Auf dem Trail - Von Fairbanks nach Angle Creek
Die Woche
vor dem Quest habe ich bei Judy Cooper in Fairbanks verbracht, schön
relaxt in einer Hütte, oft bis spät in den Vormittag geschlafen,
da komme ich sonst nicht oft zu. Leider war es sehr sehr warm, plus
8°C nur 3 Tage vor dem Quest, so dass ich nicht mehr zu den
erhofften Trainingsläufen gekommen bin. Dadurch waren die Hunde
recht "giddy" und "keifig", was dann auch prompt
zu einem Kampf, bei dem sich alle auf Skipper gestürzt haben,
geführt hat. Keine äusseren Verletzungen, jedoch hat er
immer im linken Hinterbein gehinkt, und liess sich das auch nicht
richtig anfassen.
Am
Mittwoch vor dem Rennen kamen dann Birgit Beyer, ein Gast, und Roland
als Handler für Gerry Willowmitzer auch nach Fairbanks. Kai
Wohlgemuth hatte ein Zimmer im Princess Hotel, dort wo das Start
Banquet gehalten wurde. Die letzten Tage waren mit last minute Vorbereitungen
ausgefüllt, Futter packen, neue Leinen machen, Trailkarten
kopieren etc. Mein Kopf war wieder mal nicht richtig bei der Sache,
immer noch bei den e-mails und Blue Kennels, ein altbekanntes Problem,
ich kann nicht schnell genug abschalten. Beim Musher Banquet ging
es mir gar nicht gut, ich hatte einen Gehörsturz am Vortag
und mir war einfach nur schlecht. Welch Schande, vor allem in Anbetracht
der Tatsache, dass es dort ein "all you can eat" Buffet
gab. Ich habe Nummer 29 von 31 gezogen, wäre lieber weiter
vorne gewesen, vor allem wegen der knappen Parkplätze in Angle
Creek. Die Mushers meetings haben mich nicht sonderlich begeistert,
beim "Rookie Meeting" wurde uns mehr oder weniger das
gleiche erzählt wie beim Mushers Meeting, die eigentlich wichtigen
Infos, wo welche Cabins offen sind, wie der Trail wo ist, wusste
keiner so recht.
Am
Samstag den 14. Feb war es dann endlich soweit morgens um 8 Uhr
sind wir bei Judy weg, um 9 Uhr sollten wir am Start sein. Dort
um kurz nach 9 angekommen, wusste allerdings niemand wo wir unseren
Truck parken sollten, eigentlich hiess es, dass dort Pappteller
mit den Nummern aufgehängt werden, die gab es auch, endeten
aber bei 27. Wir bekamen einen Parkplatz recht abseits, schön
ruhig für die Hunde, allerdings mehr als ungünstig für
den Start, da gleich am Anfang eine spitzkehrige Kurve mit 120°
auf mich gewartet hat. Gisela und Dieter Dolif kamen zum Handeln,
haben mir beim Booten und Anschirren geholfen. Die Teams wurden
mit einem Skidoo gebremst, sehr gut, im Gegensatz zu Helfern, die
sonst den Hunden auf die Pfoten treten. Irgendwie verging die Zeit
zu schnell, plötzlich war ich schon auf dem Trail unterwegs,
habe es kaum glauben können, leider noch immer nicht in Rennstimmung.
Das Wetter war nicht sonderlich angenehm, windig und es hat leicht
geschneit. Sehr zu meinem Erstaunen fiel das Team gleich in einen
recht langsamen aber gleichmässigen Trab, sogar Chevy, der
sonst nie trabt. Von hinten haben mich gleich 2 Teams überholt,
so dass ich nach einigen Minuten letzter war. Nach ca. 3 Stunden
kam Paul Geoffrion in Sicht, den ich dann noch vor North Pole überholt
habe. In North Pole mussten wir plötzlich die Startnummern
abgeben, obwohl es hiess, dies geschieht erst in Angel Creek. War
nicht gut geplant, da ich meine warme Jacke drüber hatte, die
dann schnell ausziehen musste um die "bib" abzugeben,
dass alles mit 14 zappelnden Hunden vor dem Schlitten, den nach
nur 3.5 Stunden gar nicht nach warten zumute war. Generell muss
ich ganz klar sagen, organisatorisch ist das Quest immer noch in
den Kinderschuhen.
North Pole
Nach
North Pole haben wir den Chena River verlassen und der Trail ging
im Wald weiter, dort haben dann schon die ersten Teams gerastet.
Ich hatte mir vorher einen Parkplatz ausgesucht, der sich dann aber
alles andere als ideal herausstellte, musste mir dann einen neuen
suchen. Auch der war nicht toll, bin one way in einen Trail gefahren,
dort dann mein Team umgedreht, dass es wieder in Fahrtrichtung zum
Questtrail zeigt. Leider war der Platz den ich mir ausgesucht habe,
eine Einfahrt zum Kennel von Rick Swenson, und dementsprechend befahren,
alles andere als ruhig für die Hunde. Auch waren meine Leader
Tang und Brownie zu nah zum Questtrail und haben bei jedem vorbeifahrenden
Team gekläfft, anstatt zu schlafen. Schlimmer noch, mein ganzes
Team hat nicht vernünftig getrunken, dass ist mit das schlechteste
was passieren kann, denn Dehydration ist der grösste Feind.
Normalerweise füttert man die Hunde vor einem Rennen die letzten
Tag kaum, damit sie richtig gierig werden, dass hatte ich wieder
mal nicht über das Herz gebracht, wider besseren Wissens, und
dafür sollte ich nun die ersten Renntage schwer büssen.
Emil Inauen hat in der Nähe auch gecampt und wir haben uns
gegenseitig besucht, anstatt, auch wie geplant, zu schlafen. Am
ersten Tag gleich alle Grundsätze über den Haufen geworfen,
nicht gut, ich war innerlich schwer sauer auf mich. Die Fahrt nach
Angel Creek war mehr oder weniger im Konvoi, ich konnte 3 Teams
hinter mir sehen und mindestens 4 vor mir.
Angel Creek
In Angel Creek angekommen, um 00.24 Uhr hiess das sehr sehr lange
auf den Check-in zu warten, dass in einer sehr windigen Ecke. Es
lief wirklich nicht besonders gut. Dann konnte niemand meine Dropbags
finden und Stroh gab es auch keines mehr, aghh, zum Glück hatte
ich selbst einen Ballen herausgeschifft. Im Vet Check, dann die
befürchtete Gewissheit, die Herzfrequenz von 5 Hunden ist zu
hoch, da sie dehydriert sind, schöner Mist. Und Skipper musste
ich gleich droppen, da er nun nicht nur am Hinterbein hinkt, sondern
wahrscheinlich beim Kompensieren der Verletzung sich nun auch noch
eine Zerrung in der Schulter zugezogen hat. Ich war schwer demotiviert
und Dieter und Gisela mussten mir viel gut zureden, ich hatte sogar
echt an Aufgeben in Angel Creek gedacht. Zumindest haben die Hunde
eine Mahlzeit alle gut gefressen, immerhin mal etwas. Als ich mich
zum Schlafen hinlegen wollte gab es niemanden der wusste, welches
die Mushercabin ist, wirklich ein Chaos in Angel Creek. Egal mich
in die erst beste Hütte gelegt, ich glaube, die war für
die Tierärzte reserviert. Dort 2 Stunden geschlafen und dann
wieder zu den Hunden. Wieder wollte keiner trinken, verflucht noch
mal, wieso habe ich sie vor dem Rennen nicht ausgehungert.
