam gefragt ob ich wisse wo der Trail ist, da habe ich gesagt: " nee ich nicht, aber Tang weiß wo der letztes Jahr war."  Ich bin mir nicht sicher was er von der Antwort gehalten hat, er ist mir aber munter gefolgt. Und tatsächlich sind wir genau dort rausgekommen wo der Trail an einem sehr steilen Berg den See verlässt. Wie sich später rausgestellt habe, hab ich auf dem See ohne es zu wissen dank Tang viele Teams überholt. Die letzten km nach Paxson gehen dann auf dem Denali Highway entlang und nach 9 Stunden und 41 Minuten waren wir dort, ca. 2 Stunden langsamer als erwartet, das war ein extrem harter Lauf für die Hunde. Dort angekommen hatten die dann noch erstaunlich viel "Mumpf" und mir viel auf, das die langsam zu einem Team wurden. Wir haben recht abseits geparkt, das war zwar viel Lauferei, aber ruhig. In Paxson haben die fließend heiß Wasser für uns, was das Leben sehr erleichtert. Nach dem Hundefüttern und einbetten bin ich dann zur Lodge zum Frühstück.

Roland kam nur wenige Minuten hinter mir, was mich sehr überrascht hatte. Wie hat er das denn gemacht hab ich mich gefragt.

Alle Hunde liegen auf Stroh und von oben lege ich kleine Fleecedecken über sie, damit sie nicht zu viel Wärme verlieren. Darunter schlafen sie sehr warm, vor allem wenn die Schnauze auch drunter ist und der eigene Atem sie warm hält, das spart viele Kalorien. In der Lodge war dann viel Geschimpfe und Gezeter von anderen Mushern über den schlechten Trail. Hinzu kam, dass auf dem Trail der vor uns lag, 3 Skidoos in der Nacht durch das Eis eingebrochen waren. Allerdings waren die auf der rechten Seite des Paxson Sees, dort bin ich selbst schon mal eingebrochen vor 2 Jahren, und es ist sogar mir als Fremden bekannt, dass man auf der rechten Seite vom Paxson Lake nicht fährt. Viele Musher haben sich entschlossen aufzugeben, schlimmer aber noch einige haben versucht uns andere dazu zu überreden auch aufzugeben  und uns ein schlechtes Gewissen zu machen, das es schlecht für die Hunde sei, bei diesem Rennen weiter zu machen. Ich konnte mir der Meinung absolut nicht anschließen von meinen 12 Hunden waren alle 12 gesund, so auch bei Roland. Auf dem schlechten Trail bin ich langsam gefahren, das hatte sich ausgezahlt. Mit 12 Hunden werde ich nicht aufgeben, nur auf Spekulationen auf einen schlechten Trail. Egal wo die den Trail markieren, ich würde eh auf der linken Seite vom Paxson Lake entlang fahren. Um 14.30 nach über 8.30 Pause bin ich wieder auf den Trail und die Hunde sahen gut aus, wenn sie auch etwas Zeit brauchten sich wieder aufzuwärmen. Der Trail war auf der linken Seite vom See und auch sehr gut, wenn auch schlecht markiert. Mich hat der Allen Moore überholt, sein Team sah einfach Spitze aus. An mithalten war gar nicht zu denken. Nach ca. 2 Stunden waren wir im Meiers Checkpunkt, dort habe ich erst gar nicht lange angehalten. Von Meiers ist der Trail wieder anspruchsvoll nach Sourdough, recht bergig, mit einigen sehr engen Trapline Trailpassagen dabei. Dieses Stück ist bekanntermaßen wenig befahren und daher oft auch sehr weich. Nicht so dieses Jahr, nachdem wir uns den ersten Berg hochgekämpft hatten ging es in rasanter Fahrt durch die Trapline Trails und wir waren nach nur 5 Stunden in Sourdough, insgesamt 7 Stunden von Paxson. Das war schneller als erwartet und die ganze Panikmache über den angeblich schlechten Trail war völlig vergebens.

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*alle Bilder wurden von Zuschauern des CB300 gemacht worden

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