Auf dem Trail - Pelly Crossing - Carmacks
Diesmal
brauchte ich nicht lange um zu Thomas aufzuschliessen. 3 Hunde mehr
im Gespann spürt man definitiv. Ich bin überrascht zu
sehen, wie stark Thomas mit diesen 8 Hunden vorankommt. Er arbeitet
ständig hinter dem Schlitten. Der Trail ist ziemlich windig
und geht durch verbranntes Gebietes. Das muss recht anstrengend
gewesen sein den Trail hier zu präparieren. Wir überquerten
2 Seen, bei denen wir vor Overflow gewarnt worden waren, aber es
war alles schön zugeforen. Es war ziemlich warm und ich stoppte
um den Hunden eine kurze Pause zu gönnen und ihnen einen kleinen
Fischsnack zu geben. Nach ungefähr 3 Stunden fiel der Trail
nach rechts ab und führte nahe des Klondike Highways und die
vorbeifahrenden Autos hielten an um einige Photos zu machen. Dies
rief doch recht spezielle Gefühle in mir hoch. Kurz vor dem
Erreichen des Dogdrops wartete eine nette Eisfläche auf uns,
ebenso wie der Photograph Carsten Thies, welcher auf einige nette
Ausrutscher hoffte. Ich stellte sicher einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Der Weg nach Mc Cabe war relativ kurz mit etwas unter 4 Stunden,
aber ich entschied zu bleiben, kein Grund das Tempo zu forcieren
und ausserdem war es entschieden zu warm. Die Gastfreundschaft wurde
hier gross geschrieben, ein grosses Eintopfgericht, selbstgemachtes
Brot und ein guter Schlafplatz. Kelly und Michelle kamen ebenfalls,
Kelly fuhr direkt weiter um lies mich somit einige weitere Positionen
zurückfallen. Wir blieben fast gleiche lange, wie wir gelaufen
waren, d.h. etwas mehr als 4 Stunden.. Der Schlitten war leicht
mit nur einem Satz Snacks. Der weitere Trailverlauf war etwas verwirrend
für mich… vielleicht war es nur meine zunehmende Müdigkeit.
Ich konnte einfach nicht herausfinden, warum ich keine Markierungen
sah. Keine, für mehr als 1 Stunde. Das machte mich wirklich
nervös, aber wir fuhren südöstlich, welches die richtige
Richtung war. Ich erwartete den Yukon zu meiner Rechten, aber er
war nicht dort. Aber es gab immer noch Hundescheisse auf dem Trail,
somit müssen wir richtig sein. Nach einiger Zeit kamen wir
auf den Yukon, welcher sich zu meiner Linke befand, d.h. dass wir
ihn einmal überquert hatten ohne es zu merken - das ist nicht
gut. Der Trail folgt nun dem alten Dawson Trail, dem gleichen Trail
an dem wir wohnen, also waren wir sozusagen auf dem Heimweg. Ich
überholte Kelly, welche am Trail rastete und schloss auch wieder
zu Thomas auf. Die Hunde liefen gut, wir hatten eine gute Zeit und
bald schon erreichten wir die Freegold Road wo wir eher noch schneller
wurden, da die Oberfläche schön glatt war. Hier musste
ich auch zum ersten Mail wieder meine Bremse benutzen..., die Strasse
ist schön und hügelig.
In
Carmacks angekommen hatte ich das Gefühl, dass wir durch jede
mögliche Strasse fahren und ich verlor die Orientierung bis
wir wieder auf den Yukon stiessen. Ein steiler Hügel führte
zum Checkpoint, welchen wir nach nur 5.25 Stunden erreichten. Die
Hunde sahen gut aus, assen gut, tranken gut, sie hatten ihren Rythmus
zurück. Es gab einige Kerle, die mich die ganze Zeit beobachteten,
während ich bei meinem Team arbeitete. Sie sagten kein Wort
und ich wunderte mich, dass sie nicht müde wurden mich die
ganze Zeit zu beobachten. Inzwischen hatte ich ebenfalls eine guten
Routine um zu wissen was wann zu tun ist. Anhalten. Den vorderen
Hacken schnappen und während ich nach vorne laufe schon einen
Ballen Stroh den halben Weg mitnehmen. Den vorderen Haken setzen
und auf dem Weg zurück alle booties ausziehen und die Hunde
auf Verletzungen kontrollieren (und wenn nötig gleich behandeln
oder massieren, je früher desto besser), aber ich lasse die
Leinen noch dran. Dann das Stroh verteilen ohne dass sich die Hunde
gleich darüber hermachen. Sobald das Stroh bei jedem Paar ausgebreitet
ist mache ich die Leinen los und die Hunde legen sich augenblicklich
nieder, so muss ich sie nicht mehr wecken um die booties abzunehmen.
Ich lege sofort die Decken über sie, damit sie auch nach oben
keine Körperwärme verlieren. Dann leere ich meinen Schlitten,
hole Wasser für den Kocher, oder hier haben sie bereits Heißwasser
und weiche das Futter ein, welches ich ungefähr 1 Stunde nach
der Ankunft füttere. Alle verschlingen gierig ihre Ration und
wer noch eine zweite möchte bekommt auch diese und weitere.
Die Gelegenheit dass die Hunde gerade auf sind nutze ich zu einer
zweiten Massage, so muss ich sie nicht extra wecken. Ich gehe nach
drinnen, bereite das nächste Futter vor und wenn ich wieder
herauskomme scheinen alle zu schlafen und ich decke sie mit ihren
Decken zu. Am Anfang des Rennens benötigte ich dafür gute
2 Stunden, nun nur noch ungefähr 45 - 60 Minuten (abhängig
von den benötigten Massagen). Zurück in der Gemeinschaftshalle
gab mir irgendein junger Kerl eine sehr große Platte Hühnchen
und ich erblickte Trevor, welcher in Dawson aufgeben musste. Wir
plauderten eine Weile und dann kam auch Walter Egg mit 2 Freunden
zu mir. Es dämmerte mir, daß mich die 3 die ganze Zeit
draussen beobachtet hatte und ich sie nicht einmal bemerkt hatte.
Es gab einen Computer und ich überprüfte die Zeiten der
anderen Musher. Ich sagte zu Johnny Schandelmeier, he schau, Peter
Ledwidge ist bereits in Carmacks. Mit einem verwirrten Blick fragte
er: „Und wo sind wir?“. O.K.-O.K. wirklich Zeit etwas
zu schlafen. Sie hatten ein großes beheiztes Haus für
uns, wo wir auf dem Fußboden schliefen, jede Oberfläche
war uns recht. Ich blieb volle 2 Stunden länger, als ich bis
hierher gebraucht hatte, nicht gerade eine gute Rennstrategie so
spät im Rennen.
