Suche  deutsch english français

Das erste Rennen

Das erste Rennen liegt nun hinter uns. Vergangenes Wochenende waren wir auf dem Sheep Mountain 150 in Alaska. Da wir mit 4 Teams dort hin unterwegs waren, war die Vorbereitung recht aufwändig, so sind 4 Teams doch 46 Hunde, für die alle Futter klein geschnitten werden musste, aber auch 4 Rennschlitten und Ausrüstung galt es vorzubereiten. Vor dem Rennen waren wir also tagelang gut ausgelastet und dabei galt es hier und da auch noch ein paar Trainingsmeilen zu fahren. Der Winter ist bisher dieses Jahr mal wieder ungewöhnlich, oder bald wird das wohl eher zur Gewohnheit, warm. Im Oktober ist es normal, dass wir viel nachts trainieren müssen, im Dezember jedoch ist das schon sehr ärgerlich, tagsüber lagen die Temperaturen oft über Null Grad. Ähnlich sollte es dann auch im Rennen sein, auch dort war es sehr warm, die Schneebedingungen waren jedoch ideal.

Wir sind am Donnerstag den 16 Dez losgefahren, alle 46 Hunde und wir 5, Sebastien, Jocelyne, Kai, Markus als Handler und ich gemeinsam in einem Truck mit dem großen Tandemachsanhänger. Das Wetter war alles andere als ideal zum Fahren mit Eisregen bei Blue Kennels und hinterher Schneetreiben für die gesamten 1200 km Fahrstrecke. Der Truck war so voll beladen, dass selbst bei Vollgas nicht mehr als 80 km/h drin waren und der Durchschnittsverbrauch lag bei ca. 40 Litern (6 miles to the gallon) auf 100 km. In Tok haben wir uns bei Fast Eddies mit Amy Wright getroffen und ihren alten Dogtruck abgekauft, einen BJ 83 Ford mit großer Hundebox, dann konnten wir endlich umladen und die Hunde hatten auch wieder Platz und mussten nicht zu mehreren in einer Box hausen. Bis Mitternacht sind wir dann noch weiter nach Glennallen gefahren, leider war da mal wieder ein Vieh  zu viel auf der Straße, diesesmal ein Caribou, das aber mindestens genauso viel Schaden angerichtet hat wie letztes Jahr der Büffel in Yellowknife.

Am Morgen in Glennallen habe ich mich dann erst mal unter den Ford gelegt und Ölwechsel auf dem Parkplatz gemacht, auch ist das Gaspedal laufend hängen geblieben, aber sonst ist der Truck 1A.

Den Hunden gebe ich auf der Fahrt immer nur wässrige Suppe, um die zum einen hungrig für das Rennen zu machen aber auch damit denen bei der Fahrerei nicht schlecht wird. Am frühen Nachmittag sind wir dann in Sheep Mountain eingetroffen und haben eine sehr schöne Cabin bezogen. Dann galt es alles vorzubereiten, die 4 Schlitten wieder die Schlittensäcke anbauen und dann für das Rennen zu beladen. Die Sheep Mountain Lodge ist wunderschön und liegt in einem idealen Schneegebiet, ich könnte vor Neid fast platzen, hier liegen ca. 60 cm Schnee.

