Schlechter Start gutes Ende
Zum Copper Basin bin ich einen Tag früher angereist, schon am Donnerstag, und habe bei Dorothee und Bill im Fireweed Hill B&B gewohnt, ist mir lieber als ein anonymes Hotel. Aber ich war leider überhaupt nicht in Rennstimmung, zu viele Gedanken mit dem Business waren im Kopf, dort lief es nicht gerade reibungslos. Es ist schon erstaunlich, wie sehr im Kopf die Gedanken alles durcheinander bringen können.
William
Kleedehn hatte mir wie versprochen (auf den Mann ist Verlass) eine
Handlerin mitgebracht, Maaike. Das war eine große Erleichterung
und Maaike war auch voll motiviert bei der Sache, am Anfang mehr
als ich. Tang und Brownie, beides meine guten Leader habe ich im
Truck zurückgelassen, Brownie wegen erfrorenem Penis (im vorherigen
Rennen passiert) und Tang hat noch immer eine leicht geschwollene
Archillissehne. Da Zip permanent Krankgeschrieben ist (mit Schulter)
und ich Libby zuhause gelassen hatte, blieben mir nur noch Chevy
und bedingt Dancer als Leithunde die 100% Kommandos können.
Um die zu schonen bin ich mit Eagle und Circle aus dem Start gefahren,
ich hatte Nummer 8 gezogen, was mir sehr recht war, bei 40 Mushern
und bekanntermassen ist der Trail die ersten 50 Meilen eher zu weich
und je mehr Teams drüberrutschen, desto schlimmer.
Mein
Start war alles andere als gut, habe sofort gemerkt dass mit Eagle
und Circle das nichts wird, und bin nicht weit gekommen, keine 500
Meter, schon musste ich Leader wechseln, Circle raus, Dancer rein,
klingt einfach, aber das ganze spielte sich mitten im Ort auf einem
Parkplatz ab, an dem ich keinen Haken reinbekomme, die Hunde hinten
noch viel zu fit sind, einfach Chaos. Flutsch schon gleich in den
ersten Metern von 3 Teams überholt, aber schlimmer, ich mental
gestresst. Das wiederum hat sich auf den sensiblen Dancer übertragen
nur mit dem Erfolg, dass ich ihn auch wieder rausnehmen musste und
Chevy rein... also meinen einzigen guten Leader. Dann wollte Eagle
wieder mit Chevy nicht, aghhhrrrrr wen denn nun nehmen??? Piano
war noch nie im Lead, ist aber genau hinten dran, also rein. Klitschnass,
superfrustriert war ich so nach einer halben Stunde endlich halbwegs
unterwegs. Bloß nichts mehr ändern und bloß nicht
wieder anhalten, aber was ist denn das... Dancer zieht nun auch
noch zurück ich krieg nen Koller, also wieder anhalten, rein
in den Schlitten, nach ca. 1 Stunde Fahrzeit..... ich glaube es
nicht, bei 300 Meilen nach 10 Meilen den ersten Hund im Schlitten...
einen der wenigen Erfahrenen im Team. Frust und weiter Frust. Aber
mit Piano und Chevy lief das gut, es kam Ruhe ins Team, und die
liefen ganz gut vor sich hin. Hab dann angefangen einige Teams zu
überholen, was mir sehr recht war, je weniger auf dem punchy
Trail vor mir waren desto besser, irgendwann waren das dann nur
noch 3 Stück. Nach 5.5 Stunden war ich dann in Chistochina,
dem ersten Checkpunkt, Maaike war eine große Hilfe beim Einparken
- das Futter machen und die Checkpunkt Routine liefen soweit gut.
Dancer von den Tierärzten untersuchen lassen, die finden nix,
hm ist das alles nur mental, wegen dem schlechten Start? Im nachhinein
war es glaube ich gut, dass ich so viel Stress hatte, denn von Null
auf Hundert waren meine Gedanken von Blue Kennels weg, und 100%
beim Rennen. Ich muss zugebe, ich habe an Scratchen gedacht in Chistochina,
denn nur mit Chevy als Leader noch 250 Meilen au ha. Irgendwann
gar nicht mehr drüber nachgedacht, um 20.50h war meine Zeit
zur Abfahrt, die gleiche Zeit wie John Schandelmeier, geil, den
mag ich sehr gern. Pünktlich ging es los, von John keine Spur.
Piano
sich ein paar mal umgeschaut aber dann munter mit Chevy weiter,
leider beide nicht im Trab, natürlich gleich wieder Krisengedanken,
ob das die Schultern mitmachen etc. Zum Glück geht es aus Chistochina
gut bergauf, da kam echt Ruhe ins Team, mich haben John Schandelmeier
und Randy Chappel überholt, aber blieben immer in Sichtweite.
Der Weg über den Summit ist einfach traumhaft, bei Mondschein
durch die Denali Mountains, da waren plötzlich alle negativen
Gedanken weg. Da ist ein dicker Berg drin, der mir aber dieses Mal
gar nicht so steil und schlimm vorkam. Auch waren die Trailbedingungen
idealer als in bisherigen Rennen, die Temperaturen perfekt mit minus
20 Grad. Der Lauf nach Paxson war 78 Meilen und nach ca. 8.5 Stunden
war ich dort, mit allen 12 Hunden, Dancer hat wieder gezogen. Unterwegs
hatte ich auch wieder John und Randy überholt und dann diese
Geschichte mit den Skistöcken ausprobiert, d.h. im Rhythmus
den Hunden mitgeholfen. Den ersten Skistock hatte ich schon vor
Chistochina verloren, im Schnee stecken geblieben, aber Martin Buser
hat mir den mitgebracht, mit der Bemerkung "put your hands
in the loops", schäm.
