Copper Basin 300 (1)
Jocelyne und ich hatten uns zum Copper Basin 300 angemeldet. Für mich ist es das 4te Mal, für Jocelyne das erste lange 300 Meilen Rennen. Der Januar scheint bei uns immer ein Monat zu sein, in dem wir regelmäßig Probleme mit Angestellten bekommen, die nach einiger Zeit des Arbeitens merken, dass Hundeschlittenfahren doch nicht nur Sonnenschein ist, zumindest nicht für die Guides. Letztes Jahr musste ich 3 Tage vor dem Copper Basin 2 Guides entlassen, dieses Jahr haben mich 3 Tage vor dem CB 2 Guides verlassen, das hatte natürlich zu einigen Problemen geführt und anstatt uns für das Rennen vorzubereiten haben wir in Braeburn Hunde abgeholt und aufgeräumt.
Am Mittwochnachmittag bin ich mit der letzten Fuhre Hunde zum Kennel zurückgekehrt. Jocelyne war nicht dazu zu bewegen, zum Copper Basin mitzugehen. Ihr war leider die Lust vergangen, sie war fest der Meinung, dass sie sich eh nicht auf das Rennen konzentrieren könne.
Richtig Lust hatte ich auch nicht mehr, und zugegebener Maßen
war ich auch gedanklich bei allem anderen, nur nicht beim Rennen.
Andererseits war mir bewusst, wie viel Training und Vorbereitung
in der ganzen Sache steckt und das einfach alles so in den Wind
zu schreiben, damit konnte ich mich auch nicht anfreunden, denn
das würde ich spätestens im nächsten Sommer
schwer bereuen. Und immerhin war Roland da, der schon mal
in 1998 und 1999 mit auf Rennen war und nun schon seit 4 Wochen
hier die Rennhunde mit trainiert hatte. Also was tun? Nur Roland
geht aufs Rennen? Nur ich gehe aufs Rennen? Wir gehen beide? Aber
dann haben wir keinen Handler und das Copper Basin ist eines der
wenigen Rennen, was man ohne Handler eigentlich nicht fahren kann.
Nach etwas hin und her diskutieren stand die Entscheidung fest,
wir gehen beide, da musste ich mir einen inneren Ruck geben. Es
war Mittwochabend und noch nichts gepackt noch nicht mal die Teams
standen fest, denn Roland konnte nicht Jocelynes Hunde fahren,
denn davon kannte er fast keinen. Roland hat schon immer eine außergewöhnlich
gute Hand für Hunde bewiesen und so hatte ich keine Probleme
ihm viele meiner Rennhunde zu geben und selbst einige Neulinge
auszuprobieren. Nemo, Popcorn, Gas, Franky und Neuro alle haben
keine Rennerfahrung. Nemo und Popcorn sind nur yearlings, Gas ist
zwar 3 hat aber bisher auch nur 2 Hundertmeiler gesehen, Franky
kommt aus dem Tierheim und Neuro haben wir zwar schon seit Jahren,
aber erst jetzt wo er 5 Jahre ist habe ich ein Auge auf ihn fürs
Rennteam.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass wir derzeit legal kein Hundefutter über
die Grenze fahren dürfen, ich hatte zwar einiges in Tok (Alaska) deponiert,
aber nicht genug für 2 Teams. Fleisch darf nur in Originalverpackung,
nicht kleingesägt mitgenommen werden. Also haben wir die Blöcke
eingeladen und die Kreissäge gleich mit. Bei Roland und mir
läuft vieles sehr Hand in Hand ohne große Worte und
so stand 4 Stunden später der Truck fertig gepackt mit 2 Teams
in der Einfahrt und es war 22 Uhr Abends. Nichts wie weg haben
wir uns gedacht, jetzt oder nie und haben uns auf den Weg nach
Alaska gemacht. Leider hatte ich eine Erkältung und war auch
zum fahren nicht sonderlich fit. Die, die mich kennen, wissen,
daß ich eigentlich nie Beifahrer bin, aber nach 2 Stunden
blieb mir nichts anderes übrig als das Steuer Roland zu überlassen.
