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Auf dem Trail - Braeburn - Whitehorse

Nach dem Abendessen sah ich nach den Hunden, speziell nach Marmot, dem ich seine Gelenke massierte. Piano`s Beine ware wieder besser, ebenso wie Libby`s Schnitt, was mich etwas überraschte mit den vielen Kilometern. Tang begann mir Sorgen zu bereiten, denn sie hatte etwas an Gewicht verloren. Ich entschied, ihr mit Chevy einen Partner im Lead zur Seite zu stellen. Ich schlief 4 Stunden lang im Steve`s Bunkhouse, in einem richtigen Bett... Nice! Ungefähr eine Stunde vor Abfahrt gab ich den Hunden eine wäßrige Mahlzeit. Ich ging einwenig mit Marmot und entschied ihn mitzunehmen. Jetzt konnte ich das Rennen mit allen 11 beenden. Die vor uns liegende Strecke würde eine Herausforderung werden. Nach nur 2 Meilen müssen wir uns links halten anstatt nach rechts Richtung Cabins zu fahren. Nach weiteren 20 beziehungsweise 30 Meilen werden wir unsere Walltents für die Touren passieren. Weitere 20 Meilen später werden wir an der Abzweigung zum Kennel vorbei kommen, es warten also 4 Ablenkungen auf uns. Ich trainierte diese Strecke bereits im Januar in der Hoffnung, dass die Hunde die Strecke wieder erkennen und nicht nur den Heimweg im Kopf haben.
Michelle fuhr 30 Minuten vor mir los. Als es Zeit wurde anzuspannen, drehten die Hunde voll auf, legten sich in die Leinen und bellten. Nicht weil sie weiter 100 Meilen vor sich sahen, sondern um 2 Meilen bis zu den Cabins zu laufen. Dies zeigt wieviel, auch bei ihnen psychologisch ist. Physisch sind sie leicht in der Lage dies zu bewältigen, aber der Trick ist sie auch mental glücklich zu behalten. Zu meiner Freude zog Marmot von Anfang an. Die Abzweigung nach 2 Meilen meisterten wir problemlos, Tang und Chevy schwenkten das gesamte Team südwärts und wir legten einiges an Geschwindigkeit zu, so dass ich die Bremse betätigen musste. Dies hatte ich wirklich nicht erwartet. Ich wartete, daß Thomas aufholt und wir liefen innerhalb Sichtweite. Es fühlte sich sehr merkwürdig an auf einem Trail zu fahren bei dem man jeden Meter kennt. Nach 23 Meilen passierten wir das Walltent bei Kynocks und die Hunde gingen vorbei O.K., aber unsere Geschwindigkeit fiel drastisch. Ich ließ Thomas vorbeiziehen und hoffte, daß meine Hunde ihn jagen würden. Das taten sie auch bis wir den Spur zum 57 Mile Lake erreichten, dort brauchte es eine Menge Überzeugungsarbeit, um sie vorbei zu lotsen, wir schlichen dahin und Thomas zog mit seinen 7 Hunden problemlos vor meinem 11er-Team davon. Wieder, es spielt sich alles in ihren Köpfen ab. Ich denke wir liefen mit etwas 6 Meilen pro Stunde, das langsamste des gesamten Rennens. Der Schnee war ziemlich matschig und nachdem ich durch ein Wintermärchenland gereist war, fragte ich mich, noch einmal, warum ich Whitehorse als mein Zuhause gewählt habe. Nicht ohne Grund nennen es die Einheimischen Bananen Gürtel. Ich denke nach 7 Jahren hier, weiss ich Bescheid.