Nach einer erholsamen Nacht ging es dann am nächsten Morgen los. Einige Musher waren wie wir schon den Tag vorher angereist, aber die meisten, im Umkreis von Anchorage wohnen kamen erst nach und nach am Rennmorgen. Alle 4 Teams von 2 Trucks nebeneinander zu starten ist gar nicht einfach, da wird es mit dem Platz zum Anschirren eng. Jocelyne hatte Nummer, 4, Kai, 14, ich 20 und Sebastien 36. Der Start verlief reibungslos und ich war sehr froh endlich unterwegs zu sein. Wir wurden im Musher Meeting vorgewarnt, das der Trail sehr bergig sei, und das sollte keine Übertreibung sein. Wie immer starte ich recht langsam und wurde gleich von einigen Teams überholt.  Die meisten davon sollte ich im Laufe der Zeit wieder einholen. Nach 2 größeren Hügeln, aber immerhin oberhalb der Baumgrenze ging es dann einige Flusstäler entlang, bis zum krönenden Abschluss noch mal ein richtiger Berg überwunden werden musste. Meine Bein wurden bleischwer so, sind die doch nur noch Schreibtischtätigkeit gewohnt und nicht mehr das Rennen hinter dem Schlitten.  Die Abfahrt von dem Berg war in sehr weichem Schnee und oft waren die Hunde regelrecht am Schwimmen in dem Schnee.  Wieder im Tal angekommen gab es einige recht scharfe Abzweigungen, wo ich dann so einige Teams überholen konnte, deren Leithunde wohl Augenscheinlich die Kommandos nicht befolgt hatten, darunter war auch Jocelyne wie ich später gemerkt hatte. Kai hatte ich schon relativ zu Anfang überholt, generell hatte mein Team aber keine rechte Geschwindigkeit, keinen Pepp, aber wundern durfte mich das nicht, so konnte ich die im Dezember bisher nur einmal selbst fahren, sonst waren die immer mit anderen unterwegs, da fehlt der Zusammenhalt. In Eureka angekommen war mein Parkplatz recht weit vom fließend Wasser entfernt und nachdem ich mich eh schon bei Mitlaufen völlig verausgabt hatte, bin ca. 100 Meter gelaufen, das ist 10 mal mehr als von meinem Schreibtisch zum Truck, habe ich mich zum Schnee schmelzen entschieden und das Wasser holen auf später vertagt. Alle Hunde haben gut gefressen, bis auf einen Leihhund den ich mit im Team hatte. Das mit dem Leihhund sollte sich als keine gute Idee erweisen, denn der kannte weder mich noch seine Laufgenossen und hat sich im Team nicht recht wohlgefühlt, mit dem Ergebnis, dass ich ihn auf der zweiten 50 Meilen Etappe für mehr als 3 Stunden im Schlitten haben sollte. Dazu kam bei der 2ten Etappe, dass Diesel einer meiner jüngeren Hunde sich noch eine Schulterverletzung zugezogen hatte und ich ihn auch noch einladen durfte, mit 2 Hunden im Schlitten ging es wieder über zahllose Berge, wo eigentlich gar keine sein sollten, aber Zack Steer, der Organisator, hat wohl eine andere Auffassung von Bergen. Jetzt war ich erst recht am mitlaufen und fluchen über meine schlechte körperliche Verfassung, ich habe mir geschworen nie wieder zu Mc Donalds zu gehen (war da bestimmt schon 10-mal seit meiner Rückkehr). Nach 5 Stunden und 3 Minuten war ich wieder im Checkpoint, froh wieder da zu sein und 2 Hunde ausladen zu können. Für die erste Etappe hatte ich 5 Stunden 15 Minuten gebraucht. Alle Hunde haben sehr gut gefressen im Checkpunkt, gesnackt auf dem Trail habe ich nicht. Um Kai hatte ich mir dann langsam doch Sorgen gemacht, der war nach der ersten Etappe eher entmutigt, da das Rennen doch recht anspruchsvoll war und die 2te Etappe war auch nicht gerade einfach. 10 von den 30 gestarteten Teams haben nach der 2ten Etappe aufgegeben. Jocelyne war guter Dinge, Sebastien war auch eher etwas gedrückt und hatte nicht so ein schwieriges Rennen erwartet. 

Alle 3 haben jedoch den inneren Schweinehund überwunden und sind wieder gestartet zum 3ten Lauf, der wieder über die gleichen hohen Berge ging, wie der erste, nur Rückwärts. Der Trail war deutlich besser als auf der Hintour, nur hat es unterwegs leicht geschneit. Meine Hunde waren beim Aufbruch zur 3 Etappe wie wild, haben gekläfft und mir laufend den Schneeanker rausgezogen, etwas, dass ich nicht oft habe, die sind sonst eher wie Schlafpillen. Das hat mir gezeigt, dass ich die in den ersten beiden Etappen nicht genug gefordert hatte. Die ersten Minuten dieser Tour sollten rasant sein, bin in vollem Galopp den hohen Berg des Vortages hoch, aber leider nur bis zur Hälfte, dort hat sich Nemo zum Scheißen hingesetzt und Chevy ist von hinten reingelaufen, oh je, da ging die Keilerei los.  Selbst nach dem ich das ganze wieder entzettelt hatte sollte im Team keine Ruhe einkehren, Nemo hat sich immer nach Hinten umgedreht und wollte mit Chevy Keilerei anfangen, so arg sogar, dass er sich dabei aus dem Geschirr gewunden hat. Mit rasanter Fahrt war es da vorbei. Nach viel Hunden hin und her wechseln, hatte ich Chevy ganz vorne im Team und Nemo hinten, der aus lauter Frust immer auf Popcorn seinem Nachbarn rumgehackt hat. Wieder ein Anzeichen, dass es mir dieses Jahr noch nicht gelungen ist, ein harmonisches Team zu bekommen, aber das wundert mich nicht, so bin ich doch seit meiner Rückkehr vom Rennen noch kein mal wieder auf dem Schlitten gestanden. Insgesamt bin ich auf den 6 Platz gekommen, eindeutig nicht das was ich gehofft hatte, aber ich werde mich wohl diese Saison damit zufrieden geben müssen, überhaupt glücklich zu sein an Rennen gehen zu können, denn nach unserer Rückkehr sollte es hier sehr holperig weiter gehen. Wir haben mal wieder allen Schnee verloren, mit mehreren Tagen Südsturm über Null Grad. Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich einen Teilumzug nach Watson Lake hinter mir, wie immer lebe ich hauptsächlich auf dem Highway. 

