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Auf dem Trail - Steward River - Stepping Stone

Als ich in Steward ankam und meine Hunde alle gut aussahen entschied ich mich in meinen Gedanken das Tempo beizubehalten und nicht zu campieren. Es war großartig, mit allen diesen erfahrenen Mushers zu fahren. Mike McGowan der Renn-Marschall kam zu mir und fragte mich, ob meine Handler Englisch sprechen. Ja sie sind Kanadier also ich schätzen so, antwortete ich, ohne den Zweck seiner Frage zu begreifen. Dann kam der Schock. "Habe sie Ihnen nicht gesagt, dass sie Brownie in Dawson hätten zurücklassen müssen?". „Nein, warum?“ „Die Tierärzte in Dawson dachten, sie hätten ihn droppen müssen und nun müssen sie ihn hier droppen". Ich konnte kaum glauben was ich da hörte. Brownie kam im Lead in Steward River an, war gut gelaufen und seine Schwellungen waren vollständig zurückgegangen. Mike schien sich in der Situation selbst ziemlich unbehaglich zu fühlen, speziell als er mich mit Brownie im Lead hereinkommen sah. Was mich wirklich verwirrte, war dass der Tierarzt hier nicht bereit war Brownie nochmals zu überprüfen, er wollte die Tierärzte in Dawson nicht übergehen. Ich frage mich wirklich, warum er hier ist, aber das war nun nicht der Punkt. Ich wunderte mich, was geschehen war. Mit wem haben die Tierärzte gesprochen, möglicherweise verwechselten sie meine Touristen mit meinen Handlern. Markus würde mir die Nachricht 100%ig überbracht haben. Noch mehr verwunderte mich (und Mike), dass in meinem Vetbook nicht stand, dass ich Brownie droppen müsste. Möglicherweise war die ganze Sache eine Intrige, ging es mir durch den Sinn, aber von wem und warum? Auch Mike war unter Zeitdruck, da es langsam dunkel wurde. Seine kostbare Zeit verstrich, aber auch meine und anstatt mich richtig um die Hunde zu kümmern, standen wir da und diskutierten. Mike hatte dann eine gute Idee. Er würde nach Dawson zurückfliegen und den Tierärzten erklären, was er gesehen hatte und dass Brownie gut aussah. Wenn er zurückrufen würde, mit der Meldung, dass ich mit Brownie weiterfahren könne, dann könne ich dies tun. Wenn ich aber nichts von ihm hören würde, dann müsse ich Brownie zurücklassen. Gedanken rasten mir durch den Kopf... was jetzt, wenn sich Brownie auf dem Weg nach Pelly verletzten würde, aus welchem Grund auch immer und ich ihn im Schlitten nach Pelly bringen müsste, dann hätte ich ganz bestimmt grosse Schwierigkeiten. Was ist zu tun? Ich hätte gerne Thomas Tetz Rat gehört, aber dieser ist noch hinter mir auf dem Trail. Nun es gab nur eine Wahl um auf der sicheren Seite zu sein, ich muss Brownie zurücklassen. Bevor Mike den Dogdrop verließ, erklärte ich ihm, dass er nicht zurückrufen müsse, da ich Brownie droppen werden um keine Probleme beim Erreichen von Pelly zu bekommen. Ein erleichterter Mike ging... jetzt kenne ich den Grund, warum er dort gewesen war, in der Mitte von Nirgendwo, um mit mir zu sprechen. Ich hatte noch starke 11 Hunde, der Verlust von Brownie als guten Führer ist ein Verlust, aber kein dramatischer. Doch dieser Vorfall beschäftigte mich mehr als alles andere. Ich hatte grosse Probleme um mich zu konzentrieren, ständig daran denkend was gerade geschehen war. Soviel zu meiner Rennstrategie. Es gab nur einen Weg um weiterzufahren. Das Tempo verlangsamen, bis ich Antworten gefunden habe, was in Dawson geschehen war oder ob es sich eventuell doch um eine Intrige handelt. Thomas kam, wir diskutierten und ich vergeudete meine wertvolle Schlafzeit.