Kurz vor der Abzweigung Richtung Kennel gab ich den Hunden, in der Hoffnung sie einwenig abzulenken, noch einen Snack. Doch an der Abzweigung schlug das gesamte Team den Trail Richtung Westen ein, der Weg nach Hause…, Tang und Chevy hätten meinen Anweisungen nach links zu gehen gefolgt, aber der Rest der Mannschaft weigerte sich. Ich wünschte mir, daß ich diese Abzweigung verbarrikadiert hätte. Ich versuchte sie zu überreden Richtung Whitehorse zu gehen, aber sie wollten nach Hause. Ich begann, mit Tang und Chevy den Trail hinunter zu laufen. Micky, Marmot und Libby wollten auf keinen Falll in diese Richtung. Na gut, dachte ich, setze ich sie in den Schlitten, da hat es genügend Platz und immer noch 8 Hunde die ziehen. He, fahre ich einen Bus? Ich joggte mit Tang und Chevy für ungefähr 4 Meilen, bis wir über einen kleinen Hügel kamen und es anschliessend abwärts weiter ging. Ich setze Libby, Marmot und Micky wieder ins Team. Aber Micky fing sofort an zu humplen, ich überprüfte ihn und stellte fest, dass er eine verspannte Schulter hatte, die mir vor lauter Konzentration auf diese Abzweigung gar nicht aufgefallen war. Ich setzte ihn in den Schlitten zurück und fühlte mich etwas traurig für ihn, denn ich wollte wirklich, dass dieser junge Hund die ganze Strecke glücklich beendet. Diese ganze Episode kostete mich viel Zeit, Thomas war schon lange davongezogen. Und sie wurde warm, sehr warm, aber ich entschied mich bis zum Ziel weiterzufahren.
Anstatt in einem gefühlsmässigen Hoch, so kurz vor dem lange erträumten Ziel, zu sein, befand ich mich nun in einem absoluten Tief. Ich fragte, ob es richtig ist die Hunde weitere 40 Meilen nach Whitehorse zu drängen, anstatt einfach nach Hause zu fahren. Sicher stand mein Ego über dem dem meiner Hunde, als ich diesen Entscheid traf. Wir hatten einen unheimlich langsamen Run auf dem Takhini und die Tatsache, daß ich zahlreiche von Franks Touristen überholen musste half mir auch nicht gerade. Warum konnte es sie nicht vom Questtrail fernhalten während das Rennen noch lief? Vielleicht wusste er gar nicht dass sie hier waren, schliesslich kam er selber erst gerade vom Rennen zurück. Ich mußte kämpfen, um Mickey im Schlitten zu halten, als er alle die bellenden Hunde hörte. Einige der touristischen Gespanne waren ziemlich ausser Kontrolle und so war ich froh, dass ich sie mit Tang im Lead neben dem Trail mit grossem Abstand überholen konnte. Dann kamen wir ohne Mühe an Franks Kennel vorbei, aber nur um anschiessend gleich wieder auf eine Touristengruppe aufzulaufen. Das machte mich wütend und ich glaube, dass es keine Entschluldigung gibt seine Touristen zu dieser Zeit, wenn viele Rennteams nahe die Ziels sind, auf dem Questtrail zu haben, speziell da ich zu dieser Zeit auch viele Gruppen habe. Da gibt es genügend andere Trails um darauf zu fahren. Als wir den Yukon erreichten, da wusste ich dass es nur noch eine Angelegenheit von 1.5 Stunden sein würde, bis wir das Ziel erreichen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, ich versuchte an die letzten 12 Tage zu denken und fragte mich, was auf mich wartet, wenn ich nach Hause komme. Es war wirklich angenehm meine Gedanken vom Business zu befreien. Andererseits erfüllte das Quest meine Träume? Ich war mir nicht so sicher, aber dies hauptsächlich wegen der letzten schwierigen Meilen.
Im Ziel wartete eine grosse Menschenmasse, was ich wirklich nicht erwartet hatte, doch innerhalb einer Stunde hatten drei Yukonteams das Rennen beendet. Ich setzte Mickey zurück ins Team und wir trotteten mit allen 11 Hunden in Richtung der Ziellinie. Es gab eine Menge vertraute Gesichter in der Menschenmenge und es war ein wirklich überwältigender Moment für mich. Ich war froh Jocelyne zu sehen, welche auf mich wartete um mir eine grosse Umarmung zu geben. Ich dankte meinen Hunden, besonders Tang, die jeden Meter des Rennens im Lead gelaufen war und keinen Schritt verpasste. Ich hatte schon immer eine sehr starke Bindung zu ihr, aber diese war nun noch stärker geworden. Sie war ein Geschenk vom Cowboy Larry Smith von Dawson, der einige feine Hunde aufgezogen hat. Ich war nicht darauf vorbereitet einige Worte ins Mikrophon sagen zu müssen und fühlte mich ziemlich blöd bei der Suche nach den passenden Antworten. Wir gaben den Hunden zu fressen und liessen sie in ihre Boxen, das Yukon Quest ging für mich zu Ende. Innerhalb einiger Minuten saß ich in meinem Büro und begann die eMails aufzuarbeiten und anderen geschäftlichen Kram zu erledigen.
