Schlechter Start gutes Ende (Teil 2)
In Paxson hat Maaike wieder auf mich gewartet mir nen guten Parkplatz gesucht. Plötzlich hab ich entdeckt, ich hab meine Startnummer verloren, aber Catherine hat die am Berg gefunden. Alle Hunde haben gut gefressen und getrunken. Nur leider hab ich keinen vernünftigen Schlafplatz für mich gefunden, Paxson war ein neuer Checkpunkt und noch nicht alles reibungslos dort, aber c'est la vie für alle. Habe versucht in einem Regal zu schlafen, meine Klamotten zu trocken, ach ja war bei einer Bachdurchquerung gestolpert und ins Wasser gefallen.
Nach
8 Stunden Pause ging es um 13.20 weiter, aber wahahaha was ist das
denn, kack, piss, trödel, schleif ich bin bald kaum losgekommen.
Mist. Piano raus, Wondar rein, und ab ging die Post wieder, ganz
vergessen, dass Piano ja noch jung ist und sich dafür ganz
gut geschlagen hat. Guter alter Chevy, was hätte ich nur ohne
ihn gemacht, bloß nicht drüber nachdenken, und lieber
mit dem Berg(en) nach Meiers Lake beschäftigen. Aber auch die
gingen super dieses Mal, der Trail war hart vom Wind verweht und
ich musste weniger mithelfen als erwartet. Ich hatte 7 Stunden für
den 68 Meilen Run geplant, mit einem kurzen Snackstop nach 3.5 Stunden,
(wo mich Randy wieder mal überholt hat), aber ich war schon
um 19.40 in Sourdough, ca. 1 Stunde vor Schedule, geil. Hier wollte
ich 6 Stunden bleiben, es gab eine etwas unschöne Begebenheit,
hat doch Dee Dee Jonrowe Ihr Team genau so geparkt dass ich nicht
wieder wegkam, und trotz Aufforderung nicht im Traum daran gedacht
es dort nicht zu parkieren. Zum Glück war Ihr Mann etwas hilfsbereiter
und hat bei der Abfahrt mitgeholfen, so dass ich dort (zwar quer
über Ihr Team) reibungslos weg kam.
Der Trail geht gleich auf einen Fluss, oben drüber auf einer Brücke hab ich ein Team gesehen, dachte ich halluziniere, bei dem wenigen Schlaf (bisher 2 Stunden in 2 Nächten) nicht ungewöhnlich, aber dann kam mir plötzlich Randy entgegen schwer fluchend hat er wohl eine falsche Abzweigung genommen. Von Sourdough nach Wolverine sind es 60 Meilen eher flach und sehr einfacher Trail, dieses Jahr waren es glaube ich auch weniger als 60 Meilen. Randy und ich blieben immer in ca. 2 Minuten Abstand, die Hunde haben nach wie vor gut ihren Snack genommen (ich snacke nicht mehr so oft, seitdem fressen sie besser. In Sourdough hatte ich Dancer gedropped, er war immer noch nicht 100% bei der Sache also nur noch mit 11 weiter. Unterwegs um ca. 5 Uhr geht der Trail über den Crosswind Lake, dort ist eine Cabin und im Lampenschein sah ich jemanden rausrennen, beim Vorbeifahren hat derjenige mir eine Tasse Suppe in die Hand gedrückt, wortlos, morgens um 5 bei minus 20 Grad, irgendeinem unbekannten Musher, der noch nicht mal anhält oder langsamer macht. Unglaublich. Das sind Momente, die das Rennen fahren für mich ausmachen, wo ich weiß warum ich die ganzen Strapazen auf mich nehme. Da der Trail recht flach und monoton war, hatte ich schwer mit meiner Müdigkeit zu kämpfen. Plötzlich humpelt Chevy, von Hochstimmung in Panik in einer Sekunde, mein einziger Leader humpelt. Absteigen, ihn checken uff er hatte nur einen losen Bootie mit Schnee drin, den ausgezogen und weiter, yipee er humpelt nicht mehr. Nur noch gedämpft gute Stimmung, denn was ist wenn er doch mal lahmt??? Bloß den Gedanken wieder verdrängen.
Hier
habe ich gemerkt, das bei den Rennen extrem viel von der Psyche
des Mushers abhängt. Mücken werden zu Elefanten, die Müdigkeit
verzerrt die Realität, rationale Entscheidungen zu treffen
wird zu einer echten Herausforderung. Daher ist es meiner Auffassung
nach extrem wichtig sich möglichst vielen Rennen, auch verschiedenartigen
zu stellen und dort zu lernen mit den jeweiligen Problemen und Krisen
mental fertig zu werden. Dieses war nun mein 4. Rennen der Saison.
Bei allen hatte ich ganz gut abgeschnitten und doch kam mir irgendwann
bei allen der Gedanke an Scratchen, aufgeben. This is the challenge,
das wird die Herausforderung im Quest, dem zu wiederstehen.. Ich
hoffe mich haben die 4 Rennen dieses Jahr gehärtet und vor
allem der positive Ausgang positive Spuren bei meinen Selbstvertrauen
hinterlassen.