Ich hatte meinen Hunden eine zu lange Pause gegönnt, denn wir blieben fast 10 Stunden, aber ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Wenn ich um Mitternacht gefahren wäre, dann wäre ich perfekt im Zeitplan gewesen, denn bis Stepping Stone ist ein 10 Stunden Run und dann wäre ich vor der Hitze des Tages dort gewesen. Hitze war nun wirklich eine Herausforderung. Stattdessen trödelte ich hier um 3.30 Uhr morgens herum. Sogar einige Musher, Michelle und Kelly, welche ich seit Central nicht mehr gesehen hatte, holten mich nun ein. Dave Daltons Hunde sprangen in die Leinen und bellten, als er mit allen 14 weiterfuhr, ein guter Anblick nach gut 1000 Kilometer im Rennen. Als es Zeit wurde weiterzufahren bellten sogar Wondar und Tang und auch ich hatte einen guten Start. Nachdem ich nicht geschlafen hatte fiel es mir sehr schwer mich wach zu halten. Der Trail war in einem super Zustand, ich hatte viele Horrorgeschichten über diesen Streckenabschnitt gehört, aber die Ranger und Wendall Carey hatten einen tollen Job gemacht um ihn zu säubern. Nach Stepping Stone durchzufahren stand ausser Frage und ich entschied solange zu fahren bis es zu warm würde. Auf einer Eisfläche sah ich wie Coon ausrutschte und sofort zu humpeln begann, mist... das erste Mal im Rennen dass ich einen Hund in den Schlitten nehmen musste. Ich packte ihm eine Wärmepackung auf die linke, vordere Schulter. Glücklicherweise blieb er im Schlitten sitzen. Ich passierte einige Musher während ihrer Pause, John, Frank und Dan und fand schließlich einen guten Rastplatz auf der linken Seite des Trails in den Bäumen. Meine Moral war auf einem absoluten Tiefpunkt. Ich fühlte, dass mein Rennen vorbei war und wollte scratchen. Hier sass ich nun in der Hitze des Tages, habe kurz nachdem ich Brownie zurücklassen musste Coon im Schlitten. Die Hunde spürten selbstverständlich meinen Gemütszustand. Keiner von ihnen aß, als wir stoppten. Das Desaster war da kurz nachdem wir noch eine tolle Zeit zusammen hatten. Glück kann im Quest sehr schnell wechseln. Ich fühlte, dass es nur eine Möglichkeit gab sie wieder etwas zu motivieren – sie alle losmachen und herumtollen lassen... es war ein toller Anblick, wie sie alle um zwei grosse Bäume herumtollten. Ich gönnte mir ein Nickerchen in meinem Schlafsack. Es war definitiv warm, über 0°C. Frank überholte mich und ich erklärte ihm, dass ich im Begriff war in Pelly das Rennen zu beenden. Ich muss ihm danken für das was ich da zu hören bekam, denn es kam gerade zur richtigen Zeit.

Wir ließen dem campspot gegen 3.30 nicht gerade die beste Zeit, aber ich wollte einfach weiterfahren. Coon sah schon besser aus, aber ich entschied trotzdem ihm im Schlitten zu lassen. Er sollte nicht so lange nach Stepping Stone dauern und dort kann er sich noch etwas mehr ausruhen. In der Tat waren wir nach nur gut 2 Stunden dort. Mann, wenn ich nur letzte Nacht früher abgefahren wäre, ich könnte mich ohrfeigen, dass ich die Brownie-Episode hatte so an mich herankommen lassen.

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Auf dem Trail
Braeburn - Whitehorse
Carmacks - Braeburn
Pelly Crossing - Carmacks
Stepping Stone - Pelly Crossing
Steward River - Stepping Stone
Dawson - Steward River
40 Mile - Dawson
Eagle - 40 Mile
Slavens Cabin - Eagle
Circle - Slavens Cabin
Central - Circle
Angle Creek - Central
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