Das Wetter zum Fahren war auch nicht berauschend, es hat wie wild
geschneit. Wir sind um 3.30 morgens nach Beaver Creek bekommen
und dort wurde auch Roland so müde, dass wir uns ein Hotelzimmer
genommen hatten, auch das gab es noch nie, ich fahre sonst immer
in einem Rutsch durch. Morgens um 8 ging es dann nach dem
Hundedroppen weiter, als wir die Meute gedropped haben, waren plötzlich
alle verschwunden, wir uns gewundert wo die hin sind, und wildes
Gekläffe um die Ecke, denn dort Stand Saul Turner, der Sohn
vom Frank mit seinem Dogdruck. Oops den hatten wir gar nicht gesehen,
aber zum Glück hat er das locker genommen. In Tok haben wir
einen kurzen Zwischenstop gemacht, das Fleisch eingeladen, noch
einiges eingekauft, denn es war uns aufgefallen was alles fehlt.
Platz hatten wir sowieso keinen mehr und es wurde wirklich eng
für die letzten 300 km nach Glennallen.
Als ich vor 2 Wochen in Glennallen war, lag dort mehr als 60
cm Schnee, jetzt nur noch ca. 10 cm und vereist, auch hier hatte
es sehr getaut und sogar 2 Tage geregnet, zum Glück hatten
wir das zuhause nicht. Schon seit Jahren wohne ich immer bei Bill
und Dorothy Bowler vom Fireweed Hill B&B und es war ein schönes
Wiedersehen. Und Mensch, richtig, der Bill arbeitet doch in der
Metzgerei im einzigen Laden des Ortes, mit den Fleischblöcken
unter den Armen sind wir da hin und Bill hat uns die klein geschnitten.
Das war viel besser als mit der Kreissäge draußen auf
dem Parkplatz. Bis spät Abends haben wir unsere Fooddrops
gepackt und Schlitten vorbereitet. Martin Jahr, ein
Freund aus Haines Junction ist auch angekommen und hat mit uns
im B&B gewohnt, für Ihn war es auch das erste Copper Basin.
Am Freitagmorgen war dann der offizielle Fooddrop, aber erstmal mussten wir Roland anstatt Jocelyne anmelden. Bei der Anmeldung war eine sehr schlechte Stimmung. Das Copper Basin war mit $ 30.000 Preisgeld wie es schon seit Jahren hatte angekündigt und plötzlich hieß es, es seien nur $ 10.000 da. Das hat vor allem die Profimusher sehr erbost und es haben sich einige wie Bill Cotter und William Kleedehen gleich vom Rennen abgemeldet. Da Roland und ich eh nicht so um die Spitzenplätze fahren hat uns das wenig gejuckt. Am Abend war das Mushermeeting und Startbanquet. Das Mushermeeting war gelinde gesagt sehr beschissen und wir haben so gut wie keine Infos über den Trail bekommen oder die Checkpoints. Keiner schien richtig zu wissen was Sache ist. Das hat die Stimmung unter den Mushern nicht unbedingt verbessert, das Banquet in der alten Gakona Lodge hingegen war sehr schön, wenn es auch hoffnungslos zu eng war, aber wenn man sich nicht bewegen kann, kann man ja nur sitzen bleiben und Bier trinken. Bier ist bekanntlich auch gut für eine Erkältung. Da ich den Trail ja schon 3 mal gefahren bin, hab ich Roland und Martin eine Karte aus dem Internet ausgedruckt und dort dann Eckdaten und Zeiten eingetragen, damit sie als Rookies vernünftige Anhaltspunkte haben.
Roland hatte die Nummer 29 gezogen und ich 33, das war ideal,
schön nah beieinander und ich hinter ihm. Wir hatten nur immer
noch ein echtes Problem. Keinen Handler, der den Truck fährt,
es haben sich viele Handler von anderen Mushern angeboten uns zu
helfen, was super ist und so wird es wohl gehen müssen dieses
Rennen. Beim letzten Mal Hunde droppen ist mir dann Austin, ein
Leihund von Trevor zusammen mit Popcorn und Nemo stiften gegangen.
Popcorn und Nemo kamen 15 min später wieder die Einfahrt hoch,
aber von Austin keine Spur. Na schöner Mist, schwer fluchend
bin ich durch Glennallen gefahren und Roland zu Fuß in der
Nähe des Grundstückes auf der Suche gewesen. Keine Spur.
Na ja, da blieb mir nichts anderes übrig als meine Situation
den Vets im Caribou Hotel zu erklären, und sie zu bitten nach
einem streunenden Hund (und das war Austin früher übrigens
wirklich, Trevor hat ihm vom Tierheim geholt) Ausschau zu halten.
Als ich in die Lobby komme, wer sitzt da und wird mit Chips (ganz
meine Diät) gefüttert: Austin. Er wurde entlang des Highways
eingesammelt und zum Hotel gebracht.
*alle Bilder wurden von Zuschauern des CB300 gemacht worden