Aber zurück zum Rennen. Ich bin um 15 Uhr wieder an der Lodge gewesen, Jocelyne sollte 2 Stunden später auf Platz 14 mit allen Hunden kommen, eine sehr gute Leistung.  Sebastian war auf Platz 19 um 19 Uhr. Dann begann das Warten auf Kai, und das Wetter wurde immer schlechter, es waren nur noch  2 Teams auf dem Trail. Ich wurde langsam doch unruhig, denn mittlerweile wurde der Schneefall zum echten Schneesturm, aber um kurz nach 20 Uhr kam dann Kai mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht auch mit 12 Hunden über die Ziellinie, also vorletzter aber bei dem Schwierigkeitsgrad diese Rennen eine echt super Leistung. 

Auf dem Rückweg haben wir alles an Hundefutter in Tok gelassen, denn seit neuestem dürfen wir kein Stück Fleisch oder Trockenfutter mehr über die Grenze fahren, in beide Richtungen. Auch das wird das Rennen fahren diese Saison nicht gerade einfacher machen. An der Grenze wurde es dann auch lustig, denn ich musste ja den gekauften Truck offiziell nach Kanada einführen und die Grenzerin hatte dazu so überhaupt keine Lust und Unfreundlichkeit wäre als Bezeichnung Ihrer Laune noch höflich gewesen. In Beaver Creek hatte dann der Hänger noch einen Platten aber sonst ging die Rückfahrt gut, wir waren um 20 Uhr wieder zuhause, und dort war der Schnee sehr mager und sollte noch magerer werden in den nächsten Tagen.

Ob und was für Rennen ich dieses Jahr nun noch fahren kann, ist sehr ungewiss, denn jetzt müssen wir erst mal nach Watson Lake umziehen. Für Euch, die Ihr für diesen Winter Touren gebucht habt, keine Panik...... wir werden das schon schaukeln, wie bisher immer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr bei Blue Kennels wie geplant fahren werdet ist nicht hoch. Dafür gibt es dann neue interessante Trails in Watson Lake. Dort werden wir jetzt dann auch bleiben, dass heißt im Klartext ich werde nun den Standort Whitehorse komplett aufgeben, denn innerhalb der letzten 6 Jahre hatten wir dort 3 mal nicht ausreichend Schnee, wirklich kein guter Schnitt. Watson Lake ist zwar 4 Stunden vom Flughafen entfernt, dafür aber 100% Schneesicher. Auch habe ich dort Strom und Telefon und damit Internet, wo ich endlich die Büroarbeit von Zuhause erledigen kann. Ja und es gibt dort sogar fließend Wasser..., aber keine Bange auch schöne rustikale Blockhütten, in die ich kein Wasser und so Schnickschnack legen werde.

Also drückt mir die Daumen, dass Jocelyne und ich es zum Copper Basin schaffen werden, noch habe ich als alter Dickkopf die Hoffnung nicht aufgeben, ich muss schließlich die ganzen Stress Mc Donalds Burger wieder abarbeiten. Oh ja, by the way, happy Christmas and New Years.

Sab, Joc and Team

31. März 2005
2000 Meilen in einem Monat
4. Februar 2005
Abfahrt !
19. Januar 2005
Das Copper Basin 300
28. Dezember 2004
Das erste Rennen
28. November 2004
Gerücht "Iditarod"
21. November 2004
Saisonstart
31. Oktober 2004
Herbsttraining
18. September 2004
Trainingsplanung
28. August 2004
Indian Summer kommt

Impressum ¦ Kontakt ¦ Sponsoren