Zurückblickend auf das ganze Rennen, nun einge Monate später, Mitte Mai, in meiner Küche sitzend, meine Erinnerungen sind bereits um einiges anders als gleich nach dem Rennen. Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob ich das Rennen noch einmal fahren würde, wäre meine Antwort schnell gekommen: Nein. Nun einige Zeit später bin ich sicher, dass ich das Quest wieder fahren werde, ich bin nur noch nicht sicher wann. Wenn ich meine Laufzeiten betrachte, dann glaube ich, daß ich bis Stepping Stone ein gutes Rennen gefahren bin, dann nachdem ich Brownie verlor brachen die Dinge einwenig auseinander, aber hauptsächlich in meinem Kopf, ich hätte auf solche Momente vorbereitet sein sollen. Über alles gesehen lief das Rennen viel glatter als ich vermutet hatte, der Trail war ein Highway diese Jahr und wir können wirklich glücklich sein. Auch das Wetter war schön, wir hatten am Anfang gerade mal 2 Tage kaltes Wetter, aber wir hatten nie wirklich schlechtes Wetter, kein Wind, keine Schneestürme.
Die Hunde überraschten mich, von Chevy hatte ich sicher nicht erwartet, dass er es bis zum Ziel durchhält, da er die meiste Zeit rannte. Auch Mickey, der noch sehr jung ist. Das Finisherteam war: Tang, Chevy, Wondar, Piano, Paws, Libby, Coon, Marmot, Hering, Otto, Micky. Skipper musste ich in Angel Creek wegen einer Verletzung, welche er sich vor dem Rennen zuzog, aus dem Rennen nehmen – ich hätte meinen Ersatzhund Ginger an Stelle seiner nehmen sollen.. Eman arbeitete zu hart und war daher in Slavens nach 300 Meilen ausgepowert. Brownie fiel in Scroggy einigen Mißverständnissen zum Opfer. Es ist definitiv zutreffend, dass die, welche die 300 Meilenmarke gut überstehen das Rennen ziemlich sicher beenden können. Sie werden im Laufe des Rennens stärker und stärker und gewöhnen sich an den Zeitplan. Was mich anbetrifft war ich mit meiner Wahl von Bunny Boots, meinem Snow Mantra Parka und Skihosen glücklich. Ich war nicht so glücklich, dass ich vor dem Rennen in keiner so guten körperlichen Verfassung war. Ich lernte viel über die Pflege der Hunde, dies ist etwas was ich an Rennen mag, es gibt soviele Leute mit unschätzbaren Fähigkeiten, von denen man lernen kann. Ich fuhr gerne mit meinen Gatt-Schlitten, aber ich muß noch lernen mit weniger Gepäck zu fahren – es war gut ein Stück mit Thomas zu reisen, um zu sehen mit wie wenig man reisen kann. Spezieller Dank an alle Freiwilligen und Tierärzte des Rennes. Danke an jeden, der half dieses Rennen zu ermöglichen, bis bald auf dem Trail.

Auf dem Trail
Braeburn - Whitehorse
Carmacks - Braeburn
Pelly Crossing - Carmacks
Stepping Stone - Pelly Crossing
Steward River - Stepping Stone
Dawson - Steward River
40 Mile - Dawson
Eagle - 40 Mile
Slavens Cabin - Eagle
Circle - Slavens Cabin
Central - Circle
Angle Creek - Central
Fairbanks - Angle Creek

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